Stärken entwi­ckeln

Auf dieser Themen­seite geht es um Stärken. Warum diese mehr sind als Persön­lich­keits­tests zeigen. Und weshalb wir viel mehr auf Stär­ken­ent­wick­lung setzen sollten. Dazu jedoch müssen wir erst mal das Wesen von Stärken verstehen. Los geht´s.

Stärken stärken! Dass das wichtig ist, darüber besteht Einig­keit. Aber was sind Stärken über­haupt? Das Konzept von Stärken als Gegen­teil von Schwä­chen scheint selbst­ver­ständ­lich. In Wahr­heit liegt dahinter sehr viel mehr. Denn Stärken sind kein Gegen­teil von Schwä­chen. Es sind eigen­stän­dige Treiber von Entwick­lung. Sie sind Kern jeder Inno­va­tion und verbunden mit Verän­de­rung. Sie bringen etwas hervor, das in dieser Welt wirken kann.

Doch Stärken sind nicht leicht zu erkennen. Tests wie Clifton Strength Finder greifen zu kurz. Solche psycho­me­tri­schen Verfahren beschreiben oft vor allem soziale Prägungen. Die wissen­schaft­li­chen Big Five wiederum deuten allen­falls an, wo Stärken wachsen könnten. Sie deuten aber nur zart darauf.

Stärken können sowohl an extremen Polen entstehen wie in der “mitt­leren Ausprä­gung”. Sie können sich im Laufe der Entwick­lung verän­dern und im Team oft ganz andere Effekte entfalten als im Einzel­set­ting. Dabei sind Stärken nur teil­weise objektiv messbar, weshalb die Wissen­schaft sie schwer greifen kann.  Für Bera­tende und die Konzep­tion wirk­samer Maßnahmen ist es aber wichtig sowohl die philo­so­phi­sche als auch die syste­mi­sche und psycho­lo­gi­sche Dimen­sion von Stärken zu verstehen. Denn dies ist die Basis für wirk­same Bera­tung.

Reife Stärken schmecken auch anderen

Reife Stärken schme­cken auch anderen

Stärken sind nicht einfach so, fertig und da.

Sie reifen — unter guten Bedin­gungen. Wer Stärken entwi­ckeln will, kommt deshalb an ergän­zenden Perspek­tiven nicht vorbei. Motive wie Macht, Unab­hän­gig­keit, Bindung und Leis­tung zeigen die emotio­nale Qualität, die den Stärken inne liegt. Sie liefern den Grund zur Stär­ken­ent­wick­lung. Warum tue ich etwas?  Und wie sehr hänge ich mich rein?

Stärken wachsen mit Selbst­wert und durch Aner­ken­nung

Selbst­wert wirkt ebenso auf Stärken: Man muss sich etwas zutrauen, damit man es wieder­holt. Ohne Wieder­ho­lung keine Stärke. Den größten Einfluss haben aber wohl soziale Gruppen mit ihrem direkten und indi­rekten Feed­back. Kommt die Stärke an? Darf sie sich erkennbar zeigen? Manch eine Stärke wächst nur im Licht der Aner­ken­nung. Andere gerade da, wo diese versagt bleibt. Die Stärken des Außen­sei­ters sind auch deshalb manchmal so stark, weil sie sich “dagegen” wenden.

Im Erwach­se­nen­alter zahlt die verti­kale Entwick­lung, auch Ich-Entwick­lung genannt, auf Stärken ein. Sie rahmt Stärken, gibt ihnen Rich­tung. Tun wir es für uns oder für andere oder gar für etwas, das größer ist als wir selbst? Wo sind Poten­ziale? Die liegen oft genau da.

Noch nicht ausge­schöpfte Möglich­keiten zu werden, was man sein kann. Zum Nutzen nicht nur des eigenen Egos, sondern zum Nutzen der Menschen.

Was oft über­sehen wird

Stär­ken­ar­beit und stär­ken­ba­siertes Coaching sind nicht ohne Grund so populär. Denn Stärken sind Ressourcen — sie bauen auf und moti­vieren. Gleich­zeitig wird Stär­ken­coa­ching häufig verkürzt betrieben, und richtet dabei mitunter  Schaden an. Dann werden Menschen auf Eigen­schaften redu­ziert, in Schub­laden gesteckt, rotgrün­gelb gezeichnet. Dann werden Kontexte ausge­blendet, Entwick­lungs­lo­giken igno­riert, soziale Defi­zite entwi­ckelt — nicht Stärken.

Was oft völlig fehlt, ist der Blick auf Gruppe und Team. Denn Stärken entwi­ckeln sich in Kontexten. Sie wachsen nicht auf Bäumen und sind einfach “da”,  sondern brau­chen ein passendes Umfeld, gute Bedin­gungen, passende Reize.

Perso­nal­ab­tei­lungen fehlt diese Kontext-Perspek­tive häufig. Leichter und schneller geht es im Recrui­ting mit Test­dia­gnostik und in der Perso­nal­ent­wick­lung mit einfa­cher Schub­la­di­sie­rung. So gut wie immer fehlt der Blick auf beson­dere Stärken, wie sie sich in der Neuro­di­ver­sität, aber auch Neuro­di­ver­genz spie­geln. Denn schon neuro­ty­pi­sche Menschen haben oft über­ra­schende Stärken: Sie denken in Bildern, Mustern oder Klang­farben. So bleiben oft viele Stärken unge­sehen und unge­lebt — auch solche, die für die Produk­ti­vität eines Unter­neh­mens rele­vant sein oder werden könnten.

Stärken brau­chen Gefühl

Stärken entstehen nicht isoliert. Sie entwi­ckeln sich im Zusam­men­spiel von Persön­lich­keit, Erfah­rung, Kontext und innerer Reife. Sie gehen immer einher mit einem Gefühl: Dahin zieht es mich, das will ich tun. Deshalb ist die “Fremd­dia­gnose” der Stärke nie so ziel­füh­rend wie das selbst wahr­ge­nom­mene Wollen, das mitunter vor dem Können ansetzt.

Stärken müssen von ihren Träger:innen “adop­tiert” werden. Es reicht nicht, dass andere diese oder jene Stärke in einem sehen. Sie muss auch gewollt sein.

Die Stärke will entwi­ckelt werden. Wird Entwick­lung und Verän­de­rung nicht mitge­dacht, stabi­li­siert Stär­ken­ar­beit häufig nur Muster, die in Gruppen und Teams zu Stagna­tion oder Konflikten führen.

Stärken können über­trieben oder regu­liert werden. Sie lassen sich auch unter­schied­lich inter­pre­tieren und kombi­nieren. Würze ich mit Humor oder bin ich der ewige Spaß­vogel? Analyse ich messer­scharf oder zerdenke ich alles? Schließ­lich können sie einen Sinn verein­nahmen und eine Moti­va­ti­ons­kom­po­nente. Ich-Entwick­lung als Schlüssel zur Einord­nung von Stärken

Stärken und Ich-Entwick­lung

Stärken fördern Ich-Entwick­lung. Diese beschreibt, wie Menschen Sinn konstru­ieren, mit Komple­xität umgehen und eben auch: eigene Stärken inter­pre­tieren. Für die Stär­ken­ar­beit heißt das: Dieselbe Stärke zeigt auf unter­schied­li­chen Entwick­lungs­stufen andere Quali­täten, Grenzen und Wirkungen im sozialen Feld. Nehmen wir “Durch­set­zungs­kraft” — sie kann von blindem Macht­ge­habe bis zur weisen Klar­heit zum Wohle des Teams reichen. Treffen in Gruppen zu viele unter­schied­liche Entwick­lungs­lo­giken aufein­ander, entstehen Miss­ver­ständ­nisse. Denn eine Regel lautet: Ich kann nur sehen, hören, fühlen, was für mich exis­tiert. Je weiter die Ich-Entwick­lung desto mehr wird gesehen, gehört, gefühlt. Daraus ergeben sich Stärken, die vor allem in komplexen Zusam­men­hängen Rele­vanz und Wirkung erzeugen.

Werte, Motive und weitere Treiber von Entwick­lung

Entwicklungsbaum von Svenja HofertStärken hängen noch mit vielen anderen Aspekten zusammen. Sie kombi­nieren Wollen und Können: Nur wer besser werden will, kann es auch. Es braucht also Treiber, ja Lust. Das kann das Streben nach Unab­hän­gig­keit sein, aber auch ein Macht­wille. Über allem sind Stärken an das Umfeld gekop­pelt: Wer gibt Feed­back, welche Reso­nanz erfahren Menschen? Dazu habe ich vor vielen Jahren einmal meinen Entwick­lungs­baum erfunden. Er vereint unter­schied­liche Konstrukte in einer Meta­pher.

Neuro­di­ver­sität und Stärken

Viele Stär­ken­mo­delle sind auf neuro­ty­pi­schen Annahmen aufge­baut und daran ausge­richtet. Das führt in Teams schnell zu Zuschrei­bungen, Über­for­de­rung oder Ausgren­zung. Eine diffe­ren­zierte Stär­ken­ar­beit berück­sich­tigt neuro­di­verse Profile auch auf Team­ebene und fragt, wie Arbeits­weisen, Rollen und Erwar­tungen ange­passt werden müssen, statt Menschen passend zu machen. Neuro­di­ver­sität bedeutet, dass Menschen Infor­ma­tionen unter­schied­lich wahr­nehmen, verar­beiten und regu­lieren. Neuro­di­ver­sität beschreibt Viel­falt, Neuro­di­ver­genz meint die Abwei­chung von der Norm.

Aus Unter­schieden erwachsen Stärken, die viel­fach nicht als solche erkannt werden, weil unsere Arbeits­welt durch Vorstel­lungen von “passenden Stärken” geprägt ist. Aber ist es nicht groß­artig, wenn sich ein Mensch Zahlen nicht verbal vorstellt, sondern als farbiges Bild? Ist es nicht wert­voll, wenn jemand immer wieder neue Ideen aus dem Ärmel schüt­telt? Das ist der nächste Schritt zum Stär­ken­ver­ständnis.

Stär­ken­ar­beit in Gruppen und Teams

In Gruppen wirken Stärken syste­misch. Sie kommen zur Geltung — oder werden “unter­drückt”. Sie verschieben sich oder bekommen einen “Push”. Sie beein­flussen Rollen­bil­dung, Macht­ver­hält­nisse, Konflikt­dy­na­miken und Koope­ra­ti­ons­fä­hig­keit. Eine Stärke kann ein Team stabi­li­sieren oder pola­ri­sieren, je nach Zusam­men­set­zung und Kontext. Es gibt keine 1+1+1=3‑Logik — inso­fern ist es nie bere­chenbar, wie sich Stärken sich genau entfalten. Einige Dinge aller­dings kann man wissen, weil sie erforscht sind. Zum Beispiel das: In psycho­lo­gisch sicheren Umfel­dern entfalten sich Stärken leichter. Wir wissen: Krea­tive Teams profi­tieren mehr von unter­schied­li­chen Stärken als solche, die Routi­ne­auf­gaben erfüllen. Profes­sio­nelle Stär­ken­ar­beit im Team braucht von daher auch ein Verständnis für Grup­pen­dy­namik, Systemik und Entwick­lungs­psy­cho­logie.

Vertie­fende Inhalte Stär­ken­ent­wick­lung

  • Mein Stär­ken­Na­vi­gator ist ein Tool, das die Kommu­ni­ka­tion über Stärken wirksam macht. Info
  • Auf der Themen­seite Deve­lo­p­mental Coaching geht es um diesen Coachin­gan­satz, der gut zur Stär­ken­ent­wick­lung passt. Lesen
  • Im Podcast Deep-Dive Ich-Entwick­lung erfahren Sie, was Ich-Entwick­lung wirk­lich ist. Sie finden ihn auf der Seite meiner Podcasts sowie bei YouTube
  • Um Stärken geht es auch in meinem Podcast mit Frauke Niehues über Selbst­wert, denn dieser ist die Basis auch für z.B. Fähig­kei­ten­re­prä­sen­tanz
  • Mein Angebot Stär­ken­pro­filing richtet sich an alle, die ihren Stärken auf den Grund gehen möchten. Info

Ich freue mich, wenn Sie Ihr Anliegen kurz, aber konkret beschreiben. Sie erhalten dann ein Angebot. Sie können auch über Calendly ein 15-minü­tiges Vorge­spräch mit mir verein­baren.