Kate­go­rien

Teilen und austeilen: Die neue Kluft der Team­kultur

Published On: 20. Dezember 2012Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Während die großen Konzerne längst ihre eigenen Colla­­bo­ra­­tion-Systeme haben und Mitar­beiter lustig intern netz­werken, trennen sich in den Agen­turen  die Team­welten. Die Jungen teilen, die Alten teilen aus – gute Ratschläge zum Beispiel darüber, wie Marke­ting früher funk­tio­nierte. Treibt Social Media einen Keil zwischen Manage­ment und Team? Ich sprach mit Ursula Dehler aus meinem Netz­werk Karriereexperten.com. Dehler arbeitet seit mehr als 10 Jahren als Coach und Bera­terin in Berlin, mitten im Regie­rungs­viertel.

Sie sind spezia­li­siert unter anderem auf Team­coa­chings in der Medi­en­branche und der Krea­tiv­wirt­schaft. Was ist Ihnen aufge­fallen?

Gerade in Agen­turen, die als Kommu­ni­ka­ti­ons­dienst­leister täglich mit Social Media zu tun haben,  macht sich die unter­schied­liche Medi­en­er­fah­rung der jüngeren und der älteren Gene­ra­tion bemerkbar. Auf der einen Seite sind die Digital Natives, die selbst­ver­ständ­lich online kommu­ni­zieren, sich zeigen, privat und Beruf verschmelzen lassen. Auf der anderen Seite erfah­rene Inhaber und Manager, die eher noch zurück­hal­tend mit den neuen Dialog­me­dien umgehen.

Nicht selten treffen Team­mit­glieder mit unter­schied­li­cher Social-Media-Affi­nität aufein­ander. Auch wenn die älteren Kollegen – die soge­nannten Digital Immi­grants – sich immer häufiger in den sozialen Netz­werken bewegen, sind die Digital Natives meist im Vorteil: Sie haben die neuen Kultur­tech­niken des Netzes von Beginn an gelebt. Social Media ist für sie Alltag.

Ich stelle bei Kunden aus dem Agen­tur­um­feld fest, dass gerade den sehr Quali­fi­zierten Hier­ar­chien egal sind. Die haben keinen Respekt, nur weil jemand älter ist oder eine Stufe höher steht. Die gehen, wenn es ihnen nicht gefällt und arbeiten lieber frei. Auf der anderen Seite sehe ich „Ältere“, die sich für ihren Mangel an Social Media-Know-how und ihre innere Abwehr­hal­tung gera­dezu schämen.

Richtig, der Vorrang des Erfah­renen vor dem Jüngeren verliert an Bedeu­tung. Die Jungen stellen gerade im Bereich Social-Media-Kommu­­ni­­ka­­tion die Leis­tungen der Seni­or­be­rater in Frage und fühlen sich miss­achtet, wenn sie nicht aktiv in die Bera­tung einbe­zogen werden. Umge­kehrt fällt es den „Seniors“ oft schwer, die Fähig­keiten der Jüngeren in diesem Feld anzu­er­kennen und zu nutzen.

Natür­lich spricht das keiner so offen aus. Die älteren sind ja gewohnt, einen Wissens­vor­sprung zu haben. Das Selbst­be­wusst­sein der Jungen irri­tiert sie. Für jemanden, der bislang mit Senio­rität und Kompe­tenz punkten konnten, ist das nicht leicht auszu­halten. Da muss ein erfah­rener PR-Profi erleben, dass er einem 21-Jährigen in diesem Bereich nicht eben­bürtig ist. Das führt zu Abwehr­re­flexen. Wird dieser Konflikt igno­riert, kann das zur Zerreiß­probe für Bera­ter­teams werden. Im schlimmsten Fall verlieren die Agen­turen gefragte Nach­wuchs­kräfte.

Ist es nicht auch Tatsache, dass die Digital Natives eine ganze andere Art der Führung erwarten?

Die Jüngeren erwarten heute Struk­turen, die durch­lässig sind, in denen sie gesehen werden und ihre Kompe­tenzen einbringen können.  Es reicht nicht, dass Führungs­kräfte ihr Erfah­rungs­wissen von oben nach unten weiter­rei­chen. Viel­mehr geht es darum, die Erfah­rungen der Älteren und die Kompe­tenzen der Jüngeren zu nutzen. Wenn man das berück­sich­tigt, können beide Seiten vonein­ander lernen.

Aber was tun, wenn beide Seiten das gar nicht sehen?

Mit Team­coa­ching kann man da zu guten Ergeb­nissen kommen. Jeder muss sich auf den anderen zube­wegen und sowohl seine eigenen Stärken als auch die  der anderen bewusst wahr­nehmen. Ohne die Führungs­kräfte geht es natür­lich nicht, deshalb erar­beite ich die Themen in der Regel zuerst im Führungs­kreis oder im Einzel­coa­ching. Letzt­end­lich geht es ja auch um die eigene Haltung und Einstel­lung zum Führen.

 

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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