Kate­go­rien

Perso­nal­aus­wahl gewür­felt: 4 leider übliche Methoden, Bewerber zu sortieren

Published On: 18. Dezember 2013Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Mich haut eigent­lich nichts um. Dieser Kommentar auf einen Beitrag bei Spiegel Online über “Lebens­­lauf-Pimping”, hat es aber dann aber doch geschafft. Da beschrieb ein Mitar­beiter, wie sein Chef — Bereichs­leiter — die Perso­nal­aus­wahl betreibt. Er wirft Mappen auf den Boden. Die Mappen, aus denen etwas raus­fällt, sind die Looser-Bewer­­bungen, die sofort eine Absage bekommen. Die weiteren Schritte hören sich auch nicht viel profes­sio­neller an. Wie der besagte Bereichs­leiter sein System auf die Online-Bewer­­bung über­tragen will? Gute Frage: Viel­leicht mit der Spam­fil­ter­me­thode. Wer es unge­fil­tert durch schafft, kommt in die nächste Runde! Ein Scherz? Keines­wegs. Ich erin­nere mich an die Bewer­bung einer top-quali­­fi­­zierten Damen für die Geschäfts­füh­rung eines inter­na­tio­nalen Vereins. Sie hatte vor der Bewer­bung ange­rufen und hätte auch wunderbar gepasst (wie ihr Wochen später bestä­tigt wurde). Nur leider war die Bewer­bung im Spam hängen geblieben und ihre Bewer­bung wurde nicht bemerkt – Datei zu groß.

Wer hat denn da eigent­lich die Lizenz zur Perso­nal­aus­wahl? Und was wird da so gern falsch gemacht, womit Bewerber niemals rechnen? Ein Rund­gang.

1. Die „Ich-nehme-mal-oben“-Personalauswahl

„Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich mir 300 Bewer­bungen durch­lese?“ bemerkte eine genervte Perso­na­lerin in Rich­tung meiner Kundin. Über­ra­schend nur in dieser unver­blümten Offen­heit. Sonst gilt: Bewer­bungs­aus­wahl ist vor allem dann Zufalls­er­folg, wenn in einem kleinen oder mittel­stän­di­schen Betrieb niemand wirk­lich dafür Zeit hat – außer viel­leicht einem Prak­ti­kanten, der  keine Ahnung hat, auf was genau er achten soll… und den Zufall auf seine Art und Weise fördert.

Was tun als Bewerber?

Möglichst schnell auf eine neue Stelle bewerben? Nicht ratsam. Größere Aufmerk­sam­keit bekommen oft die, die oben auf dem Stapel landen oder zuletzt in das Post­fach eingehen. Ungünstig auch die Mails, die um 9 Uhr morgens eingehe, wenn man ins Büro kommt und sich die Eingänge „stapeln“. Besser: Anrufen, was Nettes erzählen und dann SOFORT schi­cken und nicht erst sieben Tage später.

2. Die „Gefällt-mir“-Personalauswahl

Like? Aber warum? Oft weil andere auch liken. Oder weil etwas gut aussieht. Damit sind wir beim Thema. Was andere mögen (a) und was attraktiv ist 8b), wird als besser bzw. intel­li­genter einge­schätzt. Bezogen auf a. gilt: Wenn andere diese Uni gut finden, in ich geneigt, das auch zu tun. Bezogen auf b.: Was die Allge­mein­heit als attraktiv empfindet, gefällt mir auch (der Brad-Bitt- und George-Clooney-Effekt). Über­haupt haben gut ausse­hende Leute ein leich­teres Bewer­bungs­leben, sofern sie nicht ZU gut aussehen. Der Perso­naler ist sich dieser beiden eng verwandten Tatsa­chen im besten Fall bewusst, weil er es im Studium gelernt hat. Er fällt dennoch darauf rein. Niemand kann sich davon frei­spre­chen, mit einem bestimmten Wahr­neh­mungsset durch die Welt zu gehen und danach zu sortieren. Ich z.B. reagiere immer noch vorbe­wusst (ganz unbe­wusst ist es aufgrund einge­hender Reflek­tion nicht mehr) aller­gisch auf den Namen “Elke”, weil mich (mit ca. 16 Jahren) eine Elke verprü­geln wollte (ihr Typ hatte ein Auge auf mich geworfen).  Ein Horror für mich, ich war damals in der Frie­dens­be­we­gung; es wirkt immer noch nach.

Jeder hat seine Elke. Und auch seinen Justin, Kevin und Mohammed, um mal von den indi­vi­du­ellen Klischees auf gesamt­ge­sell­schaft­liche zu kommen.

Was tun als Bewerber?

Nichts, Sie können von den Elkes gar nichts wissen. Bezogen auf das Foto, welches Attrak­ti­vität vorser­viert wie den ersten Gang: Ich halte es für eine Unsitte, und wenn Sie ein eini­ger­maßen begehrter Gene­ra­tion Y‑Bewerber sind, verzichten sie auf diese unsin­nige deut­sche Erfin­dung, das german Bewer­bungs­foto mit the german Bewer­bungs­mappe (what´s that????…. No…. Really…..????? Frau Hofert, it´s unbelievable…YES!)

3. Die „Safety-First“-Personalauswahl

“Gehen wir auf Nummer sicher” ist die häufigste Form der Perso­nal­aus­wahl und der Grund, warum Sie sich die Finger wund schreiben können – wie toll Ihr Anschreiben ist spielt keine Rolle. Es wird in aller Regel gar nicht gelesen, denn wer eine fakten­ori­en­tierte Perso­nal­aus­wahl betreibt — und die domi­niert größere Unter­nehmen, das zumin­dest ist der Vorteil der Prozess­ori­en­tie­rung — , hangelt sich an den Abschlüssen und Praxis­er­fah­rungen entlang. Er orien­tiert sich an der Note und sonst Mess­barem. Das Ganze lässt sich auch prima online filtern.

Was tun als Bewerber?

Ich habe eine Reihe nicht-Studierter Kunden, die sich in gute Posi­tionen hoch­ge­ar­beitet haben und sich nun nicht mehr online bewerben – die Erfah­rung zeigte einfach: Sie wurden nie berück­sich­tigt. Die Gestal­tungs­mög­lich­keiten der Online-Mappe sind da im Zweifel größer.

4. Die gewür­felte Perso­nal­aus­wahl

A oder B? Lassen wir doch mal König Zufall entscheiden. In der Einfüh­rung haben Sie schon ein eindrucks­volles Beispiel für diese Form der Perso­nal­aus­wahl kennen gelernt: Einfach mal auf den Boden werfen und schauen, was so übrig bleibt. Gewür­felt ist auch alles andere, was dem Zufall über­lassen bleibt: zum Beispiel die Auswahl nach größt­mög­li­cher Sicht­bar­keit. Ja, super, dass Sie die Bewer­bung Sonn­tags um 16 Uhr raus­ge­schickt haben und der Geschäfts­führer just in dem Moment drauf­kli­cken konnte! Pech für den, der Montags um 9 geschickt hat…

Was tun als Bewerber?

Eher nicht zu den Stoß­zeiten mit der Bewer­bungs­mail durch­kommen. Wenn immer noch Mappe: Nicht als erster schi­cken, sondern eher als letzter. Und: Mehr Aufmerk­sam­keit auf sich lenken, z.B. durch Anrufe, siehe Punkt 1. Sollte aber posi­tive Aufmerk­sam­keit sein.

Liebe Perso­naler, wir alle sind Menschen, siehe Elke. Aber es hilft, sich all das ein wenig bewusster zu machen. Und im Zweifel mal genauso zu handeln, wie Sie sonst nie handeln würden: die nicht so schöne Bewer­bung aussu­chen, den unge­wöhn­li­chen Bewerber einladen und auch mal die Elke. Man lernt am besten dazu, indem man eigene Hand­lungs­muster durch­bricht.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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13 Kommen­tare

  1. Marc Mertens 18. Dezember 2013 at 14:25 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    erstmal einen herz­li­chen Dank für diesen Artikel und Ihre Mühe. Habe ihn gerade dankes­werter Weise in mein G+-Profil gepostet.

    Laut dem “Toyota Way”-Buch wurde dort aufgrund einer Bewer­bungs­welle in den USA beim Aufbau eines neuen TOYOTA-Werkes auch eine “spezi­elle” Auswahl getroffen, aber es wurden damals ohne jegliche Ansicht direkt 50% zufällig aussor­tiert. Das war die einzige objek­tive Möglich­keit die erheb­liche Anzahl zu redu­zieren, da sich landes­weit mehrere tausend Bewerber um eine Anstel­lung beworben hatten.

    Ich glaube aller­dings, dass sich die meisten KMUs schon froh schätzen können, wenn in Zeiten der Voll­be­schäf­ti­gung und des zukünf­tigen Fach­kräf­te­man­gels genug Kandi­daten zur Auswahl vorstellen. Und oftmals liegt es auch an undif­fe­ren­zierten Stel­len­an­zeigen, wenn sich ggf. zu viele oder zu wenige passende Talente darunter befinden.

    Bei Groß­kon­zernen mag die Situa­tion natür­lich noch anders aussehen, aber dafür sind dort die auto­ma­ti­sierten Bewer­bungs­pro­zesse das größere Problem.

  2. Markus 18. Dezember 2013 at 14:51 — Reply

    Viele Dank für diesen wert­vollen Artikel! Mich wundert mitler­weile garnichts mehr. So bin ich auch über Vorge­hends­weise nicht wirk­lich über­rascht. Wer am Markt akzep­tiert und eine neue Stelle sucht muss schon in den Vitamin­schrank greifen und dort das Vitamin B holen.
    Mich wundert aucht mitt­ler­weile die Fehl­be­set­zungen nicht mehr, welche in manchen Unter­nehmen wirk­lich zum Haare­asur­aufen ist. Danke nochmal dass sie meine Vermu­tung die ich schon lange hatte bestä­tigen konnten…

  3. Hendrik 18. Dezember 2013 at 22:37 — Reply

    Sorry aber hier muss ich klar dagegen spre­chen. Ich zitiere mal:

    “Er wirft Mappen auf den Boden. Die Mappen, aus denen etwas raus­fällt, sind die Looser-Bewer­­bungen, die sofort eine Absage bekommen.”

    Unkon­ven­tio­nelle Art. Zuge­geben. Im Grunde aber voll­kommen berech­tigt. Wer es nicht auf die Reihe bekommt wich­tige Doku­mente wie z.B. eine Bewer­bungs­mappe vernünftig zu verschliessen o.ä. handelt hudelig. Der erste Eindruck zählt jedoch, Chance vertan! Es geht hier um höhere Mana­ge­­ment-Posi­­tionen, wie soll man jemandem vertrauen der es nicht mal fertig bringt seine Bewer­bung vernünftig einzu­rei­chen??

    Weiter gehts:

    “Nur leider war die Bewer­bung im Spam hängen geblieben und ihre Bewer­bung wurde nicht bemerkt – Datei zu groß.
    Wer hat denn da eigent­lich die Lizenz zur Perso­nal­aus­wahl? Und was wird da so gern falsch gemacht, womit Bewerber niemals rechnen?”

    Will­kommen im Jahr 2013.
    So so, die Dame möchte also Geschäfts­füh­rerin werden? Geschäfts­führer sind im Opti­mal­fall mehr­fach­be­gabte Menschen mit großem Know-How in vielen Berei­chen. Und da fällt der Bereich Technik nunmal nicht raus. Es gibt gängige Größen die überall akzep­tieren. Ich denke 95% der Geschäfts­führer (erfolg­rei­cher!) Unter­nehmen wissen dies. Zudem meldet sie sich laut Artikel Wochen später um die E‑Mail nach­zu­halten. Bitte was? Das ist zu langsam! Wer wirk­lich Inter­esse hat und für eine Stelle brennt, lässt sich durch solch ein Malheur sicher nicht ausbremsen. Chance vertan!

    Soll ich weiter­ma­chen?

    • Svenja Hofert 20. Dezember 2013 at 10:58 — Reply

      Hallo, danke für den Kommentar. Sie setzen Infor­ma­tionen voraus, die der Artikel gar nicht gibt. Z.B. wissen Sie nicht, um wie viele MB es sich handelte. Bei 11 würde ich Ihnen recht geben. Der Artikel sagt aber auch nichts über “Wochen später”… Ich bin grund­sätz­lich für unkon­ven­tio­nelle Heran­ge­hens­weisen, der Punkt ist nur, dass bei der Mappen­­­werf-Methode eine den Bewerber abwer­tende und nicht wert­schät­zende Haltung zutage kommt. Die ist dem Jahr 2013 ganz sicher nicht ange­messen. LG Svenja Hofert

  4. Johann 19. Dezember 2013 at 9:57 — Reply

    Bewerben ist zwischen­zeit­lich ein Glücks­fall und einfach lächer­lich geworden. Ich arbeite in einem DAX30 Konzern. Hier kommen die Bewer­bungen für Nach­wuchs­füh­rungs­kräfte oder Trai­nees über das SAP System rein. Erstmal wird grund­sätz­lich nach Fakten gefil­tert (Schnitt unter X fliegt raus etc.), danach werden die Bewer­bungen von einer Auszubildenden/Sachbearbeiterin ange­schaut und erst die Auswahl kommt auf den Schreib­tisch unserer soge­nannten HR-Busi­­ness Partner. Die entscheiden dann letzt endlich wer einge­laden wird.

    Das wieder­spricht allem was ich je von Leader­ship, Perso­nal­füh­rung, Diver­sity etc. gelesen haben. Übri­gens alles Werte die unser Unter­nehmen „lebt“ und auf allen Kanälen kommu­ni­ziert.

  5. Johann 19. Dezember 2013 at 9:57 — Reply

    Bewerben ist zwischen­zeit­lich lächer­lich geworden. Ich arbeite in einem DAX30 Konzern. Hier kommen die Bewer­bungen für Nach­wuchs­füh­rungs­kräfte oder Trai­nees über das SAP System rein. Erstmal wird grund­sätz­lich nach Fakten gefil­tert (Schnitt unter X fliegt raus etc.), danach werden die Bewer­bungen von einer Auszubildenden/Sachbearbeiterin ange­schaut und erst die Auswahl kommt auf den Schreib­tisch unserer soge­nannten HR-Busi­­ness Partner. Die entscheiden dann letzte endlich wer einge­laden wird.
    Das wieder­spricht allem was ich je von Leader­ship, Perso­nal­füh­rung, Diver­sity etc. gelesen haben. Übri­gens alles Werte die unser Unter­nehmen „lebt“ und auf allen Kanälen kommu­ni­ziert.

  6. Thomas 19. Dezember 2013 at 19:06 — Reply

    Warum wurde­mein Kommentar nicht zuge­lassen? Das ist ja fast fahr­lässig, ich habe gute und wich­tige Tipps gegeben. Nur weil ich nicht mit Ihnen über­ein­stimme nehmen Sie mir das Wort? Einsicht ist der erste Schritt in Rich­tung Besse­rung. Der Artikel ist dermassen über­holt, unglaub­lich das er im Jahr 2013 geschrieben wurde.

    • Svenja Hofert 20. Dezember 2013 at 11:00 — Reply

      Hallo Thomas, da dieser Blog nicht mein Hauptjob ist, ich aber jeden Beitrag selbst frei­schalte (siehe “über diesen Blog”) komme ich nicht jeden Tag dazu mir die Kommen­tare anzu­sehen. Ihr Beitrag ist ein biss­chen scharf, aber kein Spam und enthält auch keine Eigen­wer­bung. Also sehe ich keinen Grund, ihn nicht frei­zu­schalten. Er ist online. LG Svenja Hofert

  7. Ralf 21. Dezember 2013 at 10:05 — Reply

    Hallo Frau Hofert,

    gern möchte ich eine andere Sicht­weise anbringen und vom Bewer­bungs­ver­fahren Paral­lelen zum Verga­be­ver­fahren bei öffent­li­chen Auftrag­ge­bern (VOL — Vergabe- und Verdin­gungs­ord­nung für Liefe­rungen und Leis­tungen, VOB — Vergabe- und Verdin­gungs­ord­nung für Bauleis­tungen oder Verga­be­ver­ord­nung für frei­be­ruf­liche Leis­tungen) ziehen, dass sehr forma­lis­tisch und struk­tu­riert abläuft.

    Im Verga­be­ver­fahren werden bei Beginn ein Leis­tungs­ver­zeichnis und die einzelnen Moda­li­täten der Vergabe sowie des späteren Vertrages einschließ­lich der Verga­be­kri­te­rien veröf­fent­licht. Aus eigener Erfah­rung kann ich sagen, dass im Rahmen einer Ausschrei­bung mitt­ler­weile nicht nur das billigste Angebot zählt, sondern auch andere Krite­rien heran­ge­zogen werden und damit eine Wertung über ein Punk­te­system erfolgt. Jeder Bieter erhält nach Wertung aller Ange­bote ein Schreiben, in welchem ihm sein Rang und deren Gründe für eine Absage mitge­teilt werden. Zum Teil haben auch die Auftrag­geber die Möglich­keit nach­träg­lich Unter­lagen (z.B. Refe­renzen) nach­zu­for­dern.

    Doch im Bewer­bungs­ver­fahren ist dies leider anders und freier, so wie in Ihrem Artikel beschrieben. Zum Teil wird die zu erbrin­gende Arbeits­leis­tung nicht richtig beschrieben und die Auswahl­kri­te­rien benannt. Was sich die Bewerber unter anderem wünschen, ist eine konkret begrün­dete und nach­voll­zieh­bare Absage. Dem steht natür­lich das AGG entgegen. Viele Arbeit­geber wollen nicht gericht­lich bei der Bewer­ber­aus­wahl angreifbar sein. Man kommt der Vermu­tung nahe, dass der Arbeit­geber den Bewerber eben nach den im AGG verbo­tenen Gründen (wie z.B. Alter) ausge­wählt hat.

    Aber soll man jetzt (bereits in unserer über­bü­ro­kra­ti­sierten Geschäfts­welt) ein neues Gesetz “Verga­be­ver­ord­nung für Leis­tungen mit einem Arbeits­ver­trages” fordern, wie die bereits bestehenden VOL, VOB und VOB. Es würde für den einzelnen Bewerber Sicher­heit und Trans­pa­renz sowie verbind­liche und über­prüf­bare Rege­lungen für alle Betei­ligten im Bewer­bungs­ver­fahren (AG und AN) schaffen. Doch insbe­son­dere für KMU wäre dies zu starr und aufwändig. Es ist aber eine Über­le­gung und Diskus­sion wert.

    • Svenja Hofert 21. Dezember 2013 at 18:35 — Reply

      Danke für den Kommentar! Ich fände das gar nicht so schlecht. Um es nicht zu büro­kra­tisch werden zu lassen, viel­leicht eher ei Siegel als eine Art Selbst­ver­pflich­tung “dieser Betrieb hält sich an die Regeln zur fairen Bewer­ber­aus­wahl”. Die muss dann mal jemand defi­nieren. Wäre aber einfach 😉 LG Svenja Hofert

  8. Ralf Metz 23. Dezember 2013 at 11:40 — Reply

    Liebe Svenja,

    ich finde deine Beiträge inter­es­sant und vom Stil so erfri­schend geschrieben, dass ich mir selbst in einer voll­ge­la­denen Woche gerne die Zeit nehme, und deine Artikel lese.

    Dieser hier hat mich aus persön­li­cher Erfah­rung so stark ange­spro­chen, dass ich insbe­son­dere zu Nummer 3) zustimmen möchte — dies ist für mich das grösste Hindernis für Bewerber, die nicht über einen ‘makel­losen’ Retorten-Lebens­­lauf verfügen und gleich­zeitig der grösste Hemm­schuh für Unter­nehmen, an hoch­mo­ti­vierte und geeig­nete Kandi­daten zu kommen.

    Kein Uni-Abschluss? Haben die anderen aber, damit also schlechter quali­fi­ziert => raus.
    Keine Bran­chen Erfah­rung? Zu unsi­cher => raus.
    Zick-Zack Kurs im Lebens­lauf? Weiss nicht was er will => raus.
    etc.

    Das ist für mich aus Sicht von HR und dem jewei­ligen Line Manager alles nach­voll­ziehbar — denn warum sollte ich meinen Job riskieren, wenn ich die sichere Nummer fahren kann?
    Nur komme ich eben so nicht an die wirk­lich ‘inter­es­santen’ Mitar­beiter — was viel­leicht auch zum Teil so gewünscht ist.

    Und gerade da wird das Netz­werk einfach um so wich­tiger.
    Würde ich heute nach einer Fest­an­stel­lung suchen, so würde ich es gar nicht über das offi­zi­elle Ausschrei­bungs­ver­fahren bei einem grossen Unter­nehmen gehen — beim Mittel­stand mag der direkte Kontakt noch funk­tio­nieren, aber bei grossen meiner Erfah­rung nach weniger.

    Und ich teile deine Ansicht, dass Wert­schät­zung anders aussieht — zumal man sich im Leben immer zweimal sieht. Wenn ich als Bewerber auf einer Stelle nicht berück­sich­tigt werde und die Kommu­ni­ka­tion seitens des poten­ti­ellen Arbeit­ge­bers mittel­prächtig bis nicht-exis­­tent war, dann über­lege ich mir ob ich mich zu einem späteren Zeit­punkt auf eine andere Stelle noch­mals bewerben soll — lohnt sich der Aufwand über­haupt, möchte ich das?

    Inso­fern ist das Denken an der Stelle — wie vieles in unserer heutigen Welt — sehr kurz­fristig ausge­legt.

    In jedem Fall wünsche ich Dir an dieser Stelle ein schönes Weih­nachts­fest und bin gespannt auf neue Beiträge in 2014.

    Grüsse aus der Schweiz,
    Ralf

    • Svenja Hofert 23. Dezember 2013 at 14:30 — Reply

      Danke­schön, das ist aber ein ganz beson­ders netter Kommentar. Ich wünsche auch alles Gute, Zeit für Besin­nung und auf bald in 2014! LG Svenja

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