Kate­go­rien

„Damit kannst Du doch nichts anfangen“: Vom Sinn des Studiums ohne direkten Berufs­bezug

Published On: 8. Juni 2012Cate­go­ries: Führung

„Damit kannst du doch gar nichts anfangen“, hören Studenten geistes- und sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Fächer schon im ersten Semester, was einige zum Selbst­zwei­feln, andere zur Verzwei­feln und dritte zum Fach­wechsel gebracht haben soll.

Muss das sein? Ich finde nicht. Es gibt unterm Strich nur wenige Fächer, die Wissen aus dem Studium unmit­telbar abfragen – vor allem sind dies die Inge­nieur­wis­sen­schaften.  Kaum ein Fach ist geeignet, Absol­venten direkt als Arbeits­kraft zu nutzen, das erklärt den Boom der dualen Studi­en­gänge, die aus meiner Sicht vor allem zu einem geeignet sind: die frühere Ausbil­dung zu ersetzen. Denn an die Stelle des ehedem ange­se­henen Indus­trie­kauf­manns tritt heute der duale Absol­vent in Wirt­schafts­in­ge­nieur­wesen oder BWL. Ich habe eine Pyra­mide beruf­li­cher Direkt-Verwer­t­­bar­keit erstellt: Gerade die  geistes- und sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fächer haben nun mal keinen Bezug, da hilft die Aussage der Bologna-Reformer, der Bachelor soll berufs­qua­li­fi­zie­rend sein, auch nicht weiter. Es ist ein Wunsch­bild. Es ist aber auch die Frage: Muss ein Studium über­haupt berufs­qua­li­fi­zie­rend sein? Ich finde: nein. Studieren wir, um Futter für den Arbeits­markt zu sein? Oder um unser Denk­ver­mögen zu schulen? Die Entwick­lung geht immer mehr Rich­tung Futter, und das macht mir etwas Sorge.

Dabei wird oft vergessen, dass nicht nur die Sozial-und Geis­tes­wis­sen­schaften, sondern auch Fächer wie Mathe­matik und Physik keiner Berufs­aus­bil­dung dienen. Im Falle der Mathe­ma­tiker und Physiker hat sich das deshalb bisher nicht negativ ausge­wirkt, weil diese Studi­en­gänge das analy­ti­sche Denken schulen und Arbeit­geber hierin einen Mehr­wert erkennen.  Den sie wirt­schaft­lich eben immer noch besser zu verwerten wissen (oder zu verwerten meinen) – im Moment. Die gestern im Stern veröf­fent­lichte Jobampel scheint auf eine Verän­de­rung hinzu­deuten. Der nied­rig­schwel­li­gere Abschluss durch den Bachelor erhöht die Absol­ven­ten­zahlen stark.

Macht es heute noch Sinn, etwas zu studieren, das im Arbeits­leben keine Entspre­chung findet? Ich finde: Mögli­cher­weise sogar mehr als je zuvor, denn der Arbeits­markt ändert sich bereits und wird sich noch radi­kaler ändern. In „Die dritte indus­tri­elle Revo­lu­tion“ entwirft Jeremy Rifkin ein Zukunfts­sze­nario für 2050. Technik-Freaks, von denen ich einige in der Bera­tung habe, sagen mir, da würden sich Entwick­lungen zusam­men­brauen, deren aller­erste Anfänge wir erst sehen. Der Koch­ro­boter, über den ich einst schrieb, sei in Anfängen längst da, schrieb ein Leser dieses Blogs.

Wir begründen unsere Annahmen stets auf den Erfah­rungen der Vergan­gen­heit. Prognosen wie die von Rifkin haben eher Unter­hal­tungs­wert, ein biss­chen Science-Fiction für die Chef­etage. Doch die Wahr­heit ist doch:  Alte  Regeln, das sehe ich täglich, gelten immer ein klein biss­chen weniger, irgend­wann gibt es einen TURN OF OPINION und der gesell­schaft­li­chen Haltung – die Exoten von einst werden Main­stream — und verschwinden dann ganz.

In 10 Jahren werden wir uns fragen, wie wir jemals so denken konnten und warum wir  unsere Kinder am liebsten alle zu Mathe­ma­ti­kern machen wollten, wo wir doch an der Schwelle zur Sinn­ge­sell­schaft mit Ideen wie dem Grund­ein­kommen stehen, in der das Thema „Futter“ für den Arbeits­markt sich fast erle­digt hat …  Davon wird es dann nämlich genug geben, während die Medien ein echtes Problem haben könnten. Jetzt gerade entscheiden sich viele GEGEN einen Weg in Geistes- und Sozi­al­wis­sen­schaften, weil sie so oft von Ausbeute und schlechter Bezah­lung gehört haben, dass der Abschre­ckungs­ef­fekt groß ist. Die viel­fach gewählte Alter­na­tive BWL ist eine schlechte für Menschen, die sich dafür eigent­lich null inter­es­sieren, denn schon jetzt ist der Über­schuss in den tradi­tio­nellen Einsatz­fel­dern groß.

Ich finde nicht, dass es egal ist, was man studiert oder lernt. Ich finde, man sollte und muss sich Gedanken machen. Aber in dem Bewusst­sein, dass die Kette aus prak­ti­schen Erfah­rungen, die irgend­wann mal da sind und die erst im Rück­blick Sinn machen entschei­dend sein wird. Wo diese Erfah­rungen gewonnen worden sind, ist dann uner­heb­lich, auch ob sie bezahlt worden sind. Das Problem haben also nicht die Studenten der Geistes‑, Sozi­al­wis­sen­schaften und Wirt­schafts­wis­sen­schaften – ja ich sehe diese spätes­tens in fünf Jahren auf einer Ebene, sondern die, die keine Inter­essen haben. Meine These ist sogar: Das Denken in Kate­go­rien wie „ich muss am Arbeits­markt bestehen“ macht erstens unglück­lich und fördert letzt­end­lich auch das Verküm­mern von Inter­essen.

Man macht sich derzeit viel zu viel Gedanken, um die Wahl des rich­tigen Studi­en­gangs und vernach­läs­sigt, dass man fast von überall zu einem Ziel kommen kann. Nur die Verwal­tungs­wis­sen­schaften und sehr spezia­li­sierte Studi­en­gänge sind kleine Einbahn­straßen. Drehen kann man aber auch da.

Eine Aussage im Inter­view mit Mirko Kaminski von achtung! gefiel mir ganz beson­ders: die Aussage, dass es nicht so wichtig sei, eine Meta­ebene zu beherr­schen, im Falle eines Faches wie Kommu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaften ist es die Meta­ebene Kommu­ni­ka­tion. Prak­tisch kann man wenig damit anfangen zu wissen, wie Medien funk­tio­nieren, aber es schadet auch nichts.

Es gibt aus meiner Sicht heute viel­leicht sogar mehr noch als früher viele gute Gründe für ein Studium, das mehr der Geis­tes­bil­dung dient als der Berufs­aus­bil­dung: Man lernt denken, kommt in Berüh­rung mit Unter­schied­lich­keit, verschie­denen Dingen. Einsei­tig­keit im Fach­li­chen führt auch im Denken (manchmal) zu Einsei­tig­keit. Für eine gesamt­ge­sell­schaft­liche Entwick­lung nicht gut.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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18 Kommen­tare

  1. Jan C. Rode 8. Juni 2012 at 10:46 — Reply

    Ich muss zugeben, dass ich auch bei diesem Artikel zunächst das übliche GeWi-Bashing erwartet habe. Von daher bin ich natür­lich mehr als erfreut, dass in den Ausfüh­rungen dem GeWi-Studium diffe­ren­ziert begegnet wird.

    Aus meiner Erfah­rung kann ich der These, dass Netz­werke und Praxis für GeWis oftmals die einzige Chance sind, im Arbeits­markt Fuß zu fassen, voll zustimmen. Studenten spezia­li­sierte Studi­en­gänge sind GeWis, die “irgendwas mit Medien” machen wollen schon aufgrund ihrer Kontakte gegen­über klar im Vorteil.

    Dennoch würde ich mir wünschen, dass gerade in berufs­fernen Studi­en­gängen nicht immer nur der Karrie­re­pfad “Fest­an­stel­lung” als leuch­tendes Beispiel an die Wand gemalt werden. GeWis haben gerade als breit aufge­stellte Dienst­leister in den Berei­chen Kommu­ni­ka­tion, Projekt­ma­nage­ment und Stra­tegie große Poten­ziale.

  2. Dr. Eva Reich­mann 9. Juni 2012 at 17:41 — Reply

    Liebe Frau Hofert, ich muss Ihnen zum Teil wider­spre­chen. Das Problem ist nicht das geis­tes­wis­sen­schaft­liche Studium — sonden die Tatsache, dass viele es wählen, weil sie nicht wissen, was sie wollen, aber nach der Maxime “Haupt­sache ein Studium” handeln. Auch Geisteswissenschaftler/innen müssen später arbeiten — und sollten wenigs­tens eine Idee davon haben, was sie später machen wollen.
    Und ein weitere Punkt: das Studium ist heute oft konse­kutiv aufge­baut. Die Wahl des BA-Studiums entscheidet zu einem großen Teil über später mögliche MA-Studi­en­­gänge — und diese wiederum über mögliche Promo­tionen.
    Also: Geis­tes­wis­sen­schaften, ja! ( ich habs ja selbst studiert) — aber bitte dabei genau wissen, warum! (Was ich auch von Juristen und medi­zi­nern erwarte…)

    • Lisa Schreiber 10. Juni 2012 at 17:35 — Reply

      Liebe Frau Dr. Reich­mann, es stimmt, dass viele GeWi studieren, weil sie nicht wissen, was sie sonst machen sollen. Die hat man im Bereich BWL oder Inge­nieur­wis­sen­schaften auch. Denn in den ange­sagten Studi­en­gängen tummeln sich auch sehr viele Studenten, denen das nicht unbe­dingt Spaß macht oder die Talent dafür hätten. Ausschlag­ge­bend sind oft nur die vermeint­li­chen zukünf­tigen Erfolgs­aus­sichten. Deshalb muss ich Frau Hofert recht geben, dass Studenten, die keine “rich­tigen” Inter­essen haben, ein Problem bekommen könnten. Natür­lich sollten auch GeWis sich Gedanken machen, wo sie eigent­lich hinwollen. Trotzdem finde ich persön­lich, dass das Studi­en­fach in erster Linie Spaß machen muss. Während des Studiums sollten dann die Talente, Kompe­tenzen und Prio­ri­täten klarer zutage treten. Mein Studium hat mich immer begeis­tert, dazu kamen weitere persön­liche Inter­essen und Fähig­keiten. Zu Beginn wusste ich auch nicht genau, wo es hingehen soll. Nach und nach haben sich jedoch meine konkreten Ziele heraus­kris­tal­li­siert. Der Beitrag spricht mir jeden­falls aus der Seele 🙂

  3. Svenja Hofert 11. Juni 2012 at 14:17 — Reply

    Hallo Frau Reich­mann, ich find nicht, dass das ein Wider­spruch ist. Klar sollte man wissen, was man damit macht. Aber auch nicht nur daran denken, Futter für die Wirt­schaft zu sein. Es muss was dazwi­schen geben. By the way, wissen Natur­wis­sen­schaftler oft noch viel weniger, was sie mit dem Studium wollen, so meine Erfah­rung. Und Juristen wachen oft erschreckt auf, wenn sie fest­stellen, dass man mit Jura eben doch nicht alles machen kann. Ich finde auch nicht, dass man von einem Erst­se­mester erwarten kann, dass er/sie schon weiß, welche Möglich­keiten er/sie hat. Das muss man sich erschließen. Haupt­sache man versackt nicht im Elfen­turm des Studiums und schaut sich die Möglich­keiten an. Ich würde mir auch eine bessere Kombi­nier­bar­keit der Bachelor- und Master­ab­schlüsse wünschen. LG Svenja Hofert

  4. Claudia Hümpel 11. Juni 2012 at 16:04 — Reply

    Liebe Frau Hofert, wie gut, mal wieder einen Artikel über Studi­en­wahl und Karrie­re­chancen zu lesen, bei dem wich­tige Aspekte des Studiums, nämlich “Bildung” und die inten­sive Beschäf­ti­gung mit inter­es­santen und viel­fäl­tigen Themen, die erst in zweiter Linie etwas mit der späteren Berufs­tä­tig­keit zu tun haben, in den Vorder­grund gerückt werden. Natür­lich darf man als StudentIn darüber nicht ganz vergessen, nach einem Studum auch den Einstieg und Über­gang in das Berufs­leben zu finden. Die Wahl des Studi­en­fachs aber haupt­säch­lich von den Karrie­re­aus­sichten abhängig zu machen (der Schwei­ne­zy­klus lässt grüßen) bringt selten echten Persön­lich­keiten sondern häufig “Schmal­spur­kar­rie­risten” hervor, die nur den direkten Weg nach oben kennen (oder was sie sich darunter vorstellen).
    Viel Besser ist nach meiner Erfah­rung die Wahl “geeig­neter Neben­fä­cher” (mein Onkel riet mir z.B. vor dem Beginn meines Mathe­ma­tik­stu­diums zu Infor­matik als NF, damit das nicht eine ganz so “brot­lose Kunst” wird), Prak­tika, Feri­en­jobs oder studi­en­be­glei­tenden Neben­be­schäf­ti­gungen. Auch wenn man damit Gefahr läuft, ein Jahr länger als vorge­sehen zu studieren, erwei­tert man dadurch seinen Hori­zont und erschließt sich Betä­ti­gungs­felder, an die man vorher viel­leicht nicht gedacht hat.

  5. Liebe Frau Hofert,

    vielen Dank für diesen Artikel, der meiner Ansicht nach die aktu­elle Situa­tion sehr tref­fend beschreibt.
    Tatsäch­lich erschreckt es mich auch, wie sich immer mehr Menschen schon bei der Studi­en­wahl zum “nach­ge­fragten Produkt für den Arbeits­markt” formen möchten, was auch der seeli­schen Gesund­heit des Indi­vi­duums nicht zuträg­lich sein kann.
    Was den Gehalts­un­ter­schied und die oftmals schlechte Ausgangs­po­si­tion der Geis­te­wis­sen­schaftler betrifft denke ich, dass wir es hier auch mit einem falschen Selbst­bild zu tun haben: schon während des Studiums wird den Studenten dieser Fächer gerne sugge­riert, dass sie es später einmal schwer haben werden und dass ihr “Markt­wert” (noch so ein no-go) gegen­über den Absol­venten der Natur- und Wirt­schafts­wis­sen­schaften geringer ist. Entspre­chend verun­si­chert gehen die GeWi-Absol­­venten dann auch in Vertrags­ver­hand­lungen — ein gefun­denes Fressen für einen Perso­naler oder Abtei­lungs­leiter, der natür­lich eine möglichst billige, hoch­qua­li­fi­zierte Arbeits­kraft möchte.
    Ich hoffe sehr, dass sich das von Ihnen beschrie­bene Szenario in der Zukunft reali­siert und die Geis­tes­wis­sen­schaftler mit mehr Selbst­be­wusst­sein in den Arbeits­markt eintreten können.

  6. Eva Novna 23. Juli 2012 at 14:19 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    Lieber Blogger,

    wie sieht es eigent­lich mit Geis­tes­wis­sen­schaft­lern in wirt­schaft­li­chen Berufs­fel­dern und Ihrer Bezah­lung aus?

    Meine derzei­tige interne Umfrage bei Absol­venten des Faches verrät, dass der Durch­schnitt wohl eher unterm Strich liegt: Zwischen 10.000 bis 33.000 schwankt (je nach Berufs­feld) die Vergü­tung. Aber ist das gerecht? Ich frage mich schon seit längerem warum GeWis für einen solchen Minder­lohn arbeiten? Kriegen sie sonst nichts? Sind sie so verzwei­felt? Warum fordern sie nicht mehr Gehalt? Was ist die Barriere? In anderen Ländern scheint es ein solches Problem nicht zu geben — sagt man jeden­falls! Studium ist Studium, Magister ist eben­falls so hoch­wertig wie Master of Blablabla. Eine Bekannte (Absol­ventin eines kultur­wis­sen­schaft­li­chen Studiums), die momentan als Quer­ein­stei­gerin im Verkauf arbeitet erzählte mir kürz­lich, dass sie bei der Gehalts­for­de­rung schei­terte,.. weil “wir Ihnen nicht mehr bezahlen können! Sie haben ja keine klas­si­sche kauf­män­ni­sche Ausbil­dung”… Gleich­zeitig leistet sie vermut­lich viel bessere und quali­ta­ti­vere Arbeit als der “ausge­bil­dete” Mitar­beiter (Kauf­mann im Einzel­handel) mit meinet­wegen mehr­jäh­riger Berufs­er­fah­rung! Da wird das Studium (nur weil es inhalt­lich nichts damit zu tun hat) gleich Null gesetzt! Aber was will man machen?! Qualität lässt sich nur schwer messen. Aber irgendwie ist sie doch sichtbar. Trotzdem will dafür keiner Zahlen! Alle GeWis sollten gemeinsam dagegen vorgehen… es ist leider noch immer so, wenn “ich” das unter­be­zahlte Praktikum/ Volon­ta­riat ablehne, wird sich schon ein neue Depp dafür finden… und leider ist das prak­tisch auch immer der Fall.

    Was meinen Sie dazu?
    Lg Eva

    • Svenja Hofert 23. Juli 2012 at 15:42 — Reply

      Hallo Eva, es ist nun mal (leider) so, dass hier unter­schied­lich bewertet wird: Geistes- und Sozi­al­wis­sen­schaftler bekommen etwa bei der LH für ein Trai­nee­pro­gramm weniger als BWLer. Trotzdem ist der Apfel manchmal sauer, in den man beißen muss am Anfang. Trai­nee­pro­gramme für wenig Geld — manchmal geht kein Weg dran vorbei. So viel besser ist es woan­ders übri­gens nicht, nur dass da JEDER am Anfang lauter Kröten schlu­cken muss. LG SH

    • Svenja Hofert 10. August 2012 at 14:00 — Reply

      Hallo Eva, es bleibt dasselbe Thema: Arbeit­geber bezahlen für Berufs­er­fah­rung, ist die nicht vorhanden, nehmen Sie einen anderen. Inso­fern reicht ein Verbünden nicht, man muss sich mehr mit den Zielen und Möglich­keiten nach dem Studium beschäf­tigen. Indes ist es schon seltsam, warum z.B. die Luft­hansa für Trai­nee­pro­gramme, die sich an Geis­tes­wis­sen­schaftler rich­tigen, rund 10.000 EUR weniger zahlt als an die für Ings/BWLer. LG Svenja Hofert

  7. Chris­tian 10. August 2012 at 13:41 — Reply

    Bei allen noch so ausführ­li­chen und oft auch rich­tigen Über­le­gungen zum Nutzen geis­tes­wis­sen­schaft­li­cher Studien bleibt eine Prspek­tive meist unbe­leuchtet: die lang­fris­tige biogra­fi­sche Auswir­kung einer Ausbil­dung in einem so genannten “Orchi­deen­fach”. Verbleib­stu­dien zeigen zwar, dass auch Geis­tes­wis­sen­schaftler einen Job finden, wenn auch später als andere Abol­venten, seltener in Voll­zeit und mit unter­durch­schnitt­li­cher Vergü­tung. Viel span­nender ist jedoch die Frage, was genau sie eigent­lich machen. Unaus­ge­pro­chen bleibt nämlich, dass ganze Gene­ra­tionen von Germa­nisten, Roma­nisten, Philo­so­phen und Japo­no­logen in Call Centern, Waren­la­gern oder an Scan­ner­kassen vor sich hin arbeiten — und dies haben weder sie selber noch ihre Fami­lien, die häufig Geld und Hoff­nungen in lang­jäh­rige Studien gesteckt haben, sich als Perspek­tive für ihr Leben gewünscht, und es entspricht auch nicht den Poten­tialen der jungen Menschen, die sich auf ein geis­tes­wis­sen­schaft­li­ches Studium einge­lassen haben, ohne die lang­fris­tige biogra­fi­sche Auswir­kung zu begreifen. Eine Berufs­bil­dung, zumal eine mehr­jäh­rige, macht man in der Regel nur ein einziges Mal im Leben. Wir können noch so viel über den unzwei­fel­haft hehen Wert der geis­tes­wi­sen­schaften und die die vermeint­lich hilf­reiche Jobstra­tegie “Orchi­deen­fach + Prak­tikum” schreiben, an der faktisch vorhan­denen biogra­fi­schen Kata­strophe für einen nicht uner­heb­li­chen Teil der Abol­venten ändert sich nichts, und wir sollten nicht länger daran vorbei­ar­gu­men­tieren.

    • Svenja Hofert 10. August 2012 at 13:57 — Reply

      @Christian, weiß nicht, ob Sie aus der Praxis kommen, aber Prak­tiker werden ihnen bestä­tigen, dass das so schlicht nicht richtig ist. Was führ eine Studie? Auf welcher Daten­basis? Über welchen Zeit­raum? Wer gute und rele­vante Berufs­er­fah­rung erwirbt, kommt in die glei­chen Gehalts­ka­te­go­rien wie z.B. BWLer. Die in den Call Centern landen, sind Leute, die sich nicht früh­zeitig orien­tiert haben. Dann ist das Studium nach spätes­tens 5 Jahren sekundär. Ich könnte Ihnen unzäh­lige Beispiele erfolg­rei­cher Geis­tes­wis­sen­schaftler nennen. Und die Sache mit dem 1 x Studium ist auch nicht mehr zeit­gemäß. LG

  8. Liza 20. April 2013 at 13:04 — Reply

    Guten Tag Frau Hofert,
    zunächst ein großes Kompli­ment für ihren ausge­zeich­neten Blog — hier fühle ich mich gut infor­miert. Ich würde mich sehr freuen , wenn Sie mir einen Ratschlag bezüg­lich meiner derzei­tigen Situa­tion geben könnten — ich habe im letzten Jahr meine Abitur­prü­fung erfolg­reich ablegen können und bin danach erstmal für ein halbes Jahr ins Ausland (work&travel). Zum WS 2013 würde ich nun gern ein Studium aufnehmen und zwar im Bereich Administration,Verwaltung&Wirtschaft-ich tendiere zu Public Management(BWL),Rechtswissenschaften oder einer direkten Spezia­li­sie­rung auf Verwal­tungs­wis­sen­schaften. Bedingt durch das Pyra­mi­den­dia­gramm bin ich aber nun doch ins Wanken gekommen — eine so frühe Spezia­li­sie­rung im Bachelor ist wohl doch etwas riskant und eigent­lich möchte ich das auch nicht. Gerade in der heutigen Zeit ist ein Bachelor mit einer “brei­teren” Wissens­ver­mitt­lung geschickter — vor einem BWL Studium schrecke ich aber auch etwas zurück, da die Prognosen (Schwei­ne­zy­klus lässt grüßen) alles andere als gut sind. Kann man die Proble­matik mit BWL pauscha­li­sieren d.h. stehen in wirk­lich allen Berei­chen der BWL die Ampeln auf rot oder kann man noch diffe­ren­zieren?

    MfG

    • Svenja Hofert 20. April 2013 at 18:32 — Reply

      nein, pauscha­li­sieren kann man das natür­lich nicht. Im Finanz­be­reich gibt es durchaus Bedarf, für Marke­ting und Personal würde ich eher andere Kombi­na­tionen wählen. Ich mache die Erfah­rung, dass Firmen die meisten Mix-Studi­en­­gänge nicht verstehen und eine zu frühe Bran­chen­bin­dung zu früh fest­legt. Es macht im Bachelor Sinn, maximal zwei Fächer zu mixen, drei finde ich frag­würdig — das mag Sinn machen,w wird aber von Arbeit­ge­ber­seite derzeit kaum goutiert.
      Wenn Wirt­schaft keine totale Leiden­schaft ist, würde ich an Mix-Studi­en­­gänge wie Wirt­schafts­in­for­matik denken. Hilft das Sonst muss man sich den konkreten Fall genauer ansehen, denn jeder ist anders und es muss zu Ihnjen passen — auch damit Ihre Noten gut genug werden für einen even­tu­ellen Master. LG SH

  9. Fabian 3. Juni 2013 at 21:44 — Reply

    Guten Tag Frau Hofert,
    ich werde im WeSe 13/14, nach einem Auslands­jahr, ein Studium anfangen. Ich inter­es­siere mich für Politik und Inter­na­tio­nale Bezie­hungen und dem Zusam­men­spiel der beiden mit der Wirt­schaft. Nach dem Studium würde ich gerne einen Beruf ergreifen der es mir ermög­licht möglichst viel mit Menschen anderer Herkunft anderer Kulturen zusammen oder im Ausland zu arbeiten, sei es für eine inter­na­tio­nale Orga­ni­sa­tion, einen multi­na­tio­nalen NGO oder viel­leicht auch für ein inter­na­tio­nales Unter­nehmen. Am liebsten hätte ich gerne einen
    Ich kann mir weder vorstellen in die Forschung zu gehen noch in einem Unter­nehmen rein wirt­schaft­liche Arbeiten wie z.B. Control­ling aus zu führen.
    Ich wollte anfangs Poli­tik­wis­sen­schaften studieren und habe mir dann auf Grund der oft gehörten schlechten Chancen für Geis­tes­wis­sen­schaftler gegen­über Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lern über­legt dass ein Mix Studi­en­gang der Wirt­schaft und Geis­tes­wis­sen­schaften, wie z .B der B.A. Wirt­schaft und Politik an der HTW Berlin mir die besten Chancen zum errei­chen meines Zieles bietet. Im Gegen­satz zum “normalen” Poli­tik­wis­sen­schaftler würde ich so eine ganze Menge Fähig­keiten im Wirt­schafts­be­reich mitbringe und mir so auch noch viele geistes- und wirt­schafts­wis­sen­schaftl­cihe Master offen halten. Meinen Sie dass man mit einem Mix-Studi­en­­gang besser da steht als mit einem tradi­tio­nellen geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Abschluss oder bin ich einfach der “allge­meinen Panik” erliegen

    • Svenja Hofert 4. Juni 2013 at 12:03 — Reply

      Hallo, ich finde im Mix liegt eine Chance und würde das auch eher empfehlen. Sicher führt jeder Weg nach Rom, wenn man ihn nur ener­gisch genug und mit Blick auf Praxis­er­fah­rung und gute Noten begeht, am Ende ist es mit Wirt­schaft derzeit aber eben noch leichter. Schauen Sie aber mal, wie sich das Studium kombi­nieren lässt mit viel­leicht auch spezia­li­sierten Mastern, da liegt manchnmal ein Hase im Pfeffer. LG und viel Erfolg Svenja Hofert

  10. Luzie 2. September 2014 at 14:36 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    auch wenn Ihr Artikel schon etwas älter ist, hoffe ich, dass Sie noch auf meine Frage eingehen.
    Ich sehe das ganz genauso wie Sie, dass es da einen gewissen Druck auf zukünf­tige Studenten gibt, das ange­strebte Studium MUSS zu einem klar defi­nier­baren Berufs­ziel führen und deshalb (so ist meine Erfah­rung) lassen sich viele z.B. zu einem Lehr­amts­stu­dium verleiten.
    Nun aber zu meiner Frage: Ich liebe die fran­zö­si­sche Sprache, die Kultur, einfach alles, was mit Frank­reich zu tun hat. Ich würde später gerne in der fran­zö­si­schen Botschaft oder in Goethe-Insti­­tuten arbeiten. Raten Sie mir in diesem Fall dazu, Roma­nistik mit z.B. Wirt­schafts­wis­sen­schaften zu studieren?
    LG

  11. […] „Damit kannst Du doch nichts anfangen“: Vom Sinn des Studiums ohne direkten Berufs­bezug – “Macht es heute noch Sinn, etwas zu studieren, das im Arbeits­leben keine Entspre­chung findet? Ich finde: Mögli­cher­weise sogar mehr als je zuvor, denn der Arbeits­markt ändert sich bereits und wird sich noch radi­kaler ändern.” […]

  12. […] dann nicht, wenn man sich auf Grund von fehlendem Inter­esse durch das Studium kämpfen muss. Wer sein Studi­en­fach aus Über­zeu­gung wählt und gut ist in dem was er tut, der hat bessere Chancen …. Piatov schreibt zudem: “Studier das, was dir Spaß macht!”, sagen auch viele Eltern, […]

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