Kate­go­rien

Whist­le­b­lower — denn sie trauen sich, was zu tun…

Published On: 9. September 2007Cate­go­ries: Führung

Was sich Miroslav Stre­cker getraut hat, ist mutig: Der LKW-Fahrer hat beob­achtet, wie Gammel­fleisch umeti­ket­tiert wurde und es sofort der Polizei gemeldet. Über die Konse­quenzen hat der Mann nicht lange nach­ge­dacht. Ich vermute, dass die Gammel­f­leisch-Mafia nicht gerade zimper­lich ist, was den Umgang mit “Verrä­tern” betrifft. Ein mutiges, schnell entschlos­senes Handeln und so notwendig: Menschen, die das eigene Gewissen zur Not auch über die persön­liche Sicher­heit stellen. Und ein Sieg des kate­go­ri­schen Impe­ra­tivs von Kant, nach dem jeder stets so handeln sollte, dass sein Handeln Grund­lage einer allge­meinen Gesetz­ge­bung sein könnte.

Nicht so verhalten haben sich ganz offen­sicht­lich eine Reihe von Studenten der Univer­sität Hannover, an der der Sex-Professor über Jahre hinweg bessere Noten gegen gewisse Dienste verteilte und sich auch für Promo­tionen kaufen ließ. Schwer vorstellbar, dass da keiner etwas mitbe­kommen hat, auch keiner der Kollegen.

Whist­le­b­lower sind Menschen, die Mißstände und Rechts­brüche im eigenen Unter­nehmen oder der Behörde nicht nur beob­achten, sondern selbst aktiv dagegen werden. Menschen, die zur Not auch ihr eigenes Gewissen über Sicher­heit und die eigene Posi­tion stellen. Ob Volks­­­wagen-Affäre oder EU-Behörde: Skan­dale deckten oft die eigenen Mitar­beiter auf. Dabei gilt es, den rich­tigen und indi­vi­duell passenden Weg zu finden, um dem Mißstand entgegen zu wirken.

Meine Empfeh­lung:

  • Klären Sie für sich, ob Sie ein bestimmtes Handeln in Ihrem Unter­nehmen mit Ihrem Gewissen stützen können oder nicht.
  • Unter­scheiden Sie für sich zwischen gesetz­li­chen Verstössen und Verstössen gegen die Moral. Beides ist schlimm, aber Verstösse gegen die Moral müssen oft sehr viel genauer ange­schaut werden. Bei Mobbing etwa muss man sich die Frage stellen, wo es anfängt: Meiner Ansicht nach dort, wo es bewusst und stra­te­gisch betrieben wird.
  • Kreisen Sie das “Delikt” für sich ein und ordnen Sie es zu, etwa dem Bereich der Bestech­lich­keit.
  • Infor­mieren Sie sich über die gesetz­liche Lage.
  • Klären Sie, ob es in Ihrem Unter­nehmen Anlauf­stellen gibt, z.B. Ombuds­männer.
  • Sammeln Sie andere Anlauf­stellen, z.B. Vereine und Verbände, die sich für ein Thema enga­gieren. Oft haben diese Hotlines.
  • Entscheiden Sie sich für die Vorge­hens­weise, die am ehesten dazu beitragen wird, dass die Vorkomm­nisse gestoppt werden können, ohne dass Sie selbst oder Ihre Familie gefährdet werden. (Oft bringt z.B. die Infor­ma­tion der Presse einen Stein ins Rollen — vor allem wenn Ämter oder die Polizei nichts tun können).

Oliver Gassner griff das aktu­elle Thema gestern in seinem Blog auf. Mehr Infos und eine Anlauf­stelle bietet das Whis­t­­le­­b­­lower-Netz­­werk.

Svenja Hofert

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. […] ille­gale Preis­ab­spra­chen, Korrup­tion oder Daten­schutz­ver­let­zungen. Bereits in meinem Beitrag “Denn sie trauen sich was zu tun” habe ich das Thema aufge­griffen, in dem es u.a. auch in meinem Buch “Jeder gegen Jeden” […]

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