Kate­go­rien

Tricksen, blöffen, über den Tisch ziehen: Wenn der Job Ihre miese Seite fordert

Published On: 29. Oktober 2010Cate­go­ries: Aktuell

Einmal erzählte mir eine Kundin, dass ein Perso­naler sich nach einem Stress­in­ter­view, in dem sie regel­recht demon­tiert worden ist, bei ihr entschul­digte. „Ich wollte das nicht, das ist Firmen­po­litik”, sagte er im Flur. So etwas ist leider keine Ausnahme.

Immer wieder spreche ich mit Kunden, die kreuz­un­glück­lich im Job sind, weil dieser Dinge von ihnen verlangt, die gegen persön­liche Werte und Prin­zi­pien verstoßen. „Man erwartet, dass ich blöffe – das halte ich nicht aus”. Oder. „Ich kann nur erfolg­reich sein, wenn ich die anderen austrickse und über den Tisch ziehe.“ Oft ist es nicht gegen geltendes Recht, was verlangt wird – aber gegen eigene Werte. Auch die besten Gehälter können an dem Unwohl­sein nicht ändern.  Meine These ist, dass die Zunahme frag­wür­diger Prak­tiken  eine Neben­er­schei­nung der globa­li­sierten Welt ist. Schließ­lich herr­schen überall auf dem Globus unter­schied­liche Wert­vor­stel­lungen. Und wer inter­kul­tu­rell tätig ist, einigt sich (oft) auf die kleinste Schnitt­menge gemein­samer Werte — wenn über­haupt.

Was tun, wenn Sie betroffen sind?

Wenn Sie keinen eigenen, authen­ti­schen Stil entwi­ckeln dürfen, weil das in Ihrem Unter­nehmen, Ihrer Branche oder Ihrer Abtei­lung so nicht gewünscht ist, hilft nur eins:

  • Werden Sie sich klar darüber, was genau Sie an dieser Tätig­keit stört.
  • Welche Werte und Prin­zi­pien leiten sich daraus ab?
  • Sind das Werte, die z.B. einer huma­nis­ti­schen Welt­an­schauung entspringen? (z.B. nicht über den Tisch ziehen wollen, mit offenen Karten spielen, jeden Menschen wert­schätzen).
  • Sind es Werte, die dem kate­go­ri­schen Impe­rativ nach Imma­nuel Kant entspre­chen? Sind es christ­liche Werte?
  • Oder sind es Werte, die der Persön­lich­keit entspringen und viel­leicht auch mit ihrer indi­vi­du­ellen Entwick­lung zu tun haben?  (z.B. nicht streiten wollen, den Wett­be­werb meiden)

Wenn es Werte sind, die eng mit der Persön­lich­keit verknüpft sind, so ist die Frage, ob eine Weiter­ent­wick­lung der eigenen Hand­lungs­mög­lich­keiten hilf­rei­cher sein kann als ein Jobwechsel. Wenn es über­ge­ord­nete Werte sind, so kann es nur einen Weg geben: raus. Nach Lutz von Rosen­stiel dürften es vor allem die Idea­listen sein, die sich derart unwohl fühlen, dass sie selbst höchste Gehälter dafür sausen lassen. Karrie­risten werden sich vermut­lich eher arran­gieren und darauf verweisen, dass ja alle so sind (und beispiels­weise “alle im Ausland Schmier­geld zahlen”).

Übri­gens höre ich oft von Grün­dern, dass sie sich selbst­ständig gemacht haben, weil sie die Unge­rech­tig­keiten, die Politik und Schaum­schlä­gerei nicht mehr ertragen konnten. Auch das ist eine Lösung.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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