Kate­go­rien

Lieber Gott, bitte gib uns eine Krise!

Published On: 19. Januar 2011Cate­go­ries: Karriere

Wann haben Sie sich Sie eigent­lich das letzte Mal so richtig radikal verän­dert? Nicht einfach weiter entwi­ckelt – sich weiter entwi­ckeln, das kann jeder. Ich meine: einen rich­tigen Schnitt gemacht. Wahr­schein­lich war es nach einer Krise. Es ist so gut wie immer eine Krise, die uns aufweckt. Die Finanz­krise. Der Jobver­lust. Das Bezie­hungs­ende. Burnout. Irgend so etwas.

Deshalb sind Krisen toll, im Ernst. Es ist schlimm, gerade drin­zu­ste­cken, aber ein Haupt­ge­winn, wenn Sie aus dem Tal den Berg hoch­steigen (wie war das mit Phoenix…aus der Asche). Seitdem ich letzte Woche auf der Ausstel­lung „Darwin meets busi­ness“ im Zoolo­gi­schen Museum in Hamburg war, fühle ich mich in dieser Einstel­lung natur­wis­sen­schaft­lich bestä­tigt. Und ich bedanke mich bei Dr. Feld­meier für die Einla­dung und vier­kom­ma­fünf neue Erkennt­nisse.

In der Ausstel­lung ist die Kieß­­ling-Kurve ausge­stellt. Sie zeigt, dass nach Krisen immer etwas Neues entstanden ist: Arten sind­aus­ge­storben, neue (anpas­sungs­fä­hi­gere z.B.) sind entstanden, oft mehr als vorher von der Erde verschwunden sind. So ähnlich ist es in der Wirt­schaft. Erst nach Krisen, kann etwas revo­lu­tionär Neues entstehen.  Deshalb war die Finanz­krise wohl nicht schlimm genug; ich sehe nichts Neues.

Im Mikro­kosmos des eigenen Berufs­le­bens ist es ganz genauso: Es braucht eine Kündi­gung, einen Burnout, ein einschnei­dendes Erlebnis – andern­falls bewegen wir uns nicht. Kommt kein „Knall“, die Krise eben, werden wir immer nach Weiter­ent­wick­lung suchen, an Altem anknüpfen wollen. Das ist der Grund, aus dem so viele Neuori­en­tie­rungen im Beruf nach der ersten Phase, einem tollen Seminar oder einem neuen Impuls stecken­bleiben: In freier Abwand­lung von Barbara Shers Wish­craft (der Mutter aller Traumjob- und Neuori­en­tie­rungs­wellen) möchte ich es so formu­lieren: „Ich könnte alles machen, wenn ich nur so eine wunder­bare Krise hätte.“

Neulich schickte mir ein Kunde vier Jahre nach dem Coaching eine Dankes­mail; so lange hatte es gedauert, bis er unsere Gedanken umsetzen konnte. Vorher war es immer wieder zu bequem gewesen. Lang­weilig, aber ohne Hand­lungs­druck. Das ist nur logisch: Warum soll ein ganzes System ändern, wenn es doch halb­wegs funk­tio­niert? Wieso soll ich mutige, aber immer unsi­chere neue Schritte gehen, wenn ich es warm und sicher habe?

So lange die Dinge funk­tio­nieren, ändern wir nichts oder nur wenig. Radi­kale Sprünge kommen immer erst nach tiefen Krisen. Deshalb ist ein Leben ohne Krisen lang­weilig. Lauter verpasste Chancen. Auf zur Krise!

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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One Comment

  1. […] Umori­en­tie­rung erkannt – das ist meist zu wenig für  große Schritte, siehe mein Artikel über Krisen. Ist die Unzu­frie­den­heit in diesem erträg­li­chen Bereich, braucht es manchmal einfach nur ein neues […]

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