Kate­go­rien

Tarnen Sie sich! Wie Intra­pre­neure in Unter­nehmen über­leben

Published On: 19. August 2014Cate­go­ries: Psycho­logie der Verän­de­rung

Einen „unter­neh­me­risch denkenden Wirt­schafts­prüfer“, suchen die einen. „7 reasons to hire intra­pre­neurs“, dekla­rieren die anderen. Seitdem kaum mehr jemand außer­halb des Silicon Valley Unter­nehmen gründet, steht Unter­neh­mertum hoch im Kurs – neuzeit-oder-spinnerte-idealisten-theorie-und-praxis-der-new-work.aspx” target=“_blank”> hier äußerte, setzt auf unter­neh­me­risch denkende Mitar­beiter. Sie gehören zur New Work wie die Digi­ta­li­sie­rung. Der Haken an der Sache: Ein Intra­pre­neur im Konzern ist die Quadratur des Kreises.

immunsystemDenn wen holt man sich ins Haus, wenn man wäre ja nicht schlecht, wenn die Ange­stellten solches mitbringen. Vorteile liegen auf der Hand: Mehr Inno­va­tion und Selbst­ver­ant­wort­lich­keit. Auch das Micro­soft Mani­fest, zu dem ich michhier eine Grafik, die das daraus entste­hende Dilemma schön verdeut­licht. Im Grunde müssen offi­zi­elle Instanzen das Intra­pre­­neur-Verhalten bekämpfen.

Nach Wunder & Kuhn gelten für einen Intra­pre­neur 10 Gebote:

  1. Komme jeden Tag zur Arbeit mit der Bereit­schaft, gefeuert zu werden.
  2. Umgehe alle Anord­nungen, die deinen Traum stoppen können.
  3. Mach alles, was zur Reali­sie­rung deines Ziels notwendig ist – unab­hängig von deiner Aufga­ben­be­schrei­bung.
  4. Finde Leute, die dir helfen.
  5. Folge bei der Auswahl von Mitar­bei­tern deiner Intui­tion, und arbeite nur mit den besten zusammen.
  6. Arbeite so lange es geht im Unter­grund – zu frühe Öffent­lich­keit könnte das Immun­system des Unter­neh­mens akti­vieren.
  7. Wette nie in einem Rennen, wenn du nicht selbst mitläufst.
  8. Denke daran: Es ist leichter, um Verzei­hung zu bitten, als um Erlaubnis.
  9. Bleibe deinen Zielen treu, aber sei realis­tisch in Bezug auf Möglich­keiten, sie zu errei­chen.
  10. Halte deine Spon­soren in Ehren.

Ich kann Ihnen aus Erfah­rung sagen: Wer den Hauch des Anscheins macht, so zu handeln wie diese 10 Gebote fordern, wird nicht einge­stellt werden. Unter­nehmen akti­vieren ihr natür­li­ches Immun­system gegen poten­zi­elle Angriffe von außen. Zwischen einem Mitar­beiter zu unter­scheiden, der wirk­lich gute Dienste leistet und einem Quer­schläger, ist unmög­lich, denn dazwi­schen liegt nur ein winzig schmaler Grad. Hinzu kommt: Der Wert eines Handelns zeigt sich immer erst im Nach­hinein. Ob eine Regel­ver­let­zung sinn­voll war, kann man also nur ex post beur­teilen.

Quer­schläger und Intra­pre­neure sind sich vom Wesens­kern so ähnlich wie zwei Pfir­siche – nur dass der eine besser aussieht, weil er/sie kommu­ni­ka­ti­ons­tech­nisch trai­niert ist. Bisher gibt es meines Wissens keine Studie zu den Big Five und Intra­pre­neuren, doch meine Hypo­these ist, dass eines der zentralen Merk­male neben Leis­tungs­ori­en­tie­rung eine nied­rige Verträg­lich­keit sein dürfte – ähnlich wie bei Unter­neh­mer­per­sön­lich­keiten. Sie sind also das Gegen­teil von Anpas­­sungs- und Kompro­miss­be­reit. Aber erfolg­reiche Intra­pre­neure können “so tun als ob”, und Quer­schläger nicht.

Erfolg­reiche Intra­pre­neure brau­chen erheb­li­ches schau­spie­le­ri­sches Talent, wozu ausge­feilte Kommu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keiten gehören – vor allen in IT-fernen Berei­chen. Es gehört Können und Kalkül dazu, zu taktieren und einige Zeit den Ball flach zu halten – so lange bis man es weit genug gebracht hat. Bei meinem Gen-Y-Kunden hapert es oft vor allem hieran. Die selbst­be­wussten gehen offen in Gespräche, denken auf der Ebene der direkten Kommu­ni­ka­tion ließe sich alles errei­chen – und wundern sich, wenn sie damit schei­tern. Einige sind konflikt­scheu. Geht ein Unter­nehmen nicht auf ihre Forde­rungen ein, sagen sie “eben selbst schuld”. So kommt man nicht weiter.

Aber so:

Bleiben Sie klar, aber freund­lich

Klar­heit ist immer ein Vorteil, aber man kann so (direkt und mitunter verlet­zend) und so klar (auf den anderen einge­hend und trotzdem deut­lich) sein. Die Grund­lage einer sympa­thi­schen Klar­heit ist die Tatsache, dass Sie wissen, was Sie wollen und Ihre Argu­mente mund- und typge­recht formu­lieren. Es darf kein Hin und Zurück geben. Das eigene Anliegen in freund­liche und koope­ra­tive Worte packen, ist eine Kunst, die sich lernen lässt. Und eine der wich­tigsten Regeln dabei lautet: E‑Mail nur für Tipps und Termin­ver­ein­ba­rungen nutzen, sonst immer münd­lich.

Seien Sie der Wolf im Schaf­pelz

Leute, die stur an Über­holtem fest­halten,  sind Ihre natür­li­chen Feinde. Sie halten sie für Deppen.  Das ist schlecht, denn sie müssen diese Deppen auf Ihre Seite bringen. Und dem Schaf sagt man besser nicht, dass es ein Schaf ist… Seien Sie gnädig. Denken Sie heim­lich, dass Sie es besser wissen, aber hängen sie das nie, niemals an die große Glocke. Nichts kommt so schlecht an wie ein arro­ganter Besser­wisser. Lernen Sie Ihre Feinde lieben, beißen Sie sich sanft in Ihren Rücken…

Schimpfen Sie nicht, arbeiten Sie

Das Unter­nehmen gibt Ihnen eine einma­lige Chance, sehr viel zu lernen, was sie sonst nie lernen würden. Mögli­cher­weise können Sie das später für eine eigene Unter­neh­mens­grün­dung nutzen. Das ist ein wenig Anpas­sung wert. Seien Sie dankbar dafür, anstatt auf die Unbe­weg­lich­keit zu schimpfen. Suchen Sie sich Schlupf­winkel für Ihre Projekte. Die finden sich überall.

Spielen Sie ein Spiel

Die Kunst des Intra­pre­neurs liegt darin, die Leute auf seine Seite zu ziehen, die rele­vant für die Zukunft sind. Sie erkennen Sie z.B. daran, dass Sie oft an die Zukunft denken und Ideen und Lösungen haben. Den anderen, Vergan­gen­heits­ori­en­tierten, gegen­über bleiben Sie freund­lich. Vorsicht aber vor Personen, die nur meckern so wie vor Cliquen­bil­dung. Reden Sie mit vielen, verbünden Sie sich mit wenigen.

Spre­chen Sie mit dem Körper

Weib­liche Intra­pre­neure haben es oft schwer. Sie haben ja gelernt, immer nett zu sein. Und auf Argu­mente zu setzen. Dass man sie leicht für zickig hält, hindert sie daran, ihr Poten­zial zu entfalten.  Doch echter Einfluss zeigt sich nicht nur im Wort — sondern vor allem auch zwischen den Zeilen: Im beredten Schweigen, im verächt­li­chen Blick, im raum­grei­fenden Schritt. Also: Körper­sprache üben!

Work under­ground

Wer etwas Neues voran­treiben will, sollte möglichst lange im Geheimen arbeiten. Je größer ein Unter­nehmen, desto wahr­schein­li­cher verpuffen Inno­va­tionen zwischen Abstim­mungen, wenn man sie öffent­lich macht. Es macht also viel mehr Sinn, im Unter­grund zu arbeiten. Guenter Dueck hat diese Stra­tegie  in „Das neue und seine Feinde“ beschrieben (Rezen­sion). Im Buch von Jörg Bruck­mann (Rezen­sion hier) kann man ebenso Beispiele dafür finden.

 

 

 

Über mich

SBereits seit 1998 schreibe ich Karrie­re­rat­geber, seit dem Jahr 2000 betreibe ich “Karriere & Entwick­lung” für Outpla­ce­ment und Karrie­re­coa­ching. 2004 grün­dete ich meinen ersten Online-Shop, aus dem 2012 Kexpa wurde, 2011 mein Portal Karriereexperten.com. In diesem Jahr kam die Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie dazu: verschie­dene Weiter­bil­dungen zur Profes­sio­na­li­sie­rung der Methoden und Vorge­hens­weisen im Karrie­re­coa­ching.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. […] Tarnen Sie sich! Wie Intra­pre­neure in Unter­nehmen über­leben Svenja Hofert schreibt über kluge Stra­te­gien – insbe­son­dere für die Gene­ra­tion Y. http://bit.ly/Z3Aq0N
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