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Wo bleibt mein Rettungsschirm?

Veröffentlicht: 10. Januar 2009Kategorien: Organisation und Transformation

215.000 Einträge zum Begriff haben sich bei Google angesammelt und heute morgen kam der Begriff in "NDR Info" schätzungsweise 15 Mal. Auto, Banken, gar sämtliche Konzerne – und vorgestern forderte auch die US-Pornoindustriewegen wegbrechender Umsätze einen Rettungsschirm (die wohl eher mit der Verlagerung der Geschäfte ins Internet zu tun haben, siehe Musikindustrie). Den größten Rettungsschirm aber will Sozi-CDUler Rüttgers mit 100 Milliarden für die gesamte deutsche Industrie aufspannen.

Was befugt eigentlich ein Unternehmen oder eine Branche nach einem Rettungsschirm aus Steuergeldern zu schreien? Wieso dürfen das Industriezweige und börsennotierte Konzerne? Warum wollen plötzlich alle unter einen staatlichen Schutzmantel? Und woher, wenn nicht aus Wahlkampf- und Selbstdarstellungsambitionen, kommt die plötzliche sozialistische Verteillust von Politikern? Ich finde: Es ist die Verantwortung eines jeden Unternehmers und Managers, für Krisen vorzusorgen und über was-wäre-wenn-Szenarien nachzudenken. Niemand braucht einen staatlichen Rettungsschirm. Man braucht einzig allein die Chance, Kredite aufnehmen zu können.

Wer etwa würde für kleine Unternehmen wie Handwerksbetriebe, Shops und Freiberufler einen Rettungsschirm aufspannen. Die „kleinen“ wollen das auch gar nicht, wie etwa der Zentralverband des Deutschen Handwerks, der die staatlichen Hilfen ablehnt.  Warum auch? Kleine Unternehmen brauchen in der Regel keine zweistelligen Wachstumsraten für ihr Überleben. Und wenn das Wachstum in einem Jahr mal zurückgeht, begreifen sie das als Chance über das eigene Geschäft neu nachzudenken und die Marktfähigkeit zu verbessern. Es wirft einen nicht gleich völlig um. Auf diesem, oft hart umkämpften Markt – etwa der freiberuflichen Rechtsanwälte, von denen es viel zu viele gibt – gewinnen jene, die clever sind, Ideen haben und am Zahn der Zeit bleiben. Bei Großunternehmen zählt letztendlich die Lobby und die Marktmacht. Was auffällt: Die da schreien, sind angestellt. Sie gehen kein Risiko ein, und was sie retten wollen, ist letztendlich vor allem die eigene Haut. Es ist auch kurzfristig gedacht. Wie wenig nützlich staatliche Rettungsschirme sind, sollte das Beispiel des Holzmann-Konzerns eindrücklich gezeigt haben. Mehr Beispiele dagegen liefert Dorothea Siems in der WELT.

Wer auch immer den Schirm erhält: Wie lange der wohl dem prasselnden Rezessionsregen standhält? Das Bild des Rettungsschirms sagt schon alles über seinen Nutzen: Einen Schirm spannt man auf, um sich damit zu schützen. Es sagt: Für das, was da von oben kommt, kann ich nichts, das ist naturgegeben. Stimmt aber nicht. Jeder kann gegen Krisen anschwimmen und wenn das bedeutet, neue Konzepte und Ideen zu entwickeln, sollte er dafür Kredite bekommen können. Aus diesem Grund sind Hilfen für die Banken wichtig (und bei uns zu halbherzig geraten) – aber bitte nicht für die gesamte Wirtschaft. Sonst will ich auch so einen Rettungsschirm. Brauche ich zwar nicht, aber alles andere wäre ungerecht.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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