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Unmoralische Angebote

Veröffentlicht: 28. Januar 2010Kategorien: Organisation und Transformation

Der Arbeitsmarkt zeige sich robust, behauptet die Bundesagentur für Arbeit heute. Solche Aussagen verdecken, was hinter manchen Kulissen passiert. Dort wird teilweise heftig am Gehalt gespart. Besonders deutlich wird dies in der Medien- und Verlagsbranche. Hier scheinen sich die Redaktionen mit grenzwertigen Gehältern und – noch mehr – Honoraren  gegenseitig zu unterbieten. 120 EUR Tagessatz, 10 EUR in der Stunde: Und das für gut ausgebildete Akademiker, oft mit Volontariat. Viel zu wenig zu leben – aber es gibt ja aufstockendes Arbeitslosengeld II, aus Steuergeldern finanziert. Möglich ist dies aufgrund der Schwemme hochqualifizierter Neu-Arbeitsloser, die allesamt von der BA aufgefordert werden, zu gründen, weil fest ohnehin nichts zu finden sei. Altgediente Redakteure werden entlassen, jüngere für viel weniger Geld eingestellt. Das kennen wir schon aus anderen Branchen, aber hier ist es extrem. Weil die Freigesetzten sich alle selbstständig machen (müssen). Dann kommen sie, nebenbei gesagt, auch nicht in die Arbeitslosenstatistik.

Beim Dumping sind die Akteure besonders tricky und drücken gern auf die Mitleidstube. "Wir können einfach nicht mehr zahlen." Oder: "Ich habe auch für so wenig angefangen." Gleichzeitig agieren die Medienleute – vor allem Journalisten und Designer – in vorauseilendem Gehorsam und protestieren nicht: So schlecht wie es aussähe, könne und dürfe man nichts fordern, glauben viele.

Falsch. "Es geht einfach nicht mehr" ist eine super funktionierende Beeinflussungs-Strategie. Wenn Betreiber von Agenturen oder Pressebüros nicht mehr zahlen können, dann kalkulieren sie falsch. Und wenn es zu viele gibt, die ja sagen zu unmoralischen Angeboten, dann gibt es ein Überangebot. Die Folge kann bloß lauten: Rückzug. "Suchen Sie Alternativen. Wenn alles anders kommt als geplant" heißt das entsprechende Kapitel in meinem Karrieremacherbuch. Vorher aber noch ein kleiner Tipp. Einmal "nein" sagen und Grenzen zeigen, reicht oft. Gut, wenn Sie wissen, dass Sie zur Not auch etwas anderes machen können.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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