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Faulpelz im Team – Wie Sie leistungsschwache Kollegen überleben

Veröffentlicht: 26. Oktober 2010Kategorien: Psychologie

Schlafender PandaKommt Ihnen das bekannt vor?  Im Zweifel übernehmen Sie den Job, weil Kollege X immer alles falsch, unsauber oder unzuverlässig erledigt. Der Teufelskreis verläuft überall ähnlich: Eines oder mehrere Teammitglieder, nicht selten auch der Chef oder Projektleiter, bürden Ihnen als Leistungsträger immer mehr Arbeit auf. Oft verteilen sie dabei Lob oder die stille Anerkennung des Nichts-Sagens, was Ihnen als Fleißigen den Eindruck vermittelt, unentbehrlich zu sein. Schließlich werden die Arbeitstage immer länger, die Belastung steigt und steigt. Der Entwickler eines Hamburger Unternehmens übernahm nach und nach Aufgaben, die Kollegen nicht schafften. Um ihn bei der Stange zu halten, stellte ihm der Vorgesetzte sehr vage eine Teamleitung in Aussicht.

Lazy Co-Worker

Die Angloamerikaner nennen diesen in allen Unternehmen verbreiteten Typ „lazy co-worker“ und es gibt im Internet reihenweise Tipps „how to survive lazy co-workers“. Manchmal ist ihr Ausbeuteschema schon früh erkennbar: In der Schule sind sie es, die auf die Lösungen des Nachbarns schielen, Hausaufgaben abschreiben und sich sogar die Pfuschzettel vervielfältigen lassen („du ich geb dir nen Cent, wenn du deinen Spickzettel für mich mitkopierst“). Auf der Arbeit werden sie zu Kollegen, die den Weg des geringsten Widerstands und einfachsten Joblebens beschreiten. Aufgaben und Projekte, die über ihren Horizont – zeitlich und geistig gehen – lehnen sie ab oder erledigen sie so, dass andere Teammitglieder lauter Mehrarbeit haben. Stress ist ihnen weitestgehend fremd, weil sie immer früh genug nach Hause gehen oder gaaanz langsam arbeiten…. Wahrscheinlich haben sie Zeit für ein ausuferndes Privatleben und können es sich leisten, nebenbei ehrenamtliche Fußballtrainer für F- und E-Mannschaften zu sein.

Was tun 1? Klare Worte helfen (manchmal)

Sie erkennen Kollegen wieder? Dann fragen Sie sich sicher: Was soll ich da tun? Schauen wir uns die einzelnen Situationen einmal näher an. Der Kollege ist schlicht ein Faulpelz, stellt seine Arbeit nicht fertig und Sie können nicht weitermachen? Vereinbaren Sie minutengenaue Termine, bis wann Sie mit der fertigen Arbeit rechnen können. Nerven Sie, sprechen Sie auch mit dem Kollegen anstatt alles per E-Mail zu erledigen. Wirklich: Klare Worte bewirken Wunder. Anschließend bringen Sie das Gesagte zu Papier. Setzen Sie Ihren Chef oder den Projektleiter im CC: der E-Mail über Terminvereinbarungen in Kenntnis. Wenn alle Stricke reißen, fordern Sie: Entweder Sie bekommen einen neuen Kollegen für die Lösung dieser Aufgabe zugeteilt oder der Chef redet ein  ernstes Wort mit dem Faulpelz. Ziehen Sie rechtzeitig Konsequenzen, damit es nicht nur bei Ankündigungen bleibt.

Was tun 2? Leistungsunterschiede annehmen

Das Klein-Doofi-Problem hat zum Ergebnis, dass der Kollege nur Mist abliefert. Liegt es am schlechten Briefing? Hat er nicht alles verstanden? Klären Sie das auf. Finden Sie sich damit ab, dass der durchschnittliche IQ eben doch bei 100 liegt, Talente und Begabung, aber aiuch Leistungsehrgeiz ungerecht verteilt sind (aber sprechen Sie das bitte nicht aus).Kurzum: Manche Menschen können auch nicht das, was Sie können. Und manche wollen nicht. Fragen Sie Kollegen, ob er überhaupt Lust hat, diesen Job zu machen. Vielleicht kann er die ungeliebte Aufgabe mit einem anderen Kollegen tauschen und Ihre Kritik ist letztendlich sogar positiv fürs Teambuilding? Der Pseudo-Chef als Untertyp des Lazy Co-Workers ist besonders nervig: Dieser Kollege behandelt Sie, als wäre er Ihr Ansage-berechtigt und bürdet Ihnen immer neue Jobs auf. Lassen Sie das ja nicht zu. Vergessen Sie dabei nicht, auf kommunikative Basics zurückzugreifen, also z.B. Ich-Botschaften zu formulieren. (“Ich finde, Mich stört, auf mich wirkt das”…)

Was tun 3? Aufgaben zurückverteilen

Wenn die Kommunikation wirkungslos bleibt: Zahlen Sie gleiches mit gleichem heim: Verteilen Sie Aufgaben, Rückdelegation nennt man dies – hier sehr passend. Unterschiedliche Leistungsniveaus sind ein weiteres, häufiges Unterthema des lazy co-workings. Wenn Sie sich mehr reinhängen als der Kollege, der mit „weniger ist mehr“ zufrieden ist, ist wichtig, dass das auch nach außen sichtbar wird. Nicht nur die Team- auch die Einzelleistung muss gesehen werden. Geht es um reine Gruppenarbeit, in der dieser Aspekt verschwimmt: Akzeptieren Sie Leistungsunterschiede, die sich auch aus unterschiedlichen Leistungsniveaus erklären. Leistungsmotivation herzustellen ist dagegen Sache der Führungskraft. Ihr Hebel ist nur, Konflikte offen auszusprechen und einen gemeinsamen Dialog über diese Themen anzuregen. Suchen Sie sich andere Leistungsfelder, sofern „weniger ist mehr“ unternehmens- oder abteilungsweit akzeptiert ist und tatsächlich zur Zielerreichung genügt. Nicht wenige Unternehmenskulturen legen Leistungsträgern Knüppel zwischen die Beine. Da ist dann zum Beispiel üblich 80% der Zeit mit Small Talk zu verbingen, ein zu hohes Arbeitstempo wird kollegial abgestraft… Ob Sie hier dauerhaft glücklich werden? Wohl eher nicht.

Herausfinden: Wie tickt der andere?

Zwei Tipps sind unabhängig von der Art des Lazy-Co-Workings. Nummer eins: Versuchen Sie zu verstehen, wie der andere tickt. Manche Menschen brauchen genaue Briefings und Prozessvorgaben, andere reagieren auf solche Vorgaben mit Ignoranz. So ist ein wenig detailorientierter Mensch oft zu grob in seiner Informationsweitergabe. Je genauer die Erwartungen und Notwendigkeiten formuliert sind, desto besser. Gehen Sie nie davon aus, dass die anderen Ihre „Sprache“ verstehen, sondern übersetzen Sie sie und machen Sie Ihr Anliegen für die Kollegen verständlich.

Und nie vergessen: Nein!-Sagen

Zweiter Tipp: Wer sich über faule Kollegen ärgert, kann oft selbst schlecht „nein“ sagen. Das sollten Sie aber! Einmal „nein“ ist kein-mal „nein“.

Zum Thema Teamarbeit und Lazy Co-Working finden Sie auch Beiträge im Schwesterblog von Teamworks, außerdem in Svenja Hoferts Büchern, unter anderem Agiler Führen.

 

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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6 Kommentare

  1. Sonja Lützenkirchen 22. November 2016 at 10:30 - Antworten

    Schlechte Karten hat man allerdings, wenn die Abteilungsleitung immer mehr Arbeit an die leistungsfähigen Mitarbeiter verteilt (ohne jegliche Anerkennung) und die, die mit Absicht faul sind und schlechte Leistungen erbringen, schont.

  2. Ehrenamtlicher 6. September 2017 at 0:06 - Antworten

    “Wahrscheinlich haben sie Zeit für ein ausuferndes Privatleben und können es sich leisten, nebenbei ehrenamtliche Fußballtrainer für F- und E-Mannschaften zu sein.”

    Diese Aussage finde ich ganz schwach. Sie implizieren für mich dabei, dass Ehrenamtliche tendenziell Faulpelze im Job sind?

    Aus meiner Sicht eine unhaltbare Aussage. Gerade ehrenamtlich Tätige bringen soziale Kompetenzen in Unternehmen die sich positiv auswirken. Bedenken Sie, dass wesentliche Teile des Rettungswesens, des Sports sowie weitere Teile des Vereinslebens in der Bundesrepublik Deutschland auf ehrenamtlichen Engagement beruhen.

    • Svenja Hofert 3. Oktober 2017 at 16:13 - Antworten

      der Text ist voll mit Ironie – so sollte man ihn auch lesen. beste Grüße SH

    • Anna Meyer 6. April 2018 at 13:49 - Antworten

      Jeder Daumen ist ein Finger, nicht jeder Finger ist ein Daumen! Dass gesagt wird, Faulpelze hätten Zeit für Ehrenämter, bedeutet nicht, dass alle Ehrenamtlichen Faulpelze sind. Das ist ein falsch gezogener Umkehrschluss, aber keine Sorge: ein weit verbreiteter Fehler.

  3. Dora 12. Dezember 2018 at 8:46 - Antworten

    Wieder bin ich bestärkt in meiner Auffassung, Dienst und Privatleben konsequent zu trennen. Was geht es meine Kollegen an, wie ich meine Freizeit verbringe?Das ist übergriffig.

  4. Mike 30. Juli 2021 at 7:06 - Antworten

    In der heutigen Arbeitswelt sind solche Kollegen eher Vorbild statt Problem

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