Kate­go­rien

Arvid wird Künstler und Hein­rich Buch­halter: Wie Namen Erfolg und Karriere beein­flussen

Published On: 9. Januar 2014Cate­go­ries: Karriere, Mensch & Orga­ni­sa­tion

Es gibt viele Studien über den Zusam­men­hang von Namen und Erfolg, zu Vornamen wie Kevin und Chan­talle genauso wie zu Nach­namen wie Bauer und König. Kleider machen Leute, sagt man. Man darf noch weiter­gehen: Namen formen Persön­lich­keit, beein­flussen das Umfeld und damit auch beruf­liche Karrieren.

Nehmen Sie meinen Namen. In meinem Alter werden Sie nicht viele Frauen mit dem Vornamen Svenja finden, vor 1970 war er so gut wie unbe­kannt, erst in den 1990ern kam er in Mode. Meine Mutter wollte etwas Beson­deres für mich, nicht so einen Namen, den jede trägt. Anfangs war das ein kleiner Fluch. Ich wollte lieber Claudia, Monika, Marion oder Sylvia heißen, in meinem Jahr­gang typi­sche Namen. Später wurde die Tatsache, in der ganzen Schule die einzige zu sein, zum Segen. Es war immer klar, dass ICH gemeint war, wenn jemand Zwenja, Pennja oder Schwanja rief, und ich bilde mir ein, dass ich auch durch meinen Namen ein biss­chen indi­vi­dua­lis­ti­scher sein durfte als die anderen. Ich durfte ein klein biss­chen anders sein. So wie mein Name zur dama­ligen Zeit in NRW.

Persön­lich­keit und Namen – wie hängt das zusammen?

Der Name asso­zi­iert Herkunft, Bildung, Alter, Ethnie. Er spie­gelt damit fast alle Gründe für poten­zi­elle Benach­tei­li­gung, die im Allge­meinen Gleich­stel­lungs­ge­setz §1 thema­ti­siert sind. Er ist damit wie eine Klammer verschie­dener Benach­tei­li­gungs­ur­sa­chen. Ohne weitere Infor­ma­tionen zu haben, wird man wissen, dass eine Svenja nicht 60 sein wird, ein Kevin nicht Kind reicher Eltern und ein Bauer maximal neureich ist. Und anders als Klei­dung lässt sich so ein Name nicht einfach ablegen.

Name, Persön­lich­keit, Wahr­neh­mung, Erfolg: Alles ist so inein­ander verzahnt, dass man Henne, Ei und Hof nicht trennen kann. Es gehört zusammen.  Die Eltern zeigen ihren Charakter, ihre Bildung, ihre Herkunft, ihre regio­nale Ver- oder Entwur­ze­lung in der Namens­ge­bung. Kommt man aus der Mittel­schicht, strebt  man nach etwas Beson­deres für sein Kind, es soll nicht in der Masse unter­gehen. Entstammt man den oberen Zehn­tau­send liegen konser­va­tive Namen näher. Stammt man aus einfa­chen Verhält­nissen sucht man auch etwas Beson­deres, nur sammelt man hier eher Kitsch statt Desi­gner­möbel, findet engli­sche Namen schi­cker, oder solche die so klingen. Man mag es kurz und ungern gekop­pelt.

Svenja ist blond, und Mohammed Migrant

So prägen Haltung, schich­ten­spe­zi­fi­scher Geschmack und fami­liärer Hinter­grund den Namen und der Name wiederum die Persön­lich­keit.  Namen rufen Reak­tionen hervor. Ach, wie schön! Wie unge­wöhn­lich! Klang­voll, selten, modern, etc. Namen klingen jung oder alt, sie scheinen zu impli­zieren, welchen Bart jemand trägt – Berliner Retro-Bart, Drei­ta­ge­ge­wächs oder IT-Hard­­wa­re­en­t­­wickler — und ob er klein oder eher groß ist. Sogar die Haar­farbe. Svenja sollte blond sein, auch wenn der Name gar nicht aus Schweden kommt. Bin ich nicht, falsch. Aber: Kein Migra­ti­ons­ver­dacht. Richtig.

Arvid ist kreativ, Hein­rich wird Buch­halter

Namen könnten auch die Neigung zum Indi­vi­dua­lismus beein­flussen, zur Krea­ti­vität oder zum Sozialen. Wer immer gewohnt ist, mit seinem Namen der/die einzige zu sein, inha­liert eine Extra­por­tion Indi­vi­dua­lismus. Erst recht, wenn im Nach­namen kein Müller oder Schmidt  folgt. Ein Arvid oder Casper oder ein Leander (so heißt mein Sohn) müsste mehr Neigung zum Krea­tiven als zur Buch­hal­tung zu entwi­ckeln. Diese (in dem Fall mütter­liche) Hypo­these ist unbe­legt.

Namen erzeugen Reak­tionen. Eine Chan­talle wird nicht deshalb Friseurin, weil sie so heißt, sondern weil sie in eine Chan­­talle-Umwelt geboren wird, in der eher Eltern aus „gewissen“ Schichten ihre Kinder so nennen und andere auf ihren Namen reagieren (und dieser gewissen Schicht zuordnen). Bei der Bewer­ber­aus­wahl machen Namen etwas mit uns, auch wenn wir es als Perso­nal­profis niemals zugeben würden, auch uns selbst gegen­über nicht. Über meinen Elke-Fimmel habe ich bereits geschrieben. Wir werden eine „von Salm“ nicht genauso bewerten wie eine Schmidt. Der Name ist aber kein Mantel von Boss, eine Tasche von Chanel, Schuhe von Hummel und auch kein white Label. Wir können ihn nicht ablegen.

Namen verraten Reli­gion und Fami­li­en­ge­schichte

Namen sind auch verrä­te­risch. Da sind Asso­zia­tionen, die auto­ma­tisch da sind. In meiner Familie gab es jüdi­sche Namen, eine Fami­li­en­ge­schichte hängt daran – der falsche Name in der falschen Zeit. Es muss gar nicht so weit reichen.  Ein Bauer wird auch im Wissens­zeit­alter immer etwas weniger Edles an sich haben als ein Kaiser.

… Aber führen uns in die Irre.

Was denken Sie: hat Lies­chen Schmidt eher die Schach­welt­meis­ter­schaft gewonnen oder ist sie Kinder­pfle­gerin 2013? Ist Alex­ander von Potp­uran der gesuchte promo­vierte Infor­ma­tiker oder Justin Schmidt? Jeder von uns hat solche Asso­zia­tionen, die sind einfach da. Diese Asso­zia­tionen zu Namen verän­dern sich aller­dings auch: Kevin Keegan war ein sehr bekannter und beliebter Fußballer, damals in den 1970ern. Da war der Name Kevin noch keine Strafe.

Wir haben fast 5.000 Namen in unserer Daten­bank. Es gibt keinen Justin, keinen Kevin, keine Chan­talle. Aber es gibt jede Menge Alex­ander, Maxi­mi­lians, Sebas­tians und Thomasse. Es gibt Sarahs, Lenas und Annas und Paulas. Es gibt auch Namen von Bildungs­in­bür­gern, was für ein schä­biger Beam­ten­be­griff. Die heißen viel­leicht Mohammed, Omar, Ruslan oder Evge­nija.

Sie haben immer ein Studium abge­schlossen, manchmal zwei, weil ihr Studium aus der Heimat hier nicht aner­kannt wird, ein anderes Thema. Aber sie werden seltener einge­laden, erst recht gilt das, wenn sie keine Über­flieger sind, sondern Durch­schnitts­leister wie Zwei­drittel von uns. Oder wenn sie “nur” ein BWL-Studium haben und nichts richtig Tech­ni­sches.

Beson­ders selten werden sie einge­laden, wenn sie in direktem Kunden­kon­takt arbeiten, aber kein unmit­tel­barer Nutzen für ihren Einsatz besteht (so ein Nutzen könnte sein, dass Kunden eben­falls einen Migranten-Hinter­­grund haben). Zu dieser schlech­teren Einla­dungs­quote durch den Faktor “Name” gibt es keine Studie, leider.

Wir suchen uns unsere Namen nicht aus. Genauso wenig wie unser Geschlecht oder unsere sexu­elle Orien­tie­rung. Auch wie wir aussehen ist weit­ge­hend Gen-bedingt. Auf der anderen Seite wissen wir: „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“, um mit dem Buch­titel des Kogni­ti­ons­for­schers Dan Ariely zu spre­chen. Wir sind beein­flussbar. Deshalb verstehe ich diese Ableh­nung der anonymen Bewer­bung nicht, die es in Deutsch­land immer noch gibt. Deshalb verstehe ich nicht, warum so wenige Experten dafür sind, all diese Faktoren – auch den Namen — auszu­blenden, um den Blick auf das Wesent­liche zu lenken. Den Menschen und was er kann.

Was sagen die Studien aus, die Namen und Erfolg bzw. Namen und Persön­lich­keit in Bezie­hung bringen? Eine Auswahl:

  • In  Deutsch­land hat sich vor allem eine Profes­sorin der Univer­sität Olden­burg mit Namens­stu­dien einen Namen gemacht. Ihr Sohn heißt Arvid. Gut gemacht. Astrid Kaiser.
  • Noch sehr aktuell ist die Studie der Uni Cambridge und der HEC Paris über die Namen Kaiser, Bauer etc. Hier wurden über 200.000 Xing-Profile genutzt. Info bei  Alltags­for­schung.

 

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

5 Kommen­tare

  1. nadine sonnen­schein 9. Januar 2014 at 13:53 — Reply

    Sehr schöner Beitrag!

  2. Frau von L 14. Januar 2014 at 20:14 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    diesen Artikel muss ich wohl kommen­tieren. Ewelina von Lewartow Lewar­towski: Diesen Namen trage ich seit über 40 Jahren durch die Welt­ge­schichte. Vor gut zwölf Jahren kam noch ein “Jansen” dazu — inzwi­schen habe ich also einige Erfah­rung in diesem Punkt ange­häuft.
    Leider nicht immer die Beste. In der siebten Klasse wurde ich von meinem neuen Deutsch­lehrer als Erstes gefragt, ob ich Legasthe­ni­kerin sei, weil mein “Vorname falsch geschrieben ist”. Mit Anfang 20, ob meine Urahnen das ganze Geld verprasst haben, da ich Arme ja arbeiten muss (als Redak­teurin — das musste bei dem Namen ja so kommen 😉
    Okay, das waren kleine bis mittel­große Städte und seit ich in Hamburg lebe hat sich alles etwas rela­ti­vert. Warum? Ich habe es noch nicht heraus­ge­funden.
    Viel­leicht liegt es nur daran, dass ich mich hier selbst­ständig gemacht habe und Geschäfts­partner in aller Regel auf Augen­höhe mitein­ander kommu­ni­zieren. Auf jeden Fall habe ich seit Jahren nicht mehr gehört: “Sie habe ich mir ja ganz anders vorge­stellt.” Ein Ausspruch, der den meisten Menschen einfach so raus­rutscht, in meinen Augen aber sehr viel aussagt. Deshalb gebe ich Ihnen voll und ganz Recht, dass die anonyme Bewer­bung über­fällig ist, um weit­ge­hende Chan­cen­gleich­heit zu gewähren.
    Schade nur, dass sich damit gleich­falls zeigt, dass in diesem Lande zwar viel über die plura­lis­ti­sche Gesell­schaft gespro­chen und geschrieben wird. Die Realität oft aber anders aussieht.

    Herz­lichst
    Frau von L

    • Svenja Hofert 15. Januar 2014 at 12:14 — Reply

      Liebe Frau von L,
      das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich aber liebe Ihren Namen. Er ist einprägsam und wunder­schön. Und ich bin eine Groß­stadt­pflanze mit Land­wur­zeln, ist also nicht nur Stadt-Land-Fluss 😉 Pennja genannt zu werden ist auch nicht so lustig, aber es härtet ab. Das ist der Vorteil, wenn Namen irgendwie nicht so durch­rut­schen. Viel­leicht hat das irgendwie posi­tive Einflüsse auf das Unter­neh­mergen? LG Svenja Hofert

  3. Chris 2. November 2016 at 16:10 — Reply

    Das ist ja witzig. Aus meiner Erfah­rung weiss ich, dass viele vornehm­lich deutsch­stäm­mige Personen getu­schelt haben, als sie eine Bewer­bung von einem ARWID (mit w ) gesehen hatten. Sie hatten gemut­maßt er hätte arabi­sche Wurzeln. und die vermeint­lich dunklen Haare waren auch ein Indi­kator für diese Herr­schaften

    Doch als sie nach­schauten und auf einen altger­ma­ni­schen oder nordi­schen Namen stiessen, waren sie baff

    Das sind perso­naler :-9

  4. Janet Chr. Lutz 26. September 2025 at 19:05 — Reply

    Liebe Frau Hofer, ich habe einen Vornamen, der ohne Erklä­rung der Schreib­weise IMMER falsch geschrieben wurde. Oft gab es Nach­fragen, ob der Name “wirk­lich so” geschrieben wird. Als Kind war das sehr belas­tend, dennoch hätte ich mir aus diesem Grund keinen anderen Namen gewünscht. Eher, weil eine Made­leine so nett und hübsch und “meine” Freundin im Urlaub war. Und sie kannte das “Drama”, die Nach­fragen, wie der Name geschrieben wird. Ich habe bei meinen Kindern über­legt, welche Namen ich ihnen schenken möchte, denn das ist es für mich. Und ja, sie sind mit “meiner” Auswahl sehr zufrieden, bis heute. Mein Jüngster heißt übri­gens Arvid (er hat noch einen zweiten Vornamen, sicher ist sicher, und ein Kompro­miss wegen dem Kindes­vater), und er kennt die Frage, wie man “das schreibt”, auch. Er sagt dann Arvid wie David, das klappt immer (komisch, aber ist so), und bekommt sehr viele Kompli­mente für diesen schönen Namen. Ihnen alles Gute.

Leave A Comment

Diesen Blog durch­su­chen