Kate­go­rien

Wie viel Frauen-Geld macht Männer impo­tent?

Published On: 29. September 2010Cate­go­ries: Führung

Ja, ich weiß, allein wegen dieser Zeile werden jetzt mehr von Ihnen in meinen Blog klicken als sonst. Das ist natür­lich gewollt. Aber ich musste Sie raffi­niert in die Lese-Falle locken, nachdem ich heute etwa die 110. Pres­se­an­frage bekommen habe zum Thema „Papa allein zuhause“ und etwas klar­stellen will. Denn in diesen Anfragen schwingt immer ein Klischee­denken mit. Eine unaus­ge­spro­chene Unter­stel­lung.

Diese lautet: Der Mann, dessen Frau nicht nur arbeitet, sondern auch noch Geld verdient, muss entweder ein Freak sein oder ein Karriere-Looser sein. Männer, deren Frauen Einkünfte über dem Hartz IV-Satz haben (Klischee 1 = Frau verdient oft Geld, was nicht für beide reicht) und die nicht gerade Foto­grafen oder Künstler sind (Klischee 2 = Männer, die zuhause bleiben sind Weich­eier) müssen zumin­dest seeli­sche Schäden vom Kinder­hüten davon­tragen. Es folgen weitere Klischees:

Nr. 3 = Der Mann, dessen Frau mehr Geld verdient, ist abhängig, was ihn unzu­frieden und krank macht.

Nr. 4 = Das hat Auswir­kungen auf die Familie und führt zu Krisen.

Klar­stellen möchte ich: Welch ein Blöd­sinn! Genau wie es Frauen gibt, die kein Problem damit haben, eine Zeit­lang vom Geld des Mannes zu leben, gibt es Männer, für die das ebenso ist. Es gibt Männer mit starkem beruf­li­chen Ehrgeiz und Frauen, die im Job voran­kommen wollen.

Manche Männer haben aber auch einen Fami­li­en­sinn, der soweit geht, dass die Familie Prio­rität hat — vor dem Job.  Ich denke, dass diese Männer früher die Arbeit als Mittel zum Zweck gesehen haben – und der Zweck war damals schon bei einigen die Familie. Erst durch die jüngeren gesell­schaft­li­chen und arbeits­markt­po­li­ti­schen Verän­de­rungen, siehe auch mein Karrie­re­ma­cher­buch, trauen sich diese Männer in andere Lebens­formen – so wie umge­kehrt die Frauen. Den Wert „Familie“ im Reiss-Profil – der besagt, das das Erziehen von Kindern eine wich­tige Prio­rität besitzt — haben in meiner Praxis genauso viele Männer „grün“ (also ausge­prägt) wie Frauen.

Und umge­kehrt: Einen nied­rigen Wert bei „Familie“ können auch Frauen haben. Das heißt nicht, dass diese Frauen ihre Kinder nicht lieben.  Das heißt ledig­lich, dass die Fürsorge und Erzie­hung nicht im Mittel­punkt ihres Lebens steht. Ein männ­li­cher Partner mit Familie „grün“ wird eher bereit sein, zuhause zu bleiben. Wenn gewisse andere Faktoren dazu kommen, ohne das Gefühl von Abhän­gig­keit – und ganz ohne seeli­sche Schäden. Und körper­liche sowieso.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. wiebke 11. April 2013 at 15:19 — Reply

    Ein wirk­lich lustiger Artikel-vielen Dank fürs Schmun­zeln!!! 😉

  2. Andreas 17. April 2013 at 21:46 — Reply

    Dem kann ich nur zustimmen — leicht schmun­zelnd. Meine Frau ist Inge­nieurin und ich habe den “weichen” Beruf, dementspre­chend verdient sie mehr. Das stört mich nicht im geringsten und wir sind uns einig, daß im Zwei­fels­falle eher ich der Teil­zeit arbei­tende Haus­mann und Vater sein werde. In einer gut funk­tio­nie­rende Bezie­hung sollte “Rollen­ver­tei­lung” ein demo­kra­ti­scher Prozeß sein, in dessen Verlauf gemeinsam abge­wogen wird, was für beide und jede/n das insge­samt beste Modell ist. Im Übrigen bin ich zuver­sicht­lich, auch als weniger verdie­nender Mann Kinder in die Welt setzen zu können.

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