Kategorien

Erfolg ist keine Glückssache: Was Führungskräfte von der deutschen Nationalelf lernen können

Veröffentlicht: 15. Juli 2014Kategorien: Psychologie

Am Ende waren unsere Jungs auch psychologisch stärker. Doch das ist es nicht allein. Was macht den Erfolg eines guten Teams wirklich aus? Eine Erklärung.
Eine klare Strategie entwickeln
Wie ist der Gegner aufgestellt, was sind seine Schwächen und Stärken? Wie in der agilen Teamarbeit wird im Fußball einerseits geplant und andererseits der Moment genutzt. Für alles gibt es einen übergeordneten Strategieplan, der seit 2000 aufgestellt wurde, sich immer weiterentwickeln durfte und konsequent in einzelne Maßnahmen, Projekte und Teilprojekte aufgeteilt wurde. Zu nennen sind hier die Leistungszentren, aber auch die verstärkte Einbeziehung der Psychologie seit 2004 unter Klinsmann.

fussball
Den Wir-Geist fördern
Strategie, Struktur, Kultur – das ist das St. Galler Managementdreieck. Und auch die Kultur ist perfekt umgesetzt worden: Egal welcher der Jungs vor die Kamera geholt wurde, alle sprachen von „wir“. Ich habe kein einziges „ich“ gehört. Niemand wollte Einzelleistung betont wissen. Da merkt man Teamentwicklungsmaßnahmen erster Güte. Das Beispiel unserer Nationalmannschaft zeigt auch, dass selbst mutmaßliche Individualisten über gemeinsame Ziele in ein Boot geholt werden können. Wahrscheinlich bekamen alle eine ähnliche Ansprache, wurde kein Unterschied zwischen Ersatzbank und Dauerspieler gemacht.
Lieber im Tandem führen
Verantwortung übertragen anstatt Vorschriften machen – so lief es in den Achterteams auf dem Campo Bahia, die unter anderem von Philipp Lahm geleitet wurden. Bemerkenswert in Zeiten, in denen seitens der New Worker oft Hierarchielosigkeit gefordert wird: Es gab klare Hierarchien. Aber, noch bemerkenswerter: Die Führung bekamen die „reiferen“ und die mit den besten Kompetenzen in diesem Bereich. Löw und Bierhoff führten „transformational“. Das beherrschen nicht viele, denn es heißt Inspirieren, innovieren, Kompetenzen entwickeln, Vorbild sein, Eigeninitiative anregen  – was diese Führung ausmacht, lesen Sie in der Grafik auf der Website von Prof. Waldemar Pelz.

Zu beachten auch, dass das Team vom Team geführt wurde: Bierhoff und Löw. Solche Tandems aus einem Strategen und einer Art „Feelgoodmanager“ könnten aus meiner Sicht viele Probleme deutlich besser lösen als das derzeitige Einpersonen-Management.
Mentale Stärke schaffen
Kein Wunder, dass Mertesacker einmal so richtig vom Leder gelassen hat. Diese ganzen Sofakritiker haben gut reden! Mentale Stärke bedeutet, dass ein Mensch in sich gefestigt ist und durch Störungen von außen nicht von seinem Ziel abzubringen ist. Dazu gehört Selbstvertrauen, Kritikfähigkeit,  Konzentration und innere Ruhe. All das zu festigen, sollte höchste Managementaufgabe sein! Doch in der Unternehmenspraxis wird lieber kräftig daran gearbeitet, die Teammitglieder nicht stark werden zu lassen. Befördert werden in der Unternehmensrealität deshalb selten diejenigen, die andere stark machen (und das kann immer nur, wer es selbst ist), sondern die, die andere besser aussehen lassen…
Richtige Stärken einsetzen
Ein Torwart braucht den Überblick, muss blitzschnell abschätzen können, welche Bewegung wozu führt. Linksaußen sind bewegliche Dribbelkünstler. Alles sind Einzelleistungen und jeder in einem Team hat eigene Stärken, über die Kollege Christoph Burger am Beispiel Mesut Özil schon so schön geschrieben hat. Besonders dabei ist, dass nicht nur an der eigenen Stärke gearbeitet wurde, sondern diese auch in „neue“ Richtungen ausgebaut wurden: So betätigte sich Neuer als Verteidiger, kann Lahm hier wie dort spielen. Das Motto lautete, Handlungsmöglichkeiten erweitern, anstatt nur auf eine Stärke zu setzen.
Zeit genug geben
Die Mannschaft von 2004 hätte auf jeden Fall gegen die von 2014 schon in der Vorrunde verloren, sagt mein Sohn. Fußball entwickelt sich. Bis ein Team zum Hochleistungsteam wird, braucht es Zeit. Die geben Unternehmen oft weder den Führungskräften noch den Mitarbeitern. Und so bleibt Erfolg Glückssache.

PS: Da ich keine Ahnung von Fußball habe, hat mich für den Beitrag mein Sohn Leander beraten. Hierzu passt “Ich hasse Teamarbeit”.

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karriereratgeber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich “Karriere & Entwicklung” für Outplacement und Karrierecoaching. 2004 gründete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karriereexpertenakademie dazu: verschiedene Weiterbildungen zur Professionalisierung der Methoden und Vorgehensweisen im Karrierecoaching.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

Vielleicht interessiert Sie auch

6 Kommentare

  1. Marc Mertens 16. Juli 2014 at 10:16 - Antworten

    Hallo Frau Hofert,

    dies ist für mich einfach einer Ihrer besten Artikel! Sie sprechen mir damit als Teamplayer aus der Seele und viele der erwähnten bzw. verknüpften Ansätze sind doch eigentlich einerseits mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar und andererseits auch auf verhaltenspsychologischer Sicht dargelegt.

    OK, damit wage ich aus der Deckung und ich besitze leider keine Zertifikate oder Weiterbildungen im Bereich Psychologie. ;-))

    Allerdings kann ich zumindest anhand der Diskussionen um Kandidaten-Erfahrungen im Recruiting (Blogs von: Scheller, Ullah, Zaborowski, etc.) und meines eigenen Werdegangs davon ausgehen, dass man die deutsche Fussball-Nationalmanschaft als positives Vorbild des Teambuidling herzeigen kann.

    Übrigens, Joachim Löw hat im Anschlussinterview an den Gewinn der WM eine bemerkenswerte Aussage getroffen, in der er direkt Jürgen Klinsmann als Wegbereiter gedankt hat und er ohne seine Inspiration heute nicht da wäre, wo er jetzt ist. Das zeugt für mich von Größe und Respekt.

    So soll´s sein, dann klappts auch mit den eigenen Erfolgen. Leben und leben lassen. Eigentlich gar nicht so schwer.

    Mit besten Grüßen aus Bayern
    Marc Mertens

    • Svenja Hofert 20. Juli 2014 at 12:19 - Antworten

      Hallo Herr Mertens, oh, das freut mich. Ist nicht nur auf meinem Mist gewachsen, da ich ja wie gesagt gar keine Ahnung vom Fußball habe, sondern durch Gespräch mit dem Sohnemann. Ja, es ist ganz sicher ein positives Vorbild! herzliche Grüße Svenja Hofert

  2. Christoph Burger 16. Juli 2014 at 17:59 - Antworten

    Liebe Svenja,

    danke für die Erwähnung. Inzwischen habe ich mich übrigens daran gewagt, den Erfolg gänzlich psychologisch zu erklären. (Vor dem Endspiel geschrieben, weil ich so überzeugt war. Aber doch (fast unverändert) danach veröffentlicht – sicher ist sicher 😉
    http://bit.ly/1jxZA0L

    Und was “die Kollege” angeht, bin ich noch nicht sicher, ob ich das so gut finde, als legendäre Version, oder dich um Korrektur bitten soll … 😉

    Viele Grüße, Christoph

    • Svenja Hofert 20. Juli 2014 at 12:17 - Antworten

      Hi Christoph, du darfst mich immer um Korrektur bitten – ich mach mich da auch nachher dran. Lese dann auch deinen Beitrag, war letzte Woche einfach keine Zeit. LG Svenja

  3. Michael 21. Juli 2014 at 10:36 - Antworten

    Sehr geehrte Frau Hofert,
    als langjähriger “Fan” von Kooperationen kann ich Ihnen nur zustimmen. Ihr Artikel passt zudem sehr gut zu einem Artikel, den ich vor ein paar Tagen zum Thema Resilienz der Deutschen Nationalmannschaft geschrieben habe: http://bit.ly/1u78O8W

    Da gibt es sehr viele deckungsgleiche Aspekte wie Reifung, Weitblick, Ziele und Strategien oder auch das Wir-Gefühl.
    Beste Grüße aus Fürth,
    Michael Hübler

  4. Gaby Engelbart 3. Juli 2016 at 15:00 - Antworten

    Hallo Svenja,
    Vielen Dank für den interessanten Artikel. In der Wirtschaftswoche vom 19. Juni 2016 gab es auch zum Thema Erfolg einige Beiträge: http://bit.ly/29EiFMr
    Meiner Meinung nach gehört zum Erfolg, Dinge zu tun, die einem liegen, die man idealerweise sogar liebt und nicht zu früh aufzugeben! Und ohne eine gewisse Disziplin geht es meisten auch nicht!

Einen Kommentar verfassen