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Berufsorientierung: Warum das Schülerpraktikum für die Katz ist und was viel besser wäre

Veröffentlicht: 13. Januar 2015Kategorien: Organisation und Transformation

Paul drehte Däumchen, Alexander hing bei Daddy in der Bank ab und verdödelte die Flatrate fürs Smartphone. „Immerhin, am Ende bekam Klara sogar einen Einkaufsgutschein“, kommentiert Papa das Schülerpraktikum leicht ironisch. 14 Tage sollen auch Gymnasiasten die Berufswelt kennenlernen, wenn sie 14 Jahre alt sind. Ein Jahr vorher müssen sie sich bewerben. Und das Drama nimmt seinen Lauf…

Ich bin in diesem Fall selbst betroffen. Mein Sohn soll auch so ein Praktikum machen. Nichts ist schwieriger, als eigene Kinder zu beraten. Was mir normalerweise leicht fällt – erkennen, welche Stärken jemand hat, und wo diese gut andocken und wachsen können –; hier versage ich auf ganzer Linie. Dabei weiß ich, wie gut es jungen (und auch älteren) Menschen tut, wenn ein Impuls zu einer Idee wächst. „Meinst du wirklich, ich kann das? Ich würde das können?“ Es ist großartig, wenn jemand einen Ball auffängt, dem man ihm/ihr zuspielt. Zum Entsetzen der Familie, aber aus meiner Sicht begründet, brachte ich die Juristerei ins Gespräch – und die stieß beim Sohn wirklich auf fruchtbaren Boden. Danach “was mit Finance”: welcher 13jährige schaut sonst schon Börsennachrichten?

Schülerpraktikanten sind beliebt wie Schweißfüße

Nur finden Sie mal ein Schülerpraktikum in einer Kanzlei, am liebsten, klar, bei einem Strafverteidiger oder bei Gericht. „Maximal Amtsgericht“, nordeten mich die Richter-Bekannten aus großelterlicher Ecke ein. Versuch gewagt – Absage, unfreundlich und kalt, nicht kindgerecht. Zu dem Termin wäre das nicht möglich. Dabei sollte doch in der Kommune, in der die Schule ist, ein einheitlicher Termin für alle auf dem Plan stehen? Die müssten sich doch zumindest in den Institutionen die zwei Wochen im Kalender angestrichen haben? Offenbar nicht.

Ok, ich merke; es wird  zumindest nicht leicht: Wir finden kein Gericht, und auch die mir direkt oder um Ecken bekannten Strafverteidiger reißen sich nicht um Schülerpraktikanten. Manche haben es versucht mit diesen sehr jungen “Mitarbeitern”, aber es war leider … naja. Ist klar, oder?…. Ich kenne eine Reihe Vertrags- und Verkehrsrechtler, mit etwas Überzeugung…? Aber da schüttelt Sohn den Kopf. Versteh ich, man will ja nicht nur Papier und Paragrafen sehen. Schwieriges Feld.

Mittel, die ich sonst ablehne

Ich greife in der Not zu Mitteln, die ich eigentlich ablehne. Das verpflichtende Berufsprofiling (anscheinend lukrative Einnahmequelle für den Herausgeber) war schon mal keine Hilfe, auch wenn es groß angepriesen wurde, und das Arbeitsamt den Kindern etwas von Bäckern erzählt hat und wie man Bewerbungen schreibt. Vielleicht findet sich doch noch ein anderer Ansatz, eine andere Idee für ein Praktikum. Schülerpraktika müssen ja nicht in das Feld führen, indem man arbeiten will. Ich schlage die Polizei vor. Oh, ne, das machen alle!

Gemeinsam absolvieren wir Tests, u.a. bei Berufsprofiling.net, von der ZEIT empfohlen. Die kombinieren Interessentests und Potenzialanalyse. Vom Ergebnis erhoffe ich mir aus Erfahrung wenig, aber vom Dabeisitzen und Fragenbeantworten die eine oder andere Erkenntnis.  Es war gut, dass ich 70 Minuten dran geblieben bin, denn nur deshalb kann ich ziemlich sicher sagen, dass dieser Test nicht besonders viel taugt. Fragt sich, warum das die ZEIT nicht bemerkt hat.

Das Hauptinteresse meines Sohnes waren eindeutig Rechtsthemen, danach Finanzen. Im Ergebnis, als Empfehlung, wurden Rechtswissenschaften jedoch nicht empfohlen, sondern BWL. Überhaupt finden sich in diesem Bericht ebenso wie dem von Geva und anderen nur die bekannten “Haupt”-Fächer. Wirtschaftsjura z.B. oder neuere Fächer tauchen nicht auf. Nicht mal der Hinweis, dass man z.B. Sportingenieurwesen studieren könnte oder Medizintechnik. Oder dass es Berufsausbildungen wie den Milchtechnologen gibt. Ich habe spaßeshalber bei Berufsprofiling auch den Ingenieurtest gemacht – hier wäre die Chance zur Differenzierung der Vorschläge da gewesen! Letzte Woche hatte ich über die Fortschritte der Digitalisierung geschrieben – hier wäre viel zu tun.

Was wird da verglichen? Höchst unklar.

leistungDer kognitive Teil des Tests ermittelt u.a. Offenheit für Neues, Gewissenhaftigkeit und Leistungsmotivation. Leistungsmotivation messen? Mit 13? Wenn jemand in diesem Alter merkt, dass er/sie mit minimalem Aufwand eine zwei bekommt, steckt er normalerweise nicht maximalen Fleiß in eine eins. Das ist, nun ja, altersspezifisch. Ob das einfließt – indem man 13jährige auch nur mit dieser Altersgruppe vergleicht? Mir scheint: nein.

Da ich die Fragen gesehen habe und über Grundwissen in der Testkonstruktion verfüge, wundere ich mich sehr. Informationen, welche Items da überhaupt in welches Konstrukt einfließen – Pustekuchen. Auf meinen Sohn haben die Ergebnisse insgesamt eine ungünstige Wirkung. Er schimpft laut über die vergeudete Zeit. Ich weise darauf hin, dass die überdurchschnittliche Problemlösekompetenz ja auch schon mal ein Anhaltspunkt ist. Nur welcher: Ob da jetzt aber der Matrizentest maßgeblich war oder der rein mathematische Teil? Das lässt sich nirgends erfahren. Gar nicht berücksichtigt wird der verbale Teil, der uns mindestens 15 Minuten gekostet hat – solches Übergehen finde ich schwierig, wenn sich jemand für so einen Test, kostenlos hin oder her, so viel Zeit nimmt. Dann muss man bitte auch sagen, welche Bereiche nicht in die Auswertung kommen. Und zwar bevor man den Test beginnt.

Was zum Teufel bedeutet unternehmerisch-planend?

Die ganze Aufbereitung ist schwierig. 1. Platz: Unternehmerisch-planend. Meinem Sohn sagt das ganze Testergebnis nichts; er versteht es nicht.

berufprofilingAls zweite Empfehlung kommen die Finanzen, als dritte: Was Kreatives. Man hatte nach Hobbies gefragt, und eines ist in der Tat Musik. Aber: Auch hier wird keine kreative Berufsempfehlung gegeben, sondern die Klassiker einfach aufgezählt: Innenarchitektur, Gestaltung, Goldschmied etc. Kein Spieledesigner? Kein einziger digitaler Beruf? Für mich ist klar, dass der Potenzialteil vom Interessenteil getrennt ist, die Berufsempfehlungen also rein auf dem Ankreuzen der Interessen beruht – ob das auch ohne Testwissen deutlich wird, bezweifle ich. Es könnte also der Eindruck erweckt werden, die Empfehlungen beruhten auf Erkenntnissen des kognitiven Teils (der Übungen). Dem ist nicht so.

Aber auch die Verarbeitung der Interessen ist nicht klar: Ich sehe, dass das Thema Recht da nicht reingeflossen ist. Nach Politik und Geschichte wurde erst gar nicht gefragt. Auch nicht nach Programmierinteresse und digitalen Themen.

MINT-Kompetenz spielte in dem Test übrigens keine Rolle. Wieso eigentlich nicht? Wieso gab es keine Berufsempfehlungen in dieser Richtung? Keine einzige Frage, ob Interesse am Programmieren besteht! Wer beklagt sich da bitte über das Desinteresse an MINT? Die Themen der Zukunft der Arbeit finden in den Interessentests nicht statt, kommen also auch nicht auf die Studien- und Berufsempfehlungslisten.

Programmierinteresse: Wird gar nicht abgefragt

Und nun? Ach ja, das leidige Praktikum.  „Wenn du gar nicht weiterkommst, dann schick ihn zu uns“, sagen Bekannte mit Firma. Nun gut, ich kann die Jungs auch bei mir abhängen lassen. Das kann ja wohl nicht der Sinn sein? Spielefirmen interessieren ihn sehr. Vielleicht bewerben wir uns jetzt da….

Wenn mich jemand fragen würde, ach ja: irgendwann in der Rente gehe ich vielleicht doch in die Bildungspolitik, da hätte ich so viele Ideen! Es ist doch so, dass die meisten nach dem suchen, was sie ohnehin schon kennen oder was anfassbar ist (wie Mode). Viel wichtiger wäre es doch, schon in der Schule Arbeitsbereiche kennenzulernen, die einem verschlossen sind! Und die man deshalb NICHT interessant findet, weil da gar kein Bezug zu da ist! Das wäre so ungleich effizienter als dieses Schülerpraktikum, das keiner richtig will…

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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15 Kommentare

  1. Uwe Mock 13. Januar 2015 at 9:10 - Antworten

    Liebe Svenja,

    auch bei mir landen Anfragen für Schülerpraktika – und zwar aus ganz Deutschland. Erst durch die Anfragen erfahre ich die Termine. Wie sollte ich sie sonst erfahren? Es mag sein, daß einzelne Kommunen einheitliche Termine haben (ich weiß nicht, ob das so ist!). Ich bekomme diese Termine aber nicht mitgeteilt, und ich wüßte auch nicht, wo ich sie erfahren könnte. Abgesehen davon dürfte es zumindest in den Bundesländern unterschiedlich sein. Soll jede Firma zum Schuljahresbeginn in allen 16 Bundesländern nachfragen, wann die Schülerpraktika geplant sind, und dann alle Termine für mögliche Interessenten freihalten? Nicht wirklich…

    Auch eine Absage ist eine Lernerfahrung.

    • Uwe Mock 13. Januar 2015 at 12:16 - Antworten

      Ich habe mal gegoogelt und bei gutefrage.de die Information gefunden, daß jede Schule den Zeitraum für das Schülerpraktikum selbst festlegen kann.

      Bei Audi habe ich für den Standort Ingolstand 4 Terminangebote gefunden, für den Standort Neckarsulm 3 Termine. Die Polizei Baden-Württemberg bietet sage und schreibe 8 Termine an.

      Viel Spaß beim Anstreichen im Kalender… 😉

      • Svenja Hofert 13. Januar 2015 at 13:34 - Antworten

        Hallo Herr Mock, Dankeschön für die Info. Dann sollte das geändert werden, damit sich die örtlichen Institutionen auf einheitliche Termine einstellen können. Zumindest im regionalen Umfeld sollte das doch möglich sei. LG Svenja Hofert

    • Svenja Hofert 13. Januar 2015 at 13:45 - Antworten

      Hallo Herr Mock, da gebe ich Ihnen 100% recht, das wäre Aufgabe der Schule. Das Praktikum darf auch nur im Umkreis stattfinden, zumindest ist das so bei uns. Und örtliche Institutionen sollten sich auf Termine einstellen können. Absage: Vollkommen klar, ist ein Learning – das ist nicht der Punkt. Finde ich auch gut, dass man das erlebt. LG Svenja Hofert

  2. Angela Raab 13. Januar 2015 at 10:41 - Antworten

    Liebe Frau Hofert,
    Ihren Beitrag kann ich leider nur in Teilen unterstützen. Ja – die von Ihnen beschriebenen Berufsorientierungstests sind weit weg von den Realitäten und filtern nur spezielle Berufsfelder. Das hier dringendst Überarbeitungen angebracht wären, steht außer Frage. Letztlich ist dies auch der Tenor Ihres Beitrags.

    Aber dennoch halte ich das Schülerpraktikum durchaus für wertvoll. Natürlich kann es sein, dass einige Unternehmen immer noch nicht die Chance erkannt haben, qualifizierten Nachwuchs einen Einblick in mögliche Berufsfelder zu geben. Aber ich glaube doch, dass sich dies nur noch wenige Unternehmen erlauben und selbst wenn – es gibt ja immer schlauere Wettbewerber.

    Ich weiß definitiv von einer Vielzahl von Schülern, die interessante Praktikantenplätze gefunden haben und sich während dieser Zeit intensiv mit dem jeweiligen Berufsbild auseinander setzen konnten. Wichtig waren für die Schüler dabei jeweils auch, Informationen zu bekommen, wo und welche Ausbildungsmöglichkeiten es überhaupt gibt. Diese Möglichkeit sollte man den Schülern auch nicht nehmen. Deswegen plädiere ich weiterhin eher für die Ausweitung dieser Schülerpraktika. Vielleicht hängt es auch ein wenig an der Region (bei uns eher ländlich), bei denen Schulen jeweils stark mit den angesiedelten Unternehmen kooperieren. Es wäre eher Öffentlichkeitsarbeit der Schulen gefragt, um Unternehmen auf Chancen im Nachwuchskräftebereich hinzuweisen, die sich durch gut durchgeführte Praktika ergeben können.

    • Svenja Hofert 13. Januar 2015 at 13:42 - Antworten

      Hallo Frau Raab, ich sage ja nicht, dass das Praktikum grundsätzlich falsch ist. Es ist die Art, wie das Thema angegangen und eingebunden wird. Es muss verwoben sein mit viel mehr Informationen über den Arbeitsmarkt. Und 14 ist für Abiturienten, die mit höherer Wahrscheinlichkeit Wissensarbeiter werden, aus meiner Sicht zu früh. Wie es im Moment angegangen wird, führt es dazu, dass man dahin guckt, wo man sowieso hinschauen würde. Die Arbeitswelt heute findet zu großen Teilen am Computer statt, d.h. im Büro. Das ist für Jugendliche aber höchst langweilig, zumal sie kaum an wirklich interessante Themen herangelassen werden. Kaum einer unserer Klienten erinnert sich an Learnings aus seinem Schülerpraktikum. Gut, da könnte man argumentieren: Wer darüber schlauer geworden ist, taucht hier nicht auf. Einige hat es verwirrt, das Wissen über die Arbeitswelt hat es dagegen kaum oder sogar gar nicht erhöht. LG Svenja Hofert

      • Angela Raab 14. Januar 2015 at 10:09 - Antworten

        Liebe Frau Hofert,
        da gebe ich Ihnen durchaus recht. Es muss sehr viel mehr und transparenter kommuniziert werden. Vor ein paar Jahren gab es bei uns mal eine Initiative von ansässigen Unternehmen, die eine kleine Broschüre für die Schulen herausgebracht haben. Darin wurden die verschiedenen Berufsausbildungen, die bei ihnen machbar sind, vorgestellt. Da waren auch sehr interessante Berufe dabei, auf die man nicht so eben kommt. Und ich nehme auch bei der Praktikadurchführung wieder verstärkt die Schulen in die Pflicht. Es muss schon kontrolliert werden, ob das Praktikum seinen Sinn erfüllt hat.
        Mfg Angela Raab

  3. Mathilda 13. Januar 2015 at 11:33 - Antworten

    Ich habe mit 15 oder 16 auch ein Schülerpraktikum zur Berufsorientierung am Gymnasium machen müssen. Damals habe ich mich für ein Jurastudium interessiert und insgesamt 4 kleinere Kanzleien in der Umgebung angeschrieben. Wenn ich mich recht erinnere, kamen 2 Absagen und 2 Zusagen, von denen ich gleich das Erste genommen habe. Ein sehr freundliches Telefongespräch, ich war ja so nervös, und dann 1 Woche Praktikum. Die Woche war sehr ruhig, ich konnte ein wenig in Akten reinschauen und durfte die Anwälte zu Gericht begleiten und bei einer Anwältin im Erstgespräch mit einem Mandanten dabei sein. Der Vorteil der kleinen Kanzlei und der Autofahrten zu den Gerichtsterminen bzw. dem Kaffee trinken in einer kurzen Pause war, dass ich viel Gelegenheit hatte, Fragen zum Berufsbild und zum Studium zu stellen. Das habe ich – soviel man das mit 15 eben kann – auch genutzt. Nach dem Praktikum wusste ich zwar immer noch nicht, dass man als Jurist auch in einem Unternehmen (und im Prinzip überall) arbeiten kann (das hätte mir mal jemand sagen sollen!), aber ich wusste, dass es mir deutlich zu viel Papierkram und Schreibtischarbeit war. Zu viel Paragraphen, zu wenig Mensch. Trotz mancher eindeutiger Fehleinschätzung des Berufsbildes war diese Beobachtung, die ich aus dem Praktikum mitgenommen habe, für mich genau die richtige. Daher sehe ich die Schülerpraktika wirklich als eine Chance – wenn man selbst versucht, dabei auch so viel wie möglich herauszuholen. Ich drücke Ihrem Sohn also für einen guten Praktikumsplatz die Daumen!

    • Svenja Hofert 13. Januar 2015 at 13:35 - Antworten

      Hallo Mathilda, Dankeschön für den Kommentar. Das stimmt, kleine Institutionen haben den Vorteil, dass man viel fragen kann. Wird schon klappen. Alles Gute 🙂 Svenja Hofert

  4. Silke Bicker 14. Januar 2015 at 0:49 - Antworten

    Hallo,

    ich erinnere mich noch gut an mein Betriebspraktikum. Bei einer Tierarztpraxis, die auch den Zoo mitbetreute, habe ich viel über die Berufe Arzt und -helfer/in gelernt. Von den typischen “Aufwisch- und Hygienearbeiten” bis zu den spannenden wie bei OPs zugucken, kleinere Labortätigkeiten ausführen, Hunden die Zähne zu putzen (kostet Tierhalter nach einer OP Aufschlag, den sie oft gar nicht bemerken…). Das erste Mal einen großen Papagei im Handtuch im Arm halten, Schildkröten festhalten etc.

    Sehr abenteuerlich und faszinierend. Zwar arbeite ich heute nicht in einer Praxis, habe damals aber viel mitgekriegt und durfte mit anpacken.

    Doch, es gibt sie, die netten Arbeitgeber, die auch Schülern während zweier Wochen Betriebspraktika etwas zu tun geben 🙂

    • Svenja Hofert 14. Januar 2015 at 10:06 - Antworten

      Hallo, Dankeschön für den Hinweis. Ja Tierarzt ist natürlich toll und fassbar. Ähnlich wie vielleicht Arzt, Umwelt, Forstwirtschaft, Bäckerei oder Handwerk generell. Finde ich ganz toll und hilfreich. Wenn man es schaffen würde auch digitale Themen und Wissensarbeit interessant zu verpacken, wäre das klasse. Das sind nun mal die meisten Jobs. Und das geht. Aber nicht in der Form wie aktuell 😉 LG SH

  5. Carolin 14. Januar 2015 at 22:14 - Antworten

    Hallo,

    ich kenne mittlerweile beide Seiten und auch wenn mein eigenes Schülerpraktikum schon mehr als 10 Jahre her ist, habe ich noch gute Erinnerungen daran. Ich bin über drei Ecken im Stadtarchiv Münster gelandet, wo man offenbar mit Praktikanten nicht viel anzufangen wusste.
    Viele meiner Freundinnen waren in der Grundschule, im Kindergarten oder tatsächlich bei Juristen (durften da allerdings nur Kaffee kochen und kopieren). Also wirklich alles Berufe, mit denen man sich im täglichen Leben umgeben fühlt. Ich hätte mir von meiner Schule gewünscht, dass auch alternative Berufsfelder aufgezeigt werden, aber von der Seite aus gab es gar keine Unterstützung.
    Traurig zu hören, dass es noch immer nicht anders ist …
    Herzliche Grüße!

  6. Obstmann 15. Januar 2015 at 16:32 - Antworten

    Mir ist Ihre Weltsicht zu eng. Auch wenn Ihr Sohn hochbegabt ist, wird er sich keinen Zacken aus Krone brechen, wenn er kein Praktikum als “Wissensarbeiter” macht. Es gibt jede Menge Stellen bei Dienstleistung, Handel oder Handwerk, die den jungen Menschen vermitteln, dass Berufsleben eben nicht nur am Computer stattfindet. Anwaltskanzleien, Agenturen und Co. sind nicht der richtige Platz dafür, zumal den allermeisten Schülern das Hintergrundwissen fehlt, um das Praktikum nutzen zu können. Aber dass zukünftige Ärzte als Pflegehelfer ins Krankenhaus gehen, der angehende Tourismusmanager ins Hotel oder Mountainbike-Fan ins Fahrradgeschäft mit angeschlossener Werkstatt – das finde ich absolut sinnvoll.

    • Svenja Hofert 16. Januar 2015 at 19:23 - Antworten

      Hallo, nene, der ist nicht hochbegabt 😉 Sie haben absolut recht, der Gedanke ist gut: es muss nicht der konkreten Berufsorientierung dienen. Dann bitte sollte es aber auch so kommuniziert werden – mir fehlt die Einbettung. Der vorhergehende Berufswahlpass zielt nämlich auf KONKRETE Berufsorientierung. Die Schüler sollen sich erst analysieren und darauf basierend ihr Praktikum wählen. Ohne das, anders anmoderiert, wäre es auch aus meiner Sicht viel besser. Mehr Offenheit und Entspanntheit und Ausprobieren können – dass ist eine Richtung, in die man mehr denken sollte. Das muss man den Schülern aber sagen; nicht der Fall. Das Projekt beginnt mit dem Berufswahlpass, es folgt ein Termin mit dem Arbeitsamt, dann Praktikum. LG SH

  7. Markus Oberender 15. Januar 2015 at 20:51 - Antworten

    Mir hat mein Schülerpraktikum damals schon sehr geholfen. Ich habe mich damals für den Beruf des Einzelhandelskaufmanns interessiert, hatte aber keine Vorstellung was genau dessen Aufgabe im Unternehmen ist. Das Praktikum war mein erster Kontakt mit der Berufswelt und sehr aufschlussreich.

    Meine damaligen Lehrer hatten mir dringend abgeraten von dem Praktikumsplatz beim örtlichen Discounter, da man dort doch nur als billiger “Regalauffüller” missbraucht wird. Das Praktikum war dann auch nicht wirklich gut und ich habe nur Regale aufgefüllt. Aber ich hatte einen halbwegs realistischen Eindruck von dem Beruf bekommen. Das hat mich dann auch darin bestärkt, das Abitur zu machen und studieren zu gehen.

    Meine Schulkollegen haben dagegen überwiegend Praktika in Bereichen gemacht, die sie gar nicht interessiert haben. Die sind dann in irgendwelchen Büros eine Woche lang herumgesessen und haben sich gelangweilt.

    Ein Schülerpraktikum ist schon wichtig. Man sollte aber das ausprobieren, was einen wirklich interessiert. Nur dann macht es Sinn. Wer es nur als “Pflichtveranstaltung” sieht, hat natürlich nichts davon.

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