Kate­go­rien

Wirt­­schafts-Mix-Studi­en­­gänge: Cock­tails mit Zukunft?

Published On: 6. März 2014Cate­go­ries: Führung

Oft wird Mix-Studi­en­­gängen bitter unrecht getan. Sie seien nichts Halbes und nichts Ganzes. Weder Fleisch noch Fisch. Dabei sind es ideale Studi­en­gänge für den kleinen Einstieg in die akade­mi­sche Lauf­bahn per Bachelor – und passend für die vielen inter­dis­zi­pli­nären Jobs, die so in Zukunft entstehen. Was gibt es im Mix-Bereich und wie aussichts­reich sind die Studi­en­gänge? Ein kleiner Rund­gang.

Wirt­schafts­in­for­matik und Wirt­schafts­in­ge­nieur­wesen

Beides sind Klas­siker, die in den letzten Jahren sehr vielen jungen Menschen den Einstieg in die Arbeits­welt erleich­tert haben. Denn der Vorteil eines Wirt­schafts­in­ge­nieurs (wie Wirt­schafts­in­for­ma­ti­kers) ist seine Kompe­tenz an Schnitt­stellen, etwa im Projekt­ma­nage­ment, wo es um tech­ni­sches und kauf­män­ni­sches Verständnis zugleich geht. Zwar wird das Fach­wissen nie so tief sein wie bei einem Voll-Infor­­ma­­tiker oder Voll-Inge­­nieur, jedoch ist das an den besagten Schnitt­stellen auch gar nicht nötig. Selbst im Finanz­wesen tech­ni­scher Unter­nehmen haben Wirt­schafts­in­ge­nieure noch einen Vorteil gegen­über reinen Betriebs­wirt­schaft­lern: Sie verstehen eben auch was von den Produkten. Das ist natür­lich gerade auch für Vertriebler und Marke­ting­leute ein Plus. Für Menschen, die sich nicht als mathe­ma­tisch begabt sehen, kann das Fach oft ein Kompro­miss  und Zuge­ständnis an MINT sein. Viel­leicht auch mit einer spezi­ellen Ausrich­tung auf E‑Commerce, wobei ich damit im Bachelor eher vorsichtig wäre.  Frühe Bran­chen­spe­zia­li­sie­rungen erleich­tern zwar schnelle Einstiege, können lang­fristig aber die eigenen Wahl­mög­lich­keiten  einengen.

Wirt­schafts­jura

Dieses Fach wird oft als „Juris­terei für Arme“ ange­sehen – oder für Menschen, die die Ochsen­tour durch die Staats­examina nicht schaffen. Tatsäch­lich ist der Einsatz­be­reich nicht ganz klar und nicht so eindeutig inter­dis­zi­plinär wie der der anderen Wirt­schafts­mix­fä­cher. Es fällt Wirt­schafts­ju­risten, so unsere Erfah­rung, etwas schwerer in der Arbeits­welt anzu­do­cken. Das liegt meiner Einschät­zung nach wesent­lich an einer konser­va­tiven Haltung der Jura-Lobby inklu­sive, die teils eine Form des Elite­den­kens frönt. Dass Wirt­schafts­jura aber weniger eine Konkur­renz für (Voll-)Juristen als viel­mehr für BWLer ist, wird wenig beachtet. Ich sehe den Vorteil des Einsatzes von Wirt­schafts­ju­risten vor allem dort, wo Gesetze und Vorschriften auch außer­halb der Recht­ab­tei­lung bestim­mend sind, etwa im Gesund­heits­wesen und in der öffent­li­chen Verwal­tung. Trotzdem, von allen Mix-Studi­en­­gängen, ist Wirt­schafts­jura der mit dem derzeit geringsten Allein­stel­lungs­merkmal und vermut­lich auch schlech­testen Verdienst­aus­sichten. Das könnte sich aber ändern.

Wirt­schafts­psy­cho­logie

Das Fach ist der Renner für alle, die sich für Zusam­men­hänge und Hinter­gründe mensch­li­chen Verhal­tens inter­es­sieren. Es ein inter­dis­zi­pli­näres Fach, das zum Beispiel eine gute Grund­lage für die Arbeit nahe am Menschen ist – ob als Konsu­ment oder Mitar­beiter im Unter­nehmen. Man lernt Grund­lagen der Psycho­logie, inklu­sive Statistik und Diagnostik, Basis­wissen rele­vanter Wirt­schafts­aspekte und des Rechts (fokus­siert auf rele­vante Aspekte wie Allge­meines Gleich­stel­lungs­ge­setz). Wer in den Perso­nal­be­reich will, ist damit oft bedient als mit dem Studium Perso­nal­ma­nage­ment. So hat sich Wirt­schafts­psy­cho­logie in den letzten fünf Jahren auch als nicht-konse­­ku­­tiver Master etabliert – es muss gar nicht einer der raren und oft ähnlich streng wie Psycho­logie zulas­sungs­be­schränkten Zugänge in den wenigen Bache­lor­stu­di­en­gängen sein.

Fazit

Gern werden die Mix-Studi­en­­gänge als Schmal­spur­ab­schlüsse disqua­li­fi­ziert. Warum? Das Wissen in einem drei- oder vier­jäh­rigen Bachelor ist ohnehin nicht auf Spezia­lis­tentum ausge­richtet. Hinzu kommt: Abtei­lungen lösen klas­si­sche Grenzen auf, es wird mehr und mehr über­grei­fend agiert. Gerade Menschen, die nicht genau wissen, wo es sie hinzieht, profi­tieren von mehr „Breite“ im Funda­ment ihrer Ausbil­dung.

MS Office

MS Office

In allen vier Mix-Studi­en­­gängen ist ein Berufs­ein­stieg nach dem Bachelor möglich, sofern die Prak­tika gut gewählt wurden.  Nach dem Bachelor können Sie  ein paar Jahre Erfah­rungen sammeln, bevor Sie sich dann weiter spezia­li­sieren – entweder mit MBA mehr in Rich­tung Manage­ment oder mit einem Master auf Science stärker in die Fach­ex­per­tise.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Chris­toph Burger 6. März 2014 at 8:46 — Reply

    Sehr schöner Artikel!

    Ergän­zend dazu: Erstens: Man sollte bei der Auswahl des Studi­en­gangs auf die konkreten Inhalte achten. Gut ist, wenn es später viele Jobs in verschie­denen Bran­chen gibt (es sei denn, man will ganz bewusst, ganz gezielt in genau die Branche und in keine andere). Beispiel: Ein Wirt­schafts­in­ge­nieur mit der Fach­rich­tung Medien, wie es ihn in Stutt­gart gibt, ist schon stark auf die Medi­en­branche ausge­richtet, trotz des allge­meinen Titels “Wirt­schafts­in­ge­nieur”. Das ergibt eine ziem­lich kleine Nische.

    Zwei­tens: Schnit­t­stellen-Bache­­lors beinhalten keine ausge­prägte Vertie­fung. Deshalb entscheiden die ersten Berufs­jahre über die beruf­li­chen Möglich­keiten fünf oder zehn Jahre später. Wenn der Job zu spezia­li­siert war, wird ein Wechsel eben­falls schwierig. Man sollte also bei diesen Schnit­t­stellen-Bache­­lors die Jobwahl noch etwas sorg­fäl­tiger angehen, als bei einem fach­be­zo­ge­neren Studium.
    Beste Grüße, cb

    • Svenja Hofert 6. März 2014 at 8:55 — Reply

      Sehe ich genauso. Trotz schnel­lerem Einstieg mit Spezia­li­sie­rung sollte man sich das gut über­legen.… denn Rucki­zucki ist man ein Spezia­list in und kommt nicht mehr raus. Karrie­re­le­bens­zy­klus geht dann schnell nach oben, aber auch flott nach unten, wenn das Markt­seg­ment schwierig ist. lG Svenja

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