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Karriere der Zukunft: So ändert sich Karriere im KI-Zeitalter

„Am besten wirst du Arzt“ lautet der Titel eines Buchs, das ich vor gefühlt einem Jahrhundert geschrieben habe. Ich meinte das ironisch. Es ging mir darum, dass es keine sicheren Berufe gibt, sondern nur passende Stärken. Heute wirkt dieser Satz weniger ironisch als realistisch. Selbst vermeintliche Schutzberufe verlieren an Stabilität. Wie aber sieht die Karriere der Zukunft aus?
Einstiegsjobs werden automatisiert, gebündelt oder in höherwertige Aufgaben integriert. Damit gerät die klassische Karriereleiter ins Wanken. Der Unterbau fehlt. Und worauf soll man bauen, wenn das Fundament fehlt? Es gibt dann kein “Karrierehaus” mehr, um ein Bild zu verwenden, dass ich gern nutze.
Wie verändert sich Karriere derzeit?
Im folgenden ein Überblick über zentrale Veränderungen, die die Karriere der Zukunft beeinflussen werden.
1. Einstiegsjobs verschwinden, weil KI vor allem Junioraufgaben übernimmt
Eine Analyse von Anthropic zeigt, dass generative KI besonders häufig bei Recherche, Zusammenfassung, Dokumentation, Analyse und Textproduktion eingesetzt wird. Genau diese Tätigkeiten bilden den Kern vieler Einstiegsjobs. Auch der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass rund 40 Prozent der Arbeitsplätze von KI beeinflusst werden, besonders in wissensintensiven Berufen. Das bedeutet nicht nur Automatisierung, sondern eine Verschiebung von Tätigkeitsprofilen. Wenn Junioraufgaben verschwinden, bricht die erste Karrierestufe weg. Lesen Sie hier, wie KI Karriere reveolutioniert.
2. Organisationen ersetzen Stellen durch Rollen
Mehrere Unternehmen reorganisieren Arbeit entlang von Fähigkeiten statt Positionen. Bei AXA wurden HR, Technologie und Daten kürzlich enger verzahnt, um Talententscheidungen stärker auf Skills zu stützen. Moderna baut Strukturen auf, in denen Teams dynamisch nach Kompetenzen zusammengesetzt werden. Auch der Umbau bei Bayer folgt dem Prinzip, Arbeit stärker projekt- und rollenbasiert zu organisieren. Der Hintergrund: Wenn sich Aufgaben schnell ändern, werden starre Stellenbeschreibungen zu langsam. Rollen sind flexibler, kombinierbar und temporär.
3. Recruiting verschiebt sich von Stellenbesetzung zu Skill Matching
Traditionelles Recruiting sucht Personen für definierte Positionen. In einer rollenbasierten Organisation wird dagegen kontinuierlich geprüft, welche Fähigkeiten fehlen. Talent wird in Projekte integriert, nicht in Hierarchien. Interne Talentmarktplätze, Skill Graphen und projektbasierte Besetzungen sind erste Indikatoren. Recruiting wird damit zum kontinuierlichen Fähigkeitsmanagement.
4. Personalentwicklung verliert den Karrierepfad als Struktur
Wenn Stellen verschwinden, verlieren auch klassische Laufbahnen an Bedeutung. Entwicklung orientiert sich nicht mehr an der nächsten Position, sondern an der nächsten Rolle. Lernen wird situativ, kurzzyklisch und direkt an Aufgaben gekoppelt. Organisationen benötigen Entwicklungsökosysteme statt Trainingsprogramme. Diese Verschiebung zeigt sich bereits in der steigenden Nachfrage nach skillbasierten Lernplattformen und projektorientierter Weiterbildung.
5. HR und IT wachsen strukturell zusammen
Rollenorganisation funktioniert nur datenbasiert. Unternehmen müssen wissen, welche Fähigkeiten vorhanden sind, welche fehlen und wie sie kombiniert werden können. Dafür braucht es technische Infrastruktur. Skill Datenbanken, Matching Algorithmen, interne Marktplätze. HR wird damit technologiegetrieben. Die klassische Trennung zwischen Personal und IT verliert an Sinn.
Diese Hypothesen weisen in eine gemeinsame Richtung. Arbeit wird modular. Karriere wird beweglicher. Organisationen werden zu Fähigkeitsnetzwerken.
Und was bedeutet das konkret für die Karriere der Zukunft?
- Man wird gar nichts “am besten”, sondern sollte sich an Potenzialen orientieren. Potenziale sind Vorstufen von Stärken. Sie sind da, wo Energie hinfließt und Bereitschaft zum Lernen
- Die Karriereleiter ist keine Leiter mehr, sondern eher ein Puzzle. Welches Stück als nächstes gefragt ist, erfordert Puzzlearbeit, die bei den Stärken beginnt
- Auch der klassische Karriereplan geht in Teilen nicht mehr auf. Die Ungleichzeitigkeit führt dazu, dass vieles noch weiter existiert, während das Neue schon da ist.
Was bedeutet das konkret für Recruiting?
- Stellenbeschreibungen durch Rollenbeschreibungen ersetzen. Rollen definieren Aufgaben, erwartete Ergebnisse und benötigte Fähigkeiten. Sie können temporär vergeben werden.
- Fähigkeitsprofile statt Lebensläufe: Entscheidend ist nicht die letzte Position, sondern die übertragbaren Kompetenzen sowie die wahren Potenziale, die nicht immer sichtbar sind.
- kontinuierliches Recruiting etablieren. Talent wird nicht nur bei Vakanzen gesucht, sondern laufend ergänzt.
Was bedeutet das für Personalentwicklung?
- Entwicklung an Rollen koppeln. Lernen erfolgt unmittelbar vor oder während der Rollenübernahme.
- Modulare Lernformate einsetzen. Kurze Einheiten statt langfristiger Programme.
- Neue Einstiegsrollen schaffen. Lernrollen, Shadow Rollen oder explorative Projektrollen ersetzen klassische Juniorpositionen.
Karriere ohne Leiter bedeutet damit nicht Karriere ohne Entwicklung. Sie bedeutet, dass Entwicklung nicht mehr durch Aufstieg definiert wird, sondern durch Rollenvielfalt. Vielleicht wird man künftig nicht mehr gefragt, was man werden will. Sondern welche Rollen man übernehmen kann.
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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
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