Kate­go­rien

Was treibt dich an? Motive als zentrale Verän­de­rungs­treiber

Published On: 1. April 2026Cate­go­ries: Aktuell, Coaching, Mensch & Orga­ni­sa­tion
Motive: Was treibt dich an?

Was treibt dich? Diese Frage wirkt simpel, ist aber diagnos­tisch anspruchs­voll. Viele Menschen beant­worten sie aus ihrer Selbst­be­schrei­bung heraus — und liegen falsch. Sie unter­schätzen oder über­schätzen ihre Motive. Deshalb die präzi­sere Gegen­frage: Bist du sicher?

Motive gehören zu den robus­testen Erklä­rungs­an­sätzen für Verhalten.

Sie sind stabiler als Stim­mungen, grund­le­gender als Einstel­lungen und oft wirk­samer als Kompe­tenzen, wenn es darum geht zu verstehen, warum jemand etwas tut oder eben nicht. Wer Motive versteht, versteht Entschei­dungs­muster, Ener­gie­ver­läufe und typi­sche Über­las­tungs­punkte. Motive bilden unseren Antrieb. Sie sagen, ob wir all unsere Talente und Stärken nutzen — und wie.

Motive sind Treiber, nicht Antreiber

Wichtig ist die begriff­liche Tren­nung: Motive sind nicht dasselbe wie Antreiber. Antreiber, etwa aus der Trans­ak­ti­ons­ana­lyse, sind inter­na­li­sierte soziale Normen. „Sei perfekt“, „Streng dich an“, „Mach es allen recht“. Sie wirken oft normativ und erzeugen Druck. Motive hingegen sind Bedürf­nis­quellen. Sie erzeugen Energie, wenn sie erfüllt werden, und Span­nungen, wenn sie dauer­haft frus­triert sind.

Motive: Ursprung bei McClel­land

Die klas­si­sche Motiv­for­schung geht auf David McClel­land zurück. Seine drei zentralen Motive sind Leis­tung, Anschluss und Macht. Diese Trias erklärt einen großen Teil mensch­li­cher Hand­lungs­ori­en­tie­rung. Der Ansatz von Julius Kuhl erwei­tert diese Perspek­tive um zwei entschei­dende Aspekte. Erstens: das Frei­heits­motiv. Zwei­tens: die Unter­schei­dung zwischen impli­ziten und expli­ziten Motiven.

Expli­zite Motive sind das, was Menschen über sich sagen. Impli­zite Motive sind das, was ihr Verhalten tatsäch­lich steuert.

Ein Beispiel: Eine Führungs­kraft beschreibt sich als entschei­dungs­freudig und durch­set­zungs­stark. Gleich­zeitig vermeidet sie Entschei­dungen, dele­giert Verant­wor­tung nach oben und erlebt Einfluss als Belas­tung. Hier liegt mit hoher Wahr­schein­lich­keit ein nied­riges impli­zites Macht­motiv vor, bei gleich­zeitig hoher expli­ziter Zuschrei­bung.

Diese Diskre­panz ist zentral für Coaching, Führung und Selbst­klä­rung. Denn Verhalten folgt primär den impli­ziten Motiven. Expli­zite Motive sind dagegen sozial erwünscht, biogra­fisch gelernt oder stra­te­gisch formu­liert.

Die vier zentralen Motive im Über­blick:

  • Leis­tung: Es geht um die Freude am Meis­tern von Heraus­for­de­rungen, am Verbes­sern und am Lösen von Problemen. Entschei­dend ist nicht das Ergebnis, sondern die Qualität des Tuns. Menschen mit hohem Leis­tungs­motiv blühen im Prozess auf.
  • Anschluss: Hier steht echte Bezie­hung im Vorder­grund. Nicht als Mittel zum Zweck, sondern als intrin­si­scher Wert. Es geht um Verbun­den­heit, Reso­nanz und Zuge­hö­rig­keit.
  • Einfluss/Macht: Gemeint ist das Bedürfnis, Wirkung zu erzielen, Dinge zu gestalten und Verant­wor­tung zu über­nehmen. Es geht nicht primär um Status, sondern um Gestal­tungs­spiel­raum.
  • Frei­heit: Dieses Motiv beschreibt das Bedürfnis nach Auto­nomie, Selbst­be­stim­mung und innerer Stim­mig­keit. Menschen mit hohem Frei­heits­motiv reagieren empfind­lich auf Einschrän­kung und Fremd­steue­rung.

Was sind Motive?

Motive sind der Kern des Wollens. In der bekannten Formel Erfolg = Wollen × Können × Dürfen bilden sie die ener­ge­ti­sche Grund­lage. Ohne Motiv­pas­sung bleibt Können wirkungslos und Dürfen unge­nutzt.

Ergän­zend ist ein weiterer Faktor entschei­dend: Reso­nanz. Innere Reso­nanz zeigt sich körper­lich. Etwas zieht an oder stößt ab. Äußere Reso­nanz entsteht durch Rück­mel­dung rele­vanter Umwelten. Stim­mig­keit entsteht dort, wo Motiv, Hand­lung und Reso­nanz zusam­men­passen.

Ein häufiger Irrtum: Menschen glauben, sie müssten bestimmte Motive haben, um erfolg­reich zu sein. Beson­ders verbreitet ist die Über­schät­zung des Leis­tungs­mo­tivs zu Beginn der Karriere. Es wird Leis­tung gezeigt, aber nicht erlebt. Die Folge sind Über­for­de­rung, Sinn­ver­lust und lang­fristig Erschöp­fung.

Deshalb ist die zentrale diagnos­ti­sche Frage nicht: Was kannst du? Sondern: Wobei entsteht Energie? Für die Selbst­be­ob­ach­tung lassen sich präzise Prüf­steine formu­lieren.

Motive im Über­blick

Leis­tung
Würde ich diese Aufgabe auch wählen, wenn niemand hinschaut und kein Vorteil entsteht?
Erlebe ich Verbes­se­rung als befrie­di­gend oder nur als notwendig?

Einfluss
Suche ich aktiv Situa­tionen, in denen ich gestalten und entscheiden kann?
Empfinde ich Verant­wor­tung als Ener­gie­quelle oder als Belas­tung?

Anschluss
Inves­tiere ich in Bezie­hungen, ohne dass ein konkreter Nutzen entsteht?
Erlebe ich Verbin­dung als Wert an sich?

Frei­heit
Würde ich mich genauso entscheiden, wenn keine Erwar­tungen im Raum stünden?
Wie stark reagiere ich auf Einschrän­kung meiner Spiel­räume?

In Verän­de­rungs­pro­zessen werden Motive beson­ders sichtbar. Denn Verän­de­rung bedeutet immer auch: bestehende Motiv­be­frie­di­gung wird infrage gestellt. Wer stark anschluss­ori­en­tiert ist, reagiert sensibel auf soziale Verun­si­che­rung. Und wer ein hohes Frei­heits­motiv hat, auf Einschrän­kung. Menschen mit starkem Leis­tungs­motiv reagieren fehlende Heraus­for­de­rung.

Moti­va­tion zur Verän­de­rung entsteht deshalb nicht einheit­lich. Sie ist motiv­spe­zi­fisch:

  • Anschluss­ori­en­tierte reagieren auf Bezie­hung, Vertrauen und Zuge­hö­rig­keit.
  • Leis­tungs­ori­en­tierte auf Heraus­for­de­rung und Kompe­tenz­ent­wick­lung.
  • Einfluss­ori­en­tierte auf Gestal­tungs­spiel­räume und Verant­wor­tung.
  • Frei­heits­ori­en­tierte auf Wahl­mög­lich­keiten und Auto­nomie.

Ein kriti­scher Rand­be­reich zeigt sich bei dysfunk­tio­nalen Ausprä­gungen. Ein hohes Einfluss­motiv bei gleich­zeitig nied­rigem Anschluss­motiv kann in domi­nante, wenig empa­thi­sche Muster kippen. Wird Leis­tung primär über externe Aner­ken­nung regu­liert, verliert sie ihren intrin­si­schen Charakter. Hier entstehen Konstel­la­tionen, die in der Persön­lich­keits­psy­cho­logie unter narziss­ti­schen Dyna­miken disku­tiert werden.

Entschei­dend ist: Motive sind weder gut noch schlecht. Sie sind unter­schied­lich verteilt. Probleme entstehen nicht durch Motive selbst, sondern durch fehlende Passung zwischen Motiv­struktur und Kontext.

Die eigent­liche Entwick­lungs­ar­beit besteht deshalb nicht darin, Motive zu verän­dern. Sondern darin, sie zu erkennen, zu akzep­tieren und Kontexte so zu gestalten, dass Motive wirksam werden können.

Deshalb spielt dieser Aspekt in meiner Bera­tung eine zentrale Rolle. Und was moti­viert dich?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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