Kate­go­rien

Die dunkle Triade der Macht: Persön­lich­keits­stö­rungen im Top-Mana­ge­­ment erkennen und einschätzen

Published On: 11. Oktober 2015Cate­go­ries: Psycho­logie der Verän­de­rung

Über den Schreib­tisch schaute er an ihr vorbei und ins Leere. Seine Arro­ganz erin­nerte sie an etwas, was sie am liebsten vergessen wollte: den alten Chef, seine Seil­schaften, seine Art. Dieser Mann wusste genau, dass er das Klima der Angst ausspielen konnte, auch wenn er über andere Menschen und diese Dinge nicht nach­dachte. Eines seiner Druck­mittel war das Vermeiden von Blick­kon­takt, das beab­sich­tigte Weghören, provo­zie­rende Bemer­kungen, Igno­ranz.

Die Geschichte hinter diese Geschichte: Die betref­fende Dame war von einer einfluss­rei­chen Person empfohlen worden. Ganz offen­sicht­lich wollte der Gesprächs­partner nun die Macht­ver­hält­nisse auf seine Art und Weise klar machen. Und durch die Blume sagen „egal, welche Refe­renzen du bringst, hier bist und bleibst du mein Fußab­treter.“ Eine versteckte Macht­bot­schaft an den, der ihn zu diesem Termin gezwungen hatte. Und eine offene an das direkte Gegen­über.

Das oben geschil­derte Manager-Verhalten deutet auf einen Psycho­pa­then. Psycho­pa­then, Narzissten und Machia­vel­listen gehören zur so genannten “dunklen Triade der Macht”. Haben Manager krank­haft über­stei­gerte Persön­lich­keits­merk­male in einem der drei Bereiche, können sie sich mani­pu­lativ verhalten. Sie können sich etwa als Narzisst sehr sozial und char­mant geben, aber auch asozial und abwer­tend.

Der Wahn­sinn im Manage­ment? Nichts Neues: Das Böse ist immer und überall. Die Persön­lich­keits­stö­rung als Abwei­chung von der Norm, welche, auf dieser und auf der anderen Seite der Persön­lich­keits­skalen, eben auch für Genie­streiche zuständig sein kann. Ein unab­hän­giger Geist, der quer­denkt und gegen alle Wider­stände etwas erneuert oder erfindet, ist eben auch kein “Norm-Mensch”. So ist es auch hier: Doch bei der dunklen Triade geht es nicht um unge­wöhn­liche Fantasie und schräges Quer­denken, das frucht­bare Ideen produ­ziert. Hier geht es um die Macht, die auch zerstö­re­risch wirken kann.

Narzissten — den Charme gepachtet

Narzissten verbreiten dabei oft beson­ders viel Esprit; es sind die Sonny­boys unter den Macht­men­schen. In der heutigen Zeit sind sie deshalb auch beson­ders gefragt. Leicht können sie sich in Macht­po­si­tionen aufschwingen, dank ihres Charmes andere um den Finger wickeln. Charisma und Visionen können sie einfa­cher verbreiten als ein Mensch, der abwägt und sich oft um andere Gedanke macht. Was „normale“ Menschen hart lernen müssen, ist bei ihnen schon ange­legt. Mehr oder weniger von Geburt an.

Beim Narzissmus exis­tieren zwei Formen: Der Gran­­dio­­si­­täts-Narzissmus steht mit höherer Extra­ver­sion in Bezie­hung, ein verdeckter Narzissmus korre­liert mit Hyper­sen­si­ti­vität. Manche unter­scheiden auch Männer- und Frauen-Narzissmus. Eindeutig ist es jedoch eher der Gran­­dio­­si­­täts-Narzissmus der ins Top-Mana­ge­­ment führt. Diese Leute sind oft beson­ders kommu­ni­kativ, denn ihr Ziel ist es, Bewun­de­rung zu ernten. Sie haben Charisma, weshalb sie es in der Führung weit bringen, gilt Charisma doch welt­weit als wich­tige Führungs­di­men­sion. Wenn sie von anderen keine Aner­ken­nung bekommen, lassen sie diese fallen. Die Gefahr: Sie sind deshalb nicht in der Lage zu erkennen, wessen Ideen einem Unter­nehmen wirk­lich nützen würden, da sie dies unter dem Schleier der Selbst­liebe gar nicht beur­teilen können. Bloß niemand vorbei­lassen, der auf Augen­höhe wäre und ihnen die Aner­ken­nung verwehrt!

Zum Narzissmus gibt es auch ein Video von mir:

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Mehr Infor­ma­tionen

Psycho­pa­then

Während Narzissten die Eigen­liebe frönen und nach Aner­ken­nung lechzen, wobei sie gute Kommu­ni­ka­ti­ons­skills ausbilden, sind Psycho­pa­then Hand­lungs­men­schen, die Gefühle analy­tisch berechnen und zudem sehr risi­ko­affin sind.

Psycho­pa­then finden sich nicht nur häufig in Gefäng­nissen, sondern auch in hoher Posi­tion. Wo sie landen, hängt im wesent­li­chen mit ihrer fami­liären Sozia­li­sa­tion zusammen. An die Unter­neh­mens­spitze bringt sie die Fähig­keit, nüch­­tern-analy­­tisch und ohne große Empa­thie zu entscheiden.

Sie sind von der Außen­welt meist leicht erkennbar, da ihr risi­ko­af­fines Verhalten den anderen auffällt; sie selbst merken es nicht. Der Neuro­wis­sen­schaftler Jimmy Fallon verglich die Gehirn-Scans von psycho­pa­thi­schen Mördern zufällig mit einem Scan seines eigenen Hirns. Die charak­te­ris­ti­sche Abschal­tung der emotio­nalen Regionen war nicht zu über­sehen. Er fand so selbst heraus, was für seine Freunde und seine Familie schon seit Jahren fest­stand: Er ist ein Psycho­path. Auch krank­hafter Narzissmus lässt sich im Gehirn erkennen.

Machia­vel­listen

Machia­vel­listen, die dritte Kate­gorie der dunklen Fürsten, tun alles, um ihre Ziele zu errei­chen; Unehr­lich­keit und stra­te­gi­sches Lügen gehören für sie dazu. Sie können  andere ebenso mani­pu­lieren, denn ihnen ist jedes Mittel recht. Doch anders als Psycho­pa­then meiden sie das Risiko, sofern dies den eigenen Zielen gefähr­lich werden könnte. In welche Kate­gorie der dunklen Triade ein Manager fällt, erkennt man nicht anhand von einzelnen Situa­tionen und schon gar nicht im Assess­ment Center, sondern nur,  indem man über­dau­ernde Merk­male und grund­le­gende Verhal­tens­ten­denzen über einen längeren Zeit­raum betrachtet.

Wie normal ist das Unnor­male? In der Bevöl­ke­rung gäbe es, so berichtet die Zeit, 4% Narzissten und 2% Psycho­pa­then. In der Manage­ment­ebene, vor allem im Top-Mana­ge­­ment, seien es erheb­lich mehr. Wie viel mehr, dazu gibt es meines Wissens keine verläss­li­chen Aussagen.

dunkletriadeStudie setzt Triade in Bezie­hung zu den Big Five

Eine aktu­elle Studie von Chris­tian Mai, Regina-Viola Frey, Marion Büttgen und Marcel Hüls­beck liefert eine Analyse des Persön­lich­keits­pro­to­typs der DAX 30-Vorstand­s­­vor­­­si­t­­zenden. Die empi­ri­sche Analyse vergleicht Top-Manager mit Durch­schnitts­män­nern über 50. Dabei wurden Fremd­ein­schät­zungen der Big Five verwendet. Diese Woche inter­viewte mich die Rhei­ni­sche Post zusammen mit Chris­tian Mai bereits zu diesem Thema, hier können Sie diesen Artikel finden.

Die Wissen­schaftler ermit­telten mit den Big Five, inwie­fern Top-Manager sich vom normalen Durch­schnitts­mann unter­scheiden. Dabei spielten Vorun­ter­su­chungen eine Rolle, die belegten, dass bestimmte Ausprä­gungen in den Big Five mit Narzissmus und Psycho­pa­thie korre­lieren (auch mit Machia­vel­lismus, siehe Tabelle, nur wurde das hier nicht unter­sucht). So sind Psycho­pa­then oft wenig anpas­sungs­fähig und verträg­lich sowie emotional sehr stabil, was mit Risi­ko­freude einher­geht. Alle Macht­men­schen der dunklen Triade sind außerdem äußerst gewis­sen­haft.

Zurück zu Ergebnis: Die Dax-30-Manager unter­scheiden sich in einigen Punkten deut­lich und signi­fi­kant vom Durch­schnitts­mann. So sind sie emotional erheb­lich stabiler, weniger anpas­sungs­fähig und verträg­lich sowie gewis­sen­hafter. Sie zeigen also eher heraus­for­derndes Verhalten als eine anpas­sende und konforme Art.

Die Forscher Schütz, Marcus und Sellin unter­suchten die Bezie­hung zwischen Dimen­sionen des NEO-FFI und der Dimen­sion des Narzissmus bereits vor mehr als 10 Jahren. Sie fanden heraus, dass Anpas­sungs­fä­hig­keit (auch: Verträglichkeit/Agreeableness) negativ und Extra­ver­sion und Gewis­sen­haf­tig­keit positiv mit einer narziss­tisch veran­lagten Person korre­lieren. Die Studi­en­au­toren Mai, Frey, Büttgen und Hüls­beck resü­mieren: „Vergleicht man nun die Ergeb­nisse der vorlie­genden Studie mit den Ergeb­nissen von Schütz/Marcus/Sellin (….) so wird deut­lich, dass die analy­sierten Mana­ger­pro­file in den vorge­nannten Dimen­sionen entspre­chend ausfallen und die unter­suchten Personen demnach in vier von fünf Dimen­sionen in der Tendenz mit dem Profil narziss­ti­scher Personen über­ein­stimmen.“

Top-Manager weniger kreativ als der Durch­schnitts­mann

Für mich der inter­es­san­teste Punkt an der Studie: Im Bereich “Offen­heit für neue Erfah­rungen” liegen die Top-Manager unter dem Durch­schnitts­mann. Das finde ich fast drama­tisch ange­sichts der Notwen­dig­keit von Inno­va­tion. Und der Erfah­rung, dass weniger offene Menschen, krea­ti­veren oft kritisch gegen­über stehen.

Natür­lich zählen Top-Manager nicht immer zur dunklen Triade. Über­haupt lässt sich mit den Big-Five-Tests keine der genannten Manager-Kran­k­heiten  diagnos­ti­zieren. Das Big Five-Profil gibt ledig­lich Anhalts­punkte, welche für die Perso­nal­ent­wick­lung hilf­reich sein können. Andrer­seits sind intel­li­gente Menschen in der Lage zu erkennen, welches Verhalten gewünscht und welches uner­wünscht ist und können neben ihrem Verhalten auch Frage­bögen mani­pu­lieren. Weitere Mess­ver­fahren könnten aller­dings helfen, gefähr­li­chen Charak­ter­zügen schneller auf die Schliche zu kommen, etwa ein Test der dunklen Triade, der bald bei Hogrefe verfügbar sein wird. Auch Inte­gri­täts­tests sollen helfen, gefähr­li­chen Eigen­schaften auf die Spur zukommen. Und irgend­wann kommt viel­leicht der Hirn­scan als Stan­dard­ver­fahren im Recrui­ting dazu.

Wie kann es sein, dass Top-Manager mit solchen Eigen­schaften durchs Assess­ment Center kommen, das tenden­ziell anpas­sungs­fä­hige Typen bevor­zugt? Wie lassen sich Manager iden­ti­fi­zieren, die zur Gefahr für Unter­nehmen werden können? Darüber spreche ich dieser Tage im Inter­view mit Chris­tian Mai.

Beitrags­foto: Aidan Roof — Pexels.com

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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13 Kommen­tare

  1. Stefan Nette 14. Oktober 2015 at 12:58 — Reply

    Hallo Frau Hoffert,

    sehr inter­es­santes Themen­feld, mit dem ich mich selbst auch sehr gerne beschäf­tige.

    Was man nicht vergessen darf, sind die gefähr­lichsten von allen jene, die eine Kombi­na­tion von Persön­lich­keits­stö­rungen aufweisen wie etwa dem Psycho­pa­thi­schen Narzissmus. Ich bin selbst mal so einer Frau auf den Leim gegangen (daher wohl auch mein Inter­esse). Diese Menschen machen Ihnen das Leben zur Hölle, verpa­cken Sie als Para­dies, saugen alles und jeden ums ich herum aus, ziehen die Fäden so das niemand etwas merkt und ziehen weiter wenn der Leichen­berg groß genug ist.… Ganz fiese Kombi.

    Inter­es­sant im Zusam­men­hang mit Narzismus fand ich einen Bericht auf Spiegel-online.de der von Forschungs­er­geb­nissen zu berichten wusste: Eine Gruppe Junger Forscher hatte heraus­ge­funden, dass eine fast 100% Korre­la­tion zwischen aufwän­digsten Test­ver­fahren zur Iden­ti­fi­zie­rung von Narzissten und der Simplen Frage

    “Narzissten sind selbst­ver­liebt, eitel und empa­thielos. Auf einer Skala von 1–10 wie narziss­tisch sind Sie?”

    Der Witz dabei ist, das narzissten ehrlich antworten, denn sie finden es nicht verwerf­lich. Ich habe das mitt­ler­weile sogar in einigen Bewer­bungs­ge­sprä­chen ange­wandt, der witz ist. Während die einen schon pein­lich berührt unter sich schauen hauen andere ohne mit der Wimper zu zucken eine 8–10 raus. Es ist wohl wirk­lich etwas dran.

    Viele Grüße
    Stefan Nette

    • Svenja Hofert 14. Oktober 2015 at 13:27 — Reply

      Hallo Herr Nette, danke für den Kommentar. Oh ja, da können auch Coachs/Berater ein Lied von singen. Am Anfang meiner Tätig­keit war ich nicht erfahren genug, um zum Beispiel Border­line schnell zu erkennen und bin 2 x Border­li­nern aufge­sessen mit allen Folgen. Psycho­pa­thi­scher Narzissmus ist mir glück­li­cher­weise nie begegnet. Die Frage aus SPON kenne ich: Ich habe sie für mich selbst spontan mit 3,5 beant­wortet. Dabei habe ich mich schon gefragt, ob ich sozial erwünscht nach unten korri­giere. Aber dann habe ich einen ausführ­li­chen Test gemacht und da war ich auch nicht auffal­lend narziss­tisch. Leider, sonst würde es mich viel­leicht mehr Rich­tung “Bühne” ziehen 😉 LG Svenja Hofert

  2. Daniel Reuter 29. Oktober 2015 at 14:21 — Reply

    Dieses Beitrag ist sehr hilf­reich für die junge Bewerber. Ich habe auch bemerkt, dass die Top-Manager wenig kreativ sind. Danke­schön.

  3. Hans 3. November 2015 at 1:23 — Reply

    Das ist eigent­lich kalter Kaffee — Günther Ogger hat schon vor mehr als 20 Jahren ausführ­lich über “Nieten in Nadel­streifen” berichtet. Am verwun­der­lichsten ist es dass sich seitdem an der Situa­tion nichts geän­dert hat.

  4. Florian 17. November 2015 at 10:19 — Reply

    Da muss ich Hans recht geben. Es ist schon verwun­der­lich, dass sich die Persön­lich­keiten im Top-Mana­ge­­ment seit Jahren nicht verän­dern. Scheinbar können und wollen Unter­nehmen nicht umdenken. Und so lange es funk­tio­niert, heißt es: Lass sie mal machen! 😉

  5. Reiner 9. April 2016 at 19:02 — Reply

    Hallo Frau Hoffert,
    ich habe einen 6 Jahre andau­ernd Kampf gegen einen Menschen geführt, der sogar Kate­gorie über­schrei­tend war.
    Bevor dieser Mensch in das Leben meiner Kollegen und in meins trat, hatten wir einen Chef dem es über Jahre hinweg gelungen war, ein fami­liäres Mitein­ander zu erschaffen. Das war eine Zeit in der man es kaum abwarten konnte morgens zur Arbeit zu gehen, es beinahe traurig war in Urlaub fahren zu müssen ;-)…
    Dann kam er, anfangs jemand den man als über­durch­schnitt­lich sympa­thisch beschreiben könnte, aller­dings offen­barte er schon nach kurzer Zeit (ca. 6 Monate, nachdem sein Infor­ma­ti­ons­be­darf gedeckt war) sein wahres Gesicht. Plötz­lich wurden alle abge­sägt (entlassen), die ihm seine Posi­tion hätten streitig machen können. Viele Mitar­beiter haben von selbst das Hand­tuch geworfen, weil sie dem Druck nicht stand­halten konnten… Nach einem Jahr hatte er die Mitar­bei­ter­an­zahl in unserer Abtei­lung beinahe halbiert (von 30 auf 17 Personen).
    Als die Situa­tion der GL zuge­tragen wurde, holten sie einen Psycho­logen und Mediator. In den ganzen 6 Jahren hat dieser Mensch sich insge­samt 4 x komplett neu erfinden müssen. Er hat inner­halb dieser Zeit eine Menge wirt­schaft­liche Schäden verur­sacht, hat Kollege gemoppt und und und. Die Geschichte ist im Detail so unglaub­würdig, dass sie beinahe schon film­reif wäre.
    Er war zu Beginn seiner Karriere noch sehr unbe­holfen und bauern­haft. Ein Mutter­söhn­chen mit fehlender Empa­thie, bzw. jemand der nie über soziale Kontakte verfügte. Er lernte über­durch­schnitt­lich schnell dazu und fing an Stra­te­gien zu entwi­ckeln um sich nach­haltig selbst zu schützen. Er war super verlogen und hat ständig Mitar­beiter gegen­ein­ander ausge­spielt. Zudem super miss­trau­isch. Nach Feier­abend hat er in den Schub­laden der Kollegen gewühlt oder wenn zwei Menschen zusammen an der Kaffee­ma­schine standen, stellte er sich sofort dazu, weil er Angst hatte, dass die über ihn reden könnten… ich könnte Millionen Beispiele nennen.
    Leider hat die GL dieses Verhalten komplett tole­riert. Ich habe mich irgend­wann offensiv gegen ihn gestellt, weil ich die Verzweif­lung meiner Kollegen nicht ertragen konnte.
    Es half aber nichts, an dem Punkt wo ich dachte, dass das Gute siegen wird, hat man mich und meine Mitar­beiter vor die Türe gesetzt. Ihm wurde nur die Perso­nal­ver­ant­wor­tung entzogen.

    Viele Grüße

    • Svenja Hofert 10. April 2016 at 14:32 — Reply

      das ist leider immer der Punkt: Manchmal sind diese Menschen eben sehr leis­tungs­fähig und man will sie halten. Das höre ich sehr, sehr oft. Was kann man tun? Leis­tung neube­werten — und weg vom Einzel- zum Team­denken kommen. LG SH

      • Reiner 12. April 2016 at 12:55 — Reply

        Guten Tag Frau Hofert,
        vielen Dank für die schnelle Reak­tion.
        Ich stimme Ihnen in vollem Umfang zu! Aber welchen Vorteil hätte ein Unter­nehmen, dass das Einzel- und Team­denken anhand von Leis­tungen und die daraus resul­tie­renden Ergeb­nisse bezogen auf Effi­zienz und Wirt­schaft­lich­keit neu bewertet?
        Effi­zienz geht immer einher mit der Opti­mie­rung und Umge­stal­tung von Arbeits­ab­läufen und Prozessen. Struk­turen werden über­ar­beitet, neuge­staltet und mit Kenn­zahlen ausge­schmückt. Verant­wor­tung wird auf ein Minimum redu­ziert. Das Einschätzen und Risi­ko­be­werten wird von elek­tro­ni­schen Tools über­nommen. Persön­lich­keits­test ersetzen den Instinkt des Perso­nalers. Das Füttern von Tools und Gadgets über­wiegt, persön­liche stärken wie Empa­thie und Intui­tion verlieren an Prio­rität. Es wird ein Tisch gedeckt an dem die narziss­tisch Veran­lagten sich die Teller so voll­ma­chen, dass der Rest kaum etwas abbe­kommt. Um aber auch den anderen etwas abzu­geben betreibt man ein internes Marke­ting. Es werden Kultur­work­shops, Kultur­kaf­fees, runde Tische usw. veran­staltet. Kultur­werte werden um den Punkt der Streit­kultur erwei­tert… Lean Manage­ment kommt nicht schlank, sondern aufge­bläht daher. Stra­te­gie­tage, Inno­va­ti­ons­tage, unter­schied­liche Regel­ter­mine und Review Meetings kommen on top. Viele finden sich schnell in einer Welt wieder, in der persön­liche Stärken sekundär sind und die internen und kultu­rellen Belange im Tages­ab­lauf über­wiegen. Man macht in immer kleiner werdenden Teams noch mehr Arbeit… In einer solchen Welt hat es ein Narzisst um ein viel­fa­ches leichter, da er sich ausschließ­lich über seinen persön­li­chen Erfolg defi­niert, ihm die innere Verbun­den­heit zum Unter­nehmen fehlt und er sich nicht wirk­lich für sein Umfeld inter­es­siert, bzw. dieses zusätz­lich durch seine Art belastet.
        Ich habe die letzten 10 Jahre in zwei global ausge­rich­teten Konzernen gear­beitet. Und denke, dass ein guter Indi­kator für fehl­ge­lei­tete Struk­turen und nach­las­sende Team­leis­tung die Service­leis­tung und die daraus resul­tie­rende Kunden­ori­en­tie­rung eines Unter­neh­mens ist. Eine Service Abtei­lung ist in der Regel “nice to have” aber laut Bilanz trägt diese nur wenig zum Gesamt­erfolg eines Unter­neh­mens bei. Unter­neh­me­ri­sche – Evolu­tion defi­niert sich eben über Zahlen und Evalu­ie­rung findet im Markt und nicht im Unter­nehmen statt.
        Nun bin ich seit ca. 7 Monate ohne Job. Grund­sätz­lich bin ich ein sehr selbst­si­cherer und selbst­be­wusster Mensch. Ich bin Inno­va­ti­ons­preis­träger, Patent­in­haber, habe einige Gebrauchs- und Geschmacks­muster. Sitze in diversen Verbänden und Ausschüssen, habe ein großes Netz­werk, trete auf Kongressen auf… Komme von Basis und habe mich in den letzten 20 Jahren bis ins geho­bene Manage­ment hoch­ge­ar­beitet. Ich war noch nie auch nur einen Tag arbeitslos. Als mein Bereich geschlossen wurde, habe ich mich erst mal um die Belange und Sorgen meiner Mitar­beiter geküm­mert. Zudem habe ich darum gekämpft während meiner Frei­stel­lungs­zeit ein letztes Entwick­lungs­pro­jekt zu einem vernünf­tigen Abschluss zu bringen, weil ich mich gegen­über dem Kunden in der Pflicht sah. Schlimmer noch, Stel­len­an­ge­bote vom Wett­be­werb lehnte ich während dieser Zeit ab, oder habe diese an meine ex Mitar­beiter vermit­telt. Eben weil ich wusste, dass der Markt sich um mich Prügeln wird ;-). Nun 7 Monate, 46 Bewer­bung (19 ohne Rück­mel­dung), 4 Persön­lich­keits­test, 2 Vorstel­lungs­ge­spräche und 21 Absagen später, verliert man insge­samt die Lust an dieser JobWelt 4.0. Auffal­lend sind die häufig fehlenden oder falsch inter­pre­tierten Infor­ma­tionen zwischen der stel­len­su­chenden Fach­ab­tei­lung und der Perso­nal­ab­tei­lung.
        Mein Resümee ist, dass die Arbeit­ge­ber­welt in Deutsch­land irgendwie nicht so ganz rund läuft.
        Ich muss kurz anmerken, dass ich persön­lich ein sehr opti­mis­ti­scher Mensch und ein großer Moti­vator bin, auch wenn der Text das wenig wider­spie­gelt :-).

        Beste Grüße

        • Svenja Hofert 12. April 2016 at 21:45 — Reply

          Hallo R., oh ja, die Arbeits­welt läuft nicht rund, das sehe ich absolut wie Sie. Und es hat nichts mit Opti­mismus zu tun. Es wird ab einer bestimmten Erfah­rung schwerer Anschluss­stellen zu bekommen. Will aber keiner hören 😉 LG Svenja Hofert

  6. Marlene 27. Dezember 2016 at 18:10 — Reply

    Hallo Frau Hoffert

    Ich habe da mal eine Frage: Kann es sein, dass man ein Psycho­path oder ein Machia­vel­list ist und es selber weiß??
    Außerdem finde ich, dass unsere Gesell­schaft solche Menschen total unfair behan­delt, ich meine jemanden zu verur­teilen nur weil er anders denkt bzw funk­tio­niert?? Das ist doch nicht normal, diese Menschen können doch eigent­lich nichts dafür das sie so sind wie sie sind. Und ich finde man sollte jeden Menschen so akzep­tieren wie er ist. Aber das ist ja eigent­lich auch nur meine Meinung.
    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

    LG Marlene

    • iui 18. April 2017 at 23:12 — Reply

      Ja, aber natür­lich. Schauen Sie sich doch mal gewisse Poli­tiker an. Putin, sowie Assad sind Machia­vel­listen. Trump ist ein Narzist. Und Duterte wahr­schein­lich ein Psycho­path.
      Viel­leicht hat selbst derje­nige, der das jetzt schreibt, solche Tendenzen. Aber das würde ein Machia­vel­list nie zugeben. 😉
      (als kleiner Tipp…)

      MfG

  7. […] Menschen getroffen, die auf psycho­lo­gi­schen Skalen aus dem Norm­be­reich fallen (siehe mein Artikel „Dunkle Triade der Macht“). Doch jede Macht lässt sich zügeln, wenn sie verteilt […]

  8. Valen­tina 15. Oktober 2025 at 9:25 — Reply

    Lieber Reiner, danke, ich habe sowas auch erlebt. Was ist Deine/Ihre Analyse der Proble­matik? Ich habe für mich geschlossen, dass das Problem das Umfeld ist, das dieses Verhalten nicht abstellt, sondern gewähren lässt bzw. sogar belohnt. Uns als Mensch­heit fehlt psycho­lo­gi­sche Kompe­tenz, wir sind eigen­blind, kurz­fristig, ängst­lich … Viele Grüße Valen­tina

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