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Wirtschaftspsychologie: Machtausübung ruiniert ganze Firmen

Veröffentlicht: 7. Dezember 2007Kategorien: Organisation und Transformation
"Prominente Persönlichkeiten ruinieren ihren Erfolg häufig selbst", lese ich heute in einer Pressemeldung, die ich sehr interessant finde und deshalb hier weitergebe. Auch ich stelle fest, dass es häufig das Machtmotiv ist (nach den 16 Lebensmotiven von Steven Reiss), das Menschen extrem erfolgreich macht. Macht  birgt eine unbändige (positive) Kraft, gleichzeitig aber auch eine Gefahr in sich, wenn Macht zum Selbstzweck wird. Aus meiner Sicht ist das ein Grund, aus dem Personaler ihre gängigen Beförderungsmodelle überdenken sollten, nach dem starker Ehrgeiz und Führungswille (in dem eben oft Machtwille inne wohnt) als positive Karrieremotoren eingestuft werden. Wissens- und Interessegesteuerte Menschen (Motiv Wissen) oder an dem Dienst für eine Sache interessierte Menschen (nach Reiss Motiv Ehre oder Idealismus) machen dagegen viele seltener eine klassische Karriere – brächten aber vielfach eine aus meiner Sicht gesündere Selbststeuerung mit.
Svenja Hofert
Zur Pressemeldung:
Den Zyklus skizziert Prof. Dr. Wolfgang Scholl: "Zunächst sind es Wissen, Können, Geschicklichkeit und Wille zur Macht, die Menschen in höhere Positionen bringen. Dort tendieren sie dann zunehmend zu Machtausübung anstelle von Einflussnahme, lernen zu wenig, machen Fehler, versuchen, die Fehler zu korrigieren durch noch größere Fehler und treiben sich so in den Ruin" – evtl. mitsamt der ganzen Firma.
Der Berliner Wirtschaftspsychologe beschreibt mehrere deletäre Mechanismen – z.B.: Machtausübung wird häufig als Chance genutzt, nicht hinzulernen zu müssen. Die mangelnde Einsichtsfähigkeit hochrangiger Persönlichkeiten "eskaliert dann oft in der Verstärkung des Falschen; immer mehr und auch skrupellosere Mittel werden dann eingesetzt, um den als richtig geglaubten Weg bis zum Erfolg weiterzugehen. Warnzeichen, dass es wohl der falsche Weg ist, werden missachtet und auch von den Untergebenen nicht nach oben gegeben – aus lauter Angst, für schlechte Nachrichten bestraft zu werden."
Demgegenüber fördert ein partizipativer Führungsstil nicht nur die Lebensqualität, sondern auch Lernfähigkeit und Produktivität aller Beteiligten – inclusive der Bewohner der Chefetage. Scholl empfiehlt leitenden Persönlichkeiten, Einfluss zu nehmen: "Einflussnahme ist nicht einfach der Verzicht auf Machtausübung oder eine mindere, schwächere Form, sondern es ist ein "soft skill", eine Kunst, sanfte Einwirkungsgrundlagen wie Information, Expertise, Charisma, Belohnungen und einige Formen der Legitimität einzusetzen."
"Die zentrale Fähigkeit zur Bewältigung komplexer Probleme heißt Einflussnahme anstelle von Machtausübung, weil sich damit viele negativen Folgen für die Machtbetroffenen wie für die Machthaber vermeiden lassen und weil damit mehr Wissen zur Lösung anstehender Probleme produziert, die Handlungsfähigkeit gefördert und der Erfolg erhöht wird."

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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