Agency: Die Gestal­tungs­macht, die wir gerade brau­chen

Agency: Die Gestal­tungs­macht, die wir gerade brau­chen

Der Redak­teur der Frank­furter Rund­schau stellte eine einfache Frage: Was ist eigent­lich Agency? Ich brauchte einen Moment, bevor ich antwor­tete, nicht weil mir das Konzept fremd wäre, sondern weil es ständig mit Selbst­wirk­sam­keit verwech­selt wird. Beide hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Albert Bandura hat 1977 beschrieben, was Selbst­wirk­sam­keit ausmacht: der Glaube, eine bestimmte Hand­lung erfolg­reich ausführen zu können. 2001 erwei­terte er das Konzept in seiner “Agentic Perspec­tive”: Agency ist die Fähig­keit, die eigene Lebens­ge­stal­tung und die Umstände, in denen man lebt, durch gezieltes Handeln aktiv zu beein­flussen. Der Unter­schied liegt im Erleben: Selbst­wirk­sam­keit ist der Glaube, etwas zu können. […]

23. Juli 2026|

Schrei nach Macht: Warum das Brüllen wieder Konjunktur hat

„Und dann habe er losge­brüllt wie ein wütender Stier: Wir seien alles Schwach­maten, unfähig, zu nichts zu gebrau­chen.” So beginnt eine Geschichte, die mir in den letzten Monaten öfter begegnet: Führungs­kräfte, die die Conten­ance verlieren, offen oder subtil, laut oder kalt-entwer­tend. Trans­for­ma­ti­ons­druck und Wirt­schafts­krise holen ein Führungs­bild zurück, das lange als über­holt galt: das des Alpha­tiers. Steve Jobs hat Wutaus­brüche gezielt einge­setzt, um Mitar­bei­tende aus der Komfort­zone zu drängen; Anne­aling nennt sich das Prinzip, bei dem Druck erhitzt und dann abge­kühlt wird, um form­barer zu machen, was vorher starr war. Warum lassen wir Systeme entstehen, in denen sich solche Extre­mi­täten […]

21. Juli 2026|

Ich-Entwick­­lung und Neuro­bio­logie: Was das Gehirn zur Entwick­lung sagt

Ich-Entwick­lung und Neuro­bio­logie: Wie das Gehirn Entwick­lung spie­gelt und was das für Inter­ven­tionen bedeuten kann 2016 habe ich einen viel beach­teten Artikel zur Ich-Entwick­lung geschrieben, der bis heute zu den meist­ge­le­senen auf diesem Blog gehört. Damals empfahl ich das Buch von Thomas Binder. Mein Fazit war: Das Konzept erklärt, warum Persön­lich­keits­tests so wenig über Menschen sagen. Und warum echter Wandel im Denken beginnt, nicht im Verhalten. Was ich damals nicht hatte: eine Antwort auf das “Warum”. Warum stagnieren so viele Menschen auf E5? Warum ist Trans­for­ma­tion so viel schwerer als In-Forma­tion? Warum hilft Einsicht allein selten weiter? Zehn Jahre später […]

25. Juni 2026|

Entschei­dungen unter Unge­wiss­heit

„Was war Ihre letzte wirk­lich schwie­rige Entschei­dung?” Auf der persön­li­chen Ebene zeigt sich in der Antwort auf diese Frage oft, dass der schwie­rigen Entschei­dung fast immer eine Phase der Ambi­va­lenz voraus­ge­gangen ist. Diese ist durch starke Gefühle gekenn­zeichnet, die sich wider­spre­chen. Schwie­rige Entschei­dungen haben deshalb oft weniger mit Mut als mit dem Aushalten von Span­nungen zu tun. Sie fühlen sich nicht gut an, denn die Folgen der Entschei­dung sind unge­wiss. Nicht die fehlende Infor­ma­tion, nicht die falsche Methode — sondern das Unbe­hagen, das entsteht, wenn zwei oder mehr Zustände gleich­zeitig wahr sind und keiner davon aufge­löst werden will. Was wir […]

4. Juni 2026|

KI im Bewer­bungs­pro­zess: Wenn Auto­ma­ti­sie­rung das Problem verstärkt

Bewer­bungen landen heute nicht mehr auf dem Schreib­tisch einer Perso­na­lerin, sondern zunächst im Algo­rithmus. KI im Bewer­bungs­pro­zess verän­dert weniger die Abläufe als viel­mehr das Verhalten beider Seiten. Und nicht zum Besseren. Was Bewerber längst wissen Wer sich heute bewirbt, opti­miert für Maschinen. Keywords aus der Stel­len­aus­schrei­bung, KI-geglät­tete Sprache, struk­tu­rierte Lebens­läufe nach algo­rith­mi­schen Mustern. Das ist Stan­dard. Die extremen Vari­anten – unsicht­barer Text mit Anwei­sungen an die KI, gefälschte GitHub-Repo­si­to­ries, in Einzel­fällen sogar Deepf­akes in Video-Inter­views – zeigen, wohin dieser Weg führt, wenn der Druck hoch genug wird. Recruiter Sven Wohl­fahrt bringt es auf den Punkt: Nicht der Trick ist das […]

20. April 2026|

Die Stärke von Narzissmus in der Führung

Narzissten sind oft macht- und leis­tungs­mo­ti­viert. Sie inter­es­sieren sich dagegen weniger für Bezie­hungen. Das “Anschluss­motiv” ist weniger weniger ausge­prägt. Schon von daher ist es kein Wunder, dass narziss­tisch geprägte Persön­lich­keiten häufiger in Führungs­rollen landen als andere. Sie geben ihrem Voran­kommen eindeu­tige Prio­rität. Narzissmus in der Führung ist also aus der Perspek­tive der Unter­nehmen durchaus funk­tional. Narzissten bringen eine Grund­mo­ti­va­tion mit, die es ihnen ermög­licht, klare Prio­ri­täten zugunsten des Jobs zu setzen. Begriffs­klä­rung Wenn ich hier von Narzissmus spreche, meine ich nicht die klini­sche Diagnose, sondern narziss­ti­sche Persön­lich­keits­an­teile im subkli­ni­schen Bereich. Also Muster, die in vielen Führungs­kon­texten auftreten: hoher Leis­tungs­an­spruch, starkes […]

16. April 2026|

Karriere der Zukunft: So ändert sich Karriere im KI-Zeit­alter

„Am besten wirst du Arzt“ lautet der Titel eines Buchs, das ich vor gefühlt einem Jahr­hun­dert geschrieben habe. Ich meinte das ironisch. Es ging mir darum, dass es keine sicheren Berufe gibt, sondern nur passende Stärken. Heute wirkt dieser Satz weniger ironisch als realis­tisch. Selbst vermeint­liche Schutz­be­rufe verlieren an Stabi­lität. Wie aber sieht die Karriere der Zukunft aus? Einstiegs­jobs werden auto­ma­ti­siert, gebün­delt oder in höher­wer­tige Aufgaben inte­griert. Damit gerät die klas­si­sche Karrie­re­leiter ins Wanken. Der Unterbau fehlt. Und worauf soll man bauen, wenn das Funda­ment fehlt? Es gibt dann kein “Karrie­re­haus” mehr, um ein Bild zu verwenden, dass ich gern […]

7. April 2026|

Was treibt dich an? Motive als zentrale Verän­de­rungs­treiber

Was treibt dich? Diese Frage wirkt simpel, ist aber diagnos­tisch anspruchs­voll. Viele Menschen beant­worten sie aus ihrer Selbst­be­schrei­bung heraus — und liegen falsch. Sie unter­schätzen oder über­schätzen ihre Motive. Deshalb die präzi­sere Gegen­frage: Bist du sicher? Motive gehören zu den robus­testen Erklä­rungs­an­sätzen für Verhalten. Sie sind stabiler als Stim­mungen, grund­le­gender als Einstel­lungen und oft wirk­samer als Kompe­tenzen, wenn es darum geht zu verstehen, warum jemand etwas tut oder eben nicht. Wer Motive versteht, versteht Entschei­dungs­muster, Ener­gie­ver­läufe und typi­sche Über­las­tungs­punkte. Motive bilden unseren Antrieb. Sie sagen, ob wir all unsere Talente und Stärken nutzen — und wie. Motive sind Treiber, nicht […]

1. April 2026|

Stra­tegie — sich neu erfinden im Zeichen von KI

Unter­nehmen bündeln derzeit Personal und KI. Sie tun es, um Arbeit neu zu verteilen. Es ist ihre Stra­tegie in Zeiten, in denen KI immer mehr Aufgaben über­nimmt. Beispiel Moderna: Das Phar­ma­un­ter­nehmen hat Personal und Tech­no­logie in einer gemein­samen Vorstands­rolle zusam­men­ge­legt. Auch AXA bündelt Personal und KI seit kurzem auf Vorstands­ebene. Die Logik dahinter ist einfach: Welche Aufgaben lassen sich auto­ma­ti­sieren, wie viele Menschen braucht es dann noch und wie wird das gesteuert? Karrie­re­ent­wick­lung, Jobpro­file — alles verän­dert sich Das revo­lu­tio­niert die Human Ressourcen auf eine neu gekannte Art und Weise. Jede Menge Menschen müssen sich neu erfinden, neu profi­lieren. Wie […]

25. März 2026|

Beruf­liche Orien­tie­rung im KI-Zeit­alter: 8 Tipps

Wenn Sie sich gerade beruf­lich neu orien­tieren, dann befinden Sie sich vermut­lich mitten in einer der unüber­sicht­lichsten Phasen, die Arbeit derzeit zu bieten hat. Vieles von dem, was früher als sichere Entschei­dung galt, wirkt heute erstaun­lich fragil. Und gleich­zeitig entstehen neue Möglich­keiten, die noch kaum jemand wirk­lich versteht. Wie also sieht eine beruf­liche Orien­tie­rung im Zeit­alter der KI aus? „Am besten wirst du Arzt“ lautete der Titel eines Buches, das ich vor gefühlt einem Jahr­hun­dert geschrieben habe. Ich meinte das ironisch. Damals aller­dings verstanden das nur wenige. Heute könnte diese Ironie besser verstoff­wech­selt werden. Denn dass klas­si­sche „Schutz­be­rufe“ ihre Schutz­funk­tion […]

16. März 2026|

Arbeits­markt und Karriere im KI-Agen­­ten­­zei­t­alter

Es ist passiert. Claude von Anthropic hat die KI in ein neues Zeit­alter geführt. Wir haben es nicht mehr nur mit flir­tenden Chat­bots zu tun, sondern mit auto­nomen Agenten. Das ist keine Spie­lerei. Das ist arbeits­markt­öko­no­misch rele­vant. Agenten über­nehmen zusam­men­hän­gende Aufga­ben­ketten. Sie buchen nicht nur Reisen, sie verhan­deln Verträge. Sie erstellen nicht nur Präsen­ta­tionen, sie struk­tu­rieren Entschei­dungs­grund­lagen. Sie führen Einkaufs­kriege, analy­sieren Risiken, opti­mieren Zahlungs­ströme. Sie ersetzen nicht punk­tuell, sie substi­tu­ieren syste­ma­tisch. Und damit geraten nicht nur einzelne Tätig­keiten unter Druck, sondern ganze Berufs­bio­gra­fien. Was bisher Einstiegsjob war, Junior-Consul­ting, HR-Sach­be­ar­bei­tung, Control­ling, Marke­ting-Analysen, Teile der Rechts- und Steu­er­be­ra­tung, lässt sich zuneh­mend auto­ma­ti­sieren. […]

9. März 2026|

Stra­tegie: Was wir von Stra­te­gemen über Verän­de­rungs­dy­namik lernen können

Als die USA und Israel den Iran nicht nachts, sondern am hell­lichten Tag angriffen, war das mehr als eine mili­tä­ri­sche Entschei­dung. Es war ein stra­te­gi­sches Signal. Stra­tegie lebt von der verbor­genen Absicht. Und manchmal auch davon, Erwar­tungen bewusst zu brechen. Wer glaubt, Stra­tegie sei nur Planung, unter­schätzt ihre psycho­lo­gi­sche Dimen­sion. Das bekannte Stra­tegem „Im Osten lärmen, im Westen angreifen“, häufig mit Sunzi in Verbin­dung gebracht, beschreibt genau diese Logik. Aufmerk­sam­keit wird gebunden, Erwar­tungs­hal­tungen werden mani­pu­liert, Timing wird bewusst gewählt. Wenn ein Angriff nicht im Schutz der Dunkel­heit erfolgt, sondern demons­trativ am Tag, dann ist das Kommu­ni­ka­tion. Und Kommu­ni­ka­tion ist immer […]

2. März 2026|

Der Nubbel ist schuld! Die Psycho­logie der Gruppe

Die Psycho­logie der Gruppe zeigt sich an ihren Ritualen und an dem, was ihr Iden­tität gibt. Rituale erhalten und verän­dern. Ich bin in Köln groß geworden. Und ich erin­nere mich gut an diese Momente am Ende des Karne­vals, wenn der Nubbel verbrannt wird. Eine Stroh­puppe, die für all das stehen soll, was in den letzten Tagen schief­ge­laufen ist. Zu viel Alkohol, Fremd­gehen, Geld­ver­schwen­dung, über-die-Stränge-Schlagen. Der Nubbel wird auf einem Schei­ter­haufen verbrannt. Dabei liest ihm ein Priester seine Vergehen wir. Grup­pen­psy­cho­logie pur. Kleine Anek­dote: Mein Opa war Priester. Er hat den Karneval geliebt. Als Kind fand ich die Doppel­bot­schaft seltsam. Mir […]

17. Februar 2026|

Warum Coaching in jeder Entwick­lungs­phase anders aussieht

Coaching ist nicht gleich Coaching. Das klingt banal, entfaltet jedoch weit­rei­chende Konse­quenzen für Ausbil­dung und Praxis. Denn es bedeutet beispiels­weise, dass es jenseits allge­meiner Quali­täts­stan­dards keine einheit­li­chen Stan­dards für Vorge­hens­weisen geben kann. In diesem Beitrag erkläre ich, warum das so ist und welche Konse­quenzen sich daraus für Coaches und die Coaching­branche ergeben. Die Folgen sind aus meiner Sicht weit­rei­chend, auch für Verbände und Ausbilder. Meine Haupt­these lautet: Unter­schied­liche Coachin­gan­sätze passen zu unter­schied­li­chen Entwick­lungs­phasen von Menschen. Während frühes Coaching oft darauf abzielt, Hand­lungs­fä­hig­keit und Orien­tie­rung zu stabi­li­sieren, geht es in späteren Phasen zuneh­mend um Kontex­tua­li­sie­rung, Inte­gra­tion und Sinn­fragen. Der Grund dafür […]

11. Februar 2026|

Gene­ra­list oder Experte? 7 Fragen, die Sie sich stellen sollten – wenn Sie auch in Zukunft erfolg­reich sein wollen

Unsere Arbeits­welt hält hart­nä­ckig an einem Ideal fest, das aus den stabi­leren Hoch-Zeiten des Indus­trie­zeit­al­ters stammt: dem Experten. Tiefe Spezia­li­sie­rung gilt als Quali­täts­merkmal, Karrie­re­ver­spre­chen und Sicher­heits­anker zugleich. Etwa 60–80 % der großen Unter­nehmen besitzen formale Fach­kar­rieren als Alter­na­tive zur Führungs­lauf­bahn. Eine dritte Lauf­bahn (Projekt‑, Consul­ting- oder Inno­va­ti­ons­lauf­bahn wie bei Google oder 3M) exis­tiert bei etwa 25–40 % der großen Unter­nehmen. Viele der Probleme, mit denen wir heute konfron­tiert sind, lassen sich mit diesem Ideal immer schlechter bear­beiten. Die folgenden Fragen helfen, die eigene Posi­tion und Zukunfts­taug­lich­keit zu über­prüfen. 1. Arbeiten Sie als Gene­ra­list an Problemen – oder als Experte an […]

8. Februar 2026|
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