Kate­go­rien

Was sind meine Stärken und Talente? Selbst­test Gallup Stär­ken­finder

Published On: 9. März 2014Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

(aktua­li­siert 1/2019, der Test­be­richt entstand 2014!)

Mehrere Kunden haben mich das in den letzten Wochen nach dem Strength Finder gefragt. Da musste ich mir das doch mal selbst ansehen.Der Strengths Finder ist eine Entwick­lung des Gallup Insti­tute und ist ein psycho­me­tri­sches Verfahren. Es handelt sich um einen um einen Internet-Test, zu dem ein Buch aus dem Campus-Verlag den Zugangs­code liefert. Zum anderen kann man sich als Coach oder Perso­naler für die Anwen­dung wie bei kommer­zi­ellen Verfahren üblich, zerti­fi­zieren oder viel­mehr durch Teil­nahme an einem Kurs akkre­di­tieren lassen. Das nennt sich dann “Elite Coach”, was für mich sehr befremd­lich klingt.

Talente — was ist das?

Man kann den Test nur machen, wenn man das Buch kauft. Der Test misst keine Eigen­schaften, sondern eher… naja… Talente: Talente als eine Art Vorbote von Stärken. Über diese Defi­ni­tion kann man sich treff­lich streiten. Jeden­falls sollten die ermit­telten Stärken, 32 an der Zahl, überall weitest­ge­hend gleich verteilt sind, in allen Ländern, bei  beiden Geschlech­tern (auch dem dritten?) und auch bei Weißen, Schwarzen und Latinos. Geadelt wird die Rück­seite des Werks durch einen lobenden Kommentar das großen Mihail Cszikszent­ment­alyj. Das ist der Forscher, der den „Flow“ entdeckt hat. Jetzt darf man das Buch, und den Test, äh beides, eigent­lich nicht mehr schlecht finden.

Wie aus einem Astro­buch

Mich erin­nern die Texte von Marcus Buckingham/Donald Clifton an ein Astro­­logie-Buch aus dem Jahr 1969, der Blumen­kin­der­zeit. Es beschreibt die “Stärken” unein­ge­schränkt positiv. Man WILL sich einfach wieder­finden. Man könnte es aber auch so sehen: Es ist eine hübsche Selbst- und Fremd­be­weih­räu­che­rung. Mein System 2 — also das lang­same Denken — mag das nicht so, aber es versteht auch, dass jemand solche Texte super findet, der mehr über sich heraus­finden möchte und viel­leicht vorher durch Arbeits­welt und Umge­bung etwas verun­si­chert wurde. Man fühlt sich einfach gut, wenn man liest, dass das, was andere viel­leicht oft kriti­sierten, eine Stärke ist (z.B. die Tatsache, dass man an allem immer herum­ana­ly­siert oder von Dingen über­zeugt ist, für die es keine Belege gibt).

Ein wenig zu blumig für meinen Geschmack

Das ist so positiv ener­ge­ti­sie­rend, als wenn man in einem Life Work-Plan­­ning-Kurs nach Richard Bolles am Ende Bilder malt, seinen Träumen hinterher denkt und sie damit näher holt. „Ich bin wie ich bin“ — und das ist gut so. Klar, dass das ankommt! PIP-Programme (Personal Impro­ve­ment Program), mit denen Arbeit­geber einem die Schwä­chen austreiben suchen? Sind damit ad absurdum geführt. Man soll doch nicht an Schwä­chen arbeiten. Finde ich ja auch, nur: Manche Stärken werden nur wirksam und fruchtbar, wenn man einige Themen im Leben bear­beitet hat, etwa die eigene Konflikt­fä­hig­keit. So ganz kommt man einfach nicht darum herum, sich auch mit seinen Macken zu beschäf­tigen, weil das auch Auswir­kungen auf Stärken hat.

Angeb­lich ist posi­tive Psycho­logie die Basis

Der Strengths Finder beruht angeb­lich auf der posi­tiven Psycho­logie, die von Martin Selig­mann begründet wurde. Aller­dings wird sie hier in einen “Mess­kon­text” geschoben, der dem Grund­ge­danken nicht mehr so recht entspricht. Selig­manns Verdienst ist die Reha­bi­li­tie­rung und Benen­nung von 24 Charak­ter­stärken und Tugenden, die schon in der Antike galten. Deren Nutzung ist die Basis für persön­li­ches Glück und beruf­liche Zufrie­den­heit. Es ging Selig­mann weniger darum heraus­zu­finden, was der eine kann und der andere nicht. Ganz sicher ging es nicht um ein Instru­ment fürs Recrui­ting.

So ist der Ansatz des Gallup Insti­tuts, der vom 2003 verstor­benen Donald Clifton entwi­ckelt wurde, eigent­lich eben keine posi­tive Psycho­logie, sondern reiht sich in die Tradi­tion diffe­ren­zi­eller Persön­lich­keits­ver­mes­sung. Die posi­tive Psycho­logie setzt eigent­lich ja einen Kontra­punkt zur defi­zit­ori­en­tierten  klas­si­schen Psycho­logie (die sich letzt­lich auch in besagten PIP‑s wider­spie­gelt). Im Grund­la­gen­buch Psycho­logie von David Myers ist sie mit unge­fähr 36 Zeilen erwähnt, d.h. sie spielt in der Wissen­schaft derzeit so gut wie keine Rolle.

Fragen, die kein wenn und aber zulassen

Beim Ankreuzen, das etwa eine halbe Stunde dauert und über 177 Fragen führt, war ich genervt, denn oft stimmte gar nichts von den genannten Alter­na­tiven, und ich würde mal gerne wissen, wie die genaue Punk­te­auf­tei­lung bei mir aussieht – die erhält man aber nicht in der Buch­ver­sion. Ich vermute, die Punkte sind weit gestreut. So sollte ich sagen, ob ich 25% oder 75% des Tages an die Zukunft denke. Ich habe mich für 25% entschieden.  Was, wenn es 50 sind? Und dann sollte ich mich zwischen Zukunfts- und Bezie­hungs­fragen entscheiden. Losge­löst vom Kontext ist das aus meiner Sicht fast unmög­lich. Am Ende kam heraus: Meine 5 größten Stärken sind Stra­tegie, Vorstel­lungs­kraft, Einzel­wahr­neh­mung, Bindungs­fä­hig­keit und Wiss­be­gier.

Das wusste ich schon von den Big Five

Nun ja, stimmt schon: Vorstel­lungs­kraft, Stra­tegie sowie Wiss­be­gier ist Offen­heit für Neues in den Big Five und da hatte ich in allen mögli­chen Big-Five-Versionen immer hohe Werte. Stra­te­gisch begabte Menschen haben eher eine Neigung zu Komple­xität (Subfa­cette in der Offen­heit für neue Erfah­rungen). Man spielt Dinge und Szena­rien außerdem inten­siver durch, wenn man dazu neigt, auch kriti­sche Seiten zu sehen und viel vorzu­denken, weil man ja durch die neuro­ti­sche Grund­hal­tung sicher­heits­ori­en­tiert ist. Die anderen Punkte resul­tieren aus punk­tu­eller Extra­ver­sion und punk­tu­eller Verträg­lich­keit. Das hätte man auch mit den Big Five heraus­be­kommen können, wollte man aber bewusst nicht. Die Autoren erwähnen das übri­gens auch im Buch.

Schmei­chelnd, aber auch hilf­reich?

Die Beschrei­bungen selbst: Nun ja, das Astro-Buch. Dies hier liest sich so, dass man sich irgendwie immer wieder­findet. Das finde ich an sich auch über­haupt nicht schlimm, wenn da nicht der wissen­schaft­liche und damit objek­tive Anstrich wäre. Alles ist positiv. Das geht sehr in die Traumjob-Ecke. Für jeden gibt es einen Traumjob, man muss nur seinen Inter­essen… halt hier: seinen Talenten folgen. Das ist 1970er Jahre-Haltung in der Denk­spur von Richard Nelson Bolles und Barbara Sher. Etwas unkri­tisch wird behauptet, Talente, also jene Vorboten von Stärken, seien ange­boren. Wie war das mit der Genom-Umwelt-Korre­la­­tion? Widde­wid­de­witt: Ich mach mir meine Welt wie sie mir gefällt.

Natür­lich schmei­chelt es mir, wenn ich im Ergeb­nis­re­port Dinge lese wie „Dank Ihrer stra­te­gi­schen Bega­bung sind Sie in der Lage, sich durch jedes erdenk­liche Dickicht durch­zu­schlagen und spontan den direkten Weg zum Ziel zu finden. Diese Fähig­keit ist nicht erlernbar, es ist viel­mehr eine bestimmte Art, zu denken und die Welt zu betrachten.“ Klar bin ich geneigt zu sagen: Ja! Aber ist es das, was mich in erster Linie auszeichnet? Ich sehe Zusam­men­hänge, auf die andere nicht kommen. Das ist aber auch Analyse, Kontext­denken, Vorstel­lungs­kraft und Zukunfts­ori­en­tie­rung — auch die Texte über­schneiden sich inhalt­lich. Ich würde gerne wissen, ob die Korre­la­tionen zwischen den Stärken unter­sucht und berechnet wurden. Ich vermute, diese sind bei einigen Stärken sehr hoch, dass diese nicht trenn­scharf sind. Mindes­tens die Texte sind aber unzu­rei­chend abge­grenzt. Am Anfang zitieren die Autoren zum Beispiel Warren Buffet und nennen ihn als jemand, der sich auf seine Stärken konzen­triert hat — diese werden dann aber nicht nach dem eigenen System benannt. Was sind denn nun die drei Dinge, die Buffets Erfolg ausma­chen? Wenn man schon ein System hat, sollte man es auch konse­quent anwenden.

Da fühlst du dich gleich besser

Da fühlst du dich gleich besser

Immerhin, keine Berufs­emp­feh­lungen

Die gute Einzel­wahr­neh­mung, die mir der Strengths Finder attes­tiert, klingt char­mant. „Sie sind faszi­niert von den einzig­ar­tigen Veran­la­gungen, die Sie bei jedem einzelnen Menschen wahr­nehmen. Verall­ge­mei­ne­rungen und sämt­liche Ausprä­gungen von Schub­la­den­denken sind Ihnen dagegen zuwider…“ Auch wenn ich die anderen Beschrei­bungen lese, treffen diese zu 80% auf mich zu, das gilt aber für mindes­tens 15 der 32 Texte. Insge­samt ist mir das nicht abge­grenzt genug.

Wenn andere mich beschreiben, so ist “prag­ma­tisch” das Wort, das ich am häufigsten höre. Es ist mir wich­tiger, dass etwas nützt, als dass es “korrekt” ist: Deshalb sehe ich auch: Menschen, die sich nicht berufs­mäßig mit diesen Dingen ausein­an­der­setzen, mögen solche Hilfs­mittel sehr, weil sie in der Regel nach Bestä­ti­gung ihrer Selbst suchen und nicht etwa nach Wider­sprü­chen — das nennt sich Bestä­ti­gungs­ten­denz und ist mensch­lich.

Gut finde ich auch, dass Gallup sagt, dass sie Berufs­zu­wei­sungen anhand ihres Tests ablehnen, weil sie gesehen haben, dass man seine Talente in nahezu jedem Job anbringen kann. Das ist so: Natür­lich ist ein stra­te­gi­scher Mensch besser in stra­te­gi­schen Berei­chen und ein Kontakt­mensch besser im Vertrieb aufge­hoben, aber im Grunde kann jeder seine Talente überall entfalten, so lange nur die Umge­bung stimmt. Diesen Gedanken mag ich.

Fürs Recrui­ting halte ich den Test aller­dings für komplett unge­eignet, fürs Coaching würde ich es nur sehr bedingt empfehlen. Zu ameri­ka­nisch sind sowohl Begriffe als auch Beschrei­bungen, jeden­falls für deut­sche Verhält­nisse.

wassindmeinestaerken

Zwei Jahre nach diesem Beitrag habe ich meinen Stär­ken­Na­vi­gator entwi­ckelt. Das ist eben bewusst kein Test und absicht­lich unwis­sen­schaft­lich. Ich habe es als Instru­ment zur Kommu­ni­ka­tion und Stär­ken­ent­wick­lung entworfen. Und ich habe künst­le­ri­sche Stärken aufge­nommen, die im Strength­Finder nicht vorkommen. Damit arbeiten wir nun schon fast vier Jahre sehr erfolg­reich in meinen Ausbil­dungen, u.a. Team­works­PLUS und Karrie­re­ex­perte Profes­sional. Sie können die Karten auch bei Kexpa beziehen.

Es gibt inzwi­schen Gender-Karten für den Einsatz in der Verwal­tung und einen Strength­Na­vi­gator in Englisch. Man kann damit in Teams arbeiten und seine Teams ebenso wie seine Karriere entwi­ckeln. Ganz entspannt ohne Fest­le­gung.

 

Da dieser Beitrag seit Jahren zu den meist aufge­ru­fenen gehört, hier noch ein Hinweis zu Tests und meiner Haltung dazu. Seit 2014 hat sich einiges bei mir und in mir geän­dert. Ich bin deut­lich kriti­scher geworden.

Das hat vor allem vier Gründe.

  • Erstens: Die Praxis zeigt, wie unzu­rei­chend die Aussagen sind, die diese Tests treffen — und wie groß die Gefahr der Bildung von Stereo­typen. Für die Inter­pre­ta­tion sind vertiefte Kennt­nisse notwendig, sonst wird das beste Instru­ment ad absurdum geführt. Das passiert zu häufig.
  • Zwei­tens: Die Praxis hat mir immer weiter verdeut­licht, wie sehr der Kontext Menschen prägt und wie unzu­rei­chend der Blick auf die Persön­lich­keit ist.
  • Drit­tens: Je mehr ich erlebt habe, desto sicherer bin ich mir, dass es wichtig ist, eine dyna­mi­sche und entwick­lungs­be­zo­gene Sicht auf Menschen zu fördern. Persön­lich­keits­tests kommen aus der diffe­ren­zi­ellen Psycho­logie, die Unter­schiede zwischen Menschen ermit­teln möchte. Hier fehlt der entwick­lungs­be­zo­gene Blick.
  • Vier­tens:  Wir werden durch solche Tests geprimt, also unbe­wusst beein­flusst. Das ist eine Chance,  bei unreifen Charak­teren aber Sucherin Risiko. Erst recht, wenn der Auswertet nicht ausrei­chend kompe­tent.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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15 Kommen­tare

  1. Lars Lorber 10. März 2014 at 9:45 — Reply

    Sehr ähnlich, aber besser als Gallup, da sinn­voller aufge­teilte Stärken und Auswer­tung inkl. Schwä­chen, ist der VIA-IS: http://bit.ly/OchirZ

    Der ist sogar komplett kostenlos nach Anmel­dung auf der Seite des Anbie­ters (und auch auf deutsch verfügbar, obwohl das Anmel­de­for­mular englisch ist).

  2. Sophia Zara­vella 10. März 2014 at 17:45 — Reply

    Ich verfolge Ihre Blog­ein­träge mit großem Inter­esse und fand den aktu­ellen Beitrag zum Thema Stärken, das mich gerade beschäf­tigt sehr hilf­reich. Gibt es viel­leicht auch Hinweise über INSIGHTS MDI? z.B. wie hilf­reich die Unter­schei­dung in acht Haupt­typen in der Praxis ist, usw.
    (Stärken stärken, Chris­tiani / Scheelen, 2010)

    • Svenja Hofert 10. März 2014 at 18:50 — Reply

      Hallo, danke schön. Insights habe ich mal gemacht, aber da fehlen mir z.Zt. die tieferen Einblicke. LG Svenja Hofert

  3. Claus F. Bert­hold 11. März 2014 at 11:35 — Reply

    Bei mir ist es schon etwas her mit dem Buch, aber ich stimme Ihnen beson­ders für den Bereich “Ähnlichkeiten/Übereinstimmungen” bei den Eigen­schaften zu. Das Pfund mit dem Gallup punkten möchten,ist soweit ich erin­nere, die Masse an Tests. Zumin­dest läßt sich darüber fest­stellen, dass man mit dem rich­tigen Test genau die Ergeb­nisse erzielt die gewünscht sind.
    Als allei­niger Test und um danach seine neue Lebens­aus­rich­tung zu finden ist es sicher nicht geeignet, da würde ich mich dann doch lieber wieder auf einen Coach verlassen wollen.
    Vielen Dank für den Vergleich mit dem Astro­lo­gie­buch — herz­haftes Schmun­zeln.

  4. Kilian Treiber 11. März 2014 at 16:07 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    mein Test­ergebnis enthält eben­falls die Stärken: Stra­tegie, Einzel­wahr­neh­mung und Wiss­be­gier (neben Bedeut­sam­keit und Kommu­ni­kator). Ich bin ebenso im Karrie­re­be­ra­tungs­ge­schäft unter­wegs. Ob das nicht für den Gallup-Test spricht?

    Beste Grüße und ein großes Lob für Ihren Blog

    Kilian Treiber
    Juni­or­coach
    Karrie­re­kunst

  5. Wolf­gang Lohmann 3. Juli 2014 at 10:42 — Reply

    Hier meine 6 Bemer­kungen
    1) Den Test kann man auch ohne Buch machen, für die Top 5 kostet er dann etwa $10, für alle etwa $90.

    2) Die nach dem Test gene­rierten Beschrei­bungen fand ich für mich inter­es­santer als die Beschrei­bung in dem Buch, welches ich mir kürz­lich nach­träg­lich erworben habe und welches mir nicht weiter­hilft.

    3) Ich könnte mir vorstellen, dass die Antwort­zeit als Maß für die Sicher­heit einer Entschei­dung mit in die Wich­tung einfliesst. Gar nicht gewählt würden einer 50% Entschei­dung entspre­chen (bei mir sprangen Fragen nach 20 Sekunden weiter).

    4) Wenn man der Beschrei­bung im Buch folgt, dass die am stärksten verwen­deten Verbin­dungen im Gehirn bestehen bleiben während der Weiter­ent­wick­lung in der Kind­heit, und man dazu­nimmt, dass ein Gross­teil des Umbaus im Gehirn während der Pubertät passiert, könnte man auch die Vermu­tung unter­legen, dass die Talent­themen mass­geb­lich in der Kind­heit geprägt werden (und nicht ange­boren sind). Talente werden hier so darge­stellt, dass Akti­vi­täten in diesem Bereich leichter fallen. Das schliesst spätere Anpas­sungen in bestimmtem Umfang nicht aus.

    5) Für mich als Laien habe ich mich seltsam wieder­erkannt gefühlt, beispiels­weise die von mir in Diskus­sionen oft einge­brachte Komple­xität oder selt­samen anderen Blick­winkel, die unvor­be­rei­tete Diskus­si­ons­partner eher verwirren. Man kann vergleichs­weise seine Bekannten bitten, aus ihrer Sicht die eigenen Top 5 Stärken aufge­listet zu bekommen, was oft aber nicht mit der glei­chen Klar­heit des Strength­finder passiert.
    Ein Karrie­re­be­rater hätte meine Stärken sicher auch heraus­finden können. So hat mir der SF einige meiner Eigen­schaften bewußt gemacht, über die ich jetzt anders reflek­tiere. Der SF Test ist für mich inter­es­sant, aber auch eben nicht mehr als ein Test von vielen, dessen Ergebnis ich kritisch reflek­tiere, nicht verab­so­lu­tiere, und das heraus­ziehe, was mich meiner Meinung nach voran­bringt, ggf. mit einem Karrie­re­be­rater.

    6) Was mir aber eigent­lich fehlt, sind konkrete Hinweise, nach welchen Stellen/Tätigkeiten ich suchen müsste, damit ich diese Talente entfalten kann. Wo ist man an Menschen mit meinem Talent­profil inter­es­siert?
    Wenn ich sie ohnehin überall mehr oder weniger einsetzen kann, hilft mir dies für die Suche nach einem neuen Karrie­re­ziel nicht viel weiter.

  6. Marcus Gegen­bauer 30. September 2014 at 14:23 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,

    ich selbst verwende die 5 Leit­mo­tive aus den 34 des Strengths­Finder seit Jahren für verschie­dene Leis­tungen in der Bera­tung und kann Ihre beschrieben Kritiken kaum nach­voll­ziehen.

    Ich bin unab­hängig, also kein Gallup-Coach oder mitar­beiter und nutze auch andere Tools zur Fest­stel­lung der Stärken. Tatsäch­lich ist der Strengths­Finder aber genau wegen seiner großen Band­breite der Kombi­na­ti­ons­mög­lich­keiten, für mich eines der besten Tools zur Unter­schei­dung beson­derer Fähig­keiten bei einzelnen Kandi­daten. Man kann es sich ja selbst ausrechnen, bei 5 aus 34 in einer Reihen­folge ergeben sich rund 33 Mio. Möglich­keiten … das ist schon ein sehr hoher Unter­schei­dungs­grad. Vorteil: prak­tisch jeder ist in seiner Denke und im Hand­lungs­muster verschieden, Nach­teil: die Vergleich­bar­keit unter den Kandi­daten ist schwierig, doch das mögen ohnehin nur jene, die am liebsten ein paar Kate­go­rien von Menschen haben möchten und Schluss.

    Aller­dings habe ich mir dazu auch eine eigene weiter­füh­rende Analyse-Matrix erschaffen, die vor allem die Wech­sel­wir­kung der Leit­mo­tive betrachtet … denn das ist tatsäch­lich der wich­tigste Aspekt. Dabei bekommen natür­lich auch die nicht domi­nant ausge­prägten Leit­mo­tive ihre Bedeu­tung, denn wer 5 ausge­prägte Leit­mo­tive aus 34 hat, der hat auch 29 nicht so stark ausge­prägte. Damit ist für mich das Thema “Posi­tive Psycho­logie” vom Tisch, das zurecht kriti­siert, zu einsei­tigen Sicht­weisen führt.

    Das viele womög­lich kaum ihre Stärken im beruf­li­chen Umfeld anwenden kann ich bestä­tigen. Zum einen wissen die meisten kaum etwas konkretes über ihre Motive, zum zweiten erfolgt die Perso­nal­aus­wahl auch über­haupt nicht auf dieser Basis. Das Resultat sieht man tagtäg­lich Montag Morgen auf sehr vielen Arbeits­plätzen … da muss man Enga­ge­ment Studien von Aon Hewitt, Kien­baum und Gallup gar nicht groß­artig stra­pa­zieren.

    Meine Erfah­rungen es anders zu entde­cken … bewusst in Unter­nehmen die Stärken der Mitar­beiter mit den Anfor­de­rungen des Arbeits­platzes in Deckung zu bringen, sowie viele Paar-Sitzungen zwischen Koope­ra­ti­ons­partner und in privaten Bezie­hungen, zeigen eine sehr hohe Anwend­bar­keit der Methode, wenn man sie richtig nutzt.

    Schöne Grüße

    Marcus Gegen­bauer

  7. Vera Mueller 20. Oktober 2014 at 12:24 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,
    bitte korri­gieren Sie in Ihrem lebendig und infor­mativ geschrie­benen Blog­bei­trag den Namen des Flow­for­schers. Er schreibt sich Mihály Csíks­zent­mi­hályi und nicht Mihail Cszikszent­ment­alyj. Auch wer nur ansatz­weise Unga­risch kennt wie ich stol­pert darüber.
    Mit freund­li­chen Grüßen
    Vera Mueller

  8. J. Meyer 8. August 2015 at 13:05 — Reply

    Ein prag­ma­ti­sches Tool, das Fähig­keiten mit regis­trierten Berufen des US Bureau of Labor Statis­tics verbindet, ist der Rasmussen Career Apti­tude Test. Man gibt an, wie gut man sich in den Berei­chen Artistic, Inter­per­sonal, Commu­ni­ca­tion, Mana­ge­rial, Mathe­ma­tics, Mecha­nical, Science einschätzt und kriegt entspre­chende Berufe vorge­schlagen. Gibt es etwas Ähnli­ches auch für den deutsch­spra­chigen Raum? Link: http://bit.ly/1gS1Pfp

  9. Ursula Zenses 15. November 2015 at 9:17 — Reply

    Liebe Frau Hofert,

    ich bin über die Anzahl der von Ihnen beschrie­benen Stärken gestol­pert.
    Es sind 34 (nicht, wie Sie schreiben, 32)
    In Ihrer Liste stehen bereits 33 Talente , es fehlt die “Wieder­her­stel­lung”
    Wie Sie sich bestimmt denken können, ist eines meiner Top 5 Talente “Höchst­leis­tung” — darin beinhaltet ist das Bestreben, gute Dinge noch besser zu machen “den Edel­stein weiter zu schleifen”. Daher ist meine Rück­mel­dung wohl­wol­lend gemeint.
    Herz­liche Grüße, Ursula Zenses

  10. Anonym 17. September 2017 at 15:18 — Reply

    Um seine Stärken heraus­finden zu können, kann man auch seine spon­tanen, unmit­tel­baren Reak­tionen auf erlebte Situa­tionen beob­achten. Diese geben uns Hinweise darauf, wo unsere Talente und Stärken liegen könnten.

    Bei mir war es früher so, dass ich glaubte, extrem schüch­tern und ängst­lich zu sein. Unter Menschen habe ich mich unwohl gefühlt und Vorträge konnte ich nicht ohne zu Stot­tern halten. Auch heute bin ich in diesen Berei­chen meines Lebens noch unsi­cher. Aber woher kommt das?

    Ich denke, dass das durch meine Stärke der Vorstel­lungs­kraft kommt.

  11. Ruth Haber­mehl 4. Januar 2019 at 9:52 — Reply

    Schade, dass die Recherche nicht tief genug war. Herr Dr. Clifton gehört nicht zu den Psycho­logen im Kontext der Posi­tiven Psycho­logie, sondern mehr in den Bereich Arbeits- und Orga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­logie. Das primäre Ziel ist bessere Leis­tung und nicht besseres Blühe und Gedeihen. Das entspricht auch dem metho­di­schen Ansatz, “erfolg­reiche Menschen” zu inter­viewen und aus den Ergeb­nissen die Talent­typen abzu­leiten.

    • Svenja Hofert 3. Februar 2019 at 14:22 — Reply

      Hallo Frau Haber­mehl, ja Sie haben recht. Mir war der Beitrag seit längerem ein Dorn im Auge.Ich habe ihn deshalb noch mal ange­passt. Danke für Ihren Hinweis. LG Svenja Hofert

  12. Georg Pfreimer 17. Dezember 2020 at 9:22 — Reply

    Zunächst einmal — es sind 34 Talente, nicht 42. Und dann kommt es natür­lich sehr darauf an, wie man ein solches “Werk­zeug” einsetzt. Ich selbst habe ein breite Ausbil­dung in verschie­denen Modellen und Konzepten, u.a. im Syste­mi­schen Coaching.
    Wenn man den Strengths­Finder als durchaus sehr anre­gendes Tool zur Beschäf­ti­gung mit eigenen Verhal­tens­dis­po­si­tion begreift und als Ausgangs­punkt für eine sehr diffe­ren­zierte Refle­xion der eigenen Persön­lich­keit, haben wir hier einen sehr guten Frame. Dass natür­lich Stärken auch zu Schwä­chen werden können und dass man nicht zu “ameri­ka­nisch” rangehen sollte, sehe ich auch. Aber profes­sio­nelles Arbeiten in Coaching und Bera­tung bedeutet ja nicht, das eine und alles erklä­rende Mega­tool zu finden und zu nutzen, sondern diffe­ren­ziert aus viel­fäl­tigen Möglich­keiten zu schöpfen.
    Und für mich ist der Gallup-Ansatz hier sehr geeignet, wenn auch hinrei­chend komplex — ok, und nicht immer trenn­scharf, um komplexe Persön­lich­keiten in viel­fäl­tigen Schat­tie­rungen zu beschreiben und Weiter­ent­wick­lung zu betreiben.

  13. Guido Neumann 5. Februar 2021 at 12:44 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    ich find die Einstu­fung des Tests sehr wichtig. Am Ende Ihres Beitrags hat sich aber wohl doch die Auto­kor­rektur, wie der Name schon sagt, selbst­ständig gemacht ;-): Das ist eine Chance, bei unreifen Charak­teren aber Sucherin Risiko. Erst recht, wenn der Auswertet nicht ausrei­chend kompe­tent.

    Liebe Grüße
    Guido Neumann

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