Kate­go­rien

Fahr­stuhl nach ganz oben – oder Aufsteigen für Einsteiger

Published On: 10. Juli 2012Cate­go­ries: Führung

Vor einigen Tagen meldete sich ein Schul­kol­lege via XING bei mir, glei­cher Jahr­gang.  Wir tauschten uns über vorhan­dene und fehlende Erin­ne­rungen aus. Beiläufig erwähnte er den gemein­samen Fran­zö­sisch­lehrer Richen­hagen – und dass der jetzt als CEO neben Klaus Klein­feld arbeiten würde. Ich hatte diese beiden Richen­ha­gens nie in Verbin­dung gebracht.

Diese Infor­ma­tion fand ich inso­fern span­nend, da es meiner Erfah­rung nach Ex-Lehrer in der freien Wirt­schaft extrem schwer haben. Ich habe ein paar beraten und auf dem normalen Bewer­bungsweg ging gar nichts. Lehrer stehen nur bei Maklern auf Listen im Kopf, die es nicht geben darf, siehe AGG.

Ich googelte mich durchs Netz, um den Weg von Richen­hagen zu rekon­stru­ieren. Bei Wiki­pedia finde ich die Erklä­rung: „Nach seiner Verbe­am­tung entschließt er sich jedoch auf Anraten des ehema­ligen BDI-Präsi­­denten Thumann, in die Wirt­schaft zu wech­seln.“

Das heißt im Klar­text, er hat sich OHNE Bewer­bung beworben, pures Networ­king: Bestä­ti­gung der Intui­tion. Ich erlaube mir hier den dezenten Hinweis auf mein „Bewerben ohne Bewer­bung“, das in wenigen Wochen unter dem von Campus hoffent­lich glück­lich gewählten Titel „Guerilla-Bewer­­bung“ neu erscheint.

Für alle, die Lehrer sind oder aus anderer Posi­tion eine Radi­kal­ver­än­de­rung erwägen, hier meine Lektion à la Richen­hagen.

  • Vergessen Sie den normalen Bewer­bungsweg. Wenn sich der Fran­zö­sisch­lehrer auf seine erste Stelle bei einem Stahl­un­ter­nehmen normal über die Perso­nal­ab­tei­lung vorge­stellt hätte, wäre er heute noch Lehrer. Über­legen Sie viel­mehr, wen Sie kennen oder kennen lernen wollen und dann trinken Sie syste­ma­tisch Kaffee, wie es der Lars hier sagt.
  • Wer nach oben fallen will, braucht Kontakte in den höheren Etagen. BDI ist schon mal nicht schlecht, es könnte aber auch die BITKOM sein oder ein anderer Lobby-Verband, die Rota­rier oder der Lion´s Club. Schön, wenn solche Kontakte schon da sind, ansonsten heißt es: aufbauen. Gilt auch, wenn Sie in eine bestimmte Branche wollen. Der Weg nach unten ist – Über­ra­schung — schwie­riger, dazu demnächst mehr.
  • Merke: Du bist, mit wem du isst. Man kann auch ohne eigene Reich­tümer mit einem millio­nen­schweren Unter­nehmer an einem Tisch sitzen, z.B. weil einen das gleiche soziale und kultu­relle Enga­ge­ment verbindet. Auf Stif­ter­tagen zum Beispiel trifft man lauter Hoch­ka­räter (setzt aber voraus, dass man sich enga­giert). Ein direkter Fahr­stuhl, nur darf man nicht sofort einsteigen, das mögen die Leute nicht.
  • Sei du selbst, schau nicht aufs Geld. Gerade erfolg­reiche Manager mögen dumme Unter­wer­fung und Anbie­de­rung so gar nicht. Außerdem präfe­rieren viele benim­m­er­probte Gesprächs­partner, die beim Dinner nicht mit dem Messer ins Fleisch stechen, als würden sie einen Mord begehen. Jaja, der Knigge, Leute. Echt lohnens­wert, die Basics zu lernen.
  • Gib viel, nimm später. Wenn Sie es schaffen, dass jemand Wich­tiges etwas gut hat bei Ihnen, ist alles andere nicht mehr wichtig. Am besten Sie denken auch gar nicht in Kate­go­rien wie „Guthaben“, sondern sehen das als selbst­ver­ständ­lich.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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5 Kommen­tare

  1. Liebez­um­wort 10. Juli 2012 at 9:25 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    kleiner Tipp zum letzten Tipp: Die korrekte Form “Gib viel, nimm später!” macht Ihren Vorschlag auch stilis­tisch wert­voll.

    Vielen Dank an dieser Stelle für Ihre stets konstruk­tiven Texte!

    • Svenja Hofert 10. Juli 2012 at 9:56 — Reply

      Danke, aus Liebe zum Wort werden ich das nun sofort umsetzen 🙂 Herz­lichst Svenja Hofert

  2. Chris­toph Burger 11. Juli 2012 at 21:34 — Reply

    “Ein direkter Fahr­stuhl, nur darf man nicht sofort einsteigen, das mögen die Leute nicht.”

    Groß­ar­tige Formu­lie­rung!!

    Also ehrlich, Frau Hofert, Sie hauen der Tage Sätze raus … — alle Achtung 😉

    & schöne Grüße, cb

  3. Josef 12. Juli 2012 at 10:35 — Reply

    Hallo,

    gehört zu dem ganzen nicht auch ein wenig Glück. Sicher­lich kann man daran arbeiten die rich­tige person zu treffen. Wenn ich mit Menschen spreche die es auf diese Weise Förderer getroffen haben, dann spre­chen die alle immer von Zufall. Sie haben den mit Zufall kennen­ge­lernt und mit Zufall hat er diese Stelle.

    freund­liche Grüße
    Josef

  4. […] Fahr­stuhl nach ganz oben – oder Aufsteigen für Einsteiger […]

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