Kate­go­rien

Was ist denn das für ein Typ? 6 Perso­na­lertypen im Vorstel­lungs­ge­spräch

Published On: 30. Oktober 2014Cate­go­ries: Mensch & Orga­ni­sa­tion

Da sitzt jemand mit Poker­face, der Sie einschüch­tert? Sie fühlen sich psycho­lo­gisch durch­leuchtet und wie auf der Couch? Perso­naler sind durch unter­schied­liche Schu­lungen und Ausbil­dungs­wege, teils auch durch Küchen­psy­cho­logie verschieden geprägt.

Unser Schnell­durch­lauf durch die Welt der Perso­naler:

Das Poker­face

Man making crazy gesture over white backgroundDas Poker­face ist ein Profi, der es über­treibt. Derzeit lernen Perso­naler dem Bewerber nicht zu spie­geln, ob sie eine Antwort gut oder schlecht fanden. Manche über­treiben das und schauen eiskalt drein. Dadurch versu­chen sie die Bewerber zu verun­si­chern, was meist bestens gelingt. Die Küchen­psy­cho­logie dahinter: Wer nicht weiß, was der andere denkt und fühlt, zeigt sich authen­ti­scher. Das ist nur bedingt stimmig: Unsi­chere Menschen sind so tatsäch­lich leichter aus dem Konzept zu bringen, doch sind diese dadurch nicht auto­ma­tisch unge­eignet für den Job. Wie verhalten? Wenn es extrem wird, ruhig anspre­chen: „Ich finde die Atmo­sphäre hier etwas kalt. Wie ist es denn in den Büros?“ Hier helfen de Tipps zum umge­kehrten Vorstel­lungs­ge­spräch in meinem Buch.

Der nette Onkel

Um Menschen zum Reden zu kriegen, ist das Poker­face kontra­pro­duktiv. Wer lächelt, bekommt mehr Infos, denn der Bewerber fühlt sich wohl und erzählt… Kurze Fragen, Reden lassen – so macht es der Profi. Ähnlich wie ein Coach.  Der Perso­naler scheint überall zuzu­stimmen. Da redet man doch gleich viel freier! Genau das ist die Falle: Natür­lich bildet sich der Perso­naler eine Meinung, aber wenn er gut ist, wird der Bewerber in keiner Weise spüren, welche. Deshalb haben viele Bewerber so ein gutes Gefühl nach Vorstel­lungs­ge­sprä­chen – und wundern sich über Absagen. Wie verhalten? Nicht in falscher Sicher­heit wiegen. Nur weil jemand lächelt, stimmt er nicht zu.

Der Tiefen­bohrer

Sie (oder er) fragt ganz genau nach, auch Privates. Das geht unter die Haut, wenn jemand unvor­be­reitet auf die Frage „was hat Sie fami­liär am meisten geprägt“ etwas sagen soll. Und dann diese Klein­tei­lig­keit mit der auch in der tiefsten Vergan­gen­heit gebohrt wird. Da fühlt man sich doch gleich wie auf der Couch. Aber so richtig auswei­chen kann man auch nicht. Hier kommt der Inter­viewstil nach Prof. Sarges zum Tragen. Sarges ist Autor des Buchs „Mana­ge­­ment-Diagnostik“. Und klar, mit diesem Stil bohrt man eher Führungs­kräfte auf. Wie verhalten? Grenzen setzen, wenn es zu weit geht. Entscheiden Sie, ob es den Perso­naler etwa angeht, wie lange Sie im letzten Jahr krankt gemeldet waren. Um ein Beispiel aus dem Fragen­ka­talog zu nennen. Bei Grnez­über­schrei­tung: „Das gehört aus meiner Sicht nicht hier hin.“

Der Analy­tiker

Hier fragt der Perso­naler sehr syste­ma­tisch und struk­tu­riert. Es wird nach Eigen­schaften, Verhalten und der Biografie gefragt. Das Verhalten wird auch mit zukunfts­ge­rich­teten Fragen erschlossen, wobei Situa­tionen geschil­dert werden und der Bewerber sagen soll, wie er vorgehen würde. Fragt ein Perso­naler so, ist er mögli­cher­weise im multi­mo­dalen Inter­view geschult. Das ist ein Inter­viewstil nach Schuler. Multi­modal heißt das Inter­view, weil die drei Bereiche der Eignungs­dia­gnostik Eigen­schaften, Verhalten und Ergeb­nisse berück­sich­tigt werden. Das Inter­view hat acht Phasen und wird auf Unter­nehmen und Ziel­gruppe hin konzi­piert. Wie verhalten? Mitma­chen. Das multi­mo­dale Inter­view hat eine sehr gute Progno­se­kraft.

Die Laber­ta­sche

Der Perso­naler hört sich selbst gern reden und im Grunde kommen Sie kaum zu Wort. Dieser Gesprächs­stil findet nach wie vor statt – und ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Weiter­bil­dung in diesem Unter­nehmen keine Rolle spielt. Besten­falls werden Fragen aus dem Perso­nal­hand­buch zitiert wie die berühmte nach den Stärken und Schwä­chen. Wie verhalten: Auf die Zähne beißen und über­legen, ob das Ihr Unter­nehmen ist. Mögli­cher­weise können Sie hier aber auch gute Basis­ar­beit leisten, z. B. in der Perso­nal­ab­tei­lung.

Der Lücken­su­cher

Ich war der Meinung, dass dieser Typ ausge­storben ist, doch belehrt mich ein aktu­elles Projekt eines Besseren. Meine Klienten begegnen dauern dem Lücken­su­cher, der auch nach einer einmo­na­tigen Arbeits­lo­sig­keit forscht als wäre diese ein Kapi­tal­ver­bre­chen. Ist im Lebens­lauf irgend­etwas nicht doku­men­tiert, fliegt der Bewerber sowieso raus. Wie verhalten? Brav antworten, zum Beispiel: „Wie lange haben Sie denn nach Ihrem letzten Job gesucht?“

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. Valen­tina Levant 30. Oktober 2014 at 15:24 — Reply

    Herz­li­chen Dank für diesen tollen Artikel, Frau Hofert!

    Mehr Verfechter des “umge­kehrten Inter­views”, war genau wonach ich suchte!
    Vor allem “ältere” Bewerber trauen sich noch nicht im Bewer­bungs­ge­spräch mehr für sich selbst einzu­setzen und syste­mi­sche sowie andere erkun­dende Fragen zu stellen. Dabei ist es genau die Abkür­zung zum passenden Job!
    Jetzt halte ich Ihr letztes Buch in der Hand, dass ich meinen Coachees nur empfehlen kann!

    Vielen Dank für diese wert­volle Arbeit!

    Valen­tina Levant

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