Kate­go­rien

Absagen mit Stil und ohne: „Bitte bewerben Sie sich nie mehr bei uns”

Published On: 7. Februar 2014Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Wenn Bewerber sich auf einen Job freuen, auf den sie zu 100% zu passen scheinen, ist es nicht schön, im Post­fach eine Absage vorzu­finden. Vor allem, wenn diese eine lieb­lose Mail an die „sehr geehrten Bewerber/sehr geehrte Bewer­be­rinnen“ ist, die – vermut­lich oder manchmal sichtbar durch offenes CC: — gleich­zeitig an 100 andere Personen gegangen ist. „Wir haben uns für einen Kandi­daten entschieden, der mit seinen Quali­fi­ka­tionen besser zu unseren Anfor­de­rungen passte.“ Besser?

Unsere Kunden leiten immer mal wieder Absagen an uns weiter mit dem Verweis „für Ihren Blog“ oder „für Ihre Samm­lung“. Meis­tens sind die Absagen-Texte haar­sträu­bend. Und ich könnte die beim Namen nennen, die dabei beson­ders unpro­fes­sio­nell agieren. Etwa die Bank, die den Bewerber bittet „von weiteren Bewer­bungen Abstand zu nehmen“, da das Profil auch in Zukunft nicht passen würde. In Zukunft? Weiß das dieser Arbeit­geber? Was ist, wenn ein neuer Perso­nal­chef eine ganz andere Stra­tegie ausgibt? Und wer hat im Zeichen der Verän­de­rungen am Arbeits­markt über­haupt so eine Stra­tegie ausge­geben? Kann man das über­haupt Stra­tegie nennen?

stoppbewerberIch kenne den CV des betref­fenden Bewer­bers; er ist makellos, mit Auslands­er­fah­rung und allem, was man sich so wünscht. Viel­leicht gefiel es nicht, dass die Person nicht nur in der Finanz­branche Erfah­rung gesam­melt hat, sondern auch außer­halb – man wird es nie erfahren.  Mögli­cher­weise wurde auch gar nicht richtig gelesen. Das kommt vor, erschre­ckend häufig. Wie beim Hamburger Konzern, der absagt, um fünf Minuten später wieder anzu­rufen. „Äh, war ein Versehen, der Prak­ti­kant hatte nicht genau genug hinge­sehen.“ Weitere Stories dieser Kate­gorie lesen Sie hier.

.Die Deut­sche Bahn schreibt weiter:

„Bitte lassen Sie sich jetzt nicht entmu­tigen, sondern sich viel­mehr darin bestärken, auch weiterhin aktiv z.B. auf unserem Karrie­re­portal (…) nach alter­na­tiven Posi­tionen zu schauen. Viel­leicht ergibt sich ja zu einem späteren Zeit­punkt mit einer anderen Stelle eine neue Chance bei der DB für Sie.“

Ja, das ist einer­seits freund­lich und andrer­seits geschickt: warm­halten. Sollte man.

Was können Perso­naler daraus lernen?

Lassen Sie die Texte nicht von Prak­ti­kanten schreiben. Sowohl beim Stel­len­in­serat als auch bei der Absage lohnt sich das Invest in einen Texter. Doch es geht nicht um den Text allein, denken wir an das schon öfter thema­ti­sierte „Kampa­­gnen-Du“. Nein, ein guter Texter sollte auf der Basis echter Infor­ma­tionen und wirk­li­cher Stra­tegie texten. Die ideale Basis ist ein Manual für die „Personal-Außen­­po­­litik”. Ich sage bewusst „Außen­po­litik“, weil das Wort Employer Bran­ding ein Schimpf­wort ist. Nirgendwo sonst wie in der Außen­po­litik kommt es so stark auf Diplo­matie an – bei maxi­maler Klar­heit und in Harmonie zu den inneren Werten.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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11 Kommen­tare

  1. Henrik Zabo­rowski 7. Februar 2014 at 14:15 — Reply

    Und leider nützt es auch nichts, wenn der Text selber vom Profi geschrieben, aber dann gedan­kenlos im falschen Kontext verschickt wird. Kommt auch immer wieder vor.

    • Svenja Hofert 7. Februar 2014 at 21:52 — Reply

      so ist es. Muss halt passen, innen und außen. Viel zu tun 😉

  2. Carolin 9. Februar 2014 at 9:52 — Reply

    Wenn es denn eine Absage gibt. Ich war vor gut 1 1/2 Jahren im Bewer­bungs­pro­zess und habe offi­ziell wohl immer noch einige Verfahren laufen, bei denen es nie eine Rück­mel­dung auf meine Bewer­bung gab.

    • Jan 14. Februar 2014 at 11:52 — Reply

      Ehrlich gesagt ist es mir lieber, gar keine Rück­mel­dung zu erhalten als ständig diese nichts sagenden Stan­dard­ab­sagen à la “Bitte betrachten Sie es nicht als Abwer­tung Ihrer Quali­fi­ka­tionen”, “Für Ihren weiteren Lebensweg wünschen wir Ihnen alles Gute”. Ich habe über 200 Bewer­bungen geschrieben und jedes Mal genau diese Flos­keln zu lesen bekommen. Jedesmal hat es mich aufs Neue herunter gezogen und jedes Mal ein wenig mehr, bis ich irgend­wann das Bewerben endgültig aufge­geben habe. Außer dass diese Sprüche nerven, bringen sie mich kein biss­chen weiter. Ich erfahre weder, woran ich geschei­tert bin, noch hilft es mir, etwas zu verbes­sern.
      Bekomme ich keine Rück­mel­dung weiß ich ja auch, dass es mit der Stelle nicht geklappt hat und viel­leicht habe ich dann auch schon verdrängt, dass ich mich beworben habe, so dass es mich nicht ganz so weit runter zieht.

      • Carolin 16. Februar 2014 at 17:14 — Reply

        Hallo Jan,
        bei mir war es so, dass ich meine Bewer­bungen dokumentiert/gelistet habe. Bei einigen kam ja tatsäch­lich nach zwei Monaten noch eine Rück­mel­dung.
        Ich verstehe aber auch — und da geht es mir genau wie dir — dass Absagen (gerade bei Stellen, die einen WIRKLICH ange­spro­chen haben) weh tun. Trotzdem ist es immer eine Sache des Stils, Bewer­bungen auch zu beachten.

  3. Manuela 10. Februar 2014 at 10:50 — Reply

    Inter­es­santer Artikel, den ich 100% unter­schreiben kann. Als Bewerber in einem Bereich, in dem es weitaus mehr Suchende als Stellen gibt, braucht man schon ein sehr dickes Fell. Was mir in letzter Zeit mehr­fach passiert ist: Auf Initia­tiv­be­wer­bungen habe ich eine Absage a la “leider passen Sie nicht auf die vakante Stelle” bekommen. Schon schade, wenn sich Unter­nehmen nicht­mals mehr die Mühe machen, den passenden Absa­ge­text raus­zu­su­chen. Ich verstehe, dass es für Unter­nehmen ein Aufwand ist, 300–400 Bewer­bungen zu sichten, aber als Bewerber steckt man auch viel Zeit in jede Bewer­bung. Etwas mehr gegen­sei­tige Wert­schät­zung wäre wünschens­wert!

  4. Lars Hahn 11. Februar 2014 at 10:48 — Reply

    Wichtig für Unter­nehmen:
    Der abge­sagte Bewerber könnte ein vergrätzter Kunde sein. Es gibt die Story von einem Auto­pro­du­zent, der deswegen sinn­gemäß antwortet: “Ihr Profil ist tatsäch­lich inter­es­sant und wir bedauern, dass wir Sie für die genannte Stelle nicht berück­sich­tigen können. Ihr Einver­ständnis voraus­ge­setzt behalten wir aber Ihre Unter­lagen hier für mögliche spätere Stel­len­be­set­zungen”.
    Denn merke: Auch Inge­nieure, die nicht beim Hersteller arbeiten, könnten noch deren tolle Autos erwerben!

  5. Max Schneider 6. März 2014 at 19:52 — Reply

    Ich lasse über die Antwort immer die Such­funk­tion laufen. Kommt das Wort “leider” drin vor war es (wieder mal) eine Absage. Ein Mal hatte ich große Hoff­nungen geschöpft weil kein “leider” im Text drin war. Es war ein “dennoch”. Wieder etwas dazu gelernt.

    Da aufgrund des Gleich­stel­lungs­ge­setzes sowieso nie der Grund drin­steht warum man nicht genommen wurde (was wirk­lich Schade ist denn es würde doch sehr weiter­helfen zu wissen ob man _dieses Mal_ einfach nur Pech hatte oder ob man sowieso nie eine Chance hatte) würde auch ein einziges Wort, nämlich “leider” (oder noch direkter: “Nein”) reichen.

    Das wäre ehrli­cher als diese ganzen seelen­losen Warm­hal­te­sätze die aich auch noch um den Bewerber als zukünf­tigen Kunden etc. sorgen.

  6. D. Weinelt 6. März 2014 at 23:42 — Reply

    Ein Grund für die oft verschickten Stan­dard­texte sind leider auch die gut gemeinten Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setze und die “Ethics & Compli­ance Polizei”. Bevor ich mich als Arbeit­geber durch ein faires Feed­back arglos der Gefahr eines blockierten Einstel­lungs­ver­fah­rens oder gar Rechts­streites aussetze, teile ich dem Bewerber lieber mit das ein anderer noch besser war. (Ups, da war schon die Diskri­mi­nie­rung: korrekt sollte es Bewerber*Innen heißen…)
    Aller­dings kann man selbst das freund­lich und stil­voll machen.

  7. Elocin Rezuerk 7. März 2014 at 15:22 — Reply

    nach einschlä­gigen erfah­rungen sind mir stan­dard­flos­keln lieber als verzwei­felte versuche, einfühlsam zu sein… so oder so: man kann’s immerhin abha­cken. schlimmer ist die unge­wiss­heit: damit kann ich nur schlecht umgehen, da hilft alles wissen, dass schon nach wenigen tagen no news nie good news ist, nichts. hat jemand einen tipp, wie man die bewer­bung auch ohne bescheid im wort­sinne ad acta legen kann? die offene “datei” braucht im hinter­grund zu viel “arbeits­spei­cher”, das dossier vom desktop verbannen reicht da nicht.

  8. […] in diesem Prozess­schritt Wert­schät­zung zeigen? Durch eine auf ihn zuge­schnit­tene Formu­lie­rung, die eine Absage nicht zur nächsten Wort­hül­sen­schlacht werden lässt. Noch mal zur Erin­ne­rung: Die Candi­date Expe­ri­ence umfasst wirk­lich jeden Punkt, bei dem der […]

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