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Ego- oder Teamplayer: Wer siegt im Duell um Tore?

Veröffentlicht: 24. Juni 2014Kategorien: Human Ressources, Psychologie

Business in actionNur eine ganze kurze Replik auf die rote Karte fürs Teamplaying von Herrn Buckmann von gestern (mehr zu ihm und Frechmut hier). Wir können ja alle lange, lange Texte verfassen, aber kurz halten wir uns eher nicht. Was möglicherweise Zeichen eines größeren Egos ist und eigentlich die rote Karte verlangt. Mich haben Buckmanns Zeilen zum Nachdenken gebracht, denn Ego und Teamarbeit habe ich bisher  gar nicht so sehr in Verbindung gebracht. Oder anders: Der Gedanke, dass Einzelkämpfer größere Egos sind als Teamplayer ist so deutlich noch nicht auf den Punkt gebracht worden.  Und dass diese einige Vorteile haben, auch nicht. Also versuche ich diese mal aufzuschreiben. In der grafischen Übersicht versuche ich noch eine eigene Definition Egoplayer vs. Teamplayer. egoteam

1. Der Egoplayer fällt eher auf, der Teamplayer war ein “netter Junge”

Ich kenne viele Egoplayer, die stille Kinder waren, unangepasst oder sogar Außenseiter. Betrachtet man eine Sozio-Matrix mit beliebt/unbeliebt auf der x- und akzeptiert/nicht-akzeptiert auf der y-Achse, so gehörten die Egoplayer eher in den Cluster ignoriert oder gar unbeliebt.  Widersprechen Sie mir, wenn Sie ein Egoplayer sind, für den das nicht gilt. Ich konnte jetzt aus Zeitgründen leider nicht die Jugend von Cristiana Ronaldo durchforsten; aber ich wette Kopf auf Zahl, dass er kein Klassensprecher war. Und auch kein netter Junge.

2. Der Egoplayer macht sein Ding, der Teamplayer das von anderen

Im späteren Leben erwachen die positiv karrierefördernden Kräfte des Egoplayers. Als Kind noch unauffällig bis suspekt, wandeln sich jetzt die in frühen Jahren ausgrenzenden Triebkräfte der Abgrenzung in positive Energie um.  Während die beliebten Teamplayer Konzernkarriere machen, stürzt sich der Egoplayer in sein Interessengebiet, das er meist ganz und gar beherrschen will. Er war schon immer kompromisslos und wird jetzt noch kompromissloser. Das gilt für Männer mehr als für Frauen: Kein Vorurteil, im Grunde handelt es sich um die Eigenschaft Verträglichkeit in den Big Five. Männer sind durchschnittlich unverträglicher, so wie sie überhaupt oft extremere Eigenschaften haben. Jedenfalls macht sich das nach der Schulzeit deutlicher bemerkbar. Aus den Ausgegrenzten werden Stars. Jetzt reißt sich ein Ronaldo T-Shirts vom Leib. Er weiß, dass es Proteste geben wird. Ist ihm schnuppe.

3. Der Egoplayer hat meist eine klare Meinung, der Teamplayer sucht Konsens

Egoplayer grenzen sich lieber von den anderen ab als mit ihr zu schwimmen. Die einen reißen sich das Shirt vom Leib, die anderen kündigen ihren Job, dritte führen ein weitgehend unbehelligtes Eigenleben in Unternehmen (das ist „der da, du weißt schon, der eben“). Weil Egoplayer sich über Abgrenzung und nicht über Zugehörigkeit definieren, bilden sie sich leichter eigene Meinungen, ist ja klar. Sie selbst schätzen Menschen mit eigenen Standpunkten. Und werden eher misstrauisch, wenn alle das gleiche meinen. Das erklärt den Erfolg einiger Blogger: Sie haben wie Herr Buckmann und auch Superlangschreiber Henner Knabenreich meist einen eigenen Stil. Sie sind nie Mainstream.

4. Der Egoplayer mag Menschen, der Teamplayer auch, aber anders

Jetzt könnte man meinen, all das Ego führt dazu, dass dem Egoplayer andere Menschen egal sind. Weit gefehlt! Er sucht Anerkennung, nur findet er diese eher nicht im Konsens. Er ist fest überzeugt durch seine Art und Weise einen wichtigen Beitrag zu leisten, wozu auch immer. Gegenwind ist für ihn Bestätigung. Während der Teamplayer sich darüber freut, dass „wir das geschafft haben“ denkt er mindestens insgeheim, dass sein verdammter Beitrag der entscheidende war. Sein Tor etwa. Und nun noch mal zum Fußball. Was ist Klose? Ein Teamplayer, ganz offensichtlich. Es gibt also nicht nur eine Erfolgsstrategie, es gibt zwei – ein nash equilibrium. Angenommen der Teamplayer ist Player 1, der Egoplayer 2. Angenommen, es gibt die beiden Optionen  Tor (1) und Kein-Tor (0). Jedenfalls sollte der rationale Vorteil für beide in einem simultanen Spiel gegeneinander sein, Tore zu schießen – siehe 1,1.

Zum Beitrag passt: “Ich hasse Teamarbeit”.tor

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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3 Kommentare

  1. Jörg Buckmann 27. Juni 2014 at 21:20 - Antworten

    Liebe Frau Hofert

    Danke für das Aufnehmen und das interessante Weiterspinnen meiner Gedanken.

    Das mit der Tormatrix habe ich noch nicht ganz verstanden, aber daran arbeite ich noch. Vielleicht antworte ich mit einem kurzen, knackigen Beitrag, der Sie dann so richtig verblüffen wird.

    Herzliche Grüsse aus Zürich (eigentlich wohne ich ja in Ennetbaden, aber das ist dann wieder so ein verdamm langer Ausdruck, also bleiben wir bei Zürich).

    Jörg Buckmann

  2. […] dieser schönen Welt des Teamworks scheint es für Egoplayer keinen Platz zu haben. Dabei haben diese auch ihre Vorzüge. Und irgendwie fällt es mir schwer zu glauben, dass absolute Ausnahmetalente wie Yassine Chikhaoui […]

  3. […] letzter Artikel über Ego-Marketing hat ganz schön eingeschlagen. Fast 700 Leserinnen und Leser, weiterführende Gedanken von Svenja Hofert, anerkennende Kommentare, aber auch Kritik. Und einzelne Leser waren richtig angesäuert. Frank […]

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