Kate­go­rien

Ganz­heit­lich und orga­nisch wachsen? Es geht!

Published On: 27. Februar 2013Cate­go­ries: Führung

Die meisten Coachs, Berater und Trainer sowie andere Frei­be­rufler starten nach dem Slow­­Grow-Prinzip, das St. Gallen die unter­neh­me­ri­sche Methode nennt. Kühl­schrank auf, schauen was drin ist und etwas (hoffent­lich) Leckeres für den Kunden zusam­men­mixen. Irgend­wann sind Sie dann im Geschäft und … stellen fest: Es geht nicht wirk­lich weiter. Während für Entre­pre­­neur-Unter­­nehmer die stän­dige Weiter­ent­wick­lung über­le­bens­not­wendig dazu gehört, sind Solo-Selb­st­­stän­­dige mit einigen Auftrag­ge­bern oft geneigt, sich länger zurück­zu­lehnen. Um dann mitunter fest­zu­stellen, dass andere sie über­holt haben. Nicht jedem liegt das Thema Entwick­lung in den Genen. Mein eigenes für Außen­ste­hende bisweilen undurch­schau­bares Gebilde aus Autoren‑, E‑Commerce‑, Vortrags- und Outpla­ce­ment­ak­ti­vi­täten machen für mich bei näherer Betrach­tung zusam­men­ge­nommen Sinn und sind ökono­misch recht wetter- und krisen­fest. Sie müssen und sollten das nicht genauso machen, aber das Prinzip, nach dem ich arbeite, hat sich nicht nur in meinem Fall bewährt. Aber wie geht das? Ich selbst stelle mir immer wieder die Frage, was mein aktuell größtes Problem ist und wie ich es löse. Eine Zeit­lang waren es Wochen­end­ter­mine, ich reise auch nicht gern. Eine Lösung war, mehr retar­dier­dendes Einkommen zu schaffen. Anderes Beispiel: Ich möchte lieber inten­siver mit einer Person arbeiten. Deshalb biete ich – ganz anders als in meiner Anfangs­zeit — über­wie­gend  halbe oder ganze Tage an. Solche Lösungen sind also immer erst mal persön­lich­keits­ori­en­tiert. Ob die persön­liche Präfe­renz ökono­misch fruchtbar ist, klärt ein Wachs­tums­pro­jekt. Wie das aussehen kann, zeigt ein kurzes Ablauf­pro­gramm. Wenn Sie es konkret für Ihren Fall umsetzen möchten empfehle ich Ihnen meinen Selbst­lern­kurs „Grün­­dungs- oder Wachs­tums­pro­jekt nach Slow­­Grow-Prinzip“, ein Vorge­schmack bei Youtube.

Der Kreis­lauf beginnt mit dem Fest­legen des Test­pro­dukts. Defi­nieren Sie den genauen Inhalt, den Kern Ihres Grün­­dungs- oder Wachs­tums­pro­jekts. Meine Selbst­lern­kurse für Kexpa.de ließ ich bei Face­book von verschie­denen Trai­nern und Coachs testen. Das alles machte ich, bevor ich Geld für die Umset­zung in Drupal in die Hand nahm. Mein Konzept entwi­ckelte sich über ein Jahr, von der ursprüng­li­chen Idee war am Ende wenig übrig­ge­blieben. Warum? Ich hatte gemachte Erfah­rungen unmit­telbar in die Weiter­ent­wick­lung einbe­zogen. Aus einer Planung wurde so ein Expe­ri­ment. Was kann Ihr Test­pro­dukt sein, das Sie für Ihr Grün­­dungs- oder Wachs­tums­pro­jekt ins Rennen schi­cken wollen? Am trag­fä­higsten ist:

  • Was andere nicht so ohne Weiteres (auch) anbieten oder reali­sieren können
  • Worauf andere nicht sofort (auch) kommen
  • Wo Sie die meiste Kompe­tenz und Erfah­rung einbringen können
  • Wo es vermut­lich einen (kommer­zi­ellen) Markt gibt

Weiter geht es mit Test-Namen (gerne vorläufig) und Test-Preis/Ho­­norar. Manche Vorhaben recht­fer­tigen auch erst einmal „null“ Euro, etwa wenn Sie ein neues Trai­nings­kon­zept bei einem alten Kunden auspro­bieren möchten. Den besten Beweis für Funk­ti­ons­fä­hig­keit liefert indes die Tatsache, dass jemand dafür auch zahlt. Weiter geht es mit flexi­blen Meilen­steinen. Ich halte nichts mehr davon, dass man Zeit­räume fest­legt. Wer entwi­ckelnd und expe­ri­men­tie­rend an den Markt geht, der braucht keine Termine. Es geht mehr darum, die Lösung für gerade auftau­chende Probleme zu finden. Flexible Meilen­steine orien­tieren sich nicht am Kalender, sondern am Fort­schritt. Der Verkauf eines ersten Selbst­lern­kurses kann so ein Meilen­stein sein. Natür­lich muss dann auch eine Test­ziel­gruppe und ein Test-Ort gefunden werden. Für ein Portal wie meines sind höher fünf­stel­lige Invest­ments nötig. Geht es auch güns­tiger? Ich konnte eine Zeit­lang meinen alten Shop Gruen­der­re­ports zum Probe­ver­kauf nutzen. Jemand anders entwi­ckelt statt Shop eine stati­sche Seite oder probiert den Verkauf bei Dawanda oder auf dem Wochen­markt. Das, was man Live im Doing erlebt, ist wert­voller als jeder Kurs bei der IHK. Und die Zeiten, in denen ein Unter­neh­mens­be­rater ein Busi­ness Konzept beur­teilte wie ein Richter, sind meiner Meinung nach auch vorbei. Konzepte müssen offen sein und nicht statisch. Die Idee des „ich schreib einen Plan“ und lasse den beur­teilen, ist aber statisch. Auch die Eintei­lung in Berater-Diszi­­plinen wie Marke­ting und Control­ling halte ich für veraltet. Feed­back kann von jedem kommen, möglichst von Menschen unter­schied­li­cher Denk­weisen und Hinter­gründe. Inter­es­sant ist manchmal gerade der Blick eines Nicht-Ökonomen auf Zahlen und Preis­ge­stal­tung. Mitunter kann so jemand ganz andere Ideen gene­rieren.

Wichtig ist, dass Feed­back einge­holt wird, möglichst viel­fäl­tiges. Und, dass niemals die Frage im Mittel­punkt steht, OB etwas geht, sondern immer nur WIE. Das muss nicht immer in einer Grün­dung oder Real­sie­rung einer Idee münden. Das beste Beispiel lieferte neulich eine Kundin, die eine zweite Geschäfts­idee reali­sieren wollte. Ein Wochen­ende dachte sie intensiv nach, eine Woche sprach sie mit Menschen. Am Ende nahm sie Abstand von der Idee — noch bevor sie sich damit beschäf­tigte, daraus ein echtes Wachs­tums­pro­jekt zu machen.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Julia Carina 19. März 2013 at 19:44 — Reply

    Beru­hi­gend zu sehen, dass auch viele Pros sich erst mal orga­ni­sieren müssen; die YouTube Clips sind toll! Es gibt einfach wahn­sinnig viel, wo ich noch nicht den Dreh raus hab — beispiels­weise bei der ange­spro­chenen Lösungs­suche. Bei mir steht meist zu lange das Problem domi­nant im Raum, ehe ich mich an Lösungs­an­sätze heran­mache. Und da wiederum lasse ich mich viel zu oft auf Grund von Unsi­cher­heiten in die falsche Rich­tung treiben. Ein inspi­rie­render Blog für eine junge Absol­ventin (sowie Neoblog­gerin) wie mich. Bin zwar nicht die Erste die das sagt, aber hole mir hier gern Ideen und Tipps!

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