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Originelle Initiativbewerbung: Arbeitssuchender geht mit eigenem Kalender in Bewerbungsmarathon

Veröffentlicht: 2. Februar 2015Kategorien: Organisation und Transformation

Fachkräftemangel, Sie kennen meine Haltung dazu. Es gibt ihn nicht. In vielen Bereichen besteht ein unglaublicher Überschuss an hochqualifizierten Bewerbern, so auch in der politischen Kommunikation, dem Journalismus und der Pressearbeit. Alexander Hauk ist jemand, der das am eigenen Leib erlebt und der seine Konsequenzen gezogen hat. Der Lebenslauf bei Xing ist lupenrein: Korrespondent , Pressesprecher, Weiterbildung. Trotzdem, Leute mit so einem Lebenslauf gibt es immer noch genug. Hinzu kommt: Es gibt Arbeitgeber, die lieber die „Uschi aus Herne als die Ulrike von Harvard“ wollen, wie mich Spiegel Online 2010 zitierte. Hauk will gefunden werden. Dazu hat er eine Guerilla-Strategie entwickelt und mit einer Fotografin einen Kalender geschaffen, der zeigt, wie politische Kommunikation funktionieren kann. Das ist seine Bewerbung. Ich habe ihn gefragt, wie es läuft.

HaukStellen Sie sich kurz vor!

Mein Name ist Alexander Hauk, ich bin 39 Jahre alt, habe in München Politikwissenschaften studiert und lebe mit meiner Verlobten in Berlin und in Hamburg. Seit 15 Jahren arbeite ich in verschiedenen Positionen im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung. Bis Ende vergangenen Jahres habe ich in einer befristeten Anstellung bei einer Berliner Agentur als Berater und Redakteur im Team “Politische Kommunikation” gearbeitet. Zuvor war ich unter anderem als Pressesprecher bei einem international tätigen Energiekonzern und Pressereferent bei einer Berufskammer tätig. Im Moment suche ich eine neue berufliche Herausforderung als Pressesprecher oder in der Interessenvertretung. Die Zeit bis dahin nutze ich für zwei Weiterbildungen: Ich absolviere eine Fortbildung zum Projektmanager und parallel ein Kompaktstudium zum Manager Public Affairs.

Welchen kreativen Weg sind Sie gegangen?

Für meine Bewerbungen habe ich mit der Werbefotografin Sophia Lukasch einen außergewöhnlichen Fotokalender gestaltet. Weil ich gesellschaftspolitische Themen und Wahlkämpfe mindestens genauso spannend finde, wie andere Leute die Fußball-Bundesliga, haben wir einen Wandkalender zu verschiedenen politischen Themen erstellt. So haben wir zum Beispiel die Themen Klimawandel, Datenschutz, Bildung und Pressefreiheit aufgegriffen. Ergänzt werden die Fotos durch kurze Texte mit Zahlen aus Studien. Die Herausforderung bestand darin, neutral zu bleiben und trotzdem den Betrachter zur Diskussion anzuregen. Verbindendes Element auf allen Monatsmotiven ist ein Astronaut, der auf allen Motiven auftaucht. Wir haben ihn Protestonaut getauft, zusammengesetzt aus dem lateinischen Wort „protestari“ (öffentlich bezeugen) und der griechischen Silbe „-naut“ (Matrose).

KALENDERA3_AUSGABE.inddWorum so – und nicht klassisch?

Da ich zuletzt in einer befristeten Anstellung tätig war, beobachte ich seit mehr als einem Jahr aufmerksam den Arbeitsmarkt. Auf für mich interessante Stellen bewerben sich oft mehr als 300 qualifizierte Kandidaten. Ich habe mich gefragt, wie ich mich aus dieser Bewerberflut abheben kann und hatte die Idee zu dem Kalender. Ich nutze ihn überwiegend für Initiativbewerbungen. Auch wenn aktuell keine Traumstelle frei sein sollte, hängt unser Kalender im besten Fall ein Jahr lang als Reminder an der Bürowand der Personalverantwortlichen. Einige Exemplare des Protestonaut-Kalenders waren außerdem über die Fotografin erhältlich und konnten auch über den Buchhandel bestellt werden. Jeder Euro, den wir einnahmen, ging in die Stellensuche.

Wie viel Resonanz haben Sie bekommen?

Im Zusammenhang mit meiner Stellensuche gab es bisher zwei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Das ist nicht besonders viel, aber mit Blick auf den Arbeitsmarkt dennoch ein kleiner Erfolg. Die Antworten stehen noch aus, aber ich bin da ganz zuversichtlich. Insgesamt waren die Rückmeldungen überwältigend. Uns unbekannte Menschen haben uns gratuliert. Viele Medien haben über den Kalender berichtet. Selbst aus dem Bundespräsidialamt gab es ein Lob. Inzwischen haben wir die erste Ausstellung hinter uns und die nächste ist in Planung.

Was mussten Sie genau dafür an Zeit investieren?

Das lässt sich schwer sagen, weil das Projekt ursprünglich ganz klein gestartet ist und dann eine unvorhersehbare Eigendynamik entwickelt hat. Die Motive und Texte sind in unserer Freizeit, überwiegend am Wochenende, entstanden. Außerdem haben uns viele Freunde bei der Entstehung unterstützt. Für die Aufnahmen waren wir in ganz Deutschland unterwegs. Insgesamt stecken mehrere hundert Arbeitsstunden in dem Fotokalender, hier zu sehen. Die Kosten dafür und für die beiden Fortbildungen betrachte ich als gute Investition in den künftigen Arbeitsplatz.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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