Kate­go­rien

Manage­ment 3.0: Der Hype um bunte Bilder — und worum es wirk­lich gehen sollte

Published On: 8. Februar 2018Cate­go­ries: Führung

Was ist Manage­ment 3.0? Es ist eines dieser Zauber­wörter im agilen Kontext, hinter dem manche sich ulti­ma­tive Lösungen und revo­lu­tio­näre Bewe­gungen vorstellen. Schaut man hinter die Kulissen, ist das rasch entzau­bert. Manage­ment 3.0 ist ein Sammel­su­rium bunter Tools, von denen keines wirk­lich neu ist.

Schauen wir uns einmal die Defi­ni­tion an, die die Website Management30.com gibt:

“Manage­ment 3.0 is a move­ment of inno­va­tion, leader­ship and manage­ment. Manage­ment 3.0 is rede­fi­ning the defi­ni­tion of leader­ship with manage­ment as a group respon­si­bi­lity. It’s about working toge­ther to find the most effi­cient way for a busi­ness to achieve its goals while main­tai­ning the happi­ness of workers as a prio­rity.”

Im Buch “Das agile Mindset” ist es eines meiner Anliegen, Lesern die Bedeu­tung eigener Grund­an­nahmen bewusst zu machen. Welche Annahme liegt beispiels­weise einem Führungs­prinzip zugrunde? Gibt es Belege dafür, dass die Annahme stimmt? Könnte es auch anders sein?

Im Zitat geht es um „Happi­ness of workers“, die erhalten werden soll, wenn ein Unter­nehmen Busi­ness Ziele anstrebt. Welche Busi­ness Ziele genau? Ist es Unter­neh­mens­er­folg? Es gibt meines Wissens keine Belege, dass Glück in Verbin­dung mit Unter­neh­mens­er­folg steht.

Folgt die nächste Frage: Ist es aber die Aufgabe von Unter­nehmen, Menschen glück­lich zu machen? Völlig in Ordnung, wenn jemand das mit „Ja“ beant­wortet – aber er oder sie muss wissen, warum und was ihn oder sie dahin­führt. Zum einen sollte er sich Gedanken machen, ob sich das verall­ge­mei­nern lässt, ob dahinter also wirk­lich ein die Entschei­dungen leitendes Prinzip stehen kann.

Zum anderen ist es die Frage des Schlusses, der mit den Manage­ment 3.0‑Tools implizit gezogen wird: Nämlich dass es diese Tools seien, die dem Glück der Arbeiter Vorschub leisten. Für mich stellt sich das alles etwas zu eupho­risch und als gute Marke­­ting-Idee dar. Und schaut man sich die Betreiber der Platt­form an, dann liegt der Schluss nahe, dass der Faci­­li­­tator- und Work­­shop-Verkauf eine wesent­liche Rolle spielt. Das ist legitim und gut gemacht.

Bei Team­works setzen wir das Dele­ga­tion Board und die Dele­ga­tion Poker­karten auch gele­gent­lich ein. Für mich sind also nicht die Tools das Problem, sondern deren Einsatz und damit verbun­dene Marke­ting­ver­spre­chen.

Leader­ship braucht Köpfe und keine Tools

Oft werden diese Tools aber nicht als eine Möglich­keit offe­riert, die in manchen — nicht allen — Kontexten Sinn macht, sondern als Key Elemente der agilen Führung. Für alle, die mit Führung bereits vorher zu tun hatten, sind sie indes über­haupt nichts Neues. Zu den Mana­ge­­ment-30-Errun­­genchaften gehört etwa Dele­ga­tion Poker, ein Spiel, das auf dem Dele­ga­tion Board.  Dieses verbild­licht verschie­dene Stufen der Dele­ga­tion, die auf Führungs­mo­dellen beruhen, die Hersey und Blan­chard seit 1977 bekannt gemacht haben. Ihre Theorie ist auch als Kontin­genz­theorie bekannt.Sie unter­scheidet Reife­grade von Mitar­bei­tern. Auch sie kennt Stufen, etwa “tell” und “dele­gate”, die auch im Manage­ment 3.0‑System auftau­chen.

Die Theorie des situa­tiven Führens ist aber auch kräftig umstritten, da es bis heute keine trag­fä­higen wissen­schaft­li­chen Belege dafür gibt, dass es erfolg­reich ist. Einzig ein Zusam­men­hang der Wirk­sam­keit sach­ori­en­tierter Führung in einfa­chen und der kolle­gialen Führung in komplexen Kontexten ist belegt. Geht es über­haupt um Stil? Das Projekt Aris­to­teles von Google deutet darauf, dass etwas anderes Teams erfolg­reich macht: Respekt und Wert­schät­zung waren erfolgs­re­le­vante Größen für Teams.

Die Stufen im Manage­ment 3.0 nennen sich tell, sell, consult, agree, advise, inquire, dele­gate. Letztes ist die “agilste” Stufe: Hier mischt sich die Führungs­kraft nicht ein und lässt das Team entscheiden. Das ist eine wert­volle Hilfe, vor allem wenn man das Team einbindet und unter­schied­liche Stufen fest­legt und diese auf einem Flip­chart visua­li­siert. Und wenn sich die Führungs­kraft und die Mitar­beiter daran­halten, es also keine störenden double bind-Botschaften gibt. Es fehlt aller­dings das Über­tragen von voller Verant­wor­tung — das ist mehr als Dele­gieren.

Hier­ar­chie­lo­sig­keit ist eine Illu­sion

Fort­ge­schrit­tene merken jedoch schnell die Grenzen: Erstens ist Führungs- und Unter­neh­mens­er­folg nach­weis­lich mit der Inte­grität der führenden Person verbunden, also mit Charakter. Das ist Mindset und kein Tool. Daraus ergibt sich die Frage, wie Tools von jemand ange­wendet werden sollen, der das passende Mindset nicht hat. Ich habe unter dem Deck­mantel „Agilität“ Dinge gesehen, die mich erschau­dern ließen. Da wurde Hier­ar­chie durch Prozesse hoch­ge­fahren und die eigene Entschei­dungs­un­fä­hig­keit ins Laisser-faire 3.0 à la „wir sind ja agil, da muss ja jeder selbst entscheiden“ verla­gert. Wie geht es Mitar­bei­tern damit? Und dem Unter­nehmen? Hier­ar­chie­lo­sig­keit ist eine Illu­sion, der nicht mal Startups folgen. Je mehr Selbst­or­ga­ni­sa­tion, desto mehr norma­tiver Rege­lungs­be­darf.

Über­haupt: Mitar­beiter werden nie über eine Methode spre­chen, sondern immer nur über den Charakter der Führungs­person. Mindset ist Dreh- und Angel­punkt bzw. dessen Auswir­kungen. Einfach laufen lassen, so wird „dele­gate“ nicht selten inter­pre­tiert, ist keine Lösung. Schließ­lich reiben sich Teams in fast jedem Unter­nehmen an Schnitt­stellen, stehen zwischen Inter­essen — und brau­chen Menschen immer jemanden, der ihnen den Weg zeigt oder weist. Benö­tigen Unter­stüt­zung bei der Selbst­füh­rung, in Konflikten, die einen mehr, die anderen weniger. Wo diese Führung nicht ist, brau­chen Sie Normen (Prin­zi­pien) und Struk­turen. Auch Kommu­ni­ka­tion muss inte­r­ativ betrachtet werden.

Schließ­lich ist es so wie immer mit Methoden: Allein sind sie eine leere Hülle. Ich habe oft genug gesehen, wie etwas instru­men­tell ange­wendet worden ist – ohne Herz, ohne Kopf. Jede Idee, Methode und Inter­ven­tion kann ins Absurde gezogen werden, oft ohne dass die Personen selbst etwas merken.

Wert­schät­zung ist gut, aber sättigt auch

Zu den Manage­ment 3.0 Tools gehören Kudos-Karten. Das sind bunte Post­karten, auf denen der Manager seine Wert­schät­zung ausdrü­cken kann. Es gibt Key Note Speaker, die darüber 45 Minuten reden können. Sie spre­chen auch von der Bedeu­tung von Perso­na­lity Maps – noch etwas für aus dem Manage­ment 3.0‑Koffer — und dass man die Mitar­beiter wirk­lich kennen muss. Bezie­hungen über alles!

Ja, Wert­schät­zung ist wichtig, höflich, gehört dazu. Wir alle brau­chen Aner­ken­nung. Doch die Dosis macht es – und das Umfeld sowie die agie­renden Personen. Es gibt genü­gend Beispiele für Unter­nehmen, die Feed­back vor allem auch als Kritik inter­pre­tieren und damit nicht falsch liegen – Ray Dalio vom Hedge Fonds Bridge­water hat mit seinem Best­seller „Prin­ci­ples“ einen Kontra­punkt zur vor allem auf Koope­ra­tion ausge­rich­tete „Manage­ment 3.0“-Bewegung gesetzt. Noch mal: Es geht um Unter­neh­mens­er­folg. Der ist nicht an bestimmte Stile gefunden. Viel­mehr hilft eine bereichs­be­zo­gene Betrach­tung und die Ambi­dex­trie: Der inno­va­tiven Teil des Unter­neh­mens muss anders geführt werden als die Routi­ne­ar­beiter. Und wenn man beides kombi­niert, muss auch die Führung das spie­geln. Zuerst aber braucht es dafür Leader, die Ambi­guität und Dialektik denken können.

Noch mal zu Dalio: Der Mann jagt Moor­hühner und Groß­wild, das macht ihn nicht zum Sympa­thie­träger. Aber er ist klar und eindeutig auf der anderen Seite der wert­schät­zenden Koope­ra­tion – und agiert dort genauso einseitig (wenn auch klar) wie ein Teil der New Work-/Augen­­höhe-Bewe­­gung. Es ergibt sich gar kein struk­tu­reller Unter­schied, obwohl Welten zwischen einem Ray Dalio und New Work-Propheten zu liegen scheinen.

Prin­zi­pi­en­ori­en­tie­rung und entwick­lungs­be­zo­genes Feed­back helfen mehr

Dalio macht klare Ansagen, sorgt für knall­harte Offen­heit, entscheidet schnell handelt nach eindeu­tigen Prin­zi­pien. Man mag von ihm und Bridge­water halten (ich selbst hasse deren Short-Atta­­cken!) , was man will – er ist damit erfolg­reich. Und der Stil passt zu dem Haifisch­be­cken, in dem er sich bewegt.

Prin­zi­pien sind auch Mana­ge­­ment-Grun­d­lage im agilen Kontext. Mir haben Mitar­beiter von Unter­nehmen, die von einer eher kriti­schen und anspruchs­vollen Persön­lich­keit geführt worden, gesagt, dass sie unheim­lich viel gelernt haben. Auch wenn deren Prinzip war “nichts gesagt ist genug gelobt”. Andere sagen, dass nichts sie so sehr entwi­ckelt hat, wie direktes, klares und wert­­schä­t­­zend-entwick­­lungs­­­be­­zo­­genes Feed­back.  Chefs, die nach Prin­zi­pien handeln, die dem kate­go­ri­schen Impe­rativ von Kant nahe­stehen, sind auto­ma­tisch integer und in sich schlüssig.

Kudos-Karten entwi­ckeln viel­leicht eine zeit­weise Moti­va­tion, aber sie werden bald wie Scho­ko­lade sein. Sie können das nicht oft wieder­holen, irgend­wann wird der größte und persön­lichste Dank fade. Das ist wie mit 100 Liebes­briefen, die Sätti­gung tritt irgend­wann ein. Hinzu kommt, dass Menschen unter­schied­lich ticken und in unter­schied­li­chen Entwick­lungs­phasen auch Verschie­denes brau­chen: Manche (die mit hoher Selbst­a­ner­ken­nung) brau­chen keine Watte um Worte, andere (die mit starkem Need nach Fremd­a­ner­ken­nung) sehr wohl. Das hat ganz wesent­lich mit der Kultur und der fami­liären Prägung zu tun. Sich diese Dinge bewusst zu machen, bringt weiter als jedes Tool.

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Über Svenja Hofert

Ich bin Expertin für die Arbeits­welt der Gegen­wart und Zukunft, und das schon seit einer halben Ewig­keit. Ich coache bei Verän­de­rung, spreche über das, was Verän­de­rung mit uns macht und berate an Wegga­be­lungen. Als Unter­neh­merin habe ich immer wieder erfolg­reich gegründet, aktuell meine Akademie der Verän­de­rung.

Weiter­denken ist dabei mein Motto: Immer etwas aktu­eller, etwas poin­tierter, etwas tief­sin­niger und prag­ma­tisch voraus­schauend.

Viel­leicht kennen wir uns…

… aus dem Bücher­regal, denn seit 1998 habe ich rund 30 Bücher geschrieben, die in bis zu 8 Auflagen erschienen sind.

Als Kolum­nistin  schrieb ich DER SPIEGEL oder  WELT bilanz, aktuell habe ich beim Psycho­logen-Fach­blatt „Wirt­schafts­psy­cho­logie aktuell“ eine regel­mä­ßige Kolumne. Man findet meine Inter­views zudem im TV sowie in bekannten Medien von ZEIT bis FAZ.

Diesen Blog betreibe ich seit 2006, meinen Podcast gibt es seit 2023. Mit meiner Sonn­tags­ko­lumne WEITERDENKEN bei Substack und mehr als 4.000 Abon­nenten gehöre ich zu den meist­ge­le­senen deutsch­spra­chigen Autoren auf dieser Platt­form.

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9 Kommen­tare

  1. Gilbert 8. Februar 2018 at 14:01 — Reply

    Inter­es­santer Artikel, danke dafür! Ich glaube, die Botschaft Führung beruht auf Mindset ist unheim­lich wichtig. Im agilen Kontext ist es doch aber schon so, dass die Führungs­kraft eben kein Manager ist und sich aus dem “Wie” der Arbeit raus­hält und statt dessen über­ge­ord­nete Ziele setzt, der Vision Leben einhaucht und Hinder­nisse aus dem Weg räumt. Inso­fern ist dele­gate unheim­lich wichtig.

    Meine analy­ti­sche Ecke im Gehirn zwingt mich, noch darauf hinzu­weisen: Im Satz “It’s about working toge­ther to find the most effi­cient way for a busi­ness to achieve its goals while main­tai­ning the happi­ness of workers as a prio­rity” steht gerade nicht, dass es das Ziel sei, Mitar­beiter glück­lich zu machen. Sondern da steht, dass es darum geht, den besten Weg für ein Unter­nehmen zu finden, seine Ziele zu verwirk­li­chen und dabei die Zufrie­den­heit der Mitar­beiter *zu erhalten*. Die Ziele des Unter­neh­mens stehen im Fokus, aber ein Glück unter der Bedin­gung, die Zufrie­den­heit der daran Betei­ligten zu erhalten. Also zwei Korrek­turen: 1. nicht glück­lich machen, sondern Zufrie­den­heit erhalten und 2. das als eine prio­ri­täre Bedin­gung, aber nicht als Ziel.

    • Svenja Hofert 8. Februar 2018 at 15:01 — Reply

      Hallo, schön dass Sie mal wieder kommen­tieren, hab Sie wirk­lich vermisst 😉 Danke dafür. Und auch für die Ergän­zung, war unsauber formu­liert von mir. Ich habe das mal ange­passt. herz­liche Grüße Svenja Hofert

  2. almu­dena Rodri­guez Pardo 12. Februar 2018 at 13:34 — Reply

    Hallo Frau Hofert, als Manage­ment 3.0 Licensed Faci­li­tator, lade ich Sie herz­lich ein, an meiner nächsten externen Mange­ment 3.0 Work­shop teil­zu­nehmen! Viel­leicht können wir auf diesem Weg einige Miss­ver­ständ­nisse klären, was ich in ihrer Blog fest­stelle.

    • Svenja Hofert 12. Februar 2018 at 22:31 — Reply

      das nenne ich konstruktiv — nehme ich gerne an. Vielen Dank! Wo GENAU glauben Sie denn, dass ein Miss­ver­ständnis vorliegt? Ich glaube, wenn wir das als Ausgangs­basis fest­legen können wir auch sehen, ob es Miss­ver­ständ­nisse sind oder Perspek­tiven. LG sH

  3. Markus Blaschka 16. Februar 2018 at 16:44 — Reply

    Hallo Frau Hofert, ich sehe da auch einige Miss­ver­ständ­nisse bzgl. M3.0 (und oute mich gerne als Licensed Faci­li­tator). Das Ziel von Dele­ga­tion Poker ist sicher nicht, auf der “agilsten” Stufe ‘dele­gate’ zu landen, sondern gemeinsam für unter­schied­liche Aufgaben im Dialog den passenden Level zu finden (ja, Manage­ment ist und bleibt Kommu­ni­ka­tion, das kenne ich auch seit 30 Jahren 🙂 da sind wir uns sicher einig).
    Ich stimme Ihnen zu, dass Manage­ment (nach wie vor) viel mit Persön­lich­keit und Charakter zu tun hat — ohne die grund­le­gende Haltung verpufft natür­lich jedes Werk­zeug. Ich sehe bei Kunden manchmal selt­same Dinge, die unter dem Mantel der Agilität passieren — aber da kann ich kein Werk­zeug der Welt dafür verant­wort­lich machen.
    Das Bild der Führungs­kraft als “Gärtner” aus M3.0 kommt z.B. bei meinen Kunden immer wieder gut an — und es bedeutet eben _auch_, gele­gent­lich Unkraut zu jäten (also auf nicht gewünschte Verhal­tens­weisen mit sauberem Feed­back zu reagieren).
    Was wäre denn Ihrer Meinung nach der bessere Weg für Führungs­kräfte, die agilen Prin­zi­pien stärker zu leben?

    • Svenja Hofert 16. Februar 2018 at 18:32 — Reply

      Hallo Herr Blaschke, das Miss­ver­ständnis liegt in meiner Sicht in der Rezep­tion meines Arti­kels. Es gibt kein gut oder böse, richtig oder falsch — und auch keinen besseren Weg, sondern nur einen, für den man sich grad aus bestem Wissen und Gewissen und aufgrund eigener, reflek­tierter oder unre­flek­tierter Grund­an­nahmen entscheidet. An keiner Stelle sage ich, dass die Tools “falsch” sind oder etwas anderes besser wäre. Es ist von “nicht neu” die Rede.… Es geht um HALTUNG, Mindset. Mit entspre­chender Haltung sind bunte Zettel völlig OK. Ich nutze das ja auch seit 20 Jahren, wenn es passt und wenn es nicht passt, nicht. Ich sage auch an keiner Stelle, dass es um die Entwick­lung zu Dele­gate geht. Kurzum: Lesen Sie den Artikel mal mit einer anderen Brille und weniger mit dem Wunsch etwas “auflösen” oder rich­tig­stellen zu müssen. Das wäre genau die Haltung, die ich meine 🙂 LG Svenja Hofert

  4. Alex 23. Februar 2018 at 18:18 — Reply

    Hallo Svenja!
    Leader­ship braucht Köpfe — da stimme ich dir voll zu. Tools braucht es aber eben manchmal auch, sie helfen. Vor allem “jungen” Führungs­kräften oder denen, die ihre Führungs­ar­beit in eine bestimmte Rich­tung entwi­ckeln wollen.
    Aus meiner Erfah­rung kann ich sagen, dass viele meiner Teil­nehmer sich oftmals konkrete Beispiele oder eben Methoden wünschen, um ihre Ideen zu sammeln, umzu­setzen oder auszu­pro­bieren. Es ist für sie eine Art Start­hilfe. Es ist konkretes Hand­werks­zeug. Prak­tisch einsetzbar und bietet Stoff für Diskus­sionen. Das würde ich im Kontext von Shu-Ha-Ri beim Shu einordnen. Diese Spiele und Tools sorgen oft für einen Perspek­tiv­wechsel oder einfach als Inspi­ra­tion, als Impuls. Sie sind Grund­lage für Expe­ri­mente. Und genau so verstehe ich Manage­ment 3.0. Vor allem in der Commu­nity und in den Work­shops geht es haupt­säch­lich um den Erfah­rungs­aus­tausch und nicht nur um die bunten Bilder und styli­schen Spiele. Dass die Tools keine Neuerfin­dungen sind, macht sie deshalb ja nicht schlechter. Bewusst einge­setzt, haben sie im passenden Kontext durchaus ihre Daseins­be­rech­ti­gung.
    Ich betrachte die Tools nicht einzeln, sondern im gesamten Kontext. Wenn jemand denkt, dass er nur durch die Anwen­dung der Tools, zu einer “besseren” Führungs­kraft wird, würde ich das eher kritisch sehen. Eben­so­wenig ist ein Unter­nehmen agil, nur weil ein Team nach Scrum arbeitet oder Kanban-Boards mit Post-its einsetzt werden.
    Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er einen Nutzen in den Manage­ment 3.0‑Tools oder Work­shops sieht. So wie es damals und noch heute mit Scrum auch ist. Viele tun es. Nicht wegen des Brands oder der Tools, sondern wegen des dahin­ter­ste­henden Mind­sets, der Inspi­ra­tion und Wirk­sam­keit.
    Die Diskus­sion hier hilft daher auch, ein entspre­chendes Bewusst­sein zu schaffen 🙂
    Liebe Grüße,
    Alex

    • Svenja Hofert 24. Februar 2018 at 13:11 — Reply

      Hallo Alex, vielen Dank für deine Ergän­zung, die finde ich gut und ausge­wogen. Du schaffst es den Bogen zu schlagen, und genau darum muss es gehen — zu verbinden. Mir hat mal ein Unter­nehmer erzählt, Scrum nutze er als Lauf­lern­hilfen für die jungen Akade­miker. Die “alten” Hasen bräuchten das nicht. Wir selbst lehren in der Ausbil­dung viele Methoden, denn sie vermit­teln Sicher­heit. Je mehr man kennt, desto weniger braucht man sie, was nicht heißt, dass man sie nicht nutzt. Es ist halt schöner wenn die Dinge visua­li­siert sind. Ich denke, ich werde noch mal über Methoden und Mindset schreiben, weil mir das oft zu sehr als entweder — oder rüber­kommt. Schwaber & Co. hatten übri­gens nie die Absicht, Methoden zu vermit­teln, sondern Frame­works. Der Unter­schied verschwimmt bei einigen. Danke dir also für deinen frucht­baren Beitrag, liebe Grüße Svenja

      • Alex 25. Februar 2018 at 9:42 — Reply

        Hallo Svenja,
        so sehe ich es auch. Am Ende geht es um meine innere Einstel­lung und um Haltung, wenn es um Nach­hal­tig­keit und Wirk­sam­keit geht. Tools sind eben genau das. Hilfs­mittel. Tools, die nicht um der Tools willen, also zum Selbst­zweck, einge­setzt werden sollten…
        Je mehr ich mich im Laufe meiner Entwick­lung mit den Themen Agilität, Leader­ship und Co. beschäf­tigt habe, desto mehr hat sich auch bei mir der Fokus von Tools und Prak­tiken (ange­fangen mit Scrum) über Prin­zi­pien und Werten hin zum Mindset verschoben. Das war ein Prozess, eine Entwick­lung.
        Das habe ich unter anderem hier vor einiger Zeit mal mit der “Agile Onion” in Verbin­dung mit Shu-Ha-Ri visua­li­siert: http://bit.ly/2ovVgVi

        Liebe Grüße,
        Alex

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