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Mehr als Schicksal: Die Kraft von ersten Schritten, die kein Ziel und keine Absicht haben

Veröffentlicht: 23. April 2015Kategorien: Psychologie

road-630415_1280Rüdiger Grube, Vorstand der deutschen Bahn, ist einer der wenigen Top-Manager, denen der Erfolg nicht in die Wiege gelegt wurde. Sohn eines Obstbauern, zweiter Bildungsweg, Hauptschule, Realschule, Lehre als  Metallflugzeugbauer bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm. Sein Traum war es zu studieren, allein die finanziellen Möglichkeiten ließen das nicht zu. Nach seiner Ausbildung schrieb er einen Beitrag über Organspende in der Mitarbeiterzeitung, den Frau Blohm las, die ein behindertes Kind hatte. Der Beitrag berührte sie. Man rief den jungen Mechaniker an und sprach über seinen Wunsch zu studieren – und  ihm Unterstützung in Höhe von 300 DM pro Monat zu.
Grubes Geschichte hat mich beeindruckt, nicht weil sie die Geschichte eines Aufstiegs aus der Arbeiterklasse ist.  Sie zeigt etwas anderes, was ich so oft feststelle: Chancen ergeben sich oft unerwartet. Es ist deshalb wichtig, Dinge zu tun, die einem wichtig sind – und nicht alles zu planen und zu berechnen.

Chancen lassen sich schwer berechnen

Wer…

  • Dinge ohne Absicht tut,
  • Schritte geht, ohne etwas zu bewirken,,
  • hilft, ohne Gegenleistung zu erwarten,,
  • Interesse zeigt, ohne das der Gegenseite einzufordern,

…kommt oft sehr viel weiter als andere

Erfolg lässt sich kaum kalkulieren

Oft spreche ich Menschen, die beruflich neue Wege gehen wollen, aber eine Art Garantie dafür suchen, dass der Karriereplan aufgeht. Sie verlangen maximale Sicherheit, eine Art Traumjob auf Rezept. Man will nichts umsonst machen, nicht auf Geld verzichten, sich nicht einsetzen oder auch nichts Neues lernen…. oder nur dann, wenn man 100% weiß, wohin das führt.

Netzwerke pflegen? Nur, wenn klar ist, dass am Ende dabei etwas
rauskommt. Sich ehrenamtlich engagieren? Nur, wenn sicher ist, dass dabei eine Stelle herausspringt.

Genau diese Einstellung hindert viele in ihrem Weiterkommen. Sie stagnieren über Monate oder Jahre, suchen nach dem Ausweg, aber nur dort, wo der Einsatz auch einen Gewinn bringt. Alles andere ist zu unsicher, könnte schief gehen.

Ich kann das einerseits gut verstehen. Viele, gerade Frauen opfern sich in Ehrenämtern auf und werden als billige Arbeitskräfte oft auch missbraucht. In Zeitungen schreiben
betuchte Professoren und müssen sich um ihre Finanzen nicht sorgen – die freiberuflichen Journalisten allerdings wohl.

Es ist ein Balanceakt: Was tue ich aus mir selbst heraus? Wann tue ich es? Wo sind Grenzen? Wann ist es sinnvoll, nicht daran zu denken, wohin etwas führen könnte und
überrascht zu sein, wenn ein Artikel, eine gute Tat, eine Spende, ein Einsatz Türen öffnet? Und wann ist es notwendig den Ertrag im Visier zu behalten?

Menschen, die etwas tun, ohne Ihr Tun zu berechnen, sind fast immer satt. Sie ruhen in sich. Sie würden zum Beispiel auch dann ihr Buch zuende schreiben, wenn es kein Verlag kauft. Sie würden auch dann ein Lied schreiben, einen Song singen, ein Studium durchlaufen, wenn sich daraus nur ein einziger Mehrwert ableiten ließe: In dem Moment, zu dieser Zeit war es wichtig und richtig für mich.

Einen Artikel für die Mitarbeiterzeitung zu schreiben ist ein kleines Ding. Aber wer macht selbst solche kleinen Dinge heute noch ohne Berechnung? Viel zu oft brechen im Berufsalltag andere Interessen weg, wir leben nur noch für den Job und lassen immer weniger Raum für die kleinen Zufälle, für unerwartete Begegnungen
und neue Erfahrungen – die sich eben meist außerhalb des egenen Jobbetriebs ergeben. Diese Zufälle, oft herbeigeführt durch Begegnungen, sind aber sind wichtiger als alle Karriereplanung. Chancen ergeben sich vor allem oft jenseits eingetrampelter Pfade und nicht auf dem sicheren Weg. Chancen ergeben sich fast immer gerade dort, wo man gar nicht nach ihnen sucht.

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Über Svenja Hofert

Svenja Hofert verbindet unterschiedliche Welten und Positionen. Dabei entwickelt sie neue und eigene Blickwinkel auf Themen rund um Wirtschaft, Arbeitswelt und Psychologie. Sie ist vielfache Buchautorin und schreibt hier unregelmäßig seit 2006. In erster Linie ist sie Ausbilderin und Geschäftsführerin ihrer Teamworks GTQ GmbH. Interessieren Sie sich für Ausbildungen in Teamentwicklung, Agilem Coaching und Organisationsgestaltung besuchen Sie Teamworks. Möchten Sie Svenja Hofert als Keynote Sprecherin gewinnen, geht es hier zur Buchung.

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2 Kommentare

  1. Stefan Müller 28. April 2015 at 11:29 - Antworten

    Hallo Frau Hofert,

    im Gegensatz zu Ihrem Artikel zum Thema Karrierewege, kann ich Ihnen hier vollständig zustimmen. Durch das Schreiben meines eigenen Blogs bin ich bereits mit so vielen tollen, faszinierenden Menschen in Kontakt gekommen ohne das ich etwas davon geplant hätte. Wichtig dabei ist es allerdings zu investieren. Investment bedeutet nicht unmittelbar eine Gegenleistung zu erhalten. Investment bedeutet auf Möglichkeiten in der Zukunft einzuzahlen auch wenn aus ihnen nichts wird. Investment bedeutet Risiko welches sich allerdings auszahlen kann. Tut man das in vielerlei Hinsicht ohne dabei eine Gegenleistung zu erwarten, wird man überrascht sein was alles dabei herauskommen kann. Vielleicht ist es sogar so, dass auf irgendeiner metaphysischen Ebene, Leidenschaft Chancen und Möglichkeiten anlockt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Müller

  2. Otger Jeske 12. Mai 2015 at 21:34 - Antworten

    Meine Erfahrungen bisher waren: immer viel Investiert und nie irgendwas bekommen außer von anderen ausgenutzt zu werden. Und ich red’ hier von über 30 Jahren Vollgas ohne Rücksicht auf eigene Gesundheit oder irgendwas was “sofort” erreicht werden sollte. Habe nicht im Lotto gewonnen und gehöre somit nicht zu denen, die sich das leisten können. Habe ich dennoch. Aber seit einiger Zeit iust einfach die Kraft und Energie raus. Immer nur reinstecken und nichts rauskriegen … von “Anlocken” – wie Herr Müller kommentiert – kann hier also keine Rede sein.
    Gibt aber auch die, die alles haben wollen und nichts investieren – weder Zeit, noch Geld. Und genau das funktioniert eben nicht. Entweder das eine oder das andere und in der Regel muß man sogar beides. Und wenn man am Ende mit nix in der Hand dasteht, sollte es auch egal sein.

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