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Julian Assange und die neue Macht der Whistleblower

Veröffentlicht: 19. Dezember 2010Kategorien: Organisation und Transformation

Lange waren die Whistleblower allein, niemand wollte sie hören, außer vielleicht die EAP-Hotline* ihres Unternehmens.  Ein Haufen Querdenker, Querschläger und Moralisten, die die illegalen, geheimen oder aus anderen Gründen untragbaren Machenschaften ihrer Unternehmen und Institutionen weder mitmachen noch mittragen wollen. Anzeigen müssen sie sie nicht, denn in Deutschland besteht außer für Vollzugsbeamte keine Pflicht, Rechtsverstöße zu melden wie illegale Preisabsprachen, Korruption oder Datenschutzverletzungen. Bereits in meinem Beitrag “Denn sie trauen sich was zu tun” habe ich das Thema aufgegriffen, in dem es u.a. auch in meinem Buch “Jeder gegen Jeden” ging.

Neue Plattformen

Drei Jahre später, Wikileaks sei dank, bekommen Whistleblower täglich neue Plattformen, anonym Informationen hochzuladen, die dokumentieren, wie Unternehmen oder Institutionen Dinge tun, die nicht korrekt, verboten oder mindestens moralisch zweifelhaft sind. Gerade hat die WAZ eigens einen Kanal dafür eröffnet, dem Zdnet derzeit noch Sicherheitslücken attestiert. Die hier übermittelten Daten sollen Grundlage für weitere Recherche durch das Redaktionsteam sein.

Verrat oder Pflicht?

Für mich ist unter Karriereaspekten vor allem die Grenze zwischen Whistleblowing und dem Verrat von Firmengeheimnissen interessant. Darf ein Mitarbeiter seinen Abteilungsleiter, der gerade etwas Schmiergeld überwiesen hat, dafür anschwärzen? Ein Beamter darf es übrigens nicht. Einem angestellten Bürger ist es immerhin freigestellt.

Falle Arbeitsrecht

Die Rechtslage steht aber nicht auf Seiten der Whistleblower.  Auf der einen Seite gibt es, siehe oben, keine Anzeigepflicht, auf der anderen Seite steht das Arbeitsrecht. Über die komplizierte Rechtslage lässt sich hier mehr erfahren. Es ist sogar so, dass dem Mitarbeiter, der Machenschaften anzeigt, gekündigt werden kann. „Wenn der Betriebsfrieden nach Definition des Arbeitgebers gestört ist, ist eine Kündigung rechtens. Dies gilt etwa auch für „whistleblower”… Eine Kündigung ist dann rechtens, unabhängig vom Wahrheitsgehalt“, schreibt das Whistleblower Netzwerk.

Deshalb tun Whistleblower letztendlich gut daran, verdeckt zu arbeiten und die Medien zu nutzen. Und sie sollten sich schützen. Assange hat dazu einen Whistleblower-Guide erstellt, der bei Youtube abrufbar ist.

*EAP =  Employer Asssistence Program, eine externe und anomyme Mitarbeiterberatung, auf die viele große Unternehmen zurückgreifen.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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One Comment

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