Kate­go­rien

A, B oder C: Richtig entscheiden geht so

Published On: 5. Februar 2013Cate­go­ries: Karriere

Wenn mein Saab-Leasing nächste Woche ausläuft, soll ich den Wagen dann kaufen?  BMW —  passt nicht, sagt ein Freund! Audi: auch nicht, zu normal… Es blieben die Fragen: Ist ein Volvo adäquat? Oder doch ein Fahrrad? Oder viel­leicht ein Hybrid Toyota? Ich habe mich nach sechs Jahren Leasing gestern für den Saab entschieden, dessen Repa­ratur mich grad teuer zu stehen kommt, aber ich sag ´s Ihnen: War das schwer! Es ging nur mathe­ma­tisch. Ich kann mich sonst leicht entscheiden, aber bei solchen Sachen nicht.

A oder B oder doch viel­leicht C? Manchmal sehen Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht. Erst einmal gilt es, die Krite­rien für die Entschei­dung zu verdeut­li­chen und dann, die beste Alter­na­tive zu errechnen.

Es gibt Menschen, die eher rational entscheiden. Oder sie denken das, denn natür­lich entscheidet letzt­end­lich jeder emotional. Manche Menschen haben aber so gar keinen Zugang zu ihrem Bauch­ge­fühl und denken und denken…ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Dann gibt es aber auch jene Menschen, die ihren Gefühlen einfach so nach­gehen – und sich mitunter dabei irren.

Beschäf­tigen Sie sich mit dem Thema einmal aus verschie­denen Perspek­tiven. Zunächst legen Sie Ihre Hand­lungs­al­ter­na­tiven klar auf den Tisch. Es sollten nicht mehr als drei sein. Hier ist schon mal Fokus­sie­rung gefor­dert. Benennen Sie diese Ihre Hand­lungs­op­tionen (oder Kauf­op­tionen wie bei mir) klar und eindeutig. Nun legen Sie Krite­rien für Ihre Entschei­dung fest: Maximal 6. Auch das fordert von Ihnen sich Gedanken zu machen. Ein Krite­rium kann z.B. bei einer Jobent­schei­dung die Höhe des Gehalts sein, ein anderes die Erreich­bar­keit des Jobs mit dem Fahrrad. Nun gewichten Sie diese Krite­rien danach, wie wichtig sie Ihnen sind – 1 für „wichtig“, 2 für „sehr wichtig“ bis 3 für „unab­dingbar“.

Jetzt ermit­teln Sie die Pass­ge­nau­ig­keit der vorlie­genden Hand­lungs­al­ter­na­tive – das nennt sich „Erfül­lungs­grad“ – dies eben­falls auf einer Skala von 0–3. 0 heißt: nicht erfüllt, 2 heißt 70%  erfüllt, 3 bedeutet 100%.

Jetzt rechnen Sie: Sie haben z.B. die Höhe des Gehalts mit 3 als unab­dingbar bewertet, doch bei Hand­lungs­al­ter­na­tive A (Stelle  XY) ist der Erfül­lungs­grad nur 0. Es ergibt sich: 3 x 0 = 0.

Ziehen Sie jede Spalte zusammen. Am Ende haben Sie für jede Ihrer Hand­lungs­al­ter­na­tiven ein Ergebnis – und eine Hand­lungs­op­tion wird rech­ne­risch vorne auf liegen. Ist dieses Ergebnis so stimmig für Sie? Dann ist alles OK — wenn nicht bedenken Sie noch mal Ihre Krite­rien. Mein Saab lag weit vorne — und ich nehme es auf mich, dass jetzt eine Benzin­pumpe aus dem schwe­di­schen Troll­hättan ange­karrt werden muss, damit er wieder läuft.

PS: Wenn Sie lieber Excel rechnen lassen wollen, dafür gibt´s ein Tool hier.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Ralf Habe­rich 5. Februar 2013 at 18:00 — Reply

    Haben Sie mit Ihrer subjek­tiven und klischee-behaf­­teten Argu­men­ta­tion bei Porsche und BMW nicht schon eine Vorauswahl getroffen, ohne Zahlen?

    • Svenja Hofert 5. Februar 2013 at 18:19 — Reply

      🙂 Klischees sind halt ganz schön emotional. Aber man braucht sie, um erst mal zu redu­zieren und schnell zu den wahren Alter­na­tiven zu kommen, bei so etwas Sujek­tivem wie Auto­kauf. LG SH

      • Ralf Habe­rich 6. Februar 2013 at 10:47 — Reply

        Na, immerhin haben Sie Ihren (übri­gens gelun­genen) Artikel entspre­chend ange­passt 😉

        • Svenja Hofert 6. Februar 2013 at 11:28 — Reply

          hab zwei Klischees ruas­ge­kickt… Und die Über­schrift war´s auch nicht. Danke fürs Feed­back. LG SH

  2. Volker Buhl 6. Februar 2013 at 0:03 — Reply

    … eine tolle Entschei­dungs­hilfe, die ich nur empfehlen kann! Diese habe ich neulich genauso genutzt und umge­setzt, als ich den Luxus hatte, zwischen zwei Wohnungen wählen zu dürfen — und das in Hamburg 😉

  3. Ilona Bürgel 11. Februar 2013 at 16:31 — Reply

    Liebe Frau Hofert,
    ich liebe Zahlen, doch nicht jeder. Und da es ja bekann­ter­maßen ange­nehm ist, eine Wahl zu haben, kommt hier meine kleine Leit­linie, falls Ihre mal nicht hilft, die ich mir nach der der Lektüre von “Die Ja/Nein Stra­tegie für Manager” aufge­baut habe. Drei Fragen für das Denkirn: Passt die Entschei­dung zu meinen Zielen, habe ich (genug) Alter­na­tiven geprüft und bin ich mir über die Konse­quenzen ausrei­chend im klaren? Plus drei Fragen für Emotion und Intui­tion: Fühlt sich die Entschei­dung gut an? Bin ich ehrlich zu mir? Erlaube ich mir die beste Lösung? Ich finde die beiden letzten Fragen beson­ders wichtig denn nur all zu oft machen wir uns etwas vor, wie wir oder etwas sein soll und viel zu schnell machen wir Kompro­misse, weil wir uns das Beste nicht vorstellen können.

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