Kategorien
Aldi und Tchibo — der neue (Video-) Weg vom Personalmarketing im Web 2.0
Die Erkenntnis, dass das Web 2.0 nun auch im Personalbereich angekommen ist, hatten wir ja schon. Zwar gibt es Neuigkeiten, aber leider nach wie vor keine Innovation.
Die Firmen Aldi (Süd) und Tchibo bieten auf ihren jeweiligen Websites nun auch Videos an, die dem Bewerber Karrieremöglichkeiten nahe bringen sollen.
Bei Aldi geschieht das, in dem ein offensichtlich professioneller Darsteller von „seiner“ Karriere bei Aldi erzählt. Die Geschichte, die dort entwickelt wird, passt perfekt zur Corporate Identity von Aldi. Sie ist in einer Kulisse optisch professionell umgesetzt und mit Musik unterlegt.
Auf den ersten Blick nicht überraschend. Auf den zweiten Blick dann doch, denn letztlich handelt es sich hier um einen klassischen Werbespot. Web 2.0. ist was anderes. Das ganze wirkt ein bißchen wie die Theatervorstellungen, die zu Anfangszeiten des Fernsehens abgefilmt und ausgestrahlt wurden: man nutzte zwar das neue Medium als Übertragungskanal, aber bediente sich nicht seiner riesigen Bandbreite an Möglichkeiten.
Bei Tchibo kann der Besucher gleich einen ganzen, virtuellen Unternehmensrundgang machen – so sagt zumindest die Beschreibung. Letztlich ist es so, dass der Besucher über eine Abspielkonsole auswählen kann, welche Abteilung er sehen will. Nur ist es leider nicht so, dass man die Abteilung zu sehen bekommt. Ein Mitarbeiter erzählt jeweils etwas über seine Abteilung, seine Aufgaben du den Werdegang. Und das vor einem grafisch gestalteten Hintergrund. Der Unterschied zu dem Aldivideo: es wird klar, dass es sich wirklich um Mitarbeiter handelt — spätestens die Vortragsqualität der Beiträge macht das deutlich. Das ist den Mitarbeitern nicht vorzuwerfen, denn schließlich haben die wenigsten von uns Ottonormalverbrauchern eine Schauspielausbildung. Aber einen besonderen Charme entwickelt das trotzdem nicht, denn die Texte sind zu offensichtlich eingeübt, der virtuelle Hintergrund zerstört auch die letzte Illusion von Authentizität.
Beide Unternehmensvideos sind zweifelsfrei professionell gemacht. Tchibo wagt durch Präsentation eigener Mitarbeiter zumindest einen kleinen Schritt in Richtung Web 2.0.
Ein neues, dem Web 2.0 angemessenes „Format“, das im Personalmarketing verwendet werden könnte, hat jedoch noch keines der beiden Unternehmen gefunden. Das wird spätestens nach der Einladung zum Mittagessen deutlich: Zu essen gibts nichts — und das lässt sich mangels Feedbackmöglichkeit durch den Nutzer nicht einmal beklagen.
Sabine Korndörfer
Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Ich coache bei Veränderung, spreche über das, was Veränderung mit uns macht und berate an Weggabelungen. Als Unternehmerin habe ich immer wieder erfolgreich gegründet, aktuell meine Akademie der Veränderung.
Weiterdenken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktueller, etwas pointierter, etwas tiefsinniger und pragmatisch vorausschauend.
Vielleicht kennen wir uns…
… aus dem Bücherregal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.
Als Kolumnistin schrieb ich DER SPIEGEL oder WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psychologen-Fachblatt „Wirtschaftspsychologie aktuell“ eine regelmäßige Kolumne. Man findet meine Interviews zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.
Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonntagskolumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abonnenten gehöre ich zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren auf dieser Plattform.
Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.
In Frankreich gibt es derzeit einen sehr eigenwilligen Ansatz zum “Employee-generated” 2.0‑Firmenvideo, die so genannten “LipDubs”. Das sind Unternehmensvideos, in der sich die Angestellten durch die Büros bewegen und eine Art Karaoke veranstalten.
Mir bleibt der tatsächliche Sinn und Nutzen dahinter jedoch verborgen. Im schlimmsten Fall ist sogar ein Imageschaden für das Unternehmen zu befürchten, falls das Video das Officeleben zu sehr ins Lächerliche zieht.
Ein paar Beispiele gibt es hier: http://www.officelipdub.com/