Kate­go­rien

Mach dir deine Welt, wie sie dir gefällt: 5 Gestal­tungs­mög­lich­keiten, die kaum jemand nutzt

Published On: 13. Oktober 2018Cate­go­ries: Psycho­logie der Verän­de­rung

Nichts ist, wie es scheint. Dass sich Farben gold­weiß oder schwarz­blau zeigen können, bewies #Thedress 2014. Damals verbrei­tete sich viral ein Foto, das die einen gold­weiß und die anderen schwarz­blau sahen. Neuro­bio­logen und Wahr­neh­mungs­wis­sen­schaftler über­bieten sich seitdem mit Erklä­rungen. Die größte Bedeu­tung hat jedoch wohl die Einbil­dung: Wer auf blau­schwarz einge­stellt war, sah blau­schwarz. Wer gold­weiß „dachte“ sah auch gold­weiß.*

“It´s just an illu­sion in all this confu­sion”, sang 1982 die Band Imagi­na­tion, aber mit Konfu­sion hat das wenig zu tun. Wir sind nicht verwirrt, wenn wir die Dinge unter­schied­lich wahr­nehmen – wir sind mensch­lich. Unser Gehirn ist genau dazu konstru­iert und trai­niert: Jeder sieht, was er sehen will. Der Mensch strebt nach Kohä­renz. Er sucht Schlüs­sig­keit für sich. Deshalb blendet er „seiner Wahr­heit“ wider­spre­chende Fakten einfach aus.

Das betrifft Wahr­nehmen in allen Facetten, Sehen ist nur eine davon.

Was sind die Folgen dieser Erkenntnis in der Gemein­schaft von Menschen? Nichts ist, wie es scheint, bedeutet auch: Nimm deine und die Wahr­neh­mung anderer niemals als wahr an, auch wenn wahr in dem Wort Wahr­neh­mung steckt. Nimm sie als eine Perspek­tive, die du bei dir selbst beob­ach­test.Die Perspek­tive eines anderen jedoch, kannst du nicht sehen. Du kannst nur fragen: Was siehst du?  Wie siehst du es?

Wir werden in unseren Systemen jedoch auf etwas Anderes, auf die Festig­keit von Aussagen und Wahr­heit program­miert. Die Illu­sion sind nicht die verschie­denen Farben, die Illu­sion ist, dass Menschen behaupten, es gäbe nur eine Farbe (Wahr­heit).

Wir sind keine Computer, unsere Gehirne funk­tio­nieren voll­kommen anders als künst­li­cher Intel­li­genz, Roboter, neuro­nale Netze. Deshalb kann KI uns auch nicht gefähr­lich werden, wenn wir das wirk­lich begreifen.

Ja, wenn wir das als viel­leicht einzige Wahr­heit annehmen, ergeben sich diese fünf Chancen und Möglich­keiten, die nach einer anfäng­li­chen Konfu­sion am Ende für ein viel gesun­deres und entspann­teres Leben sorgen werden.

1. Wir dürfen endlich fühlen und Zweifel zeigen

Von uns wurde früh verlangt, stark zu sein. Vor allem in der Karriere auf oberen Ebenen wurde belohnt, wer sich als harter Knochen zeigte. Klar­heit wurde gleich­ge­setzt mit eindeu­tigen Aussagen und domi­nanter Unter­strei­chung von Thesen. Wer reflek­tiere, wurde leicht als schwach wahr­ge­nommen.

Ich unter­scheide schwar­z­­weiß-domi­nantes Verhalten von klar-reflek­­tie­­rendem. Schwar­z­­weiß-domi­nant setzt durch, dass das Kleid Gold­weiß zu sehen ist. Klar-relek­­tie­­rend erkundet Posi­tionen und plädiert für das, was nach einer prin­zi­pi­en­ori­en­tieren Bewer­tung für alle am meisten Sinn zu machen scheint.

Welche neuen Erkennt­nisse dahin­ter­ste­cken:

Wer sich schwar­z­­weiß-domi­nant verhält, kann Emotionen weder wahr­nehmen noch zeigen. Emotio­nale Wahr­neh­mung ist jedoch die Voraus­set­zung für persön­liche Reife, folgen Denken und Handeln doch immer Gefühlen. Je mehr Fühlen, Denken und Handeln bewusst reflek­tiert werden und je näher Denken und Handeln am reflek­tierten Fühlen ist, desto klarer ist ein Mensch, desto authen­ti­scher.

Das gilt, sofern dies einher­geht mit einer anderen Menschen gegen­über posi­tiven Haltung. Hier hilft der Blick auf das OK-Geviert der Trans­ak­ti­ons­ana­lyse: Das Gesagte gilt also, wenn jemand in seiner Grund­hal­tung bei „Ich bin OK, du bist OK“ steht, also zur Selbst- und Fremd­liebe fähig ist.

2. Wir müssen auf nichts mehr beharren

Jedem Gedanken geht ein Gefühl voraus, Sach­be­zo­gen­heit ist eine Illu­sion. Wenn ein Mensch in der Lage ist, die Gefühle wahr­zu­nehmen, die seine Gedanken und schließ­lich Hand­lungen begleiten, ist er entwick­lungs­psy­cho­lo­gisch reifer als jemand, der das nicht kann. Erst recht ist das der Fall, wenn er dies auch anderen ange­messen kommu­ni­zieren kann. Wenn wir also merken, wir beharren nur auf einer Aussage, weil wir sie gestern für richtig hielten, nun aber neue Infor­ma­tionen haben, die ein anderes Bild darauf werfen, können wir ohne Gesichts­ver­lust zu einer neuen Einschät­zung kommen.

Welche neuen Erkennt­nisse dahin­ter­ste­cken:

Jede Persön­­lich­keits- und auch Führungs­kräf­te­ent­wick­lung ist eine emotio­nale Entwick­lung. Man erkennt persön­liche Reife daran, wie jemand mit schwie­rigen Situa­tionen umgeht und wie er oder sie Kritik erlebt, wie er seine eigenen Gefühle erkennen, zulassen und sie in ihrer Wider­sprüch­lich­keit auch beschreiben kann. Wie sehr er oder sie sich als Prozess erlebt — und nicht als Zustand. Und wie er oder sie auf andere blickt: beob­ach­tend oder bewer­tend.

3. Wir erschließen uns Möglich­keiten und eigene Realität

Erin­nern Sie sich an „und täglich grüßt das Murmel­tier“? Jeder Tag ist eine neue Entschei­dung, jede Stunde, jede Minute. Zeit und Raum sind relativ, nur künst­lich abgrenzbar. So können wir die Vergan­gen­heit rück­bli­ckend verän­dern, indem wir vermeint­li­ches Gesche­henes vergessen, neu bewerten oder in der Fantasie verän­dern. Wir entscheiden, was wir behalten und was weglegen wollen. Genauso ist es mit der Zukunft: Wir entscheiden, wie und wo wir sie leben wollen und mit wem.

Welche neuen Erkennt­nisse dahin­ter­ste­cken:

In den Bergen vergeht die Zeit lang­samer. Und Gegen­wart gibt es bei näherer Betrach­tung gar nicht. Im Moment, in dem wir diese wahr­nehmen, ist es schon Vergan­gen­heit. So ist jeder Moment der Zukunft eine Entschei­dung, sie ANDERS zu nutzen. Stellen Sie sich Ihre Möglich­keiten als Räume vor, die sie einfach nur betreten müssen, indem Sie durch die Tür gehen. Dadurch lassen sie Wirk­lich­keit entstehen.

4. Wir können endlich Poten­ziale nutzen

Was ist ein Poten­zial? Es ist die Möglich­keit, zu werden. Es braucht eine passende Umge­bung, Voraus­set­zungen, Begeg­nungen. Poten­ziale sind wie Samen, die aufgehen, wenn sie das passende Umfeld haben. Poten­ziale verlangen keine Tests und keine Diagnostik, sie verlangen von uns nichts Anderes als Entschei­dungen: Was will ich tun? Was möchte ich lernen? Worin will ich mich verbes­sern?

Welche neuen Erkennt­nisse dahin­ter­ste­cken:

In der alten Arbeits­welt wurden Menschen auf die Anfor­de­rungen hin zurecht­ge­bogen. So trai­nierte man oft „falsche“ Stärken, mit der Folge, dass viele Menschen etwas beherr­schen, was sie gar nicht wirk­lich lieben und den Bezug zu ihren Poten­zialen verloren haben. Neugier ging verloren, weil wir lernen mussten, was wir lernen sollten. Krea­ti­vität ist in früh­kind­li­cher „Erzie­hung“ abtrai­niert – im Torrence Test für Krea­ti­vität erzielen nur noch vier Prozent der Erwach­senen die Werte von Kindern! Kurzum haben die meisten von uns all das verlernt, was uns mensch­lich macht und gegen­über den Computer posi­tio­niert.

5. Wir müssen nicht mehr konkur­rieren

Ich weiß noch gut, wie in einer Führungs­kräf­te­wei­ter­bil­dung der 1990er Jahre der Trainer riet, Mitar­beiter bewusst in Konkur­renz­si­tua­tionen zu schi­cken, auf dass sich der Bessere bewähre. Das war Ellen­bo­gen­denken in Rein­kultur, und es herrscht bis heute vor. Bewer­tungs­sys­teme in Unter­nehmen zielen ebenso darauf wie Noten­sys­teme und Besten­listen. All das zielt auf Einzel­leis­tung – die in der neuen Arbeits­welt immer weniger wert sein wird. Sie summiert sich in Teams nämlich nicht, was man im Sport immer wieder eindrück­lich sieht. Unter komplexen Bedin­gungen setzt sich weder der Leis­tungs­fä­hi­gere durch noch addieren sich Leis­tungen: Hier über­leben die, die sich diesen Bedin­gungen anpassen können.

Welche neuen Erkennt­nisse dahin­ter­ste­cken:

Der Einzel­kult führte zum Konkur­renz­ver­halten. Und unter Konkur­renz­be­din­gungen werden Poten­ziale nicht geschöpft, sondern zerstört. Hier empfehle ich das wunder­bare Buch „Wenn Träume wahr werden“ von Gerald Hüther, Sven-Ohle Müller und Nicole Bauer. Dieses Buch vermit­telt neuro­bio­lo­gi­sche Erkennt­nisse, verknüpft mit der Geschichte eines sport­li­chen Team­siegs. Letzt­end­lich geht es um den WeQ, also die Intel­li­genz, die wir gemeinsam erzielen können.

*Wer sich f+r #thedress inter­es­siert, findet hier eine fundierte Zusam­men­fas­sung mögli­cher Erklä­rungen.

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

Leave A Comment