Entwick­lungs­ori­en­tiertes Coaching und Weiter­bil­dung (Deve­lo­p­mental Coaching)

Diese Themen­seite stellt den Ansatz des entwick­lungs­ori­en­tierten Coachings vor. Sie richtet sich an alle, die ein tieferes Verständnis erwerben möchten oder über Bera­tung und Weiter­bil­dung in diesem Feld nach­denken.

Entwicklungsorientierung setzt bei der Wahrnehmung an

Entwick­lungs­ori­en­tie­rung setzt bei der Wahr­neh­mung an

Viele klas­si­sche Coachin­gan­sätze geraten aktuell unter Druck. Nicht nur, weil der Markt unüber­sicht­lich geworden ist, sondern weil KI-gestützte Tools inzwi­schen vieles über­nehmen, was lange als Kern­leis­tung im Coaching galt: struk­tu­rierte Refle­xion, Ziel­klä­rung, Perspek­tiv­wechsel, Entschei­dungs­un­ter­stüt­zung.

Einord­nung: Warum Coaching sich neu begründen muss

Was sich stan­dar­di­sieren, skalieren und in Fragen über­setzen lässt, wird zuneh­mend auto­ma­ti­sierbar. Das betrifft vor allem Coaching­for­mate, die auf Methoden, Tools, Kompe­tenz­mo­delle oder kurz­fris­tige Lösungen für vom Klienten gese­hene Probleme setzen. Das heißt, diese Ansätze zielen oft nicht auf tiefer­lie­gende Bedürf­nisse, sondern auf Bedürf­nis­mit­tel­be­frie­di­gung wie “erfolg­rei­cher sein” oder “gesehen werden”. Die dahin­ter­lie­genden Bedürf­nisse werden nicht oder nur ober­fläch­lich tangiert. Sie zielen weiterhin ausschließ­lich auf den Kopf, also auf Kogni­tion, nicht auf Emotion und Sensa­tion.

Entwick­lungs­ori­en­tiertes Coaching (Deve­lo­p­mental Coaching) als Gegen­ent­wurf

Entwicklungsorientiertes Coaching

Jeder sieht anders. Entwick­lungs­ori­en­tiertes Coaching weiß das.

Entwick­lungs­ori­en­tiertes Coaching (Deve­lo­p­mental Coaching) setzt tiefer an. Ich habe es in meinem frühe Werk “Hört auf zu coachen” noch Flexi Coaching genannt, bis ich entdeckt habe, dass im englisch­spra­chigen Bereich der Begriff Deve­lo­p­mental Coaching sich durch Tatiana Bachi­rova bereits etabliert hatte. Entwick­lungs­c­ori­en­tieres Coaching beschäf­tigt sich nicht primär mit Perfor­mance, Selbst­op­ti­mie­rung, Resi­lienz oder mehr Wirkung, sondern mit der Frage, wie Menschen Bedeu­tung konstru­ieren, wie sie mit Wider­sprü­chen umgehen, Verant­wor­tung für sich über­nehmen, Macht reflek­tieren und ihr eigenes Denken zum Gegen­stand machen. Dabei spielt die jewei­lige Entwick­lungs­phase des Klienten eine entschei­dende Rolle. Diese spie­gelt sich in Zahl­rei­chen Merk­malen und Aspekten wieder, wie etwa Umgang mit Kritik oder Bezie­hung zu sich und zur Welt.

Begriffe wie agil, resi­lient, bewusst, sinn­ori­en­tiert oder trans­for­ma­tional werden in diesem Kontext häufig verwendet, bleiben jedoch ohne entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­sches Funda­ment oft leer. Entwick­lungs­ori­en­tiertes Coaching fragt, auf welcher inneren Entwick­lungs­logik solche Zuschrei­bungen über­haupt trag­fähig sind.

Entwick­lungs­logik statt Metho­den­logik

Dieser Ansatz setzt vertiefte Kennt­nisse der Ich-Entwick­lung bzw. anderer entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­scher Ansätze voraus, die sich aus den Forschungen von Jean Piaget ergeben und weiter­ent­wi­ckelt haben.

Entwick­lung wird hier nicht als Skil­laufbau verstanden, sondern als quali­ta­tive Verän­de­rung der inneren Struktur. In meiner Arbeit verbinde ich Ansätze aus entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­schen Schulen wie der von  Robert Kegan, Jane Loevinger, Susanne Cook-Greuter, aber auch den DSA-Coachin­gan­satz von Tatiana Backi­rova (Deve­lo­p­ment of Self in Action). Diese Modelle dienen mir nicht zur Typi­sie­rung von Menschen, sondern als Denk­werk­zeuge, um Entwick­lungs­dy­na­miken, Blockaden und Über­gänge besser zu verstehen und im Sinne der Klienten zu gestalten.

Leider werden solche Ansätze oft als Schneller-Höher-Weiter oder rein kognitiv fehl­in­ter­pre­tiert. Das Stufen­denken unter­stützt das, weshalb ich meis­tens ohne Stufen­nen­nung arbeite. Das ist ähnlich wie beim IQ: Die Zahl lenkt ab vom Wesent­li­chen. Und das ist die Frage, was sich in der Praxis beim Klienten zeigt oder eben noch nicht zeigt. Ergänzt werden sie durch eigene konzep­tio­nelle Weiter­ent­wick­lungen, die aus lang­jäh­riger Praxis, Super­vi­sion und prak­ti­scher wie theo­re­ti­scher Ausein­an­der­set­zung entstanden sind.

Vor- und Nach­teile der Entwick­lungs­ori­en­tie­rung

Es gibt viele unter­schied­liche Ansätze im Coaching. Dieser kann als eine Art Mode­rator für die anderen betrachtet werden. Daraus ergeben sich schon ein wenig die Vor- und Nach­teile:

Vorteile

  • Hilft bei der Indi­vi­dua­li­sie­rung von Coachin­gan­sätzen.
  • Inte­griert verschie­dene kogni­tive und körper­ori­en­tierte Ansätze.
  • Das Erkennen neuer Dimen­sionen kann sehr gezielt geübt werden.
  • Zeigt Aspekte, die in anderen Verfahren wie Big Five oder der Motiv­ar­beit unsichtbar bleiben. Ist aber komple­mentär zu nutzen.

Nach­teile

  • Braucht vertiefte Kennt­nisse.
  • Kann von der wert­freien Beob­ach­tung ablenken oder zu vorei­liger Bewer­tung führen.
  • Aufgrund der hohen Komple­xität wenig Forschung (Ausnahme z.B. Dr. Alex­ander Leut­hold) und deshalb teils kritisch gesehen.
  • Die Entwick­lungs­stufe des Coaches spielt einezu­en­trale Rolle.

Körper, Entwick­lung und innere Reifung

Ein zentraler Bestand­teil meines Ansatzes ist die Einbin­dung von Körper- und Emoti­ons­ar­beit. Entwick­lungs­pro­zesse sind nicht rein kognitiv. Über­for­de­rung, Abwehr, Ambi­va­lenz oder Reifung zeigen sich häufig zuerst körper­lich, lange bevor sie sprach­lich verfügbar sind. Entwick­lungs­ori­en­tiertes Coaching bezieht diese Ebene syste­ma­tisch ein, nicht als Zusatz, sondern als inte­gralen Bestand­teil von Entwick­lungs­ar­beit. Hypno­sys­te­mi­sche Ansätze bieten hier eine opti­male Ergän­zung und schärfen die pheno­me­no­lo­gi­schen Blick.

Stär­ken­fokus jenseits von Ressour­cen­rhe­torik

Hinzu kommt ein klarer Stär­ken­fokus, der sich deut­lich von popu­lärer Ressour­cen­ar­beit unter­scheidet. Es geht nicht um posi­tives Denken, Akti­vie­rung oder Selbst­op­ti­mie­rung, sondern um die Frage, wie indi­vi­du­elle Stärken auf unter­schied­li­chen Entwick­lungs­stufen wirksam werden oder auch kippen können. Dieselbe Stärke kann je nach Kontext und Situa­tion konstruktiv, begren­zend oder destruktiv wirken. Sie verbindet sich zudem mit den Möglich­keiten und Bengren­zungen der jewei­ligen Stärke und bekommt darüber ihren eigenen Ausdruck.

Warum ich mich diesem Ansatz zuge­wandt habe

Intensiv beschäf­tige ich mich mit entwick­lungs­ori­en­tiertem Coaching seit 2015. In den rund 15 Jahren davor habe ich im Coaching immer wieder — wie ich jetzt weiß — stufen­spe­zi­fi­sche Grenzen erlebt. Es blieb das Gefühl, dass etwas Entschei­dendes fehlte. Und dass speziell “Busi­ness Coaching” auf der Logik einer ganz bestimmten Stufe aufsetzt, die aber viele meiner Klient:innen noch nicht entwi­ckelt hatten. Sie entwi­ckelten sich zum Beispiel wirk­samer über Rollen­spiele als über syste­mi­sche Fragen; im Grunde also über Trai­ning. Beim Karrie­re­coa­ching wiederum stellte ich fest, dass Jobver­luste die Betrof­fenen, darunter viele Manager, in frühe Stufen zurück­warfen. Die psycho­lo­gi­sche Dimen­sion hatte ich in keiner Ausbil­dung gelernt.

Diese Leer­stelle wurde zum Ausgangs­punkt meiner vertieften Beschäf­ti­gung mit Entwick­lungs­psy­cho­logie und Reifungs­mo­dellen, die ich nach und nach mit meinem Stär­ken­an­satz verband.

Ausbil­dung, Super­vi­sion und konti­nu­ier­liche Konzept­ar­beit

Seit meiner initialen, aber nicht annä­hernd ausrei­chenden Ausbil­dung bei Thomas Binder im Zentrum für Ich-Entwick­lung prägen konti­nu­ier­liche Super­vi­sion, inten­sive Einzel­fall­ar­beit sowie die Verbin­dung von Theorie, Praxis und eigener Konzept­ar­beit meinen Ansatz. Entwick­lungs­ori­en­tiertes Coaching ist für mich kein Spezi­al­format und kein weiteres Label im Markt, sondern eine andere Art, Coaching, Weiter­bil­dung und Persön­lich­keits­ent­wick­lung insge­samt zu verstehen. Auf der Orga­ni­sa­ti­ons­ebene ist dieses Wissen ebenso wichtig, da es z.B. für die Konzep­tion von Bera­tungs­de­signs und von Work­shops hilf­reich ist.

Weiter­bil­dung zu entwick­lungs­c­ori­en­tierten Coaching- und Bera­tungs­an­sätzen

Emtwicklungsorientierung: Ein Sprung im Muster verändert die Sicht

Emtwick­lungs­ori­en­tie­rung: Ein Sprung im Muster verän­dert die Sicht

In meinen Ausbil­dungen, Semi­naren und Master­klassen inte­griere ich das Wissen um Entwick­lungs­an­sätze ziel­grup­pen­ad­äquat. In der einfachsten Anwen­dung braucht man kein komplexes Stufen­wissen. Mein Anliegen ist es viel­mehr, dem Denken und Fühlen meiner Teil­nehmer eine weitere Dimen­sionen hinzu­zu­fügen. Das kann ganz prak­tisch geschehen, indem ich den Blick auf das Nicht­ge­se­hene und Beach­tete lenke. In Kombi­na­tion mit der Meta­theorie der Verän­de­rung ergeben sich dabie viele neue Blick­winkel.

Mir ist bewusst, dass die Tiefe dieses Ansatzes sehr viele Menschen über­for­dert, weshalb ich oft die einfache Erklä­rung suche. So arbeiten wir in der Master­klasse “entwick­lungs­ori­en­tiertes Stär­ken­coa­ching” gar nicht mit Stufen, sondern nur mit vielen Vari­anten meiner Karten, die letzt­end­lich ein mehr­di­men­sio­nales Denken fördern. Ohne Anstren­gung und ohne zu viel Theorie. Wer diese möchte, bekommt in im Seminar “Psycho­logie der Verän­de­rung” eine am eigenen Wissen­stand orien­tierte Einfüh­rung.

Auf der Website der Akademie der Verän­de­rung finden Sie alle Termine.

Weiter­füh­rende Inhalte und Vertie­fung

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