Kate­go­rien

Was machen mit…? Karrie­re­check Natur­wis­sen­schaften

Published On: 16. April 2014Cate­go­ries: Führung
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„Ich will aber einen rich­tigen Beruf“, ist einer der meist­ge­le­senen Beiträge in meinem Blog im letzten Jahr gewesen. Das Thema treibt viele um, die etwas studieren möchten, was nicht direkt in einen Beruf führt. Der Medi­zin­stu­dent wird Arzt, der Maschi­nen­bau­stu­dent Inge­nieur? Aber der Mathe­ma­tiker? Wenn der nicht weiß, ob er Aktuar werden will oder viel­leicht doch Program­mierer, HR-Spezia­­li­­siert oder…?

Kann man etwas werden, wenn man eigent­lich nichts studiert hat, dass im Arbeits­leben einen festen Namen hat? Dieser Frage will ich mit einer neuen Reihe nach­gehen. In welche Posi­tionen und Funk­tionen führen Studi­en­gänge? Meine größte Hilfe ist Xing, da kann man Karriere schön nach­lesen. Den Anfang machen die Natur­wis­sen­schaften — die Big 4, die wir alle aus der Schule kennen.

Biologie – böser Natur­bube, der oft quer einsteigt

Es gibt gute und böse Natur­wis­sen­schaften. Biologie ist “böse”, dabei ist es das natur­wis­sen­schaft­liche Fach mit dem höchsten Frau­en­an­teil. Böse weil: Tradi­tio­nell ist die Biologie kein Karrie­re­turbo. Noch vor wenigen Jahren hockten viele Biologen in Arbeits­amt­kursen, um sich mit Tech­no­lo­gien wie „GIS“ vertraut und damit vermitt­lungs­fä­higer zu machen. Während man Physi­kern und Mathe­ma­ti­kern eine hohe Analy­se­fä­hig­keit und damit indi­rekt auch Intel­li­genz attes­tiert, ist die Wert­schät­zung für die Kompe­tenzen, die Biologen mitbringen, in der freien Wirt­schaft eher begrenzt.

Meine Xing-Recherche bestä­tigt das: Die promo­vierten Biologen, die Diplom-Biologen, die Masters und erst recht die Bache­lors hatten im Vergleich zu allen anderen Natur­wis­sen­schaften „schlech­tere“ Jobs, was ich an folgendem fest­mache:

  • Name und Größe des Unter­neh­mens (ein Johnson Controls ist karrie­re­re­le­vanter als Müller Media)
  • Rang und Status der Funk­tion (ein Consul­tant ist „weiter“ gekommen als ein Mitar­beiter Debi­to­ren­buch­hal­tung).

Inter­es­san­ter­weise finden sich in der Biologie viel weniger IT-Leute als in den Nach­bar­dis­zi­plinen Physik und Mathe. Die Quer­ein­stie­ger­quote ist dafür höher als in allen diesen Natur­wis­sen­schaften, auch als in der Chemie. Ich finde Perso­nal­be­rater, PR-Fach­­leute, Phar­ma­re­fe­renten, Rese­ar­cher und …. Mitar­beiter von Adler-Mode­­märkten und H&M.

Was empfehle ich Abitu­ri­enten? Gut und genau über­legen, wo Sie hinwollen, inter­es­sante Kombi­na­tionen und Mixfä­cher wählen, z B. Bioin­for­matik. Und, der beste Tipp: Praxis ist hier noch viel wich­tiger als in den anderen Fächern. Eher bei Fraun­hofer als bei Kentucky Fried Chicken jobben.

Chemie – Flei­ßiger Labor­könig, der einen sicheren Job hat, wenn er promo­viert

Meine Bezie­hung zur Chemie wurde gestört, als ich aufgrund eines zu hohen Quat­sch­­mach-Anteils in den Labor­raum verbannt wurde.  In meiner Familie sind promo­vierte Chemiker, aber… das Verhältnis ist durch dieses schu­li­sche Erlebnis noch immer gestört. Das mag der Grund sein, aus dem sehr viele Physiker, einige Mathe­ma­tiker und unzäh­lige Biologen in den letzten andert­halb Jahr­zehnten bei mir in der Bera­tung waren – aber nur eine kleine Hand­voll Chemiker. Alter­nativ liegt es am Arbeits­markt? Promo­vierte Chemiker wissen einfach, wo sie sich bewerben und sind anschei­nend nicht so quer­ein­stiegs­affin.

Apropos Promo­tion: Ohne Promo­tion, so zeigt auch der Xing-Check, wird es schwer mit der klas­si­schen Karriere. Die steht den Chemi­kern auch außer­halb der Labore offen: Bei Xing finde ich Rese­ar­cher, Patent­sach­be­ar­beiter, Produkt­ma­nager, Quali­täts­ma­nager und viele wissen­schaft­liche Mitar­beiter.

Aber keine Promo­tion zu haben scheint auch kein Drama mehr zu sein. Ich finde Master­ab­sol­venten auf klang­vollen Posi­tionen in renom­mierten Unter­nehmen. Aller­dings bleibt dann vornehm­lich der Bereich Projekt­ma­nage­ment und Vertrieb, Forschung und Entwick­lung braucht den Dr. (in anderen Fächern aller­dings auch). Quer­ein­stiege? Kaum zu finden.

Was empfehle ich? Gut über­legen, wo man später hinwill. Falls in Phar­ma­un­ter­nehmen in Alter­na­tiven denken: Hier scheint etwa Phar­ma­zeu­ti­sche Biotech­no­logie auch gut anzu­kommen (siehe Bio).

Mathe­matik: Flinker Denk-Allrounder, der alles werden kann

Die beruf­li­chen Möglich­keiten scheinen viel­fäl­tiger als bei Chemie — oder die Mathe­ma­tiker sind so, viel­sei­tiger (die alte Henne-Ei-Frage). Social-Media-VIP Robindro Ullah hat das Fach studiert. Und der TV-Koch Chris­tian Rach auch, aller­dings laut Wiki­pedia nicht bis zum bitteren Ende. Das sind ja schon mal buntere “Hunde”.

Bei der Xing-Recherche habe ich viele ITler gefunden, sowie einige Versi­che­rungs­ma­the­ma­tiker und Port­fo­lio­ma­nager sowie Risk Manager. Die wenigen Frauen unter dem Keyword „Diplom-Mathe­­ma­­tiker“ haben es weit gebracht: Head oft Stra­tegy oder Prin­ciple Consul­tant.

Quer­ein­stiegs­faktor: Laut Xing eher gering. Wenige der dort regis­trierten Mathe­ma­tiker arbei­teten komplett bran­chen­fremd wie Herr Ullah. Die beiden eingangs genannten „Promis“ sind mögli­cher­weise Ausnahmen.

Reicht der Bachelor? Könnte sein. Jeden­falls habe ich einige Bache­lore gefunden, die einen guten Einstiegsjob gefunden haben. Und die ganz flei­ßigen machen den Master einfach an der Fernuni Hagen weiter. Chapeau.

Was empfehle ich? Super, wenn Ihnen Mathe leicht fällt und Sie ohne viel Lernen zu den oberen 10% in ihrer Klasse gehörten. Sind Sie zusätz­lich kommu­ni­kativ, dürfte Ihnen vieles offen stehen. Siehe auch Physik.

Physik: Schlauer Schräg­kopf mit Sinn für Zusam­men­hänge

Physiker sind ganz beson­dere Typen, sagt man. Ich erin­nere ich mich an ein lang­haa­riges Zottel­tier, das vorne rumsprang und recht langsam sprach. Deja vu: Auch der Physik­lehrer meines Sohnes hat einen Hippie­style mit Rede­stil, den man nicht unbe­dingt als dyna­misch ansehen kann (man möchte TURBO drücken).

In der Praxis habe ich viele Physiker in der IT gesehen. Die waren turbo im Kopf und meist sehr klug — und reden können kann man lernen (wobei die jüngeren da viel besser sind). Sie haben ein gutes Verständnis für Zusam­men­hänge und Konzepte und denken oft theo­­re­­tisch-analy­­ti­­scher als beispiels­weise Chemiker und Biologen. Darin sind sie den Mathe­ma­ti­kern ähnlich.

Ich finde bei Xing weitaus mehr Consul­tants unter den Physi­kern als unter den Chemi­kern. Könnte sein, dass es an der größeren Zukunfts­ori­en­tie­rung im Denken und Abstra­hier­nei­gung liegt (das wäre NT im MBTI).

Was empfehle ich? Ich wünschte, es würde mehr reine Frau­en­stu­di­en­gänge geben, denn ich hatte hier Abbre­che­rinnen, die vor allem mit der männ­li­chen Domi­nanz nicht klar­kamen. Aller­dings ist die Abbruch­quote hier gene­rell hoch.

Passen Natur­wis­sen­schaften oder besser was anderes? Unser PersAss­ment - Dein Karriere-Asses­s­­ment bringt es ans Licht, gern auch in der Klein­gruppe mit Maja Skubella.

 

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Mathias Bauer 17. April 2014 at 11:21 — Reply

    Eine der wich­tigsten Fragen ist für mich, was will man über­haupt? Ange­stellt sein oder doch lieber selb­ständig machen? Im Bereich Chemie bekommt man häufig diese Fragen abge­nommen. Es ist klar, dass man später im Labor eines Unter­neh­mens arbeitet. Im Bereich Biologie sind diese Fragen nicht immer eindeutig zu beant­worten…

    Viele Grüße
    Mathias Bauer

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