Verän­de­rungen entwick­lungs­ori­en­tiert begleiten

Veränderungen entwicklungsorientiert begleiten

Verän­de­rung ist ein Prozess, in dem sich der Möglich­kei­ten­raum zu Denken, Fühlen und Handeln erwei­tert.

Verän­de­rung ist kein singu­läres Ereignis. Sie ist ein Prozess, der Menschen unter­schied­lich erreicht.

Verän­de­rung braucht Entwick­lung, welche bedeutet, dass sich neue Gedanken, Gefühle und Hand­lungen in uns inte­grieren, akti­vieren oder verbinden lassen. Entwick­lungs­ori­en­tierte Verän­de­rung bedeutet, dass genau das in Coaching, Bera­tung oder Prozess­be­glei­tung geför­dert wird.

  • Beispiel: Eine hier­ar­chi­sche Orga­ni­sa­tion prägte eine Kultur aus, in der Fehler vermieden werden. Das geschah ursprüng­lich dadurch, dass man Fehler öffent­lich benannte und verant­wort­liche Personen beschämte. Obwohl inzwi­schen ein anderer “Wind” herrscht, ist die Angst vor Fehlern immer noch überall zu spüren. Entwick­lungs­ori­en­tiert bedeutet jetzt, dass die Führungs­kräfte neu lernen müssen, wie man Fehler macht und mit Scham umgeht. Erst dann kann es auch bei den Mitar­bei­tenden ankommen. Die Methode dazu ist entwick­lungs­ori­en­tierte Rück­mel­dung.

Während Struk­turen ange­passt, Stra­te­gien neu formu­liert und Rollen verän­dert werden, bleibt oft unbe­achtet, dass die Fähig­keit, Verän­de­rung zu verar­beiten, nicht in allen Teams und Führungs­sys­temen gleich ausge­prägt ist. Das hat eben­falls mit einem Entwick­lungs­aspekt zu tun: Um die Komple­xität zu erar­beiten, muss man sie erstmal erkennen können.

Ich sehe, denke und fühle nur, was ich sehen und denken und fühlen kann.

Folg­lich geht es überall da, wo Span­nungen zwischen Alt und Neu entstehen, entweder um eine Verlang­sa­mung, die eine Verar­bei­tung ermög­licht, eine Bewusst­ma­chung — oder aber um eine entwick­lungs­ori­en­tierte System­ar­chi­tektur, z.B. einen neuen Zuschnitt von Zusam­men­ar­beit.

Warum entwick­lungs­ori­en­tierte Verän­de­rungs­be­glei­tung notwendig ist

Trans­for­ma­tion setzt immer den Gedanken voraus, dass wir nicht wissen, was dabei heraus­kommt, während Change von Plan­bar­keit ausgeht. Entwick­lungs­ori­en­tierte Verän­de­rungs­be­glei­tung widmet sich dem Teil der Verän­de­rung, der unter Unge­wiss­heit und Unsi­cher­heit statt­findet, also nicht planbar ist. Es tangiert ergo ganz beson­ders Kultur und Menschen. Es ist nicht Change Manage­ment, ist nicht Mode­ra­tion oder Prozess­ma­nage­ment, sondern eine Prozess­be­glei­tung und Prozess­be­ra­tung mit Fokus auf Entwick­lung. 

Dabei werden Wider­stand und Span­nungen als natür­liche Botschafter verstanden.

Entwick­lungs­ori­en­tie­rung in der Verän­de­rungs­be­glei­tung

Entwick­lungs­ori­en­tierte Verän­de­rungs­be­glei­tung setzt genau hier an. Sie versteht Verän­de­rung nicht primär als Frage von Moti­va­tion, Haltung oder Kompe­tenz, sondern als eine Frage der struk­tu­rellen Verar­bei­tung und Verstoff­wechs­lung. Das zielt weniger auf eine Verän­de­rung von “Mindset”, als viel­mehr auf krea­tive Kontext­ge­stal­tung und struk­tu­relle Eingriffe. Orga­ni­sa­tionen wie auch Menschen unter­scheiden sich darin, wie komplex sie Situa­tionen wahr­nehmen, auf welche Art sie Verant­wor­tung zuschreiben, wie sie mit Wider­sprü­chen umgehen und wie viel Unsi­cher­heit sie inte­grieren oder als Lern­erfah­rung begreifen können. Inso­fern gilt auf der Orga­ni­sa­ti­ons­ebene Ähnli­ches wie beim Deve­lo­p­mental Coaching - nur dass die Muster komplexer sind und zusätz­lich konzep­tio­nelle und stra­te­gi­sche Arbeit erfor­dern. Verän­de­rungen schei­tern selten am fehlenden Willen. Sie schei­tern daran, dass Entwick­lungs­an­for­de­rungen gestellt werden, die in der DNA noch nicht verar­beitet werden können.

Psycho­lo­gi­sche Evidenz und Syste­mi­sche Klar­heit

Die Perspek­tive entwick­lungs­ori­en­tierter Verän­de­rungs­be­gleitug verbindet psycho­lo­gi­sche Evidenz und syste­mi­sche Klar­heit.  Aus entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­scher Sicht nehmen Menschen dieselbe Situa­tion unter­schied­lich wahr, weil sie sie aus unter­schied­li­chen inneren Ordnungen und äußeren Struk­turen heraus deuten. Was für die einen eine Einla­dung zur Entwick­lung ist, bedeutet für andere Über­for­de­rung. Das bezieht sich auf Indi­vi­duen, aber eben auch auf Gruppen. Noch mehr: Gruppen setzen die indi­vi­du­ellen Regeln außer Kraft. Verän­de­rungs­be­glei­tung ist sich dieser psycho­lo­gi­schen Mecha­nismen ebenso bewusst wie der syste­mi­schen.

Entwick­lung statt Anpas­sung

Verän­de­rungs­be­glei­tung wird häufig mit “Hilfe zur Anpas­sung” verwech­selt. Menschen sollen flexi­bler werden, resi­li­enter, offener, agiler. Implizit wird davon ausge­gangen, dass Entwick­lung vor allem darin besteht, schneller und besser auf Anfor­de­rungen zu reagieren. Ein entwick­lungs­ori­en­tierter Ansatz verschiebt den Fokus. Er fragt nicht zuerst, wie Systeme und Menschen sich anpassen können, sondern wie diese gebaut sein müssen, damit mit den aktu­ellen Anfor­de­rungen wirksam und nicht unter­kom­plex umge­gangen wird. Dies ist vor allem rele­vant für Führung und das Führungs­system. Entwick­lung bedeutet nicht, alles mitzu­ma­chen.

Entwick­lung bedeutet, neu zu struk­tu­rieren und neue Ordnungen zu schaffen. Was braucht Aufmerk­sam­keit? Was können Kanäle für Verän­de­rung  sein?

Blick auf Gruppe und Orga­ni­sa­tion

Ein zentrales Risiko moderner Verän­de­rungs­ar­beit liegt in der Indi­vi­dua­li­sie­rung und der addi­tiven Sicht auf Menschen und Gruppen. Probleme werden zu persön­li­chen Themen erklärt, Lösungen werden rein perso­nell ODER struk­tu­rell gedacht. Aber selten zusammen. Über­for­de­rung wird zur Frage der Resi­lienz. Wider­stand zur Frage der Haltung. Erschöp­fung zur Frage des Mind­sets. Entwick­lungs­ori­en­tierte Verän­de­rungs­be­glei­tung hält bewusst Ebenen ausein­ander und zugleich im Blick:

  • Das Indi­vi­duum (psychi­sches System) mit seiner jewei­ligen Entwick­lungs­logik, einge­bettet in die Rolle mit ihren an sie geknüpften Erwar­tungen, Wider­sprü­chen und Macht­ver­hält­nissen.
  • Das soziale System mit seinen Struk­turen, Anreiz­me­cha­nismen und Pfad­ab­hän­gig­keiten.
  • Das Inter­ak­ti­ons­system und seine Funk­tion in der Verän­de­rung.

Bera­tung, Mode­ra­tion wie auch Coaching wird dort wirksam, wo diese Ebenen als verän­de­rungs­lei­tend verstanden werden. Wo klar bleibt, was indi­vi­du­elle Entwick­lung leisten kann und wo orga­ni­sa­tio­nale Verant­wor­tung beginnt.

Span­nung und Wider­stand neu verstehen

Span­nung ist wie schon erwähnt ein wich­tiger Hinweis­geber. Wider­stand gilt in vielen Verän­de­rungs­kon­zepten als Stör­größe. Entwick­lungs­ori­en­tierte Beglei­tung versteht Span­nung und Wider­stand als Signal. Nicht jede Ableh­nung ist Verwei­ge­rung. Innere und äußere Blockaden sind aus der Sicht der jewei­ligen Systeme immer funk­tional. Häufig markiert Wider­stand auch eine Entwick­lungs­grenze. Diese Grenze ernst zu nehmen bedeutet, Verän­de­rung anders zu gestalten. Manchmal lang­samer. Manchmal klarer. Manchmal mit struk­tu­rellen statt indi­vi­du­ellen Antworten.

Stärken entwick­lungs­ori­en­tiert einsetzen

Stär­ken­ori­en­tie­rung ist Ressour­cen­ori­en­tie­rung und damit ein wich­tiger Bestand­teil wirk­samer Beglei­tung. Sie entfaltet ihre Wirkung jedoch nicht unab­hängig vom Entwick­lungs­stand. Was als Stärke sichtbar wird, hängt davon ab, wie jemand die Welt ordnet und Verant­wor­tung versteht. Entwick­lungs­ori­en­tierte Verän­de­rungs­be­glei­tung schaut immer auf die Stärken von Menschen, Teams und Gruppen, auf das Gelin­gende.

Für wen entwick­lungs­ori­en­tierte Verän­de­rungs­be­glei­tung sinn­voll ist

Orga­ni­sa­tionen, die Verän­de­rung nicht auf indi­vi­du­elle Selbst­steue­rung redu­zieren wollen, kommen nicht drum­herum, Rollen zu schaffen, die jene Verän­de­rungs­themen adres­sieren, die sich der Plan­bar­keit entziehen. Diese Rollen verbinden Verän­de­rungs- und Ziel­wissen  mit System­kenntnis. Auch Führungs­kräfte können  Rollen in der Verän­de­rungs­be­glei­tung über­nehmen. Präde­sti­niert sind Change oder Prozess­ma­nager, die an die Grenzen von Plan­bar­keit stoßen. Zentral ist das Thema für Personal und Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung sowie für Coaches und Berater, die zugleich im Indi­vi­dual- und Grup­pen­kon­text tätig sind.

Was bedeutet das Entwick­lungs­ori­en­tie­rung für die Praxis?

Entwick­lungs­ori­en­tie­rung bedeutet, dass wir unsere Spiel­räume erhöhen. Das Mittel dazu ist eine zeit­weise Verlang­sa­mung des Denkens und Handelns. Ein Beispiel ist die “Retro der Retro”, in der wir darauf schauen, wie wir unsere Retros gestalten — und ob dies über­haupt so hilf­reich für die Entwick­lung des Systems ist.Ein anderes Beispiel ist die Prozess­re­fle­xion im Anschluss an die Arbeit, in der wir uns zum Beispiel fragen, was wir beachtet haben — und was unebachtet geblieben ist. Diesen prak­ti­schen Aspekt habe ich im Podcast-Inter­view mit Frank Steffen behan­delt. Im Anschluss an den Podcast finden Sie weitere Lese­tipps und Vertie­fungen.

Sie sehen gerade einen Platz­hal­ter­in­halt von YouTube. Um auf den eigent­li­chen Inhalt zuzu­greifen, klicken Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Dritt­an­bieter weiter­ge­geben werden.

Mehr Infor­ma­tionen

Vertiefen Sie das Thema mit folgenden Beiträgen:

Ange­bote der Akademie der Verän­de­rung, die Entwick­lungs­ori­en­tiert aufge­baut sind: