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Agency: Die Gestaltungsmacht, die wir gerade brauchen

Der Redakteur der Frankfurter Rundschau stellte eine einfache Frage: Was ist eigentlich Agency? Ich brauchte einen Moment, bevor ich antwortete, nicht weil mir das Konzept fremd wäre, sondern weil es ständig mit Selbstwirksamkeit verwechselt wird. Beide hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Albert Bandura hat 1977 beschrieben, was Selbstwirksamkeit ausmacht: der Glaube, eine bestimmte Handlung erfolgreich ausführen zu können. 2001 erweiterte er das Konzept in seiner “Agentic Perspective”: Agency ist die Fähigkeit, die eigene Lebensgestaltung und die Umstände, in denen man lebt, durch gezieltes Handeln aktiv zu beeinflussen. Der Unterschied liegt im Erleben: Selbstwirksamkeit ist der Glaube, etwas zu können. Agency ist die Erfahrung, etwas bewirkt zu haben, im eigenen Leben, im Team, im System. Agency sind also die tatsächlichen Spuren.
Genau daran hakt es bei vielen, mit denen ich arbeite. Eine Klientin, Anfang vierzig, mittleres Management, beschreibt sich selbst als „die, die einfach macht, was ansteht”. Als ich sie frage, was sie in den letzten fünf Jahren im Unternehmen tatsächlich verändert hat, zögert sie lange. Dann fällt ihr wenig ein. Dabei hat sie zwei Reorganisationen mitgestaltet, drei Führungskräfte durch Krisen begleitet, ein Team vor der Auflösung bewahrt. Sie hat es nur nie als eigenes Handeln verbucht.
Das ist der Kern des Problems: Wer sich nicht als handelnd erlebt, muss die Aufmerksamkeit auf Spuren des eigenen Handelns lenken, die es längst gibt, nur übersehen wurden. Es ist wie im Schnee: Man geht, hinterlässt Spuren, dreht sich aber nie um, um sie zu sehen. Nach einer Weile glaubt man, gar nicht gegangen zu sein.
Bandura sprach vom Individuum. Auf Organisationen übertragen heißt Agency: erleben, dass das eigene Handeln das System verändert, nicht nur die eigene Stimmung. Genau das fehlt in vielen Unternehmen, in denen Menschen zwar viel tun, aber nie erfahren, dass ihr Tun etwas bewegt hat. Wirkung verschwindet im Rauschen von Reorganisationen, Zielvorgaben, Führungswechseln.
Genau das üben wir in der Ausbildung Veränderungsbegleiter:in: Menschen dabei zu helfen, die eigene Wirksamkeit im System sichtbar zu machen, nicht als Zufall, sondern als Muster.
Agency ist nicht die Fähigkeit, alles zu kontrollieren. Sie beginnt dort, wo jemand aufhört, nach der großen Wirkung zu suchen, und anfängt, die kleinen Spuren ernst zu nehmen, die längst da sind.
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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
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