Kate­go­rien

Der Wurm­fort­satz des Chefs: die neue Kollegin (Mia 2)

Published On: 15. November 2011Cate­go­ries: Karriere

Nun soll ich diese Geschichte weiter­schreiben, weil sie so viele Abrufe hatte wie sonst noch kein anderer Beitrag, 35% Leser-Plus. Seltsam, war so schnell geschrieben. Einer fragte bei Twitter, wie denn die neue Mitar­bei­terin die Situa­tion empfinde.

Tja, Leute, gute Frage: Ich vermute, die haben sich alle heim­lich abge­spro­chen, um mich auf ein Abstell­gleis zu setzen. „Geht es Ihnen auch gut? Gehen Sie ruhig früher nach Hause“, so etwas höre ich seit meinem Burnout-Ausfall, sechs Wochen war ich weg, andau­ernd und von allen Seiten.

Die andere bekommt jetzt die span­nenden Projekte. Sie stürzt sich in ihre Arbeit als hätte sie sonst nichts im Leben. Das ärgert mich und frus­triert mich, oder auch beides zusammen. Dabei ist sie wahr­schein­lich auch nur so ein armer Wurm­fort­satz des Chefs, wie ich. „Die macht das wie Sie“, erklärt meine Thera­peutin und holt mich durch solche Bemer­kungen auf den Boden zurück. Aber wie bitte soll man damit umgehen, wenn die Neue und der Chef die Tür zuma­chen, um sich zu bespre­chen. Oder wenn der Chef in der Kantine mit der Abtei­lungs­lei­terin Müller flüs­tert und zu mir blickt? Ich sei nicht belastbar, munkelt man auch im Kolle­gen­kreis. Ich habe das so noch nie gehört, aber ich weiß einfach, dass sie so reden. Das sagt mir meine Intui­tion. Oder ist es doch nur die Einbil­dung?

Heute hat mich mein Chef beiseite genommen. Ob ich mir nicht etwas anderes vorstellen könne. Er wolle mir eine beruf­liche Neuori­en­tie­rung bezahlen. Was soll ich davon halten? Ist das jetzt nett oder ist es gemein? Weil er eben keiner dieser Wutschnauber ist, kann man auch nicht richtig sauer sein auf ihn. Man kann ihn nicht hassen. Das macht es so verdammt schwer. Karin, die Assis­tentin von Frau Müller, hat es da leichter. Die Müller ist eine so große Zicke, über die kann man wenigs­tens lästern und sie einfach nur blöd finden. Bei IHM geht das nicht. “Ein Frau­en­ding”, sagt meine Thera­peutin.

Ich könnte denken: Er hat mich nun ausge­saugt, jetzt schnappt er sich die nächste Arbeits­kraft, von der er täglich ein wenig mehr Arbeits­leis­tung will. Ich könnte es aber auch so sehen: Jetzt habe ich die Möglich­keit, selbst danach zu suchen, was ich eigent­lich will. Was das wohl sein könnte?

Ich habe mir ein Buch für die beruf­liche Orien­tie­rung gekauft. Und gestern war ich auf einem Seminar, in dem es um Stärken ging. Ich sollte sagen, was ich gut kann. Orga­ni­sa­ti­ons­stärke fiel mir ein, und Kommu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit. Dummer­weise sagten 7 der 10 Teil­nehmer genau das gleiche. Das war mir wirk­lich unan­ge­nehm. Auf die Frage des Kurs­lei­ters, was ich damit meinte, konnte ich auch nur doofe Beispiele aus meinem lang­wei­ligen Assis­ten­tin­nen­alltag nennen, der jetzt in der Schon­hal­tung noch lang­wei­liger ist als je zuvor. Ich hatte jeden­falls das Gefühl, als ob die anderen bei meiner Beschrei­bung gähnen.

Ist das nicht furchtbar! Ich kann etwas Selbst­ver­ständ­li­ches, etwas, das jeder kann. Schön(e) Sch… Ich beneide Meeres­bio­logen und Neona­to­logen, oder auch meine Psycho­the­ra­peutin. Die wissen alle womit sie sich beschäf­tigen. Die haben etwas Anfass­bares, die haben Wissen. Etwas, dass ihnen nicht jeder wegnehmen kann, weil es so selbst­ver­ständ­lich ist… Die würden so einen Quatsch wie ich niemals sagen.

Das sei die Allrounder-Kran­k­heit, sagt Svenja. Ich soll mir jetzt für Sie hier, liebe Leser, über­legen, was ich kann. Was soll jemand machen, der eigent­lich immer nur anderen den Rücken frei und Sachen orga­ni­siert hat – außer Power­point, Excel, SAP, Fran­zö­sisch und ein wenig Chine­sisch Mandarin?

So,  liebe Leser, helfen Sie Mia. Was kann Sie tun? Und wie geht die Geschichte weiter?

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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3 Kommen­tare

  1. Sonja 15. November 2011 at 23:41 — Reply

    Liebe Mia,

    das, was Sie können, ist wert­voll. Setzen Sie es für sich ein, nicht für den ach-so-netten Cheffe. Oder für einen Job wo das, was Sie leisten inklu­sive Ihrer Leis­tungs­stei­ge­rung Sie konti­nu­ier­lich ein Stück weiter bringt. So wie Ihre Kompe­tenzen sich auch stetig weiter entwi­ckeln. Die neue Kollegin — das sind Sie vor 3 Jahren. Seien Sie froh, dass Sie schon weiter sind — diese Zeit ist bares Kapitel in Rich­tung Ihres persön­li­chen Glücks! Wenn Sie nicht für sich sorgen — wer dann?

  2. Tine 16. November 2011 at 12:52 — Reply

    liebe mia,
    ich kenne da sehr gut — was arbeiten und hinterher nix in der hand zu haben. ich denke so geht es vielen die im bereich koor­di­na­tion, orga­ni­sa­tion und allem anderen nicht greif­barem tätig sind.
    mein ausgleich: nähen, basteln, möbel schleifen und neu strei­chen. irgendwas, bei dem man einen schnellen erfolg auf der hand hat. natür­lich braucht so ein möbel­pro­jekt seine zeit und neben einem job ist es oft schwer die zeit zu finden. aber immer wenn ich wieder sowas gemacht habe am feier­abend, geht es mir besser.
    leis­tungs­druck wird meist von uns selber gemacht — da nehme ich mich nicht aus — und ich suche auch noch nach einem weg, das “nein” zu lernen. manchmal reicht auch ein jobwechsel aus, so dass man von anfang an eine neue “rolle” spielen kann, bzw. klar abgren­zung von vorn­herein bestimmen kann.

    ich bin sehr gespannt wie es weiter­geht!

  3. […] Sonja, ich danke dir! Du baust mich auf. Viel­leicht kann ich doch etwas! Wären wir jetzt auf einem Seminar, wir würden uns in den Armen liegen und alles wäre gut. Der einzige männ­liche Teil­nehmer würde irri­tiert zu uns schauen, aber mitge­rissen sein von der weib­li­chen Soli­da­rität. Uns ginge es allen gut. Für diesen Abend. […]

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