Kate­go­rien

Die erste Einla­dung ist da! (das Bewer­bungs­expe­ri­ment Teil 3)

Published On: 7. Januar 2013Cate­go­ries: Führung, Mensch & Orga­ni­sa­tion

Es hat länger gedauert, aber nun hat mein anonymer Klient eine Einla­dung erhalten  — und zwar zu einem Job, der zu der von uns geän­derten Stra­tegie passt.  Weitere rund 10 Bewer­bungen sind offen, seit dem Start unseres Expe­ri­ments gab es keine Absagen. Das ist inso­fern nicht ganz schlecht, als schnelle Absagen oft dafür spre­chen, dass die Stelle entweder schon besetzt ist oder aber der Bewerber gar nicht in Frage kommt.

Es handelt sich um eine Stelle im Bereich Busi­ness Analyse, die dem gewis­sen­haften, ernst­haften und ruhigen Typus auf den ersten Blick gut gerecht wird. Nun folgt der nächste Step. Tele­fo­nisch werden wir dazu noch einmal ein paar Vorstel­lungs­ge­sprächs­stra­te­gien bespre­chen.  Mehr dazu später.

Heute möchte ich mich auf einige Tipps zur Bewer­bungs­stra­tegie konzen­trieren, auch  da die ZEIT mal wieder einen dieser schnelle Likes auslö­sende Fälle mit knapp 100 erfolg­losen Bewer­bungen brachte unter dem Motto gut ausge­bildet, jung und kurz vor Hartz IV.  Ich würde wetten, dass es auch hier wieder nicht der „böse“ Arbeits­markt, sondern fehlende oder unpas­sende Stra­tegie ist.  

Die passende Stra­tegie dagegen führt immer zum Erfolg, auch wenn es dauert.

Wie aber geht die?

  1. Können: Sie müssen sich klar darüber sein, was Sie können und was nicht. Viele sagen „alles“ – und das stimmt nie. Klärung ist also der aller­erste Step.
  2. Niveau: Sie müssen das Niveau Ihrer Ausbil­dung und bishe­riger Erfah­rung  mit der der ausschrei­benden Firma in Einklang bringen können. Ich sehe da oft krasse falsche Selbst­ein­schät­zungen.  Zum Beispiel bewerben sich Leute auf die Stelle eines Zeit-Redak­­teurs die mit eini­ger­maßen gesunder Selbst­re­fle­xion wissen müssten, dass sie da nie einge­laden werden.
  3. Pass­ge­nau­ig­keit: Damit in Zusam­men­hang steht das Wissen, auf welche Jobs Sie passen (und auf welche Jobs nicht). Wer da unsi­cher ist, kann die tollsten Unter­lagen haben – er/sie wird selten einge­laden werden und wenn doch, dann auf falsche Stellen.
  4. Persön­lich­keit: Es ist wichtig zu wissen, welche Persön­lich­keit man selbst ist. Es gibt Menschen, die wunderbar darin sind, aufzu­bauen und andere, deren Kern­kom­pe­tenz das Bewahren und Weiter­führen ist.  Wieder andere prüfen leiden­schaft­lich gern und gut. Nicht jeder kann also passende Argu­mente auf eine Anzeige liefern in der ein Unter­nehmen jemanden sucht, „der eigen­ständig neue Filialen in ganz Europa aufbaut“. Und nicht jeder ist der ideale Nach­folger für jemanden, der in Rente geht und seinen Arbeits­be­reich geordnet über­geben möchte.
  5. Profil der anderen: Es ist wichtig zu wissen, welches fach­liche Profil andere haben, die sich auf die glei­chen Jobs bewerben. Wenn diese z.B. alle eine ausge­wie­sene Social Media Kompe­tenz mitbringen, ich aber nur 3 Follower habe, stimmt was nicht mit meiner Stra­tegie der Stel­len­aus­wahl.
  6. Branche: Immer wieder unter­schätzt wird die Bedeu­tung Bran­chen­er­fah­rung. In 80% der Fälle ist die maßge­bend bei einer Einstel­lung, 20% wünschen sich explizit den anderen Blick des Bran­chen­fremden. Bewer­bungen inner­halb derselben Branche verspre­chen einen größeren Erfolg. Ich erin­nere an meinen Bran­chen­kreis.
  7. Trends. Wichtig zu wissen ist weiterhin, welche Themen aktuell gefragt sind – das verän­dert sich schnell, ist aber sehr gut in den Stel­len­märkten ablesbar. Geben Sie z.B. spaßes­halber mal „CSR“ bei Indeed.de oder Kimeta.de ein (kaum etwas zu finden außer Prak­tika, trotz Medi­en­hype…) und dann Busi­ness Intel­li­gence (viel zu finden ohne Medi­en­hype). Sie merken den Unter­schied.
  8. Wege: Nur auf ausge­schrie­bene Stellen zu setzen, ist falsch. Zu jeder vernünf­tigen Stra­tegie gehört die Suche auf dem verdeckten Markt dazu. Das ist allein aller­dings eine Kunst für sich.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 7. Januar 2013 at 20:12 — Reply

    Hallo Svenja, ein gutes Neues Jahr 2013!
    … natür­lich auch an alle anderen Leser — Innen.
    Schön, dass “der Fall” weiter geht.
    Zum Zeit-Artikel: Hier stimme ich der Vermu­tung voll zu … ich könnte auch wetten …
    beim ersten Lesen war mir schon ein starkes Indiz dafür aufge­fallen. [Die Autorin: Bachelor-Studium, 3 Jahre Redak­teurin und PR, nach vielen erfolg­losen Bewer­bungen suchte sie u.a. als Sekre­tärin.] Ein Perso­naler habe sie ange­rufen, ob ihre Bewer­bung als Sekre­tärin ihr Ernst sei. Schon da sind mindes­tens 2 Probleme deut­lich: (1) Wieso hat sie nicht bereits nach den ersten 20–30 Bewer­bungen etwas Wesent­li­ches an ihrer Stra­tegie geän­dert? (2) Offen­sicht­lich hat sie ihr Anschreiben am Ziel vorbei geschrieben. So ein Down­si­zing (= hier: Bewer­bungs­mo­ti­va­tion) muss doch erklärt werden! Und man muss vermuten, dass ihre anderen Anschreiben dann wohl auch nicht ziel­ori­en­tiert formu­liert waren. Also: Volle Zustim­mung für die Wette!
    Schöne Grüße, Chris­toph Burger

  2. Svenja Hofert 10. Januar 2013 at 16:30 — Reply

    Hi Chris­toph, dir auch alles Gute und was man sich so wünscht für 2013 🙂 Geht weiter und ich hoffe auf ein Happy End. LG Svenja

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