Kate­go­rien

Wer bin ich? Und wenn ja, wo stehe ich? Die 4 Phasen im Karrie­re­coa­ching

Published On: 16. Februar 2014Cate­go­ries: Aktuell

Die Themen und Lebens­fragen verän­dern sich mit dem Alter. Das wirkt sich auch auf die Frage­stel­lungen im Karrie­re­coa­ching aus. An der Ober­fläche schwimmen konkrete Frage­stel­lungen nach Gehalt, Jobsuche und Bewer­bung. Doch darunter ist das tiefe Wasser. Lassen sich ober­fläch­liche Fragen beant­worten, ohne zu wissen, wie tief das Wasser darunter ist und was es ausmacht? Ich finde nicht.

In meiner Praxis habe ich vier Phasen beob­achtet, die jeweils recht spezi­fi­sche Frage­stel­lungen mit sich bringen. Dabei werden manche von der Ober­fläche und einige aus der Tiefe gestellt.

phasen

1., Phase des Eintrees

Businessman choosing the right doorDas Symbol  ist hier die Tür. Denn das ist die große, alles bestim­mende Frage: Durch welche Tür gehe ich? Hier brau­chen junge Leute oft Orien­tie­rung. Was passiert, wenn man diese Tür aufmacht – und was lauert hinter jener? Karrie­re­coachs (und Berufs­be­rater), die in dieser Phase beraten, brau­chen Know-how, möglichst viel und möglichst breit. Andern­falls können Sie eine Menge falsch machen und Wege gera­dezu verbauen. Erst letzte Woche sprach ich mit einer jungen Dame, die nur deshalb eine Lehre gemacht hat, weil die Bera­terin sie aufgrund der relativ schlechten Noten dahin gecoacht hat. Grob fahr­lässig. Und meiner Meinung nach einer der schlimmsten Denk­fehler, dass viele Neucoachs sich gerade für DIESES Thema (Abitu­ri­en­ten­be­ra­tung) aufstellen, weil man da nicht so viel wissen muss. Das Gegen­teil ist der Fall. Auch, weil man nicht so viel “frei­coa­chen” kann und als Ältere/r auto­ma­tisch lenkt. Die Verant­wor­tung ist beson­ders groß. Inten­sive Kenntnis des Studi­en­sys­tems und der Bachelor-Master-Kombi­na­­torik sowie der sich verän­dernden Berufs­felder sind Mindest­an­for­de­rung. Man kann das nicht ausschließ­lich der Selbst­re­cherche über­lassen.

2. Karriere-Phase

Der Ballon ist das Symbol in dieser Phase, auch wenn es nicht immer um Aufstieg geht. In jedem Fall geht es hier darum heraus­zu­finden, wie man in seiner im Entree gewählten Bezugs­gruppe erfolg­reich sein kann. Falsches Entree macht sich dadurch bemerkbar, dass man inner­halb dieser Bezugs­gruppe – etwa der PR-Berater – keinen Platz für sich findet, den man attraktiv findet (weil man mit seinen Kompe­tenzen, seiner Persön­lich­keit und seinen Moti­va­tionen nicht voll­ständig andockt). So kann es zu frühen Neuori­en­tie­rungen kommen. In dieser Phase sind Geld und Gehalt nach wie vor wichtig – entweder als eine der zentralen Steue­rungs­in­stru­mente, vor allem bei Männern.

Iden­­ti­­täts-Phase (erste Neuori­en­tie­rungs­phase)

Figuren / BegabungDas Symbol ist die Iden­tität. “Ich grenze mich ab” – von der Familie, meinem Hinter­grund, der mich geprägt hat. Man sucht nach dem, was einen ausmacht als Mensch, als berufs­tä­tige Person, als Ich. Und fragt: Ist es sinn­voll, was ich tue? Ist das mein Ich? Bin ich ICH? In dieser Phase merken viele, dass sie bestimmten Lebens­mus­tern gefolgt sind. Frauen entde­cken häufig, dass das „ich bin nicht gut genug“ sie steu­erte oder auch das Geliebt-werden-wollen. Der fami­liäre Hinter­grund klappt auf  und liefert Erklä­rungen für beruf­liche Entschei­dungen. In dieser Phase ist ganz­heit­li­ches Karrie­re­coa­ching sinn-voll. Man kann Beruf und Leben nicht mehr trennen.

Höherer-Sinn-Phase (erste Neuori­en­tie­rungs­phase)

Chakras with German LabelingIrgend­wann wird die Frage nach Sinn, die Menschen in jedem Alter stellen, anders defi­niert werden. Während Sinn für sehr junge Leute oft noch in Themen wie „Familie“, „Reisen“ und „beruf­liche Zufrie­den­heit“ liegt, kommt jetzt oft eine spiri­tu­elle Ebene dazu. Man möchte etwas bewirken, wissen, warum man auf dieser Welt ist, einen Platz finden, der einen die schwerste aller schweren Coaching-Fragen beant­worten lässt: „Wenn ich nur noch einen Tag zu leben habe und mein Leben passieren lasse, bin ich dann zufrieden mit den Spuren, die ich hinter­lassen werde?“

Für einige ist die Frage eng an Reli­giö­sität gekop­pelt. „Man muss aufhören, die Dinge zu hinter­fragen, dann findet man Sinn“, erzählte mir ein christ­li­cher Klient. Das ist eine von unzäh­ligen Antworten, die man indi­vi­duell finden kann. Karrie­re­coa­ching in diesen späteren Lebens­phasen ist ganz anders als in den vorhe­rigen Phasen. Nun geht es kaum noch ums Wissen und Bera­tung tritt in den Hinter­grund — es sei denn, die Sinn-Phase führt zu prak­ti­schen Hand­lungen, etwa einer Exis­tenz­grün­dung.

Natür­lich muss man nicht alle diese Phasen durch­laufen, manche Klienten bleiben bei Phase 1 stecken, viele bei 2. Und dann gibt es noch die, die immer wieder um 3 eine Schleife drehen und z.B. erst beim dritten oder vierten Coach essen­ti­elle Fragen auflösen. Das ist dann auch OK, denn oft brau­chen diese Dinge länger.

Methoden für alle Phase finden Sie in meinem Lehr­buch. Wer die Anwen­dung anhand von Fall­bei­spielen lernen möchte, sollte sich in der Karrie­re­ex­per­ten­aka­demie umschauen.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Ahmet 17. März 2014 at 23:38 — Reply

    Hallo,

    Es sind viele Faktoren zu Beob­achten, mann muss den Mensch kennen zb. Bescheid wissen über die Fein­stoff­liche Anatomie … erkennen können das ein schönes Mädchen durch das tragen einer Mütze was ganz anderes steckt zb. Selbst­be­stra­fung nur eine kleine Gäste du hast aber schöne Haare … und Ihr einfach Energie geben kann man diese Blockade lösen.

    Diese wird in keiner Schule beigebracht in Deut­schen Schulen erst Recht nicht …

    in Liebe

    Ahmet

  2. iheliel 15. August 2016 at 13:57 — Reply

    Sehr geehrte Frau Hofert,

    halten Sie es für sinn­voll die ersten beiden Phasen direkt zu über­springen und sich bereits in jungen Jahren ausschließ­lich mit Phase 3 zu beschäf­tigen?

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