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Peinliche Ausrutscher im Vorstellungsgespräch
Manchmal rutscht einem was raus. Aber, was mir einige Kunden und Leser über ihre Erlebnisse in Vorstellungsgesprächen berichteten, hört sich oft nach mehr an als einen Ausrutscher.
Apropos Kommunikationspannen:
- Die Versicherungsbranche ist nicht gerade für ihre Intellektualität bekannt. Doch fleißig bemühen sich einige Konzerne auch per Social Media-Aktivität ihres Plumpe-Lautsprecher-Images zu entledigen. Leider wirken die Außenmaßnahmen nicht im Innern: Der Personalleiter eines Münchner Versicherungsunternehmens fragte seinen Bewerber, der sich ehrenamtlich an der Uni für Migrantinnen engagiert hatte, „wie die denn so gewesen seien.“ Den Blick kann ich hier nicht nachmachen, aber Sie werden ihn sich jetzt vorstellen können. Er fügte hinzu: „War sie wenigstens hübsch?“
- Alles, was nach Sozial- und Geisteswissenschaften riecht, ist, etwas überspitzt ausgedrückt in der öffentlichen Meinung „bäh“. Auch wenn die Einladungsquoten beruflich gut aufgestellter Geisteswissenschaftler längst besser sind als die schlecht aufgestellter BWLer – das Looser-Studium-Image hält sich. „Ach, Sie haben ja Soziologie studiert. Da hätten Sie ja gleich ein Abo bei der Bundesagentur für Arbeit abschließen können.“ Hähä.
- Verlage und Medienagenturen sind bekannt für Personalabteilungen, die sich stark in den Schatten der meist mächtigen Alphatiere stellen. Aber dass ein Chefredakteur anderthalbstündige Monologe hält, um abschließend zu fragen „Ach, haben Sie noch Fragen?“, derweil die Personalerin mit ihrem Iphone spielt, spricht für…. Mindestens eine besonders ausgeprägte Form des Narzissmus.
Betrifft: Organisationsdesaster
- Bewerber schleifen Tage an ihrem Lebenslauf, legen jedes Wort auf die Goldwaage ihres Anschreibens. Wofür? Die Personalerin einer norddeutschen Traditionsfirma lud die gleiche Bewerberin drei Mal auf verschiedene Stellen ein, um jedes Mal festzustellen, dass sie ja eigentlich für die Position nicht passte. Warum? CV nicht gelesen. „Öh, hab so viel zu tun.“
- Der Bewerber als Partner auf Augenhöhe? Von wegen: Ein Unternehmen rief zwei Stunden vor dem Vorstellungsgespräch den Bewerber an und fragte, ob dieser auch bereit sei, für die Hälfte des im Anschreiben genannten Gehalts zu arbeiten. Da saß dieser schon im Zug. Die Zugfahrt sollte er dann selbst bezahlen, als er erwiderte„nein“.
- Professionalität wird von Bewerbern erwartet, aber von Unternehmen? Deren Fehler bleiben ungesühnt. Von der bekannten Hamburger GmbH, die über 200 Bewerbern per CC: absagte, haben Sie in diesem Blog ja schon gelesen.
- Die Sekretärin des Personalleiters sollte Infos über eine Bewerberin einholen. Versehentlich wählte sie die Nummer der Bewerberin selbst und hatte den Freund am Apparat. Der war reichlich irritiert von den indiskreten Fragen.
Was tun, wenn ein Personaler einen saudummen Spruch macht oder sich völlig daneben benimmt? Gleich das ganze Unternehmen verdammen oder gar die Branche?
Mein Rat: Unterscheiden Sie Ausrutscher und Versehen von Ausschnitten eines Gesamtbildes. Auch ein Personaler ist ein Mensch. Sie sollten ihn oder sie aber auf die Bemerkung ansprechen, die bei Ihnen Unwohlsein auslöste.
Beispiel: „Ihre Bemerkung irritiert mich jetzt. Ich höre da Fremden- und Frauenfeindlichkeit heraus. Das scheint mir nicht zu den Werten zu passen, die Sie auf Ihrer Website kommunizieren.“ Möglich, dass Sie danach in der Achtung steigen – und gewinnen. Sie könnten aber auch eine Absage provozieren. In dem Fall ist das aber auch nicht schlimm.
Über Svenja Hofert

Svenja Hofert ist vielfache Bestsellerautorin, die sich im deutschsprachigen Raum über mehr als ein Vierteljahrhundert ein hohes Renommee als Vordenkerin für das Thema Zukunft von Arbeit und Führung erworben hat. Ihr Motto "Zukunft der Arbeit mit Sinn und Verstand". Dieses Blog besteht seit 2006 und wird nur noch gelegentlich gepflegt. Folgen Sie der Autorin, indem Sie Ihren kostenlosen Newsletter Weiterdenken abonnieren. Auf Linkedin können Sie der Autorin ebenso folgen und erhalten 14tätig die Weiterdenken Essentials.
Was mir im zweiten Gespräch passiert ist: die Abteilungsleiterin schwärmt das ganze Gespräch über von einem anderen Bewerber. Wie passend er doch zum unternehmen ist und welch tolle Qualifikationen er doch hat. Erst nach vier Gesprächen und einem probetag hat sie sich für den anderen tollen Bewerber entschieden
Hm, komische Geschichte. Entweder tricky: Sie hat dem anderen von Ihnen vorgeschwärmt oder Chef-Order – wir probieren auf jeden Fall 2. Ganz so schlecht können Sie nach 4 Gesprächen nicht gewesen sein 😉 LG SH
Geehrte Frau Hofert,
der Artikel ist zwar schon älter, dennoch aktuell.
Ich habe heute das zweite mal in meinem Leben ein Bewerbungsgespräch gehabt, und bin entsetzt geradzu schockiert.
Das Anforderungsprofil ,knapp 1,5 DIN A4 Seiten, als leitender Fach Ingenieur. Der Empfang, durch den direkten Vorgesetzten, zugegebenerweise vorbildlich, aber dann….Ich habe mir tagelang den Kopf zerbrochen, ausgiebige Recherche betrieben, beim Frisör gewesen, gut gekleidet (kein Anzug)bin ich ausreichend vorbereitet usw usw. Ich komme in den Konerenzraum 6 weitere Interviewer. 7 gegen 1.
Kleiderordnung, bis auf Bereichsleitung und Manager, Altagskleidung und Arbeitskleidung…wow ich stehe früh auf duschen,nochmalige Rasur, Jacke gebürstet Hose nochmal geprüft, dem Anlass entsprechend aufgehübscht, und dann sowas.
Aus der Elektroabteilung 2, Konstruktion und EX Schutz jeweilig einer,Betriebsrat und der Rest wurde zwar vogestellt, aber für mich und den Job “belanglos”. Als sogenannter VEFK am Standort, wäre ich bis auf den Manager “Vorgesetzter” gewesen.
Algemeines blabla, “Lebensgeschichte” erzählt und dann der Hammer, ich werde mit Fragen und Wissenständen konfrontiert, die nichts mit dem Anforderungsprofil zu tun haben.(Konstruktion und und EXSchutz).Löbliche Ausnahme die Elektrofraktion, mein Fach, alles korrekt beantwortet, dennoch zu wenig gefragt.Für anderthalb Seiten Anforderungsprofil zur E-Technik, und nur 3 (drei) konkrete Fragen Aber auch hier keiner kennt das Anforderungsprofil. Ich bin seit 1987 im Beruf, und von Anfang an in leitender Fuktion, so ein Affront hatte ich noch nicht. Das ist nicht professionell, eher beleidigend.
Vielleicht werde ich ja zu einem weiteren Gespräch eingeladen.
Ich werde dann auch hingehen, nur um zu schauen wie dieses Trauerspiel weitergeht.