Kate­go­rien

Gehalt verhan­deln: Verlangen Sie einfach mal 50% mehr – und setzen Sie auf Psycho­ef­fekte

Published On: 25. März 2014Cate­go­ries: Karriere

feet of fashionable girl lying in the hallwayStellen Sie sich vor, Sie würden einfach 50% mehr Gehalt fordern. Ihr Chef würde Sie für verrückt halten – oder doch für sehr toll­kühn. Doch danach zeigen Sie sich über­ra­schend koope­ra­ti­ons­be­reit und einigen sich auf 10%. Dieser im Vergleich zu vorher kleinen Forde­rung wird der Gute dann sicher zustimmen. Was haben Sie getan? Sie haben die Door-in-the-Face-Technik verwendet, die besagt, dass kaum jemand zu einer kleinen Forde­rung „nein“ sagen wird, wenn er zuvor mit einer großen Unver­schämt­heit konfron­tiert wurde. So lassen es jeden­falls Studien vermuten.

Es geht aber auch genau anders­herum: Sie bitten zuerst um eine Klei­nig­keit, etwa um die Weiter­bil­dung in Sachen Gehalts­ver­hand­lungen und kommen dann mit ihrem eigent­li­chen Anliegen um die Ecke – der Forde­rung nach einem dicken, fetten Audi A6.  Ach ja, fette Autos, das wäre ja letztes Jahr­hun­dert. Sie fordern natür­lich ein super­cooles E‑Bike. Ist aber ja auch eine große Sache im Vergleich zum kleinen Seminar. Die Foot-in-the-Door-Technik wurde eben­falls ausführ­lich unter­sucht und mehr­fach bestä­tigt. Wir kennen sie von Versi­che­rungs­ver­tre­tern und Zeitungs­ver­käu­fern.

Wie kann das funk­tio­nieren, fragen Sie sich? Bei der Door-in-the-face-Methode verur­sacht die erste, inak­zep­table Forde­rung ein latent schlechtes Gewissen und ein Verpflich­tungs­ge­fühl, das bei der zweiten, klei­neren Bitte wirksam wird. Diese ist man dann eher bereit zu akzep­tieren. Das liegt daran, so vermuten Wissen­schaftler, dass der Mensch dazu tendiert, eine klei­nere Hilfe­stel­lung zu leisten, wenn er zuvor etwas Größeres abge­lehnt hat. Das schlechte Gewissen mag hier eine Rolle spielen. Natür­lich haben Sie das von Anfang an geplant und verste­cken deshalb in der zweiten, klei­neren Bitte Ihr eigent­li­ches Anliegen. Mit 50% mehr haben Sie natür­lich nie gerechnet.  Bei der Foot-in-the-door-Methode tasten Sie sich mit dem kleinen Anliegen zum größeren. Das kleine – etwa dieses beschei­dende Seminar – war ja schon kein Problem, da kann man auch sagen: Haken an das Große!

Es exis­tiert auch eine so genannte Kombi­na­ti­ons­me­thode, bei der beide Prin­zi­pien wirksam werden. Hierbei wird zunächst die harte Forde­rung gestellt – mit deren Akzep­tanz niemand rechnet -, der die eigent­liche Ziel­an­legen und eine klei­nere Bitte folgt. Die Wahr­schein­lich­keit, dass der Chef bei der Kombi­na­ti­ons­me­thode  sowohl Ziel­an­liegen als auch der klei­neren Bitte zustimmt, ist noch etwas größer. Jeden­falls lässt dies eine Studie aus den USA vermuten, bei der es aller­dings nicht um Geld ging, sondern um Unter­stüt­zung für einen Zoo. Aber die grund­le­genden Psychome­cha­nismen sind vermut­lich ähnlich, egal welches Thema fokus­siert wird.

Die Kombi­na­ti­ons­me­thode ginge dann so:

Sie: „Chef, ich hätte gern 50% mehr Gehalt.“

Chef: „Sind Sie von allen guten Geis­tern verlassen!“

Sie: „Okay, 10% wären auch OK.“

Chef: „Na, da bin ich ja beru­higt. Machen wir.“

Sie: „Wäre auch ein kleines Verhand­lungs­trai­ning für mich drin? Habe hier eine Semi­nar­be­schrei­bung ausge­druckt…“

Chef: „Sie……! … Na gut.“

Zack, gleich zwei Sachen in der Tasche. Mit der Door- und der Foot-Methode können Sie nicht nur in Gehalts­ver­hand­lungen punkten, sondern überall im Leben, etwa in einer Part­ner­schaft: Wenn Sie dem Liebsten „androhen“ das ganze Leben mit ihm/ihr verbringen zu wollen und dieser etwas zurück­schreckt, wird die Akzep­tanz für die nächsten zehn Jahre („mindes­tens ein Jahr­zehnt, mein Schatz!“) vermut­lich höher sein als wenn Sie nicht mit dem dicken Zaun­pfahl des ganzen Lebens gewunken hätten.

Ich frage mich gerade, ob ich Sie bitten soll, mein Buch zu kaufen, damit Sie mein Seminar buchen oder ob ich mit dem Seminar anfange, damit Sie mein Buch kaufen. Eigent­lich würde ich ja, dass Sie alles kaufen… und dann noch dieses und jenes. Hm.

Achtung: Dieser Artikel beinhaltet Ironie.… Aber die drei Tech­niken gibt es wirk­lich… probieren Sie sie mal.

Hierzu passt mein Artikel über die Anker­me­thode – und natür­lich unser Kexpa-Kurs „Gehalt(voll) verhan­deln“.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Sabine 25. März 2014 at 8:56 — Reply

    Ich habe nur mal dumm geschaut, als ich die Door-Face-Vari­ante mit 2 Fort­bil­dungen gemacht habe und dann auf beide durfte 🙂

  2. Chris­toph Burger 26. März 2014 at 11:49 — Reply

    Beim Lesen gedan­ken­spa­ziert und über­legt: Die Gemein­sam­keit der drei beschrie­benen Tech­niken ist? Dass man es mehr­mals versucht. Worum auch immer es geht. Haupt­sache hart­nä­ckig. Viel­leicht sollte man mal weitere Psycho-Tricks auf diesen g‑Faktor hin unter­su­chen …
    Wenn das Ergebnis positiv wäre, klänge es nur leider nicht so anre­gend und geist­reich: “Egal, was kommt, dran­bleiben”.

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