Was geht da ab? Grup­pen­dy­namik bezeichnet die versteckten Prozesse in einer Gruppe von Menschen. Wie bildet sich Macht aus? Wie bilden sich Normen aus — und wie findet man gemein­same Regeln? Grup­pen­dy­namik ist dabei auch der Prozess der bewussten Refle­xion dessen, was dabei passiert.

Die Grup­pen­dy­namik ist auch ein Forschungs­feld. Sie geht auf die Arbeiten von Kurt Lewin zurück, einem deutsch-ameri­­ka­­ni­­schen Psycho­logen, der in den 1930er und 1940er Jahren maßgeb­liche Beiträge zur Erfor­schung von Grup­pen­pro­zessen geleistet hat. Lewin unter­suchte syste­ma­tisch die Dynamik von Gruppen. Seine “soziale Feld­theorie” ist ein Vorläufer system­theo­re­ti­scher Ansätze. Bei der Forschung ging es zunächst um Thera­pie­gruppen, später um Gruppen im Arbeits­kon­text. Das Thema Macht und Auto­rität standen immer im Zentrum der Forschung — und damit die Frage. wie sich diese etwa in Form von Macht­zen­tren inner­halb einer Gruppe ausbilden.

Von Koope­ra­tion zu Koor­di­na­tion

Der Begriff des Teams ist relativ neu. Das Team ist dabei eine beson­dere Form der kleinen Gruppe, die auf beson­dere Ziele hinarbeitet.Während es in einer kleinen Gruppe jedoch um Koope­ra­tion geht, die auf sozialem Mitein­ander beruht, steht in einem Team Koor­di­na­tion rund um eine Aufgabe im Mittel­punkt.

Zunächst kam er im Sport auf. Im Gegen­satz zur Gruppe verfolgt das Team ein gemein­sames Ziel. Die Team­dy­namik ist also durch das Ziel bestimmt, das nicht immer so offen­sicht­lich ist wie beim Sport­wett­be­werb. Macht­dy­na­miken spielen auch hier eine Rolle.

In den Jahr­zehnten nach Lewin haben zahl­reiche Psycho­logen, Sozio­logen und Forscher aus anderen Diszi­plinen die Grup­pen­dy­namik weiter erforscht und verfei­nert. Heute ist die Grup­pen­dy­namik ein wich­tiger Bereich der Sozi­al­wis­sen­schaften und findet breite Anwen­dungen in Berei­chen wie Team­ar­beit, Orga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­logie, Bildung und sozialem Enga­ge­ment.

Inner­halb von Gruppen kann es einen starken Druck geben, sich den Erwar­tungen und Auto­ri­täten anzu­passen. Dies kann zu Konfor­mität führen, bei der Grup­pen­mit­glieder ihre eigenen Über­zeu­gungen oder Meinungen zugunsten der Grup­pen­normen oder der Anwei­sungen einer Auto­ri­täts­person ändern. Solomon Asch führte beispiels­weise berühmte Expe­ri­mente zur Konfor­mität durch, bei denen er zeigte, wie stark der soziale Druck sein kann, die Meinung der Mehr­heit zu akzep­tieren

Es exis­tieren verschie­dene Ansätze zur Beschrei­bung der Grup­pen­dy­namik. Ein psycho­dy­na­mi­scher Ansatz ist die von Raoul Schindler begrün­dete Rang­dy­namik, die in diesem Beitrag gut beschrieben ist.

Grup­pen­dy­na­mi­scher Raum

Ein weiterer Ansatz ist der des grup­pen­dy­na­mi­schen Raumes nach Andreas Amann. Er beinhaltet drei Dimen­sionen entlang einer Achse:

  • Innen und außen, In and Out.
  • Macht
  • Zuge­hö­rig­keit

Der ursprüng­liche Beitrag von Amann ist hier online abrufbar.

Aufgrund der Entwick­lungen im virtu­ellen Raum hat Team­works eine weitere Dimen­sion ergänzt: Hier oder Hier und Jetzt. Die damit 4 Dimen­sionen des grup­pen­dy­na­mi­schen Raumes sind hier beschrieben. Die weiteren Dimen­sionen sind neu defi­niert und passen mehr auf den Arbeits­kon­text.

Grup­pen­pro­zesse mit grup­pen­dy­na­mi­schen Tools betrachten

Um auf Grup­pen­pro­zesse schauen zu können, braucht es Refle­xion und Feed­back. Im Feed­back entwi­ckelt die Gruppe ein gemein­sames Verständnis vonein­ander. Der Prozess der Grup­pen­dy­namik ist damit ein Prozess der gemein­samen Bewusst­wer­dung. Ein bekanntes Feed­­back-Modell ist das Johari-Fenster, das zu den Klas­si­kern der grup­pen­dy­na­mi­schen Tools gehört. Prozesse in der Grup­pen­dy­namik werden oft im soge­nannten Phasen­mo­dell nach Tuchman beschrieben. Dieses kommt im verlinkten Beitrag ebenso vor.

Dieses öffnet den Grup­pen­mit­glie­dern den Raum über blinde Flecken zu spre­chen.

Es exis­tieren weiterhin syste­mi­sche Ansätze zur Grup­pen­dy­namik. Diese machen beispiels­weise die unter­schied­li­chen Logiken einer Gruppe und der Orga­ni­sa­tion bewusst. In der System­theorie nach Luhmann exis­tiert das System Psyche nur als Umwelt der Orga­ni­sa­tion. De Orga­ni­sa­tion selbst beinhaltet keine Menschen. In der syste­mi­schen Grup­pen­dy­namik, hier von Fritz B. Simon bei Carl Auer beschrieben, wird der Fokus nicht auf die Menschen gelegt, sondern auf Struk­turen. Hier werden beson­ders die Para­do­xien sichtbar, denen Gruppen in Orga­ni­sa­tionen unter­liegen.

Team­ge­stalter, Team­ent­wickler, Führungs­kräfte und Orga­ni­sa­ti­ons­be­rater können wirk­samer sein, wenn sie Brillen der Grup­pen­dy­namik syste­ma­tisch aufsetzen können. Dazu trägt der Beitrag “10 Brillen der Grup­pen­dy­namik” bei Team­works bei.

Dies ist mein eigenes Unter­nehmen. Es hat zu diesem Thema passende Semi­nare und Ausbil­dungen Inhouse und im offenen Semi­nar­pro­gramm.

Ich selbst habe verschieden Videos zu dem Thema aufge­nommen, etwa zu der Rang­dy­namik oder den Gesetzen der Grup­pen­dy­namik. Abon­nieren Sie meinen Kanal bei Youtube.

Macht mehr Unter­schiede! von Svenja Hofert

No. 91 Vertrauen, Rolle und Macht in Gruppen

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Foto von RODNAE Produc­tions: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-freunde-stehen-glucklich-7551264/

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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