Kate­go­rien

Rang, Rolle, Posi­tion: Macht­dy­na­miken, die verän­dern

Published On: 10. Dezember 2025Cate­go­ries: Aktuell, Führung, Psycho­logie der Verän­de­rung

Macht dehnt sich aus und konzen­triert sich. Sie geht einher mit Dyna­miken, die weit über einzelne Personen und Netz­werke hinaus­geht. Macht ist das, was eine Bewe­gung, eine Idee, eine Gruppe wachsen lässt. In diesem Beitrag beleuchte ich Macht­dy­na­miken auf der Basis der so genannten Rang­dy­namik nach Raoul Schindler und über­trage sein Modell in die moderne Zeit.

Macht verteilt sich, Macht konzen­triert sich

Wir können es in der Politik beob­achten: Die Macht verteilt sich einer­seits immer wieder neu — und konzen­triert sich andrer­seits auf wenige Zentren. Wir sehen auch: Sie kommt nicht isoliert. Das “Trump II” soviel mäch­tiger auf die globale Ordnung wirkt als “Trump 1” ist auch eine Folge der guten Vorbe­rei­tung. Macht bildet regel­rechte Klumpen, die zu immer stärker werdenden Steinen werden, die alles über­rollen… Nur vorder­gründig hat das mit einer Person zu tun. Es steckt viel­mehr dadrin und dahinter.

Macht­dy­na­miken unter­scheiden sich in Demo­kra­tien und Auto­kra­tien

Der König hat die Macht kraft seines Rangs. Er kann über Tod und Leben entscheiden. Wie er wirkt, das bestimmt seine Rolle. Denken wir nur an das Märchen von des Kaisers neue Kleider. Ist der Kaiser nackt, so wirkt er lächer­lich. Um die Lachenden zu zähmen, kann er sein Volk bestrafen — er hat also auch immer Macht­mittel. Auto­kra­tien leben von Macht­kon­zen­tra­tion, Demo­kra­tien von ihrer Vertei­lung. In der Demo­kratie werden Systeme instal­liert, die sich gegen­seitig in Schach halten.

Es geht also im Neben­ord­nung — statt Unter­ord­nung

In der Auto­kratie gibt es ein System, das alle anderen kontrol­liert. Es geht um Unter­ord­nung. Auch Wirt­schafts­un­ter­nehmen sind mal auto­kra­ti­scher (hier­ar­chi­scher), mal demo­kra­ti­scher orga­ni­siert. Es gibt dann also mehr Neben­ord­nung: Statt Pyra­mide gibt es zum Beispiel Kreise, die in Selbst­or­ga­ni­sa­tion entscheiden. Die Neben­wir­kung: Die Ränge sind weniger klar, die Grenzen offener und weniger an Personen gebunden und der Kontrolle unter­worfen. Hier bilden sich Posi­tionen aus, die sich von den formalen Rängen lösen können.

Was sagt die Rang­dy­namik zur Macht?

<p><p><p><p><p><p><p><p><p><p><p><p><p><p><p><p>Die Rang­dy­namik fügt der Rolle und dem Rang etwas hinzu: Die Posi­tion. Das ist sowas wie das Verhältnis zuein­ander. Somit ist die Rang­dy­na­mik­mo­dell ein Posi­ti­ons­mo­dell, nach welchem die Posi­tionen in Gruppen durch dyna­mi­sche Prozesse vergeben, gehalten und verän­dert werden.

Es ist also mehr als die Rolle, die jemand dauer­haft oder zeit­weise einnimmt. Es kann sich entkop­peln vom Rang. Und es geht auch darum, wie sich die Macht verteilt und in welche Rich­tung sie sich bewegt. Genau das ist eine wich­tige Perspek­tive auf die Dynamik der Macht. Denn diese Dyna­miken beziehen sich auf alle sozialen Systeme. Auf die festen und insti­tu­tio­na­li­sierten wie Teams genauso wie auf die Inter­ak­ti­ons­sys­teme, nach Niklas Luhmann also die Kommu­ni­ka­tion im gegen­wär­tigen Moment.

Macht kann sich danach also in jedem Moment neu erfinden:

Einer ergreift das Wort, übt eine Gegen­rede — und bekommt Follower. Das verschiebt die Macht­ver­hält­nisse. Ob sich das dann stabi­li­siert ist eine Frage der Wieder­ho­lung — und der syste­mi­schen Konstruk­tion. Die Alph­a­po­si­tion ist schon besetzt? Ok, dann gehe ich eben in eine Gegen­po­si­tion! Die nennt sich in der Rang­dy­namik Omega. Oder auch Held und Anti­held. Wie im Film kann aus dem einen dann das andere werden…

Die Bewe­gungs­rich­tung einer Gruppe ist immer auf ein Ziel gelenkt, ein G wie Gegner — so ist es im ursprüng­li­chen Modell benannt.

Dieser Gegner kann eben auch die Outgruppe sein, gegen die sich die Gruppe formiert.

Ein einzelner Mensch, eine Gruppe. Oder, bei einer produk­tiven Arbeits­gruppe eine gemein­same Aufgabe. G könnte dann das “Goal” sein. In jedem Fall verkör­pert es eine eigene Posi­tion, die bestimmt, worauf sich die Ener­gien konzen­trieren. Wer es schafft, die Energie zu lenken, ist das Alpha. Aber eins nach dem anderen:

Posi­tionen in der Rang­dy­namik: Diese 5 gibt es

Nach Schindler gibt es in jeder Gruppe fünf Posi­tionen, die nicht immer alle besetzt sein müssen – je größer die Gruppe, desto wahr­schein­li­cher ist aber eine Beset­zung aller Posi­tionen, wobei es die meisten Gammas gibt:

Alpha:

Der Anführer, die Anfüh­rerin ist der- oder dieje­nige, der Ener­gien bündet und Ängste bindet. Kraft Domi­nanz oder Auto­rität, kraft Rang oder Persön­lich­keit. Deshalb muss es nicht die Führungs­kraft sein. Ihre Entmach­tung merkt diese nicht mal. Aber die anderen. Wer Alpha ist sieht ein Beob­achter, der wahr­nimmt, wen die Menschen bei Entschei­dungen ansehen.

Beta:

Der neutrale Experte unter­stützt  und hilft Alpha in seiner Stel­lung zu bleiben, verhält sich aber gleich­zeitig neutral. Diese Posi­tion muss laut Schindler nicht besetzt sein. Beta kann eine Posi­tion zwischen Alpha und Omega einnehmen und verbinden. Die Gruppe akzep­tiert ihn oder sie. In dyna­mi­schen Prozessen sollte es der Mode­rator oder Coach sein.

Gamma:

Das Grup­pen­mit­glied lässt sich von Alpha leiten. Es steht also, wenn man das bild­lich über­setzt mit Blick auf das Alpha, dessen Blick­rich­tung durch die Orien­tie­rung auf G entsteht. Es gibt keine Rich­tung vor, sondern folgt. Es kann mehrere Gammas geben. Sie entscheiden, wem sie wirk­lich folgen.

Omega:

Omega ist der Gegen­spieler, die Gegen­spie­lerin, der oder die Alpha werden kann – oder von diesem gezähmt in seiner Posi­tion gehalten wird. Manchmal wird Omega auch zum Sünden­bock oder auch Bauern­opfer, wenn er aus dem Team gedrängt wird. Omega verkör­pert oft die Anti­these, die das Team verfolgt. Wenn dieses beispiels­weise harmo­nisch zusam­men­ar­beitet, könnte Omega den Streit suchen.

„G“ ist Gegner oder Ziel

Ursprüng­lich war es der “Gegner”, die Anderen. Doch hier muss man Schind­lers Modell weiter­denken und in die aktu­elle Zeit über­setzen, in der es Teams gibt, die auf Aufgaben orien­tiert sind — oder sein sollten. In jedem Fall: G bündelt die Kraft der Gruppe und zieht sie in eine Rich­tung. G kann also inte­grieren, aber auch für Diffe­ren­zie­rung — etwa der Kompe­tenzen — sorgen, wenn diese Diffe­ren­zie­rung beim Errei­chen von G hilf­reich ist.

Wich­tige Unter­schei­dung:

Es gibt einen fluiden und einen fixierten Zustand. Letz­teren nennt Schindler “insti­tu­tio­na­li­siert”. Fluide bedeutet im Moment. Es kann sein, dass dieselbe Person hier Alpha und dort Omega ist — im glei­chen Kontext eines Unter­neh­mens. Auto­ri­täre Alphas sind deut­lich fixiert: Wo immer sie auftau­chen, richten die anderen sich an ihnen aus.

Macht­dy­namik bei Verän­de­rung

Bei Verän­de­rungen lösen sich die bishe­rigen Posi­tionen oder verfes­tigen sich. Wenn sie sich verfes­tigen, dann konzen­triert sich alles auf Alpha — es gibt immer weniger Bewe­gung. Das kann man sich im Kleinen wie im Großen denken. Wie ist es im globalen Zusam­men­spiel der Mächte? Wie lokal in den Gruppen, die sich dagegen oder dafür formieren?

Die Dynamik der Macht von Svenja HofertSoziale Systeme erhalten sich. Sie füttern sich also aus sich selbst heraus. Will man sie verän­dern, so braucht es den Aus- und den Aufbruch. Eine Verschie­bung der Posi­tionen. Und vor allem: Die Macht der Follower. Denn diese bestimmen am Ende, wem sie folgen. Oder nicht mehr folgen. In jedem Moment. Und durch Wieder­ho­lung.

Mehr zum Thema in meinem Buch “Die Dynamik der Macht”, erschienen 2025. Und prak­tisch in meinen Master­klassen und Ausbil­dungen in der Akademie.

PS: Wenn Sie Wissen wollen, wo wirk­liche Macht liegt, dann schauen Sie dahin, wo in einem Dilemma auf der Hinter­bühne entschieden wird.  Also dort, wo sich wirk­lich etwas bewegt. Alles klar?

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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