Kate­go­rien

Agile Karrie­re­pla­nung: So planen Sie heute Ihre beruf­liche Zukunft

Published On: 3. Februar 2018Cate­go­ries: Karriere

Wie plant man heute seine Karriere? Geht Planen über­haupt in so einer digi­talen, vola­tilen Welt? Und wenn ja, was muss man dabei beachten?

Karrie­re­pla­nung mutet als Begriff erst einmal altmo­disch an. Das hat man doch früher getan, mögen Sie viel­leicht sagen. Damals, als alle Schritte aufein­an­der­folgten: Schule, Studium oder Ausbil­dung, Lehr­jahre (die keine Herren­jahre sein sollten), beruf­li­cher Aufstieg erste Phase, Fami­li­en­pla­nung, beruf­li­cher Aufstieg zweite Phase. Und mit 40 musste man es in eine Führungs­po­si­tion geschafft haben! Nur etwas folgte nicht oder kam erst sehr spät: Die Suche nach sich selbst, nach Sinn.

Diese, das ist meine Beob­ach­tung, kommt nun immer früher. Teils beginnt sie schon im Studium. Ganz neu ist aber auch das nicht: An alter­na­tiven Karrieren orien­tierte Perso­nen­gruppen gab es auch schon immer. Nur war für diese das Thema Sinn noch nicht so groß und global. Es gab Tscher­nobyl und den kalten Krieg, aber der Rest der Welt war irgendwie weiter weg als heute. Bedro­hung ist heute näher, aber sie fühlt sich ganz anders an – normaler. Das macht etwas mit Menschen und ihrem Verhältnis zu Leben und Beruf, welches Wort das am besten beschreibt, darüber bin ich mir selbst noch nicht ganz im Klaren. Viel­leicht hat es etwas mit dem „Agilen Mindset“ zu tun, meinem aktu­ellen Buch, das ziem­lich schnell in den Verkauf­scharts hoch­ge­schossen ist. Ganz sicher hat es mit einer verän­derten Wahr­neh­mung zu tun: Es geht auch in der Karrie­re­pla­nung darum, sich kurz­fristig in komplexen Umge­bungen zurecht­zu­finden. Das Zeit­alter der agilen Karrie­re­pla­nung ist ange­bro­chen.

Status­streben sieht heute anders aus, ist aber nicht weg

Etwas ist auch noch anders: Die Führungs­po­si­tion hat ihre Attrak­ti­vität verloren, man ist offener für Auszeiten und tole­ranter gegen­über Lücken. Gleich ist aller­dings das Streben nach Geld, die Summen sind aber ganz andere. Digi­tal­kö­nige und begabte Silicon-Valley-Pendler – nicht zufällig weit über­wie­gend männ­lich — räumen ab und brau­chen dafür keine Führung. Gleich­ge­blieben ist: Es geht um Status, darum, sich abzu­heben. Das kann man so und so machen. Status ist relativ, er bedeutet ledig­lich, dass man nicht gleich sein will. Abgrenzen kann man sich auf mannig­fal­tige Art.

Wenn ich mit jüngeren Menschen spreche, stelle ich manchmal fest, dass ich weniger tradi­tio­nell denke als sie. Das erin­nert mich daran, dass Persön­lich­keit doch eine große Rolle spielt und gesell­schaft­liche Trends sich dieser oft eher anpassen als umge­kehrt.

Wie früher suchen auch heute viele Anker, beruf­liche Sicher­heit, durchaus auch in frei­be­ruf­li­chen Feldern und als digi­tale Nomaden.

Das Streben ist auch ähnlich wie Früher: Man will die Dinge rich­tig­ma­chen, rich­tige Entschei­dungen treffen. Natür­lich wissen die meisten Menschen, dass es „richtig“ nicht gibt. Das auch zu fühlen, also wirk­lich zu verar­beiten, fällt schwer.

Korrek­turen der Karriere sind kompli­zierter, obwohl sie leichter sind

Meiner Beob­ach­tung nach ist das Korri­gieren von einmal einge­schla­genen Wegen sogar schwerer, bzw. kompli­zierter geworden ist. Kompli­ziert meine ich, weil es so schwer ist, zu erkennen, was möglich ist. Viel schwerer als je zuvor.

Dabei bietet die Akade­mi­sie­rung viele Chancen. Mir scheint aber, dass es immer noch vor allem bestimmte Persön­lich­keiten sind, die sich problemlos immer wieder neu erfinden. Für die meisten fühlt es sich so an: Wenn ich durch die eine Tür gehe, fällt die andere zu oder sie bleibt gefühlt verschlossen. Es ist auch viel schwerer geworden, durch neue Türen zu sehen, weil die Aufschriften nicht mehr stimmen. Marke­ting ist heute ein Tech­nikjob, Vertrieb wird mehr und mehr digital, inter­net­ba­siert und persön­lich­keits­ori­en­tiert. Vertriebler arbeiten zusammen, es ist nicht mehr notwen­di­ger­weise ein Einzel­kämp­fer­feld. So ist es überall, auch Finance verän­dert sich im Moment radikal.

Karrie­re­pla­nung wird agil

Kurzum: Berufs­bilder entstehen, verschwinden und trans­for­mieren sich, Themen kommen dazu und immer schon vorhan­dene Phäno­mene verän­dern ihr Aussehen. Die Grund­struktur jedoch bleibt gleich. In meiner Ausbil­dung „Karrie­re­ex­perte Profes­sional“ verwende ich ein Karrie­re­le­bens­pha­sen­mo­dell, das ich unten im Video in 3,5 Minuten vorstelle.

Karrie­re­pla­nung ist also nach wie vor sehr stark abhängig von der jewei­ligen Phase. Sie ist erheb­lich anspruchs­voller und klein­tei­liger geworden. Gerade in der Karrie­re­phase brau­chen Coachees jemanden, der auch viel Arbeits­­markt-Know-how mitbringt. Denn ich meine, dass man nicht alles der Recherche der Klienten über­lassen kann. Es hilft, wenn ein Karrie­re­be­rater kompe­tent zu struk­tu­rieren vermag und Ideen einbringen kann.

Karrie­re­pla­nung ist auch agiler geworden. Die itera­tive Vorge­hens­weise bietet sich auch hier an: Entwickle einen minimal funk­ti­ons­fä­higen Karrie­re­pro­to­typen und verän­dere ihn mit deinen Erfah­rungen. Karrie­re­pla­nung ist weiterhin auch koope­ra­tiver, setzt mehr auf Schwarm­in­tel­li­genz. Es macht Sinn, sich den Anstoß bei einem Karrie­re­coach zu holen, aber in einer Working-Out-Loud-Gruppe steigt die Wahr­schein­lich­keit der Umset­zung. „Working Out Loud ist eine einfach Methode, um rele­vante Arbeits­be­zie­hungen aufzu­bauen, die dabei helfen, ein Ziel zu errei­chen oder neue Themen zu entde­cken“, so Erfinder John Stepper. Ich sehe es auch als eine zeit­ge­mäße Weiter­ent­wick­lung der Life­­Wor­k­­Plan­­ning-Methode

Die Methoden der Karrie­re­pla­nung ändern sich

Es verän­dern sich also die Rahmen­be­din­gungen und die Menschen passen sich in ihrem Sinn­emp­finden und ihren Vorge­hens­weisen diesen an. Die mensch­li­chen Bedürf­nisse jedoch bleiben gleich oder sehr ähnlich. Sie diffe­ren­zieren sich einfach weiter aus, das heißt, was eigent­lich steigt ist die Komple­xität. Es gibt nicht mehr nur das eine, sondern das ein, das andere und etwas Drittes.

Ich will diese Entwick­lung hin zu einer Ausdif­fe­ren­zie­rung von Themen im Bereich Karriere einmal im chro­no­lo­gi­schen Zeit­ver­lauf am Beispiel Stärken skiz­zieren:

  • 1990 waren Stärken gar kein Thema. Es gab keine fast keine Bewer­bungs­bü­cher und ins Vorstel­lungs­ge­spräch ging man, wie man war. Karrie­re­pla­nung hatte nur mit Berufs- und Aufstiegs­pla­nung und entspre­chender Quali­fi­ka­tion zu tun, persön­liche Aspekte spielten kaum eine Rolle.
  • 2000 trai­nierte man für Vorstel­lungs­ge­spräch, ein Haufen Bücher hatte den Markt über­schwemmt. Das Bewusst­sein für „Stärken und Schwä­chen“ war auch über zahl­reiche Ratgeber geweckt. In der dama­ligen Stel­len­ab­bau­welle mit dem Einbruch der New Economy, stieg die Bedeu­tung für das Thema Selbst­dar­stel­lung. Es mixte sich mit Quali­fi­ka­tion.
  • 2010 war Social Media Trend geworden, man hing seine Stärken in Netz­werken aus und wird seit einigen Jahren von Linked in deren Liste der belieb­testen Begriffe belehrt, doch nicht immer die glei­chen Worte zu verwenden… Das neue Karrie­­re­­pla­­nungs-Thema war Vernet­zung. Es mischte sich mit Selbst­dar­stel­lung.
  • 2018 ermit­teln Apps und Tools die Stärken inter­net­ba­siert und oft ohne dass Bewerber und Kandi­daten das wissen (siehe meinen letzten Artikel über Crystal­knows). Solche Persön­­lich­keits­a­na­­lyse-Tools gibt es inzwi­schen auch firmen­in­tern. Meine These ist, dass Bewerber in Zukunft Zeit dafür aufwenden müssen, die hier aufge­stellten Thesen über sie zu belegen oder zu wider­legen. Dazu brauche es im wahrsten Sinn Selbst-Bewuss­t­­sein. Das neu dazu gekom­mene Karrie­­re­­pla­­nung-Thema wird Refle­xion sein. Es macht die vorhe­rigen Themen indes keines­wegs über­flüssig. Sie gehen darin auf.

Planung beru­higt. Wer etwas plant, hat ein Ziel. Er weiß, worauf er hinar­beitet. Heute ist dieses Ziel aber nicht mehr in weiter Ferne, sondern oft ganz nahe.  Es kann auch mehrere Ziel­ebenen geben, kurz- mittel und lang­fristig. Was in der Arbeits­welt passiert bildet sich hier ab: Plan den nächsten Schritt, aber löse dich von allzu festen lang entfernt liegenden Zielen. Auf geht´s.

Und hier für Inter­es­sierte mein Karrie­­re­­le­­bens­­phasen-Video:

Sie sehen gerade einen Platz­hal­ter­in­halt von YouTube. Um auf den eigent­li­chen Inhalt zuzu­greifen, klicken Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Dritt­an­bieter weiter­ge­geben werden.

Mehr Infor­ma­tionen

Beitrag teilen:

Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

Folgen Sie mir gerne auf Youtube und wenn Sie nichts verpassen wollen auch bei Linkedin.

 

One Comment

  1. Hendrik Feist 21. Dezember 2018 at 13:59 — Reply

    Halo Frau Hofert, ich freue mich auf Ihren News­letter.

    Viele Grüße

    Hendrik Feist

Leave A Comment