Kate­go­rien

Das Schönste ist der Beginn: Wie „Menschen des Anfangs“ im Job über­leben

Published On: 14. Oktober 2014Cate­go­ries: Karriere

Stufen die zum Erfolg führenSind Sie ein Mensch des Anfangs? Schieben Sie gern Dinge an, halten Sie viel­leicht nicht alles, aber vieles für möglich? Bezieht sich Ihre größte Leiden­schaft immer auf den ersten Moment? In jedem Anfang liegt ein Zauber: Die Chance, Heraus­for­de­rung, das Uner­war­tete. Ich unter­scheide Menschen des Anfangs, Menschen der Mitte und Menschen des Endes. Jeder Anfang hat wie auch jede Mitte und jedes Ende verschie­dene Phasen. So steht am äußersten Ende die abso­lute, detail­ver­liebte Quali­täts­si­che­rung. Und am Ende des Anfang die Fähig­keit, sich für und gegen etwas zu entscheiden.

Menschen des Anfangs können sich vieles vorstellen, und inter­es­sieren sich auch für fast alles. Sie lang­weilen sich zu Tode, wenn Routine eintritt. Doch Menschen des Anfangs haben es im Berufs­leben oft schwer, so wie alle es schwer haben, die irgendwie „extremer“ sind. Das ist auch verständ­lich, denn keine Stärke kann für sich allein dauer­haft über­leben. Und so braucht jede Stärke eine Part­ner­stärke und es ist illu­so­risch zu glauben, man könne alle Stärken in einer Person fokus­sieren oder gar entwi­ckeln.

So sind Menschen des Anfangs sind nicht beson­ders gut darin, Dinge zu Ende zu machen, weshalb sie Partner und Teams brau­chen, die das über­nehmen. Das fordert aber von allen Seiten eine gewisse Lebens­weis­heit, die Menschen­kenntnis enthält. Denn die Dinge, die sie nicht tun, sind den Menschen auch nicht so wichtig. Und so können Menschen des Anfangs zu Meis­tern im Dele­gieren oder auch „Wegdrü­cken“ werden, weil sie laufend Möglich­keiten suchen, die für sie nicht so span­nenden Themen abzu­geben – an Menschen der Mitte (meist Orga­ni­sa­toren) oder des Endes (meist Quali­täts­si­cherer). Wenn das Wegdrü­cken in gewisser Über­heb­lich­keit erfolgt, kommt es im Arbeits­leben zu mehr oder weniger größeren, zwischen­mensch­li­chen Problemen.

Für Menschen des Anfangs ist Projekt­ar­beit eine gute Lösung, sofern die Projekte nicht zu lang sind und der Orga­ni­sa­ti­ons­fokus nicht zu stark ist. Mosa­ik­kar­riere klingt in ihren Ohren wie eine wunder­bare Verhei­ßung. Nicht das Leben lang fest­ge­na­gelt sein, sich immer wieder neu erfinden – nicht müssen, sondern dürfen. Würde man mit einem Persön­lich­keits­test fest­stellen wollen, was Menschen des Anfangs ausmacht, so würde es wahr­schein­lich ihre enorm große Offen­heit für neue Erfah­rungen sein sowie im MBTI die „Intui­tion“. Nach Barbara Sher sind es Scanner: Das sind Menschen, die ein sehr großes Inter­es­senspek­trum haben und die an einer Sache nicht sehr lange dran bleiben, weil sie schnell lang­weilig wird.

Menschen des Anfangs sind auch deshalb gute Unter­neh­mens­be­rater – aller­dings nur so lange, bis sie das „System“ durch­schaut haben. Als Zukunfts­for­scher sind sie auch gut aufge­hoben, nur gibt es da wenig freie Jobs. Blogs sind auch gut für Menschen des Anfangs, sofern sie nicht nur auf ein Thema fest­legen müssen, was marke­ting­tech­nisch aber sinn­voll wäre (was ihrem wirt­schaft­li­chen Erfolg im Wege stehen kann, nicht muss).

Menschen des Anfangs sollten etwas studieren, dass ihnen die Frei­heit lässt, alles zu machen. Sozi­al­wis­sen­schaften sind breit genug und bieten Berufs­flüs­sig­keit, Geis­tes­wis­sen­schaften, Wirt­schaft, Politik. Eine Lehre geht auch, aber eher abzu­raten ist von Sozi­al­ver­si­che­rungs­fach­an­ge­stellter und gene­rell allen Berufen, die wenn nicht für die Ewig­keit gedacht sind, so doch in höherer Berufs­fes­tig­keit münden. Da Menschen des Anfangs mit dem Alter oft ein großes Wissen ange­häuft haben, wären sie mögli­cher­weise gute Lehrer, vor allem wenn sie auch moti­vie­rend reden können. Aber sich einglie­dern in einen Betrieb, das wäre dann auch wieder nichts.

In meinen Workli­fe­style, der seit dieser Woche eine Marke ist, wären Menschen des Anfangs wahr­schein­li­cher Vertreter des dynamic styles, des flexi styles oder des better world styles. Ich lasse mich aber eines Besseren belehren, denn das ist nichts als eine persön­liche Hypo­these, deren Nach­weis ich noch nicht erbringen kann.

Es gibt für den Lebens­lauf kompa­tible und inkom­pa­tible Formen, den Anfang zu leben. Die inkom­pa­tible Form zeigt sich daran, dass nichts voll­endet wird, sondern alles nur ange­fangen. Auch der Anfang hat mindes­tens drei Phasen: ganz am Anfang, Mitte Anfang und Anfang am Über­gang zur Mitte.

Viele meiner Kunden, die Menschen des Anfangs sind – ist ihr „Problem“ augen­fällig, haben sie Sher gelesen und bezeichnen sich selbst als Scanner — sind über­rascht, wenn ich beichte, dass ich auch ein Scanner bin. Es wirkt nach außen nicht so, weil ich an den Dingen dran­bleibe und fast alles voll­ende. Die mitt­leren und letzten Phasen sind für mich aber weniger leicht. Ich sehe das Leben aber auch nicht als dauernde Spaß­ver­an­stal­tung, die nur dazu da ist, sondern auch darin, Komfort­zonen zu verlassen, weil nur das einen weiter­bringt (mein Artikel „Satte Löwen“ ist auch dieser Sicht geschuldet) – die Sicht ist nicht so Feel­­good-orien­­tiert.

Es gibt für Menschen des Anfangs einen Trick, am Ball zu bleiben. Die Kraft, Dinge zu beenden, kann man auch aus dem Blick auf den (neuen) Anfang schöpfen. Um ein Buch zu beenden, brauche ich das Wissen, danach kommt endlich etwas Neues! Das moti­viert. Nicht mein Name, nicht der „Ruhm“. Und auch nicht der Ausblick darauf, danach 1000 Vorträge zu halten, bei denen viel Geld aufs Konto wandert…. Es ist die Tatsache, dass ich endlich wieder ein Kapitel zuma­chen kann, um ein neues zu öffnen.

Nun noch ein paar Tipps. Wer unter seinem „Scan­nertum“ leidet kann es einmal so versu­chen:

  • Wenn Sie 1000 Möglich­keiten sehen, redu­zieren Sie diese auf drei und prio­ri­sieren Sie diese dann. Schreiben Sie diese auf. Kleben Sie gelbe, rote und grüne Punkte (bekommt man im Schreib­wa­ren­laden). Grün für „will ich unbe­dingt machen“„ gelb für „viel­leicht“, rot für „eigent­lich nicht“. Geht auch im Coaching. Sind mehr als drei grüne Klebe­punkte da, geben Sie sich selbst den Job, diese weiter zu sortieren.
  • Entscheiden Sie sich für eine Option, mit der Sie beginnen. Verein­baren Sie mit sich selbst, dass Sie alles andere ausklam­mern für den Zeit­raum X (den Sie ebenso fest­legen). Wenn Sie denken „wenn ich A mache, verpasse ich B“, sagen Sie sich, dass Sie so auch gleich da bleiben können, wo Sie gerade sind.
  • Wenn Sie sich nicht entscheiden und nicht handeln können, sehen Sie ein, dass Sie im Moment auch 777nicht entschei­dungs­fähig sind und suchen Sie keine Wunder bei anderen (viele Scanner haben einen enormen Coach­ver­schleiss). Gestatten Sie sich eine Nicht­ent­schei­dungs­phase, aber begrenzen Sie diese zeit­lich.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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2 Kommen­tare

  1. Susanne Gamm 14. Oktober 2014 at 18:34 — Reply

    Da habe ich mich mal wieder wieder gefunden. Auch ich bin ein Mensch des Anfangs, auch wenn ich vieles letzt­lich doch zu Ende bringe. Aber ich lang­weile mich schnell und nur aufgrund meines ausge­prägten Pflicht­be­wusst­sein bringe ich dann vieles noch zu Ende (weniges bleibt unvoll­endet, kommt aber auch mal vor).
    LG Susanne Gamm

  2. locke 6. Dezember 2014 at 6:59 — Reply

    Ich bin eher ein Mensch der 1000 Anfänge — macht einfach alles irgendwie Spaß und ist inter­es­sant 😀

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