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Beruf­liche Orien­tie­rung im KI-Zeit­alter: 8 Tipps

Published On: 16. März 2026Cate­go­ries: Aktuell, Karriere
KI löst klassische Berufsfelder auf

Wenn Sie sich gerade beruf­lich neu orien­tieren, dann befinden Sie sich vermut­lich mitten in einer der unüber­sicht­lichsten Phasen, die Arbeit derzeit zu bieten hat. Vieles von dem, was früher als sichere Entschei­dung galt, wirkt heute erstaun­lich fragil. Und gleich­zeitig entstehen neue Möglich­keiten, die noch kaum jemand wirk­lich versteht. Wie also sieht eine beruf­liche Orien­tie­rung im Zeit­alter der KI aus?

„Am besten wirst du Arzt“ lautete der Titel eines Buches, das ich vor gefühlt einem Jahr­hun­dert geschrieben habe. Ich meinte das ironisch. Damals aller­dings verstanden das nur wenige. Heute könnte diese Ironie besser verstoff­wech­selt werden. Denn dass klas­si­sche „Schutz­be­rufe“ ihre Schutz­funk­tion verlieren, dämmert inzwi­schen immer mehr Menschen. Arzt, Anwalt, Apotheker haben genauso ihre Schutz­funk­tion verloren wie MINT.

KI offen­bart die Sinn­lo­sig­keit mancher Bull­shit-Jobs und von Fake­work

Aktu­elle Debatten: Was kommt nach der Arbeit?

Wer die aktu­ellen Debatten über Arbeit verfolgt, bekommt leicht das Gefühl, wir stünden kurz vor einer tekto­ni­schen Verschie­bung. Auf der einen Seite eine zuneh­mende Lust­lo­sig­keit vieler Beschäf­tigter, die Gehalt zuneh­mend als eine Art Schmer­zens­geld verstehen. Verbunden mit Szena­rien, in denen künst­liche Intel­li­genz Tätig­keits­felder über­flüssig zu machen scheint. Der Ökonom Joseph Schum­peter beschrieb Kapi­ta­lismus einmal als einen Prozess der schöp­fe­ri­schen Zerstö­rung. Alte Struk­turen verschwinden, neue entstehen. Inno­va­tion zerstört, um Platz für Neues zu schaffen.

Mehr­heit arbeitet im Ener­gie­spar­modus

Genau das scheint gerade zu passieren. Nur wissen wir noch nicht genau, was danach kommt.

Die Zahlen des Enga­­ge­­ment-Index von Gallup wirken in diesem Zusam­men­hang wie ein Vorbeben. In Deutsch­land geben rund 77 Prozent der Beschäf­tigten an, nur eine schwache emotio­nale Bindung an ihren Arbeit­geber zu haben. Wirk­lich enga­giert sind gerade einmal neun bis zehn Prozent. Die Mehr­heit arbeitet im Ener­gie­spar­modus.

Verlust des Wertes von indus­tri­eller Arbeit

Immer häufiger wird darüber disku­tiert, ob mensch­liche Arbeit lang­fristig über­haupt noch denselben ökono­mi­schen Wert haben wird.

Studie von Anthropic: In welchen Branchen KI ersetzen kannDer Inter­na­tio­nale Währungs­fonds geht davon aus, dass rund 40 Prozent der Arbeits­plätze welt­weit von künst­li­cher Intel­li­genz beein­flusst werden könnten. Eine aktu­elle Studie von Anthropic (siehe Grafik) sieht in vielen Jobs ein KI-Poten­­zial von annä­hernd 90%, darunter gerade auch Büro­jobs. Beson­ders betroffen sind ausge­rechnet viele hoch­qua­li­fi­zierte Tätig­keiten, also jene Berufe, die lange als beson­ders sicher galten.

Wenn Sie sich gerade neu orien­tieren, ist das eine irri­tie­rende Ausgangs­lage. Denn viele klas­si­sche Ratschläge funk­tio­nieren in einer solchen Situa­tion nicht mehr beson­ders gut.

Was also tun bei der beruf­li­chen Orien­tie­rung und Neuori­en­tie­rung?

1. Hören Sie nicht auf Ihr Umfeld

Zunächst einmal lohnt es sich, Entschei­dungen nicht ausschließ­lich daran auszu­richten, was Ihr Umfeld für sinn­voll hält. Fami­lien, Freunde oder Kolle­ginnen und Kollegen meinen es meist gut. Doch sie orien­tieren sich häufig an Bildern von Arbeit, die aus einer anderen Zeit stammen. Was früher als vernünftig galt, kann heute  schnell seine Grund­lage verlieren. Zudem spie­geln sich in den Empfeh­lungen anderer oft deren eigene Ängste.

2. Orien­tieren Sie sich an Stärken und Motiven

Eine bessere Orien­tie­rung entsteht oft, wenn Sie sich stärker an Ihren eigenen Stärken und Motiven ausrichten. Menschen bleiben lang­fristig vor allem dort leis­tungs­fähig und zufrieden, wo sie etwas tun, das ihnen entspricht. Fähig­keiten, die sich natür­lich entwi­ckeln, haben eine größere Halb­werts­zeit als Quali­fi­ka­tionen, die ledig­lich aus stra­te­gi­schen Gründen erworben wurden. Zudem ist es anstren­gend, dauernd gegen sich zu arbeiten. Es lohnt also, sich besser kennen­zu­lernen.

3. Gehalt ist nicht der Maßstab

Das bedeutet auch, Gehalt nicht zum allei­nigen Maßstab zu machen. Einkommen ist wichtig, keine Frage. Aber es ist ein schlechter Kompass für beruf­liche Entschei­dungen. Wer ausschließ­lich dem Geld folgt, landet nicht selten in Tätig­keiten, die wenig Reso­nanz erzeugen und lang­fristig kaum Entwick­lung ermög­li­chen. Hohe Gehälter bergen oft auch Schmer­zens­geld.

4. Entwick­lung statt vermeint­li­cher Plan­bar­keit

Damit hängt ein weiterer Punkt zusammen: Stellen Sie ihre Entwick­lung stärker in den Vorder­grund als Planungs­si­cher­heit. Es gehört zur Entwick­lung dazu, am Anfang weniger zu verdienen. Gerade gene­ra­lis­tisch ausge­rich­tete Profile bauen sich langsam auf. Außerdem ist die Vorstel­lung, man könne heute eine Entschei­dung treffen, die eine stabile beruf­liche Zukunft für die nächsten dreißig Jahre garan­tiert,  etwas für das Reich der Illu­sionen. Sinn­voller ist es, sich in Rich­tungen zu bewegen, in denen Sie wachsen können.

5. Nehmen Sie Zukunfts­pro­gnosen nicht allzu ernst

Gleich­zeitig lohnt es sich, Zukunfts­pro­gnosen mit einer gewissen Gelas­sen­heit zu betrachten. Tech­no­lo­gi­sche Vorher­sagen sind noto­risch unzu­ver­lässig. Viele Entwick­lungen kommen lang­samer als erwartet, andere ganz anders. Wenn Sie Ihre Entschei­dungen ausschließ­lich an Szena­rien ausrichten, die niemand wirk­lich vorher­sagen kann, geraten Sie leicht in eine perma­nente Unsi­cher­heit.

6. Bauen Sie Lebens­kom­pe­tenzen auf

Eine stabi­lere Grund­lage entsteht oft durch etwas anderes: Lebens­kom­pe­tenzen. Dazu gehören die Fähig­keit, mit Unsi­cher­heit umzu­gehen, Bezie­hungen zu gestalten, Konflikte auszu­halten, Neues zu lernen und sich selbst zu orga­ni­sieren. Diese Fähig­keiten verlieren selten an Wert, egal wie sich Tech­no­lo­gien oder Bran­chen verän­dern. Dazu gehört auch die eigene Ich-Entwick­­lung und Persön­lich­keits­ent­fal­tung. Die braucht Reibung und Heraus­for­de­rung: Man findet sich erst durch das Leben.

7. Orien­tieren Sie sich nicht an vermeint­li­chem Status

Ein weiterer Punkt wird erstaun­lich häufig unter­schätzt: Status.

Viele beruf­liche Entschei­dungen werden immer noch stark davon beein­flusst, wie ein Beruf von der Familie, von Freunden oder der “Gesell­schaft” (bzw. dem Teil, dem man sich zuge­hörig fühlt)  bewertet wird. Doch Status ist ein äußerst beweg­li­ches Konstrukt. Berufe, die heute als pres­ti­ge­trächtig gelten, können morgen an Bedeu­tung verlieren. Andere Tätig­keiten gewinnen plötz­lich an Aner­ken­nung. Wer seine Orien­tie­rung zu stark an solchen äußeren Maßstäben ausrichtet, läuft Gefahr, Entschei­dungen zu treffen, die lang­fristig wenig mit den eigenen Bedürf­nissen zu tun haben.

8. Achten Sie auf Passung

Wenn sich die Arbeits­welt tatsäch­lich so stark verän­dert, wird ein anderes Prinzip wich­tiger: Passung. Passung zwischen Ihren Stärken und den Aufgaben. Passung zwischen Ihren Motiven und Ihrem Alltag. Und Passung zwischen dem Leben, das Sie führen möchten, und der Arbeit, die darin Platz findet. Passung verän­dert sich: Für einen unsi­cheren jungen Menschen kann es passend sein, ein stabi­li­sie­rendes Umfeld zu finden. Später hat er sich aber entfaltet und kann in ganz anderen Feldern Passung finden.

Viel­leicht verschwinden tatsäch­lich einige der Berufe, die früher als beson­ders sicher galten. Viel­leicht entstehen dafür Tätig­keiten, die wir heute noch gar nicht richtig sehen können. Die entschei­dende Frage ist dann weniger, welcher Beruf der „rich­tige“ ist. Entschei­dend ist viel­mehr, ob Sie sich selbst gut genug kennen, um Wege zu erkennen, die zu Ihnen passen.

Oder, um es mit einem Augen­zwin­kern zu sagen: Der beste Rat ist heute nicht mehr „Werde Arzt“, sondern werde du selbst und wirke.

Wenn Sie Menschen unter­stützen wollen, sich in diesem Sinne in der Arbeits­welt zurecht­zu­finden, finden Sie auf meiner Akade­mie­seite passende Ange­bote, z.B. die Master­klasse “Entwick­lungs­ori­en­tiertes Stär­ken­coa­ching”. Suchen Sie nach Bera­tung schauen Sie auf “Karriere & Entwick­lung”.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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