Kate­go­rien

München Top, Hildes­heim Flop: Wo Bewerber die besten Chancen haben

Published On: 7. Juni 2013Cate­go­ries: Führung

In Hildes­heim sieht es nicht gut aus für Bewerber: Um eine Stelle balgen sich 30 Anwärter. Noch schlechter steht Bremer­haven da: 38 Bewerber buhlen mit.

Ich kenne Hildes­heim gut, deshalb sprach mich die Meldung der Meta­job­such­ma­schine Adzuna  sofort an. Wahr­schein­lich, weil Hildes­heim in meinen Augen bisher nicht Herne im Ruhr­ge­biet war, wo man Arbeits­lo­sig­keit in schwin­delnden Höhen erwartet, sondern eben … Hildes­heim.

Nun bin ich froh, dass ich dort nicht auf Jobsuche bin. Nicht nur 30 Bewerber auf eine Stelle, auch kein einziger SAP-Berater wird da gesucht, das habe ich gerade auspro­biert. Und sicher­heits­halber gleich nach­ge­schaut: Diese Spezies findet auch nicht beim Adzuna-Konkur­­renten Kimeta, die sich sehr ähnlich sehen.

Wo sind die besten Jobs? In welchen Städten besteht ein opti­males Bewerber-Job-Verhältnis? Natür­lich im Süden: München, Stutt­gart, Ingol­stadt. Eine Stelle und nur zwei bis drei Bewerber! Hier kommen wir der Zukunft der Arbeit, in  der sich Firmen bei Bewer­bern bewerben, die schon im Renten­alter sind, schon mal näher. Ich vermute, dass dort im Süden auch die Chancen für Quer­ein­steiger und Bran­chen­schwenker allemal besser sind als in Hildes­heim.

stadtundjobsRegio­nale Unter­schiede werden gene­rell unter­schätzt. Bewerber denken wenig darüber nach, welche Jobs in welchen Regionen gefragt sind — kann man viel­leicht auch schlecht, wenn man erst nach der Ausbil­dung die große Liebe kennen­lernt, die partout in Hildes­heim leben will. Dann heißt es, schaut man auf diese Zahlen: Haus­mann, Haus­frau, Home Office oder Neuori­en­tie­rung.

Mein Groß­vater war höherer Beamter in Hildes­heim. Ist Hildes­heim also eine Verwal­tungs­stadt? Nun finde ich in Hildes­heim gar keine Jobs für Verwal­tungs­an­ge­stellte, ledig­lich einen Refe­renten für Kirchen- und Muse­ums­füh­rungen. Das ist ein schi­cker Job, aber darauf soll es NUR 30 Bewer­bungen geben? Wie zum [Teufel] wollen die das wissen? Meine Erfah­rung mit solchen verfüh­re­ri­schen Jobs: es bewerben sich eher hunderte. Aber klar, 30 ist der Durch­schnitt, es bezieht auch die 12 Alten­pfleger ein, die gerade gesucht werden, das sind 5 mehr als in Bremer­haven, immerhin. Und das bei vergleich­baren Stadt­größen: Bremer­haven und  Hildes­heim haben je fast 100.000 Einwohner.

“30 Bewerber auf eine Stelle”. Wo kommen die Zahlen her? Ich lese in der Meldung:

“Adzuna hat die 50 größten deut­schen Städte in Bezug auf Joban­ge­bote aufge­listet. Die Liste von Jobs in Adzuna’s Index von über 300.000 gelis­teten Stel­len­an­zeigen wurde mit den Ende Mai veröf­fent­lichten Arbeits­lo­sen­zahlen der Bundes­agentur für Arbeit für diese Städte vergli­chen. Adzuna hat außerdem die Vertei­lung der Berufs­titel und Bran­chen-Kate­­go­rien der Stel­len­an­zeigen analy­siert, um darzu­stellen, welche Stellen in welchen Städten beson­ders gefragt sind.”

Das kann ich jetzt nicht über­prüfen. Ich vermute nur, dass es auf die Museum-Refe­­ren­­ten­stelle viel mehr als 30 Bewer­bungen geben wird, weil Museen norma­ler­weise eine ähnliche Lock­funk­tion ausüben wie das Goethe-Institut, die „Zeit“ und „Hugo Boss“ (was nichts, aber auch gar nichts über das Arbeits­klima dort sagt).  Und auf die Alten­pfleger weniger, viel­leicht zwei — wie in München?

Bewerber denken oft, es sei egal, ob sie sich in Hamburg oder Köln, München oder Hannover bewerben. Das ist leider nicht so: Die Jobchancen sind sehr unter­schied­lich verteilt. Heute tele­fo­nierte ich mit einer lang­jäh­rigen Kundin aus dem Süden, Einla­dungs­quote 50%, trotz Konsu­­menten-Marke­­ting. Das würde hier oben schlechter aussehen.

Nicht nur die Stadt und Region, auch die Jobs sind sehr unter­schied­lich verteilt. Bran­chen knub­beln sich gera­dezu in bestimmten Regionen anstatt sich breit zu verteilen. Das hat die Folge, dass ein Inge­nieur mit Schwer­punkt Kunst­stoff­ver­ar­bei­tung im Süden bleiben oder umlernen muss, selbst wenn er in den Norden heiratet.  Oder dass man wirk­lich blöd da steht, wenn die letzte Phar­ma­firma aus der Heimat­stadt wegzieht — weil sich Bran­chen oft INSGESAMT verla­gern. Ein Finanz­mensch hat nun mal in Hessen weit bessere Chancen als hier bei uns im Norden. Das machen sich viele Bewerber, die ab einem gewissen Alter meist nicht mehr so flexibel sind, viel zu wenig bewusst.

Also, im Zweifel mal Jobs in der Region suchen  und dann entscheiden, ob der Bran­chen­wechsel oder gewählte Studi­en­schwer­punkt  Sinn macht. Viel Spaß.

Wer bei der Jobsuche schlauer sein will als andere, arbeitet mit unserem Kexpa®-Selbstlernkurs “Jobsuche mit Plan und Köpf­chen”.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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6 Kommen­tare

  1. Ronald 9. Juni 2013 at 21:26 — Reply

    Liebe Frau Hofert,

    ihnen ist leider ein kleiner Fehler unter­laufen.

    Zitat: “Bremer­haven hat kau 30.000 Einwohner,”

    Nach meiner Kenntnis leben in meiner Geburts­stadt etwas mehr als 100.000 Menschen.
    Mein Beitrag kann nach der Korrektur gerne gelöscht werden.

    Liebe Grüße aus Bremen
    Ronald Gott­helf

    • Svenja Hofert 10. Juni 2013 at 8:45 — Reply

      Danke­schön Herr Gott­helf, war ich zu schnell beim Googeln und hatte ne falsche Zahl erwischt. Nö, Beitrag lösche ich nicht. Ich finde aufmerk­same Leser gut und stehe zu Fehlern. LG Svenja Hofert

  2. Gerhard Kenk 17. Juni 2013 at 9:08 — Reply

    Der regio­nale Aspekt bei der Jobsuche ist einfach eine Folge der histo­ri­schen Entwick­lung Deutsch­lands, und dies macht sich eben nicht nur im Dialekt, in den unter­schied­li­chen Bildungs­sys­temen oder den regio­nalen Arbeits­märkten bemerkbar. Was in der Diskus­sion gerne über­sehen wird ist die Proble­matik, wie kleine und mittel­stän­di­sche Unter­nehmen bei der Perso­nal­be­schaf­fung mit inher­enten Stand­ort­nach­teilen umgehen und wie Bewerber mit ihrer Mobi­lität darauf reagieren.
    Viele Grüße
    Gerhard Kenk

    • Svenja Hofert 17. Juni 2013 at 10:05 — Reply

      Hallo Herr Kenk, danke für Ihre Ergän­zung. Ich habe eher den Eindruck, dass vor allem hoch­qua­li­fi­zierte Bewerber mit Mobi­lität reagieren. Sprich: Unter­nehmen in schwie­ri­geren Regionen haben wahr­schein­lich öfter schlech­ter­qua­li­fi­zierte oder weniger moti­vierte Mitar­beiter. LG Svenaja Hofert

  3. rouane 28. Juli 2013 at 7:05 — Reply

    hallo

    Ich bin 24 Jahre alt
    Ich arbeite nicht

    Ich möchte mit Ihnen anfor­dern

    Können Sie mir helfen einen Job zu bekommen

  4. Confi­anza 15. November 2013 at 19:30 — Reply

    Das ist wirk­lich ein inter­es­santes Thema! Schon ein biss­chen erschre­ckend, dass man in manchen Städten so sehr um einen Job kämpfen muss. Wir vom Pfle­ge­dienst wünschten uns, dass es uns auch mal so ginge. Wir kämpfen ja um jeden Azubi!
    Schade, aber so ist es eben.
    Toller Artikel übri­gens! Sehr aufschluss­reich!

    LG,
    Claudia von Job Alten­pfleger

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