Kate­go­rien

Den Chef und die Mails abschalten – (wie) geht denn das?

Published On: 20. Februar 2014Cate­go­ries: Karriere

Müssen Unter­nehmen ihre Mitar­beiter vor sich selbst schützen, damit Sie nicht zu viel arbeiten? VW verbietet Mails nach Dienst­schluss, BMW setzt auf Absprache. Dazu hatte ich gestern ein Inter­view in NDR2. Hier noch mal meine Tipps aus dem Inter­view zum Nach­lesen.

1. Beant­worten Sie geschäft­liche Mails nie am Wochen­ende

“Gibst du den kleinen Finger, nehme ich die ganze Hand.” Frei nach diesem Motto verhalten sich alle Menschen — psycho­lo­gisch konse­quent. Klar, wenn es keine Grenze gibt, halte ich sie auch nicht ein. Wochen­end­mails geben ein ganz beson­deres Signal des “ich-bin-immer-verfügbar”.

2. Sagen Sie einfach “nein”

“Könnten Sie noch A und B tun?” Nein! Begründen Sie das  nicht, recht­fer­tigen Sie sich nicht. Sie können jetzt nicht Kaffee holen und auch nicht mal kurz, XY machen. Mit „nein“ setzen Sie Grenzen und verschaffen sich Respekt. Sagen Sie „nein“,

  • wenn Sie schon wieder um 18 Uhr noch im Büro hängen…
  • noch ein Projekt dazu kommen soll…
  • der nächste Akten­berg auf ihrem Stapel landet…

Es muss nicht HEUTE sein. Und manchmal auch nicht morgen.

Wenn Sie doch mal „ja“ sagen, kenn­zeichnen Sie das „ja“ als Ausnahme und Sonder­fall. “Kommt nicht wieder vor, Chef.” Und unter­scheiden Sie eine echte Notsi­tua­tion von B‑und C‑Prioritäten.

3. Seien Sie im Urlaub auch wirk­lich uner­reichbar

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MS-Office

„Wo ist…?“ Als Chefin kann ich mich ganz schön aufregen, vor allem wenn ich etwas nicht sofort finde, wenn ich es haben will. Es gab Zeiten, da habe ich Mitar­beiter dann im Urlaub gestört.

Ich weiß, das ist mies, aber ich hab nicht darüber nach­ge­dacht. Die meisten Chefs sind ähnlich. Seitdem ich aber ein deut­li­ches „ich will nicht gestört werden“ zu hören bekommen habe, ist das nie mehr vorge­kommen. Ich trau mich nicht. Und das ist gut so. Aber wenn eine Mitar­bei­terin sagt „du kannst jeder­zeit bei mir anrufen“ bin ich auch geneigt das zu tun.… Sie sind der/diejenige, die Signale sendet…!

4. Gehen Sie auch nicht auf kleine Bitten ein

„Nur der eine Daten­satz noch! Dann sind wir fertig… Ist doch nicht mehr viel!“ Was so harmlos klingt ist ein Trick, der teils sogar bewusst genutzt wird. Lassen Sie sich auf den Daten­satz ein, können Sie danach gleich die ganze Daten­bank neu program­mieren. Denn das ist Prinzip: Der kleinen Bitte folgt eine große, und zack, ist der Fuss in der Tür. „Nur eine kleine Frage…“ – Sie erin­nern sich an meine Kolumne? Das ist ein bekanntes psycho­lo­gi­sches Phänomen, das sich „Foot in the door“-Prinzip nennt.

5. Dauer-Mails abschalten

Ich höre von Kunden, die 150 ernst zuneh­mende Mails am Tag bear­beiten müssen. Das ist furchtbar! Vor allem, wenn immer wieder etwas nach­kommt, wenn man das Post­fach dauer­haft offen hat und nie fertig wird. Ich schaue nur noch zwei Mal am Tag rein. Es kann auch mal sein, dass ich erst nach 10 Tagen auf eine Mail antworte, die nicht drin­gend ist. Wenn´s nicht früher geht, geht´s eben nicht.

Wer als Ange­stellter 150 Mails bear­beiten muss, hat diese Frei­heit oft nicht. Aber auch er/sie muss nicht ständig rein­schauen. Schon gar nicht außer­halb der Arbeits­zeiten.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Carolin 21. Februar 2014 at 9:01 — Reply

    So ist es!
    Ich habe diese Woche Donnerstag und Freitag Urlaub und am Mitt­woch um viertel vor sechs habe ich noch eine neue Aufgabe bekommen. Meine Reak­tion: “Mach ich dann Montag.” Da hat der Chef zwar kurz gestutzt, aber bestimmt nicht wieder­spro­chen.

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